Archiv für den Monat: September 2006

die toffi-fee

Immer wenn ich Toffifee esse, wie jetzt grade, muß ich an Frances denken. Denn die aß sie furchtbar gerne und in rauhen Massen. To-fii-fii gellte es dann durchs Haus und durch den Supermarkt. Und selten schaffte sie es zur Kasse, ohne die Schachtel schon vorher aufzumachen.

Frances kam durch einen Studentenaustausch London-Berlin in meine Wohnung und mein Leben. Sie war ein seltsamer Mensch, schien immer meilenweit weg und verträumt, nur um dann aus dem Nichts mit einer knalltrockenen Pointe die ganze Runde zum Lachen zu bringen.
Sie war es auch, die uns Jahre, bevor man es hier in Deutschland kannte, mit VHS-Kassetten von French&Saunders und Absolutely Fabulous versorgte. Remember, Glam?
Und da gab es noch diesen einen meiner Geburtstage, an dem aus Versehen oder Zufall alle Anwesenden ein orangenes Oberteil trugen. Die Fotos sehen aus wie von einer Hare-Krishna-Party.

Frances war Fotografin, ich verbrachte einmal zwei schreckliche Wochen im November damit, mit ihr im Regen und bei 3 Grad Berlins und Potsdams Sehenswürdigkeiten abzufahren, weil sie Fotos für einen Reiseführer machen sollte – großartige Idee, Berlin im November, Nieselregen und graues Licht, und das als Fotos für einen Reiseführer.
In der Woche nach ihrer Rückkehr nach London fiel sie plötzlich auf der Straße um und war tot. Ein angeborener nicht entdeckbarer Herzfehler, eine Zeitbombe, die in ihr tickte. Sie war innerhalb von Sekundenbruchteilen tot, und mein größter Kummer war, ob sie ihr eigenes Sterben überhaupt mitbekommen hat. An – Aus.

Der Reiseführer wurde dann nicht produziert, weil die Fotos nach Ansicht des Verlages nicht brauchbar waren: Frances hatte nur Details fotografiert, einen Türknopf des Charlottenburger Schlosses, eine Treppenstufe von Sanssouci, ein Kraut am Fuße der Mauer. Keine Totalen. Schade, daß sie nichts draus gemacht haben. Totalen gibt es doch schon millionenfach.

Alles was ich von ihr habe, ist eine wunderschöne Postkarte von einer ihrer Ausstellungen: die bestand nur aus Schwarz-Weiß-Fotos von Himmeln, mit und ohne Wolken. Cloudbusting. Heartbusting.
Und alles was sie von mir hat, ist die Schachtel Toffifee, die ich ihr bei der Beerdigung ins Grab geworfen habe, in Gransden, nördlich von London.

auf die technik kommt es an

Abgesehen vom gnadenlos dollen Outfit und der verwegenen Frisur überzeugt das überaus talentierte Fräulein Sheila durch den perfekten Tanzschritt. Allen Bewohnern der Hauptstadt sowie integrationswilligen Zugezogenen sei der Step empfohlen, wenn man sich durch Berlins Straßen bewegt. Mit dem eleganten und doch entschlossenen Tritt lassen sich Hundehäufchen, ob groß oder klein, ohne viel Aufwand aus dem Weg kicken. Und Aufsehen erregt man auch. Aber Vorsicht bei nassen Häufchen. (gefunden von Matze, merzi!)

rauchen tötet

Seit ich das Büro zur Nichtraucherzone erklären mußte, habe ich ernsthafte Probleme:
Da jetzt immer alle an allen Fenstern stehen und rauchen, ist so ein Durchzug, daß ich jeden Tag Halsschmerzen und ein verspanntes Genick und dadurch Kopfschmerzen habe, sowie eine Riesenerkältung, Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Rotz am laufenden Band.
Außerdem fliegen jetzt immer meine sowieso schon ungeordneten Papiere durch die Luft, so daß ich nix mehr finde.
Und mir fehlen ca. 1 1/2 Stunden bis 2 am Arbeitstag, weil ich nicht mehr arbeiten kann, während ich rauche. Was darin resultiert, daß ich noch länger im Büro sitzen muß als sowieso schon. Also eher 13 als 11 Stunden.
Doll, was tut man nicht alles für die Gesundheit.

(Und wenn hier irgend jemand eine Nichtraucherparole abläßt, gibts Schläge! I mean it!)

enttäuscht

Well, maybe he fucks you too – but music is my boyfriend. Habe ich vor einiger Zeit mal jemand zitiert.
Well, you can have him now, he’s disappointing.

Alle neuen Platten, auf die ich mich in den letzten Monaten to-tal gefreut habe, waren voll der Mist.

Angefangen mit Klee, wo die erste Platte sehr witzig war, schön frisch naiv, mit 80er Anlehnungen und Zitaten, die zweite immer noch wunderbar für einen Sommertag oder die Erinnerung an einen, so ist die dritte nur noch langweilige Soße. Die ganze Platte nur noch ein Lied, das leider schon nach 2 Minuten langweilt. So nicht! Fahrstuhlmusik!

PeterLicht in seiner heftig unbedarften Art liebe ich heiß und innig. Auf der neuen Platte aber ist mir der Anteil der Pfadfinderlieder und der Gitarren zu hoch, und die Texte, ja die Texte sind einfach nicht mehr so scharmant, sondern leider oft nur noch nervtötend.

Jan Delay kannte ich bisher nur von einigen Songs, aber ich dachte, gönn dir mal die neue CD – und siehe da, abgestandener Jamiroquai-Deutschfunk, und auch hier die Texte einfach nicht mehr sweet. Schade. Und eine Lindenberg-Beteiligung kannst du auch mit einem Rio-Reiser-Lied nicht wieder gutmachen, das hab ich schon tausendmal besser gehört.

Am schlümmsten aber traf mich die neue von den Scissor Sisters – von wegen Ta-Dah! Eher: Duh! Die erste und auch die Remix: Witzig, billig, hemmungslos. Gute Laune und Tanzbein. Sexy. Nicht nur Jake Shears, auch die Musik.
Ich dachte eigentlich: ein One-Off, da kommt nichts mehr. Und siehe da: es kam – nichts mehr. Elton John muß noch ein paar Lieder von früher unterm Bett gefunden haben, und der Rest ist eher im 70er HumTa-Stil, für den sich sogar Abscheulichkeiten wie Mouth&MacNeil schämen würden. Nicht mal dicke finnische Grand-Prix-Teilnehmer der 70er hätten sich damit aus der Sauna raus getraut.
Auch die Single reißt mich nicht wirklich vom Hocker. No, sorry, I don’t feel like dancing. Und da kannst du noch so sexy Hosen tragen, Jake, die sieht man auf der Platte nicht. ‘You can’t see tits on the radio’, habt ihr selbst gesungen! Hör ich lieber so lange die erste, und warte auf eure nächste, eine Chance gibts noch.

Edith: höre jetzt doch lieber meine it*nes alphabetisch. ‘I’ hab ich schon, die Zahlen und Sonderzeichen auch, bin jetzt bei ‘A’. Zwanghaftigkeit am Wochenende.

stil

Der berühmte Regisseur H.N., gesichtet morgens in der Kantine des Opernhauses, in der rechten Hand eine Rotweinflasche, in der linken eine Weißwein, einschenkend aus beiden in dasselbe Glas.
Mit seiner besonderen vielgeräuchterten Stimme knarzt er: “Sie hatten keinen Rosé…”
Genialität erkennt man überall…
(via susebene)

straftat

ich fürchte, ich habe meinen persönlichen konkurs verschleppt.
alle emotionalen konten sind geplündert und weit über dispo. zahlungseingänge in naher zukunft sind nicht zu erwarten. und wenn, dann werden sie vorher gepfändet.
wenn ich ein bundesland wäre, dann wäre das wohl in etwa brandenburg oder meck-pomm.

wer wie wahl hat

Das beste, was man über diese Woche sagen kann, ist daß sie fast vorbei ist. Ist doch auch was.
Und Sonntag ist hier Bürgermeisterwahl in unserem kleinen Dorf. Werde auch hingehen, weiß aber nicht was ich wählen soll.
Ist schon mal jemand aufgefallen, daß die Plakate vom Bürgermeisterherausforderer immer ganz hoch ganz oben an den Laternen hängen? Hängt ihn höher hrhr die werden wissen warum.
Lustiger allerdings finde ich die Bilder von so einem Juso, Björn irgendwas, der aussieht wie einer dieser fetten Drag-Kings, komplett mit angeklebten Koteletetten (warum heißen die eigentlich so?). Daß die alte kalte Mutter SPD glaubt, damit in Kreuzberg scoren zu können, kann ich mir vorstellen. Daß es klappt, aber nicht.
Also, keine Ahnung, was ich wählen soll, und überhaupt nicht überzeugt von irgendwem.
Moment, was ich NICHT wähle, das steht immerhin schon mal fest. CDU-Nähe wäre für mich ja schon ein Grund, Beischlaf zu verweigern. Die sind also schon mal raus, so gesehen. Defintiv. Waren sie schon immer.
FDP geht auch prinzipiell gar nicht, die Linken wie-heißen-die-jetzt auch nicht, und die Grünen losen auch nur noch vor sich hin.
Und wenn auch auch finde, daß Wowi nicht wirklich einen guten Job macht, so finde ich doch daß er Berlin angemessen vertritt. Ein bissel kleinstadtstur, ein bissel Partyhengst, eine gehörige Portion provinzieller Ignoranz, und dann doch ganz scharmant. Frag mich nur warum er so teddy-erbärmlich guckt auf seinen Plakaten? Und SPD, ich weiß nicht. Auch nicht wirklich doll.
Na ich werd mich überraschen lassen (müssen).