Kategorie-Archiv: confessional pottery

Halbleer, halbvoll, neu

Seit ungefähr August prophezeite ich diesem rundum als grauenhaft empfundenen Jahr 2014, daß es zum Ende in eine stabile Plastiktüte gestopft und noch mal ordentlich drauf geschissen wird, dann ein paar schwere Wackersteine drauf, Plastiktüte ordentlich fest zugebunden und dann an der tiefsten Stelle der Spree versenkt werden wird.

Einerseits.

Andererseits, der Brustkrebs der Schwester war wohl die Luxusvariante, schon bei der OP hat man scheints alles erwischt, und die quälende Chemo und die Bestrahlungen seien nur rein prophylaktisch. Für eine Prophylaxe eine lange und miese Strecke, 10 Monate alles in allem, aber die Untersuchungen finden: nichts. Bald ist sie auch mit den Bestrahlungen durch, und unter ihrer künstlichen braunen Haarmütze sprießt schon weder erster graumelierter Babyflaum.

Das unsäglich anstrengede Jahr auf Arbeit, maßgeblich bedingt durch die nicht funktionierende Softwarelöung  (sagt man da echt “Lösung” zum Problem?) von einem der weltgrößten Anbieter – immerhin am Ende größtmögliche Anerkennung durch den Kundenpartner, nicht nur durch Worte, sondern auch in einem fetten Geldgeschenk an die Firma als “Aufwandsentschädigung.”

Von Liebe oder so sei hier mal keine Rede, weil das Ganze in 2014 auch eh fast gar kein Thema war.

Es ist kein neuer Gedanke: am Ende bzw. eigentlich immer, auch zwischendurch, kann man es sich aussuchen, war es jetzt schlimm, oder ist es eigentlich noch ganz glimpflich (schönes Wort!) ausgegangen, hätte alles nicht noch schlimmer kommen können, und hat man auf der Strecke nicht letztendlich auch Schönes erfahren oder gegeben und sollte ein Stückchen dankbar sein? Wo kommt das Böse her, und wozu ist es gut? (sic)

Natürlich ist so ein versöhnlicher Rücklick auch ein Stück Selbstbetrug, aber ich freue mich immer auf die ersten Tage des neuen Jahres, wenn es noch so ganz unbefleckt und rein vor einem liegt wie eine frisch zugeschneite Landschaft, man noch ganz naiv Gutes erhofft, bis dann wieder jemand in den Schnee pißt und überhaupt das Ganze eh wieder zu bräunlichem Matsch wird. Lassen Sie mir doch die paar Tage/Stunden Hoffnung.

Guter Tag

Donnerstag war ein großartiger Tag – das Schlimmste das für mich für mich extem frühe Aufstehen – da war ich aber selbst schuld dran, und die oberen Herrschaften von S*P hatten es deutlich schwerer getroffen, mußten sie doch wegen der Anreise noch sehr viel früher aufstehen, denn der Termin mußte in die Früh vorverlegt werden, weil Herr Strike einen unglaublich wichtigen, unaufschiebbaren Termin mitten am Vormittag hatte.

Die Sitzung dann ein Triumph, ein Fanal – Monate schlimmsten Stresses und Überforderung, weil man bei Updates und Umstellung eines der Produkte sehr sehr alleine gelassen wurde, sowohl vom Anbieter wie auch vom Auftraggeber. Passend zum sonstigen Gehabe das Aufgebot von S*P, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen daraus besteht, kleinere tüchtige Anbieter aufzukaufen, das Produkt dann so zu beschneiden, daß es auf die Stange paßt, und natürlich beschäftigt man die aufgekauften Chefs noch 3-5 Jahre weiter, damit die Kunden nicht gleich weg laufen. Dementsprechend das Aufgebot: der ehemalige Chef als entmachteter Winkeonkel, eine verängstigte Support-Maus und obendrauf einen Marketingchef, der sich bei der Selbstvorstellung schon mal gleich in die vollsten Nesseln setzt, indem er von den verschiedenen “Industrien” des Konzerns spricht, und das vor einem Kulturanbieter aus der ersten Reihe. Selbstverständlich hat er keinerlei Ahnung vom (äußerst desolaten) Stand des Projekts, hofft aber weitere Produkte an den Mann/Frau bringen zu können.

Was folgt, ein Clash der Kulturen, Konzernsprech und Realitätsverlust gegen die sehr konkreten Probleme und Anforderungen eines Kunden, mit viel Gusto darf ich die manngifaltigen Probleme und Unglaublichkeiten ausbreiten und bekomme vom Auftraggeber zum ersten Mal in einer Mischung aus Fassungs- und Schonungslosigkeit den Rücken gestärkt – ein Triumph, persönlich, und eine gewisse Genugtuung nach wirklich schlimmen Monaten.

Leider leider muß der Herr Strike nun vorschnell weiter auf seinen wichtigen unumstößlichen Termin, überläßt die Runde dem Trümmer sortieren und fährt genüßlich zum – Badminton.
Ein großartiger Tag.

Abends dann ein herzensrührender Termin der anderen Sorte:  Die Therapeutin der Herzen hat großartigerweise binnen zwei Tage einen Termin finden können, um den Lucky wieder in den Kreis ihrer Betreuten aufnehmen zu können, der sie angerufen hat, nachdem er über 2 Stunden an seinem Schreibtisch gesessen hat, regungslos und beide Hände flach auf der Tischplatte, während in ihm ein unbezwingbarer Sturm tobte. Es kündigt sich seit Wochen, Monaten an, history repeating, 2014 recalling 2006, Burnout, Depressionen, prinzipiell: arbeitsunfähig. Und: lebensunfähig.

Mir stehen die Tränen in den Augen, als ich die Stimme wieder höre, sie wieder sehe, die mir auch nach Abschluß der Therapie als Heidi in Kopf und Herzen immer wieder sehr geholfen hat, und auch sie verdrückt ein Tränchen: “Herr Lucky, ich weiß das hört sich jetzt ganz schlimm und falsch an, aber ich habe mich so gefreut, als ich Ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter gehört habe, und daß ich sie heute sehe, obwohl ich natürlich auch sehr traurig bin, daß es Ihnen dann wohl nicht gut geht – Sehen Sie mal, da steht noch Ihre Orchidee, die blüht immer wieder, und das da (sie zeigt auf einen verwaisten Pott, in dem ich ihr einmal eine Amaryllis, glaube ich, geschenkt habe) ist auch noch da. Setzen Sie sich . was ist denn passiert?”

Gut durch

Lily oh Lily, I don’t feel safe
I feel that life has blown a great big hole through me!
(Kate Bush)

And the sun will rise and the moon will set
and you learn how to settle for what you get.
It will all go on if we’re here or not
So who cares – So What?
(Cabaret, Frl. Schneider: So What?)

When will they ever learn?
(Pete Seeger)

Thank God für das lange Wochenende! Die Sonne wärmt und scheint durchs Fenster und auf der Terrasse, die Rosen ringen sich gerade zu einer Bonusrunde durch – wie gut das tut.

Durch & durch. Seit dem erholungsmäßig völlig mißglückten Sommer”urlaub” habe ich, außer den beiden Kurzreisen im September, nur einmal Menschen getroffen außer auf der Arbeit. Also zwangsweise zurückgezogen, zwei Monate lang.

Eigentlich war es in der Eifel sehr schön, und die Woche mit meiner Berliner Bagage dort auch, aber mit anderen Menschen zusammen sein, egal wie lustig, nötig und schön es ist, strengt mich unglaublich an, es überanstrengt mich, das ist nicht normal.
Mal abgesehen von dem enormen psychischen Aufwand, Cheerleader für Schwester und Schwager zu spielen (zu wollen), in deren Situation. Auch die Rechnung, länger dort zu bleiben, dann habe ich ja irgendwann alle Menschen, die mich sehen wollen, getroffen, und dann habe  ich endlich etwas Zeit, war Milchmädchen – die kommen dann eben einfach zwei Mal. Oder drei bis vier Mal. Ächz.

Zurück auf Arbeit – krasse Scheiße. Das große Update, das im Juli abgeschlossen sein sollte, ist es bis heute nicht, und so verbringt man Hunderte Stunden, anderer Leute Arbeit vor- und nachzuarbeiten. Außerdem – können sich die Kunden nicht mal an die Hauptsaison halten? Wir sind doch fast alle im Urlaub, was wollen Sie denn? Und warum?

Das selbe beim Kurztrip nach London – 72 Stunden in bester Gesellschaft, und gleich zwei Mal Kate – ein Traum, wie Sie unten lesen können, beides. Aber irgend etwas ist bei meiner Herstellung falsch gelaufen – die schönen Sachen bleiben nicht hängen, die Belastung aber sehr wohl. Wie bei einem gut ausgelasteten Dispokredit – Einnahmen werden geschluckt, Soll bleibt stehen. Eigentlich hätte ich danach eine Woche Erholung gebraucht, aber – s.o.

Unnötigerweise dann auch gleich eine Dienstreise – 48 Stunden Lübeck, mit dem Effekt, daß ich die in London anfangende Erkältung/Grippe/whatever so richtig ausbauen kann. Der besten Assistentin der Welt mußte ich 10 Tage Urlaub geben, bevor sie mir komplett abbrennt. Der andere Assistent bleibt erst mal (vorsichtshalber?) krank zu Hause. An wem das dann hängen bleibt? Richtig!

12-Stunden-Tage, über 100 ankommende und über 60 gesendete Emails (und nicht nur welche mit ja, nein, FYI, sondern welche mit Recherche und Ausführung und so) pro Tag, Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit, Schwitzattacken, Halsschmerzen, Durchfall. Zumindest hat die weltbeste Assistentin sehr mit mir lachen müssen, als wir von unserer perfekten Work/Work-Balance gesprochen haben.

Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch, smells like 2006/7. Aber eins ist anders, wenn der Assi nächste Woche noch krank ist, bin ich es auch. Muß eben das ein oder andere vor die Wand fahren. Ich kann ja alleine keinen reißenden Staudamm aufhalten. Davon geht die Welt nicht unter, hat damals eine Sängerin gesungen, und sie hatte nur bedingt recht.
Aber immerhin, so viel habe ich dann doch gelernt, seit 2006, in der Therapie.
OK, Mittwoch den Termin werde ich wohl doch einhalten, ich muß ja den 1,4-Millionen-Vertrag schon noch verhandeln. Steht ja außerdem nochmal der selbe Betrag direkt dahinter.

Jaaa, könnten sie jetzt sagen, aber was denn mit dem Abend mit dem Araber, das war doch sicher was, oder? Sehen Sie, zum einen s.o. Dispo, zum anderen habe ich den tatsächlich vergessen, als ich oben schrub, daß ich nur einmal Menschen in der Freizeit getroffen habe, und dann deckt das ja noch ein viel größeres Problem auf:

Kann ich mich denn tatsächlich nur nach wirklich großen aufwühlenden Ereignissen so weit öffnen, daß ich sowas zulassen kann? (In der Woche davor hatte ich ihn mit einer schnöden Ausrede abgewimmelt.) Ich meine, meine arme Schwester kann sich ja nicht dauernd den Brustkrebs operieren lassen, nur damit ich Sex habe. Und auch auf die nächsten Live-Auftritte von Kate Bush warten zu müssen, verheißt keine wirklich gute Perspektive für mein Sexleben.

Summer has ended and we are not yet saved -
Das schreibe ich ja jedes Jahr im September, dieses Jahr noch nicht – ich hatte wohl einfach noch keine Zeit dazu.

Mehr oder weniger

Ich bin eigentlich viel zu müde, aber der Abend läßt es nicht zu, sich drinnen aufm Sofa vor nem Film (Julia mit Tilda Swinton mal wieder) zu verlümmeln – es sind 24°, die Rosen blühen und vor allem das Geißblatt steht in voller Blüte, und es wäre ein Frevel, diesen Duft ungenossen passieren zu lassen.  Grade köstlich gespeist im G.C., auch so ein Zuhause, mit dem Glam, und morgen wieder, weil ich Depp das Date für morgen abend geistig vorverlegt habe – mach nüscht, gehn wir morgen eben wieder hin. Heute lecker, morgen lecker.

Muß meine Aussage von gestern kleinmütig relativieren – mehr ist nicht immer mehr. Manchmal ist mehr doch zuviel, zumindest wenn man es, wie meine Schwester, selten passend hat. Es hätte sicher geholfen, wenn sie sich in den 25+ Jahren, die ich schon in Berlin wohne, mal hierhin begeben hätte, und wenns nur gewesen wäre, daß sie die Dimensionen meiner Terrasse kennt. So aber endete der Versuch eher tragisch, mir eine Freude machen zu wollen, mit Paketen von QVC (ürgs) mit 2 Rosenstöcken, 6 Exemplaren derselben Staude (die ich mir nie ausgesucht hätte) und 4 absolut erschreckend häßlichen Solar-Außenlampen, die außer ihres scheußlichen Lichts auch noch optisch  jeder Gelsenkirchener Eiche-Barock-Schrankwand perfekt als Postitionslampen gut zu Gesicht gestanden hätten. Ächz.

Dafür heute auch noch familiärer strategischer Feuerwehreinsatz mit und um den Neffen, der von seinem Kompagnon um seine hart erarbeiteten Anteile in der wesentlich durch ihn aufgebauten Firma gebracht werden soll. Dazu channele ich meine Mutter, seine Großmutter, die eher vom Type not-the-one war, und versuche, das bei ihm zu installieren. Aber nicht mit uns!

 

Fucking Hell

Gestern nach den Telefonaten erst mal Crimes of the Heart geguckt, wegen Schwestern. ‘
Mannmannmann, verdammt. Sie hat doch gar nicht das Rüstzeug, das ist ganz dreckig, ganz ganz dreckig von dir, Universum. Und immer im Frühling. Arschloch.

Aushalten lernen

Dieses Jahr gelernt: Aushalten.
Das hört sich jetzt so negativ an, ist es aber nicht: manche Umstände sind eben nicht so schnell zu lösen, auch wenn sie unerträglich und untragbar sind. Da braucht man Geduld und Demut, und wenn man es richtig macht, und nicht wie ich in früheren Jahren, läßt man sich derweil nicht davon den Rest des Lebens versauen. Platz einräumen, ja, aber nicht alles überlassen und fressen lassen davon. Hört sich einfach an, muß man aber auch erst mal schaffen.
Das spart immens Energien, die man dann woanders einsetzen kann, setzt aber auch Vertrauen voraus, Vertrauen, daß es schon gut werden wird, oder Vertrauen, daß, wenn es schief geht, dann eben auch nicht das Ende ist – und genau das Vertrauen hat mir früher immer gefehlt.

Back to Work (Die Hölle in mir)

So, Herrschaften, hier nun mein mittlerweile schon traditioneller Artikel in der Reihe “Summer has ended and we are not yet saved” (Den Rest können Sie, falls Sie Leidensdruck haben sollten, hier  recherchieren…)

Tscha, falsch gedacht. Zwei Wochen Urlaub Ende Juni, zwei, drei Wochen wieder arbeiten, während die Kunden in Urlaub sind, und dann nochmal fett 3 Wochen Urlaub, das ist dann wie eine komplette Wiedergeburt.

Vielleicht war es auch nur zuviel des Guten, und die Entspannung öffnete Tür und Tor für die alten Gespenster, jedenfalls war nach 48 Stunden aller Urlaub futsch: Kopfweh, Magenschmerzen, Schwitzen wie Sau, panische Angst vor jedem Telefonat und jeder Mail, das ganze eigentlich längst fast komplett abgeschaffte geglaubte Sortiment aus meinen Burnout/PTBS/Depressionszeiten, alles wieder an Bord, frischer denn je, agil und sehr spielwütig. Fast, als hätte ich die in Urlaub geschickt und nicht mich. Das Lustige daran, intellektuell weiß ich genau, was da abgeht, aber das hindert den kleinen Lucky überhaupt nicht daran, sich im tiefsten Keller verstecken zu wollen, weil er sowieso nur alles falsch machen kann, und alle ihn hassen. Natürlich weiß ich, daß das Bullshit ist, aber erzähl das mal meinem Schaden!

Sicher war es keine gute Idee, zwei so wichtige Termine gleich in die ersten Tage nach dem Urlaub zu legen, wobei der eine eh freundlich war und der andere nicht ganz unfreundlich. Ersterer Neukundenakquise, mein Lieblingszielkunde ist mir von ganz alleine zugelaufen, natürlich, nachdem ich ihn schon umzingelt hatte, und irgendwann mußte er ja vom Baum fallen, und natürlich kam es zum freundlichen Anschluß. Natürlich. Die sehen ja nicht, in welchem Zustand ich da angekommen bin, und die übermäßige Schwitzerei halten sie dann eben für einen Nebeneffekt meiner Fettleibigkeit. Denn sonst ist er ja so freundlich, gar lustig, eloquent und empathisch. Und so locker und sympathisch.

Der andere Termin schon schicksalhafter, Gesellschafterversammlung, ich reise in die andere Stadt im Norden an, und der Termin ist ein Fiasko. Es ging im Wesentlichen darum, wie ich mehr Anteile an meiner eigenen Firma bekommen kann, was letztes Jahr schon beschlossen war.

Der Alte lieferte eine komplett unwürdige, ihn disqualifizierende und mich demütigende Show, die beiden Jungen konnten es nicht verhindern, nur nachher das Ding doch nochmal aufs richtige Gleis hieven – ich selbst war mit Verteidigen zu beschäftigt, als daß ich die eigentliche Unverschämtheit mehr als ansatzweise bemerkt habe – das kam dann retardiert und verschiss mir das Wochenende. Na, immerhin habe ich jetzt dadurch, daß sich im Nachhinein alle schämen, für die eigentlichen Verhandlungen eine bessere Verhandlungsposition – macht ja nix, ich kann das ja aushalten. Die größte Demütigung dabei ist, daß der Alte nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung hat, was ich persönlich für den anhaltenden Erfolg unserer Firma zahle – siehe oben, oder den Großteil dieses zierlichen Blogs.

Heute beschlossen, wieder ein paar Auffrischungstermine, einen Boxenstopp bei meiner Heidi zu machen – hier beginnt die Hauptsaison und ein an sich schon höllisches halbes Jahr steht an, auch ohne die Hölle in mir. Man startet ja auch nicht mit einem Motorschaden in den Italienurlaub.

(#KnoteninsNetzfürmich)

Smells like Burn-Out

Yeah hey, they say two thousand zero zero party over, oops, out of time So tonite I’m gonna party burn out like it’s nineteen ninety-ninetwothousandsix Yeah, yeah, hey
PRINCE – 1999 LYRICS

Ich bin recht sicher, daß ich diesmal keinen habe, oder hoffe es zumindest sehr sehr stark, aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie der Körper so stark reagieren kann:
“Hey, die Situation kennick, da heben wir doch was Passendes!” und in den Keller steigt, und irgendwas Verschimmeltes aus den Verschlägen der Seele zieht. (Wir berichteten hier schon oft.)

Fast volles Programm, Genick wie Stahlseile, und die Angst, bei einer falschen Bewegung die Mutter aller Migränen an Land zu ziehen. Dasselbe im Rücken. Beim Aufstehen schon wieder todmüde, und aller Schlaf der Welt reicht nicht, und zu lange schlafen verspannt wieder Genick und Rücken.
Abends im Auto immer diese flashes, wo ich in einer Millisekunde vergesse, in welcher Straße ich grade bin, und ein paar Sekunden brauche, mich neu zu orientieren. Und gelegentlich, die Unfähigkeit, auch nur ein einfaches Wort zu schreiben.

Draußen aber segelt der Käptn das Schiff souverän durch irgendwelche trügerischen Unterwasserströmungen, schreibt Abmahnungen und Therapieanordnungen für Mitarbeiter mit Alkoholproblemen, verwaltet eine Veranstalterinsolvenz, versucht mit der schwer bekloppten Schwester eine Lösung für das leere Haus zu finden und bereitet zwei (oder sind es drei?) Systemwechsel vor, inklusive der hohen Politik der Partnerberuhigung.

Hey, es ist 2013 und nicht 2006/7.

Nackt im Wind der brüllt und wütet

Gestern nach Ewigkeiten mal wieder den Sack rasiert (wollten Sie nicht wissen? Pech, jetzt wissen sie’s!) und gedacht, na die untere Gesichtshälfte hast du aber auch seit Jahren nicht mehr gesehen unter diesem spärlichen grauweißblondrotschwarzen Gefussel, und so dann auch zum ersten Mal seit 2006 das Gesicht rasiert.
Ein wenig erleichtert, ganz schlimm sieht es nicht aus, ganz ganz glatte Haut, und mir scheint, die Enttäuscht-Falten um den Mund fallen etwas weniger auf, aber ich fühle mich sehr sehr nackt. Wie damals mit 12 oder 13, als ich mir das erste Mal die Fussel auf der Oberlippe rasierte und danach das Gefühl hatte, meine Oberlippe sei 8 cm lang. Und mein Vater mich gemeinerweise auslachte, anstelle daß er mir gezeigt hätte, wie man sich rasiert. Der Arsch.