Archiv für den Monat: Januar 2009

Kontrastmittel oder: Wir können auch anders

Nach 2 Wochen inneren Amoks gehts auch mal wieder anders: Notgedrungen, weil eingeladen von reizenden Personen, die man keinesfalls enttäuschen möchte, muß man auch mal wieder aus dem Haus.

Gestern erste Station: Singen in Gruppe und einzeln, anfangs sogar fast noch nüchtern, ein Raucherraum, der mit Billardtisch ausgestattet ist, und der gute alte dicke Lucky hat an der Stange getanzt (!)
Ja, sie lesen richtig. Das hätten Sie mir nicht zugetraut!? Ich auch nicht, aber manchmal muß was muß. Was tut man nicht alles, um die Massen zu mobilisieren…
Also gestern nur Sachen gemacht, die ich nicht kann. Auch mal was. Danach konnte ich sie auch nicht besser, übrigens.

Heute abend sozusagen Komasaufen, aber vorher noch Besuch aus der Provinz bespassen, ach das wird heiter! Nicht. Herr, lass Abend werden!

Ich weiß schon, wer nächstes Wochenende wieder in Quarantäne ist.

Glämme Miniatur

Man muss es einfach auch mal wertschätzen, wertschätzen tut man eh viel zu wenig.
In diesem Fall wie schon so oft und doch zu wenig die Glämm’sche Genialität in Optik und Organisation.

In diesen grauen Wintertagen erfreut der Gläm nämlich als liebliche Augenoase, umsonst und für alle, ohne Eintritt.
Zu den sonnenblonden Haaren trägt er dieser Tage mindestens 3 Fruchteis-Töne miteinander, Himbeer, Erdbeer und Kirsch. Wahrscheinlich haben diese Töne auch Modesaison-Bezeichnungen, die ich nicht kenne, aber man wird das Gefühl nicht los, es fehlt nur noch die Sahne auf dem Fruchtbecher-Look.

Er ist auch der einzige, der geblümt, gestreift, kariert und uni auf einmal tragen kann, und das tut er konsequent. Eben auch in Erdbeer, Himbeer und Kirsch.
In meinem letzten Artikel hatte ich ja auch drauf hingewiesen, wie Details den generellen Eindruck prägen können, und der Glam ist da ein Meister im Detail.

Als frisch gebackener Fast-Nichtraucher hat er auch eine geniale Methode erfunden, wie man Doch-ein-klitzekleines-bissel-Rauchen mit sportlicher Betätigung verbinden kann: er lagert seine Kleinstration im Auto. So muß er dann morgens immer 5 Etagen runter und dann wieder rauf, und der durchblutungshemmende Effekt des Rauchens ist durch die sportliche Betätigung mindestens ausgeglichen.

So ist er der Glam, genial auch im Detail, und man muß das mal ganz neidfrei loben.
Ich spiele ja sogar mit dem Gedanken, meine Zigaretten nebenan in der Küche zu lagern, dann hätte ich auch ein wenig Bewegung, wenn ich ein neues Päckchen brauche.

What the World needs now
is Glam, sweet Glam!

The Shining im Frühling

Heute keine neuen Leidensbeschreibungen, ich habe stattdessen meinem perversesten Hobby gefrönt und Blumenzeuch bestellt, für Terrasse und Frühling und das generelle Wird-schon-wieder-wern-Gefühl.

Folgendes hab ich dabei gefunden, und wollte es Ihnen nicht vorenthalten:

“The Shining” – The Grady Twins im Frühling”
Nicht erschrecken!
(Ich trau mich nicht das hier einzustellen, wegen Anwalt und so)

Zum Vergleich hier das Original- Winterversion

P.S. Gut zu erkennen ist, wie ein länger gehaltener Pony das Gesamtbild sehr weniger drückend erscheinen läßt!
P.P.S. Ich trage selbstverständlich auch Pony!

Passiv und aktiv

Es ist Januar.
Das merkt man daran, daß es so viele frischgebackene Nichtraucher gibt.
Die es gerne haben, wenn man ihnen den Rauch mitten ins Gesicht pustet. “Na Puppe, Lust auf eine Runde Passivrauchen?” “Oh, jaah!”
Was ungewohnt ist, man fühlt sich schlecht, schließlich traut man sich ja kaum noch den Rauch zu exhalieren in dieser schönen neuen Nichraucherwelt allerorten, geschweige denn in Richtung einer Person zu pusten.

Ich halte das anders, ich habe am Sonntag nach dem Aufstehen in 2 1/2 Stunden ein ganzes Päckchen geraucht (danach habe ich die Übersicht verloren).
2 1/2 Stunden, das sind 150 Minuten, das macht bei diesen modernen Schummelpackungen nur eine Zigarette pro knapp neun Minuten, ist also gar nicht so schlimm oder schwierig, wie es sich anhört.
Und ich habe immer nur eine nach der anderen geraucht, mehrere auf einmal, so weit bin selbst ich noch nicht.

Da fällt mir ein, ich hatte vor Jahren mal eine Webcambekanntschaft aus Köln, dessen Fetisch war Rauchen.
Es hat aber nicht gehalten, ich wollte immer ein wenig mehr von ihm sehen, er war nämlich sehr attraktiv und genau mein Typ, aber er wollte immer nur zusammen rauchen. Sehen und gesehen werden, das war sogar für mich nicht wochenendfüllend.

Disziplin satt

Merkantil bleckt der Montag als Gesandter der neuen Woche beide Zahnreihen um die Ecke.
Selbst der Anruf, daß der Termin, den ich komplett vergessen habe, schon seit einer halben Stunde im Büro sitzt, kann mich nicht aus meinem Trägheitsfurunkel heraus reissen.
In diesem Sinne, Ihnen allen eine schöne Woche!

und knackt mit den Gelenken

Auf dem Boden liegt die Zeitung
leer gelesen.
Hinterließ nur Schales,
gar nichts, das mich freut.
Teilnahmslos das Schwarze hinter Fenstern.
Vier schlug’s irgendwo,
dann Viertel und auch halb.
Und in unbekannter Richtung
laufen Nerven.
Zwischen Hals und einem Brustbein
tickt die Nacht.
Anspruchslos das Graue hinter Fenstern.
Fünf schlug’s irgendwo,
dann Sieben, und auch Acht.

Der Tag
holt Luft
und knackt mit den Gelenken.
Vorm Horizont klebt der
Antennenwald.
Die Krähen reden
ohne Konsonanten.
Und überm Kaffeefilter wird
der junge Morgen alt.

Zementblock Langeweile
hockt auf Straßen.
Und auf Zehenspitzen
hüpft betulich uns’re Pflicht.
Im Spiegel seh ich Fahles
ganz am Rande.
Daß ich das bin,
beschwören möcht’ ich’s nicht.
Ich konstatiere 110 zu 80 Blutdruck
und denk an Vitamine, Krieg und auch Diät.

Die Freude ging mir irgendwann verloren
und als ich’s merkte
war’s leider schon zu spät.

(Knef natürlich. Da braucht man gar nicht selber ran.)

Dümpeln in Tümpeln mit und ohne Pümpeln

Shall I part my hair behind? Do I dare to eat a peach?
I shall wear white flannel trousers, and walk upon the beach.
I have heard the mermaids singing, each to each.

I do not think that they will sing to me.
(T.S. Eliot, The Lovesong of J.Alfred Prufrock)

Erst noch ein Kaffee oder doch schon Frühstück?
Nur noch 2 Schachteln Luckies, unbedingt heute neue Stange kaufen, fürs Wochenende.
Bargeld besorgen. Dafür unbedingt neue Geheimzahl auswendig lernen. Irgendwas mit 77 oder war es 75? Wo ist der verdammte Zettel?
Rücken ziept noch immer, wird es jetzt besser oder schlechter?
Unter die Leute müßte ich mal wieder. Aber ich hab keine Lust, irgend jemand zu sehen.
Warum hab ich eigentlich IMMER Schnupfen!
Füße kalt. Ob ich Socken anziehen sollte?
Draußen stirbt der Bambus in der Sonne. Hätte ich mal gießen sollen.
Aber es riecht nach Frühling. Was geht mich der Frühling an? Blumenzwiebeln muß ich immer noch pflanzen. Aber ich hab ja noch Rücken. Wo hab ich die eigentlich verstaut?
Ob ich wirklich den Kindern noch Weihnachtsgeschenke nachliefern soll? Oder soll ich es einfach vergessen?
Shit, am Sonntag abend repräsentieren müssen. Am Montag auch.
Mit was hab ich mir gestern nur den Magen verrenkt?
Hier siehts aus wie Sau. Gut daß ich Rücken habe, da kann ich gar nicht putzen.
Auch gut, daß ich gestern auf keine der beiden Einladungen ging. Erstens konnte ich mich nicht entscheiden, zweitens war ich bis 9 im Büro, und drittens Rücken. Und viertens war ich auch nicht so für unter Menschen.
Oh, Schwippschwägerin muß ich noch zum Geburtstag anrufen. Seit 4 Tagen.
Endlich mal das seit September fest versprochene und eigentlich seit Juli fällige Paket packen und losschicken. Wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Ich wäre ja sauer, wenn ich über ein halbes Jahr auf meine LieblingsCDs verzichten müßte, nur weil ich sie wo liegen gelassen habe. Seine Schuld, daß er zwischendurch noch ein Kind bekommen hat, und ich es seit Monaten nicht in ein Babybedarfsgeschäft geschafft habe. Wo findet man sowas eigentlich?
Ob ich nochmal auf Klo sollte?
Nee, erst Frühstück.
Die Haare sehen eigentlich ganz gut aus. Bis auf die rechte Seite. Schön, so etwas heller. Oder sieht es gelb aus?
Oweh, ich muß auch noch nach Wannsee, die Sachen abgeben. Seit August. Ob ich mich vorher telefonisch anmelde? Samstag oder Sonntag? Ach mal sehen.
Boah, was geh ich mir selber auf den Sack!
Blumen gießen. Dringend. Seit 5 Wochen.
Warum wird mein Gesicht immer breiter?
Gut, daß Heidi Grippe hat. Also nicht gut, daß sie Grippe hat, aber gut daß der Termin verschoben ist, ich würde mich schämen in der Therapie.
Heilfasten wäre jetzt eine gute Aktion. Nur wann? Nächste Woche 3 Essenstermine und zwei Parties, da geht das schon mal nicht.
Ich müßte mal einen neuen Rotwein ausprobieren, die 3 Sorten hängen mir zum Hals raus.
Arzttermin machen! Nur welchen zuerst? Rücken? Magen? Zähne? Augen? Ach, mal sehen. Gut, daß ich zumindest Friseurtermine auf Vorrat mache, ist ja auch schon mal was.
Ich muß noch auf die sehr freundliche Weihnachtskarte antworten.
Hab ich heute eigentlich einen Termin?
Feuerzeug alle. Gleich mal aufstehen und ein neues holen. Tief unten im Mantel, da sind mindestens fünf, weil in beiden Taschen das Futter kaputt ist. Die knallen mir immer gegen das Knie, deswegen weiß ich das sicher.
Das Aquiseschreiben will ich auch schon seit November rausschicken. Und schreiben, vorher.
Was koche ich denn heute abend? Och nö, schon wieder Supermarkt?
Wie peinlich, als ich gestern im Büro die J. total angeschrien habe. Gottseidank habe ich danach einen furchtbaren Lachkrampf bekommen habe, so dachte sie, es sei nicht ernst gemeint. War es aber.
Das Auto ist total verdreckt. Ob ich es lasse bis zum Winterräder wechseln im März? Ob ich an der Tanke vorbeifahre, wenigstens die Scheiben freikratzen? Gestern konnte ich beim Einparken nichts sehen. Hmh, der Tank ist noch voll.

Und so weiter, von vorne, von hinten, variieren ad infinitum.
Kitty hat mir ja gesagt, ich soll mal einen Brief schreiben an mich.
James Joyce hat den inneren Monolog irgendwie sinnlicher hingekriegt, aus diesem hier macht Kate Bush bestimmt kein Lied. The Sensual World – Pah!

Inside Lucky, so you don’t have to be.

So, und jetzt geh ich erst mal aufs Klo. Oder doch in die Küche, Frühstück machen?

Hessen liegt im Dschungel

Sein Selbstbewußtsein scheint unendlich, jede Herausforderung übersteht er mit einem über das blanke Entsetzen geschmierten Grinsen, jede ekelhafte Prüfung versteht er als Liebesbeweis der Menschen und bedankt sich artig dafür. Niederlage als Sieg für die Ungerührten und einfach Sitzengebliebenen.
Selbstreflexion ist seine Sache nicht, wenn man die Grinsemaske aufbehält, bleibt alles so wie immer. Skandale, Affären, Pleiten, Pech, Pannen. Aussitzen. Alles Glücksrad.

Verwirrtes Deutschland: Kann es sein, daß Hessen sich während des Wahlkampf stellvertretend an Peter Bond abreagiert hat, und dann mit der analogen Wahl an den Urnen und der SMS an RTL durcheinander gekommen ist?
Daß sie eigentlich Koch in die Ekelprüfungen schicken und und anschließend aus dem Hessen-Camp rauswählen wollten?
Und stattdessen hat es nur Peter Bond getroffen?
Abbildung ähnlich