Kategorie-Archiv: auch scheisse

Gut durch

Lily oh Lily, I don’t feel safe
I feel that life has blown a great big hole through me!
(Kate Bush)

And the sun will rise and the moon will set
and you learn how to settle for what you get.
It will all go on if we’re here or not
So who cares – So What?
(Cabaret, Frl. Schneider: So What?)

When will they ever learn?
(Pete Seeger)

Thank God für das lange Wochenende! Die Sonne wärmt und scheint durchs Fenster und auf der Terrasse, die Rosen ringen sich gerade zu einer Bonusrunde durch – wie gut das tut.

Durch & durch. Seit dem erholungsmäßig völlig mißglückten Sommer”urlaub” habe ich, außer den beiden Kurzreisen im September, nur einmal Menschen getroffen außer auf der Arbeit. Also zwangsweise zurückgezogen, zwei Monate lang.

Eigentlich war es in der Eifel sehr schön, und die Woche mit meiner Berliner Bagage dort auch, aber mit anderen Menschen zusammen sein, egal wie lustig, nötig und schön es ist, strengt mich unglaublich an, es überanstrengt mich, das ist nicht normal.
Mal abgesehen von dem enormen psychischen Aufwand, Cheerleader für Schwester und Schwager zu spielen (zu wollen), in deren Situation. Auch die Rechnung, länger dort zu bleiben, dann habe ich ja irgendwann alle Menschen, die mich sehen wollen, getroffen, und dann habe  ich endlich etwas Zeit, war Milchmädchen – die kommen dann eben einfach zwei Mal. Oder drei bis vier Mal. Ächz.

Zurück auf Arbeit – krasse Scheiße. Das große Update, das im Juli abgeschlossen sein sollte, ist es bis heute nicht, und so verbringt man Hunderte Stunden, anderer Leute Arbeit vor- und nachzuarbeiten. Außerdem – können sich die Kunden nicht mal an die Hauptsaison halten? Wir sind doch fast alle im Urlaub, was wollen Sie denn? Und warum?

Das selbe beim Kurztrip nach London – 72 Stunden in bester Gesellschaft, und gleich zwei Mal Kate – ein Traum, wie Sie unten lesen können, beides. Aber irgend etwas ist bei meiner Herstellung falsch gelaufen – die schönen Sachen bleiben nicht hängen, die Belastung aber sehr wohl. Wie bei einem gut ausgelasteten Dispokredit – Einnahmen werden geschluckt, Soll bleibt stehen. Eigentlich hätte ich danach eine Woche Erholung gebraucht, aber – s.o.

Unnötigerweise dann auch gleich eine Dienstreise – 48 Stunden Lübeck, mit dem Effekt, daß ich die in London anfangende Erkältung/Grippe/whatever so richtig ausbauen kann. Der besten Assistentin der Welt mußte ich 10 Tage Urlaub geben, bevor sie mir komplett abbrennt. Der andere Assistent bleibt erst mal (vorsichtshalber?) krank zu Hause. An wem das dann hängen bleibt? Richtig!

12-Stunden-Tage, über 100 ankommende und über 60 gesendete Emails (und nicht nur welche mit ja, nein, FYI, sondern welche mit Recherche und Ausführung und so) pro Tag, Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit, Schwitzattacken, Halsschmerzen, Durchfall. Zumindest hat die weltbeste Assistentin sehr mit mir lachen müssen, als wir von unserer perfekten Work/Work-Balance gesprochen haben.

Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch, smells like 2006/7. Aber eins ist anders, wenn der Assi nächste Woche noch krank ist, bin ich es auch. Muß eben das ein oder andere vor die Wand fahren. Ich kann ja alleine keinen reißenden Staudamm aufhalten. Davon geht die Welt nicht unter, hat damals eine Sängerin gesungen, und sie hatte nur bedingt recht.
Aber immerhin, so viel habe ich dann doch gelernt, seit 2006, in der Therapie.
OK, Mittwoch den Termin werde ich wohl doch einhalten, ich muß ja den 1,4-Millionen-Vertrag schon noch verhandeln. Steht ja außerdem nochmal der selbe Betrag direkt dahinter.

Jaaa, könnten sie jetzt sagen, aber was denn mit dem Abend mit dem Araber, das war doch sicher was, oder? Sehen Sie, zum einen s.o. Dispo, zum anderen habe ich den tatsächlich vergessen, als ich oben schrub, daß ich nur einmal Menschen in der Freizeit getroffen habe, und dann deckt das ja noch ein viel größeres Problem auf:

Kann ich mich denn tatsächlich nur nach wirklich großen aufwühlenden Ereignissen so weit öffnen, daß ich sowas zulassen kann? (In der Woche davor hatte ich ihn mit einer schnöden Ausrede abgewimmelt.) Ich meine, meine arme Schwester kann sich ja nicht dauernd den Brustkrebs operieren lassen, nur damit ich Sex habe. Und auch auf die nächsten Live-Auftritte von Kate Bush warten zu müssen, verheißt keine wirklich gute Perspektive für mein Sexleben.

Summer has ended and we are not yet saved -
Das schreibe ich ja jedes Jahr im September, dieses Jahr noch nicht – ich hatte wohl einfach noch keine Zeit dazu.

Soy infeliz

O Rose thou art sick.
The invisible worm,
That flies in the night
In the howling storm:

Has found out thy bed
Of crimson joy:
And his dark secret love
Does thy life destroy.
(William Blake)

Na, wenigstens das Auto ist repariert. “Wann haben sie denn das letzte Mal Ölwechsel gemacht um Himmelswillen?” “Was!? Ich bringe das Auto 2x im Jahr zu Ihnen in die Werkstatt mit dem Auftrag, alles zu versorgen, ich gehe davon aus daß Sie das alles machen!” WTF?

Schwester hat schon vor der zweiten Runde Chemo die meisten Haare verloren und ahnt jetzt, warum man Schwerverbrechen früher die Haare geschert hat – um sie spüren zu lassen, daß sie nicht mehr dazugehören. Sie selbst fühlt sich auch vom Leben aussortiert, auch wenn sie weiß, daß ihre Chemo mehr prohylaktisch ist als wirklicher Lebenskampf. Mittendrin fühlt es sich gleich an. Die nächste, grade angelaufenen Runde wird ihr den Rest der Haare rauben, und sie versucht sich gerade mit der Krankenkassenperücke anzufreunden. Das tut nicht nur ihr weh.

Ansonsten lähmt mich der Rücken,d er nicht besser werden will, und mag anscheinend das Zusammenspiel mit irgendwelchen wechselnden Gelenk- und Muskelschmerzen an den Beinen. Schön unten am Rücken, damit man sich nicht bewegen kann, und dann oben im Nacken, für die Kopfschmerzen.  Samstag dann beim Einkaufen so eine Komplettlähmung auf dem Parkplatz vor dem Kaisers – wie gehe ich jetzt unauffällig im die Hocke, damit es sich wieder einkriegt, und ich die einkäufe ins Auto und in die Wohnung bekomme.  Auch nicht würdevoll, aber nix im vergleich zu Schwester.

Für niemanden auf der Welt hätte ich mich an dem Tag noch aus dem Haus gemacht als für den Glämmie, sein Geburtstag ist immer das schönste Fest des Jahres, eine wahre Lichtmeß. Heftig unter Schmerzmittel und mit Taxi hin, und es hat sich gelohnt, so viele tolle Menschen, die er gesammelt hat, und von denen ich viele auch sehr liebe.  Da stopft man sich gern die seelischen Taschen voll, und gibt auch gerne. Auch wenn man vor lauter Schmerzen stocksteif stehen muß oder sehr sich auf der Hollywoodschaukel Asyl sucht. Immerhin schaukelt man dort herrliche Menschen.

Daran, daß es, wie wir ja eigentlich wissen müßten, auch im Paradies Schlangen gibt, merkte ich erst am Montag, als ich in der Bäckerei zahlen wollte. Mein Geldbeutel war leergeräumt, ein paar Hundert fehlten. Ich war am Samstag noch beim Automaten gewesen und weil ich rückenbedingte Unbeweglichkeit fürchtete, hatte ich mehr Geld abgehoben, als Vorrat. Der Geldbeutel war in der Tasche gewesen, und genommen haben muß das jemand, der wußte, von wem und aus wessen Tasche er oder sie das nimmt. Der Lucky hat doch genug Geld, dem tut das doch nicht weh. Sicher habe ich genug Geld, und wenn mich jemand fragen würde, ob ich aushelfen könnte, wäre ich sicher dabei. Diese Entscheidung jedoch sollte mir abgenommen werden. Nicht mal zehn Euro hatte man mir hinterlassen, um in der Nacht vielleicht noch mit dem Taxi nach Hause kommen zu können, wo doch jeder sehen konnte, wie es mir ging. Ich htte es nicht gemerkt, weil ich dann doch zu Fuß nach Hause gegangen bin,um den Rücken etwas zu bewegen. Beim Gedanken, ich hätte ein Taxi genommen und dann nicht zahlen können, wird mir speiübel.

Schon die ganze Woche zittere ich und mein Rücken macht oben und unten ZING!, wenn ich daran denke, und dem Glam geht es nicht anders, es fehlen noch mehr Dinge, auch von ihm, und es ist eine absolute Vergewaltigung des Vertrauens, der Freundschaft, der Menschlichkeit, wenn man als Gast einer privaten Party sich so benimmt. Das war nich anonym in einer Bar oder in einem Club, sondern im Sanktum eines Menschen, eines Herzensfreundes, seiner Wohnung. Wir sind traurig, entsetzt, beschmutzt, verhöhnt, gedemütigt, im Innersten des Vertrauens getroffen, wir fühlen uns so, als hätte uns jemand in die seele geschissen. Welchen Teil des Mensch-Seins hat da jemand nicht mit der Mutter- oder Flaschenmilch mitbekommen? Wir können es nicht verstehen. Ganz simpel: Wer macht so etwas?

Und wenn der Frühling kommt…

Die Arme und Schultern tun weh vom Cheerleaden, 5 Tage, zwei davon größtenteils Autobahn, fühlen sich gleichzeitig an wie eine Ewigkeit und ein schlechter Traum. Aber Mission erfolgreich, soweit, denke ich, fühle ich.

Seit “vor Weihnachten” weiß sie schon von dem Knoten in der Brust, und wer meine Schwester kennt, weiß, daß das alles bedeuten kann, von Sommer an oder seit Nikolaus. Sie hat nie grau, immer nur schwarzweiß, und davon meistens schwarz. Kein Wunder, bei den Traumen, die unsere Familie verkraften mußte, unter anderem starb unsere andere Schwester mit 29 Jahren nach 15jährigen Kampf gegen den Krebs. Sie hat dann bis nach Fastnacht gebraucht, bis sie iendlich zu einem Arzt ging, und erst danach hat sie ihrem Mann davon erzählt. Das sind viele verlorene Monate bei solch einem Thema, aber Angst ist ein starker, wenn auch mieser Ratgeber. Ich mag mir diese Monate, die sie alleine mit sich zugebracht hat, nicht vorstellen, aber wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann sind Sie nicht alleine damit.

Immerhin, irgend etwas hat sie bewogen, nicht so feige zu kneifen wie unsere Tante. Ob es die Angst war, oder ein doch noch gefundenes Vertrauen in das Leben, die Menschen und die Liebe, ich mochte das nicht hinterfragen. Konstruktiver war es, ihr zu sagen, daß ich stolz auf sie sei, und daß das der wichtigste Schritt war, der schwerste, der mutigste, der, der am meisten Kraft kostet. Den Kampf aufzunehmen, wenn auch verzweifelt und weinend.

Denn nach diesem ersten Schritt läuft die Maschine, Termine, Untersuchungen, OP-Termin. Die OP ist sehr gut gelaufen, brusterhaltend wurde der Knoten entfernt und “vorsichtshalber” auch gleich der Lymphknoten in der Achselhöhle.  Weitere Untersuchungen nach Metastasen, nicht unwahrscheinlich nach dieser späten Behandlung, und die Ergebnisse der Knötchen, die im Lymphknoten gefunden wurden, stehen noch aus. Bestrahlung sehr wahrscheinlich, Chemotherapie nicht unwahrscheinlich.

Es hat sehr viel Kraft gekostet, in jeder einzelnen großen und kleinen Krise, die teilweise minütlich kamen und gingen, tief hineinzusteigen und einen positiven Aspekt hervorzukramen und diesen wie ein Mantra so lange zu wiederholen, bis es alle glauben. Sogar mich selbst habe ich überzeugen können. Meist ein ruhiges rundes zuversichtliches Gefühl. Wenn man nicht weiterdenkt. Spin-Doktor, Doktor Spin, ich. Zuversicht, Mut und Willen sind beim Kampf gegen Krebs mindestens ebenso wichtig wie die medizinischen Möglichkeiten, wahrscheinlich sogar wichtiger. Aber ein steiniges Terrain, da ein paar Samen und Knollen davon unterzukriegen.

Der Schwester zureden wie einem kranken Tier, einem kleinen Kind, den Schwager beiseite nehmen, seine Kraft stützen und stärken, ihm zureden, daß er auf sich aufpassen muß, schließlich bekommt der Pilot als erstes die Sauerstoffmaske, wenn das Flugzeug in Turbulenzen gerät. Seit sie ihm von ihrem Knoten erzählt hat, hat er sie keine Minute alleine gelassen, er ist mager geworden und liegt mit den Nerven blank. Sein Ding ist Radfahren, -zig Kilometer am Stück, und er mußte mir versprechen, daß er das mindestens eine Stunde am Tag tut. Den Neffen, der noch nie mit so etwas umgehen konnte, versuchen die Angst zu nehmen, und ihn vorzubereiten auf das Szenario, denn er macht Wachablösung diese Woche. Krisen haben auch ihr Gutes, vielleicht ist das die Chance, die schwierigen Familienverhältnisse zu kitten.

Und wenn Sie nun denken, da ist aber jemand in seinem Element, dann haben sie ein wenig recht. Es ist nur kein schönes Element. Sie ist meine letzte direkte Verwandte, und erst 62, sie hat noch Zeit und es muß gut gehen.
So langsam fange ich an, den Frühling und die Blumen auf meiner Terrasse zu hassen. Warum immer im Frühling?

Re-Touche

Hach, ich könnte Stunden damit verbringen, zwischen dem Vorher- und dem Nachher-Foto hin- und her zu switchen – es war mal wieder nötig, neue Fotos für die Homepage zu machen, wie man weiß, immer ein sehr sehr sehr traumatisches Ereignis. Gottseidank hatte ich damals noch therapeutische Unterstützung!

Ich hab dem guten M. empfohlen, die Herr-der-Ringe-Extrem-CGI-Version von Photoshop zu besorgen, und ein bissel hat es gewirkt. Ich mein, das Ergebnis ist immer noch erschreckend, aber Sie haben das Vorher-Bild ja nicht gesehen. Klick-Klick, Tränensäcke weg, da, weg, klick-klick, Hals da, weg, da, weg. Hihi, Ein Kinn, hihi, 3 Kinne, klick, ein Kinn!
Kann nicht jemand sowas mal für Real Life entwickeln?

A better Place

Drum merke, Lucky, du kannst deine Fleischereifachverkäuferin dazu bringen, deinen Serranoschinken bitte ganz dünn zu schneiden, damit du nicht wieder so einen Block ungenießbares Räucherwerk nach Hause schleppst, aber du kannst sie nicht davon abhalten, den nun wirklich ganz fein geschnittenen Schinken so fest zusammen zu pappen, daß du auch mit dem selben Effekt aus dem Räucherkanten die einzelnen Fasern hättest rauspulen können.

Na toll, kaputt – Plank in me Eye (with a Camel trying to get through it)

Gestern 5 Stunden in der Charité/Benjamin Franklin in der Augenklinik verbracht, unerträgliche 5 Stunden – und mich dabei noch geschämt, die Privatversicherten-Karte gezogen zu haben, geschämt vor den 60 Menschen im normalen Wartezimmer, an denen ich vorbeigesegelt bin.

Jedenfalls, ich habe jetzt eine Art Magengeschwür fürs Auge, die Quittung für die erste Woche  Arbeit nach  dem Urlaub (oder dafür, überhaupt Urlaub gemacht zu haben?) – stressbedingt, belastungsbedingt – das kommt nicht selten bei halbjungen oder halbalten Männern zwischen 30 und 50 vor, entscheidet sich ein Gefäß, Blut oder Flüssigkeit zwischen Augenende und Netzhaut zu pumpen, was dann eine schicke Beule formt und in ungefähr den selben optischen Effekt hat, wie wenn sie bei RTL2 einen Assi nach seinen abwegigen Sexualpraktiken befragen und ihn zum Anonymisieren mit so einem grauen Blub überm Kopf belegen. So sehe ich Sie jetzt auch, wenn ich Sie mit meinem rechten Auge fixiere. Das kann chronisch werden oder auch im Extremfall die Netzhaut ablösen.

Mehrere Stunden geblitzdingst, als ob die Men in Black mehrere Alienpopulationen in mir auslöschen müßten – aber zugegeben genial war der Special Effect mit dem Farbstoff, der mir gespritzt wurde – bis spätabens pinkelte ich neongelb, leider hatte ich keine Schwarzlichtlampe, um herauszufinden, ob ich mit dem Trick der Star der LAB-Parties im Berghain werden könnte. Ich bin gespannt, ob ich jetzt noch wie angekündigt gelb werde. Simpsonize me.

Jedenfalls, so schlimm sei es nicht, meinte die Professorin, ich solle nur Streß meiden, mich entspannen, nicht ärgern oder unter Druck setzen lassen und generell ein großes fettes OOOOMMM über mein Leben legen. Worauf ich entgegnete, daß ich dann aber auch gleich Weltfrieden verkünden und dafür sorgen könnte, daß kein Kind auf der Welt mehr hungern müßte. Ansonsten könnte man auch lasern, meinte sie dann.

Ich habe Glück, daß das auf dem Auge passiert ist, mit dem ich seit Geburt eh nicht so viel sehen kann, ansonsten wäre ich jetzt hilflos. Das Bittere ist, daß ich gelernt habe, mit den Narben zu leben, die mir mein Burnout von damals und die Sterbefälle, die mir die Genesung so schwer gemacht haben. Posttraumatisch belastungsgestört eben. Auch mit so einer schlimmen Woche wir der vor 4 Wochen kann ich leben, weil ich weiß, daß der Zustand vorübergehend und nicht wirklich ist, sondern nur im Kopf (trotzdem hat Joyce Carol Oates recht, wenn sie behauptet: “States of Mind are real enough” und Dumbledore auch, wenn er zu Harry P. sagt: “Of course, it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean that it’s not real?”)

Also ich kann mit dem gelegentlichen Terror leben, weil ich weiß, daß es nur ein Nachhall ist, Narbengewebe meiner Seele, mittlerweile Bestandteil von mir, aber was mich echt ärgert, ist, daß das Zeug jetzt auch noch an mein Augenlicht will. Magen ok, damit lebe ich seit ewig, aber Augen, nee, das geht nicht. Echt jetzt. Pfui!

Ich Spießer

Jetzt bin ich denke ich auch offiziell Spießer: Nachdem ich letzten Sommer schon dazu übergegangen war, die Haustürpisser in dem Benidorm, in dem ich lebe, der Schlesischen Straße, mit “Your mother must be so proud of you!” anzubrüllen wie so ein stockschwingender Renitentrentner, habe ich gerade im Hostel nebenan angerufen, damit die die amerikanischen Kreischemädchen mit ihre Rummelbums-Musik ruhigstellen – die hatten ihre Gagaperry-Kirmesmucke auf vollster Lautstärke und mußten demzufolge immer lauter kreischen, um sich zu verstehen, weswegen sie die Musik immer lauter stellen mußten, weswegen sie immer lauter kreischen – ach Sie verstehen. Nach über einer Stunde hat mir das dann gereicht.

Ruckzuck war da Ruhe, das muß man dem Hostel lassen – jetzt liegt eine bleierne Stille im Hinterhof und ich schäme mich ganz fürchterbar…

 

Muchtig

Also wenn Ostern das Fest der Auferstehung, von Frühlingsanfang und neuem Leben ist, ist dieses Jahr gehörig was falsch gelaufen. Wahrscheinlich hat der Stein am Ausgang geklemmt und Jesus war in seiner Totengrotte gefangen – The Walking Dead, noch nicht mal.

Ich hatte zumindest Glück, am Sonntag zu einem unserer lustigen Doppelkopf-Nachmittage eingeladen gewesen zu sein, sonst hätte ich die letzten 96 Stunden ganz ausschließlich auf meinem Sofa mit Sitzfleck und Sitzkuhle verbracht, 12 Stunden Schlaf am Stück jeweils, die ungelüftete Wohnung gnadenlos überheizt, mit trockener Haut aber fettigen Haaren und es hätte nicht mehr viel gefehlt, daß die Nachbarn irgendwann die Polizei gerufen hätten, wegen dem komischen Geruch, der sich bis dahin im Treppenhaus breitgemacht hätte. Mummification, indeed. Noch so ein Tag, und meine Lunge hätte vor lauter Kettenrauchen einen Asylantrag nach Tschernobyl gestellt.

Und so ist es zumindest pädagogisch sinnvoll, heute wieder arbeiten gehen zu müssen, aber Gnade Gott der Person, die meint, mir heute krumm kommen zu müssen. Und dieser milchige Schein da hinter den Wolken täuscht mich auch nicht, das ist keine Sonne, das ist das Vorglühen der Apokaypse. And, yes, Boy George, der du grade unschuldig auf Shuffle hier vorbeikommst, I really do want to hurt you. Shut up.

Alle Jahre wieder

Wow, mein Leben läuft scheints in perfekten Zyklen, was ich jetzt auch nicht bemerkt hätte, wenn ich es nicht hier in meinem eigenen Blog bescheinigt hätte.

So fast eine ganze Woche auf sich selbst geworfen sein, ich sag Ihnen, das ist seltsam, da ist nicht viel und besonders besonders ist es auch nicht. Viel Rauch, wenig Feuer, viel Schleim, wenig Substanz (letzteres könnte aber vorwiegend an der Erkältung liegen, hoffe ich jedenfalls.)
Ebenfalls zyklisch, diese Zeit im Januar ist die Zeit, in der ich dem Dschungelcamp im Prekariatsfernsehen huldige, inklusive den Rest des Abends rumzappen. Für jemanden, der ansonsten fast nie Fernseh-fernsieht, sondern selbst ausgesuchte oder von Glämmie empfohlene Filme und Serien konsumiert, ist das immer ein krasser Skripted-Reality-Check, und nach so ein paar Stunden RTL bis RTL2 und dem Dreck komme ich mir immer vor, als hätte man mir in meine Seele geschissen.

Staffellauf des Todes

So ein Blog ist doch ein feines Ding, und so war ich grade sehr glücklich mit meiner letztjährigen Formulierung Staffellauf des Todes.
Und was auch glücklich macht, ist daß dieses Jahr niemand gestorben ist, um den ich trauern müßte, so daß jener Staffellauf unterbrochen ist. Kunststück, die Reihen haben sich ja auch weitgehend gelichtet. Und die nächste Generation hat hoffentlich noch ein weng Luft, Sis und Schwager sind ja erst 61 und 65. Hoffentlich.
Ansonsten heute wieder wie immer: bevor ich meine Jahresendreste mit Neffen auf die Autobahn haue noch Blumen (viele Blumen) für den Friedhof besorgen, im kalten müffligen Haus ankommen, und dann die Feiertage überstehen.
Ich wünsche mir, daß ich es hinbekomme, da auch mal was beizusteuern, vielleicht eine Leichtigkeit, vielleicht ein bißchen Liebe oder so.
Ansonsten äh-bäh, erkältet, die Ohren sind zu, und nach Tagen außenrum tropfen und spülen festgestellt, daß´sie von innen zu sind. Verständlich, sie wollten wohl nix mehr hören, geht mir auch so.
Deswegen in der Apotheke dieses eklige Gelomyrtol erstanden, und jetzt ist alles Eukalyptus, jeder Geschmack, jeder Rülpser (nein, ich rülpse nicht, selbstverständlich!) ist Eukalyptus. Selbst die Zichten schmecken wie Mentholzichten – ich bin ein Koala, ein Weihnachtskoala. Bäh.