Archiv für den Monat: Juni 2012

Bilder einer Einstellung

Bei Diane Arbus gewesen, also ihrer Ausstellung, und geweint und gefühlt. Geweint vor so viel Schönheit, Liebe im Blick, Erkennen und Anerkennen und gleichzeitigem Erhöhen und Sein-Lassen des anderen/Anderen.
Mein Lieblingsbild und das, und das, und das und ganz beonders das!

Diane Arbus über ihre Fotografien: “They are proof that someting was there and no longer is. Like a stain. And the stillness of them is boggling.
You can turn away but when you come back they’ll still be there looking at you.”

Und der Blick ruft sofort ein Gefühl hervor, längst verschüttet, erinnerte mich an jemanden und seinen Blick: Jürgen Baldiga, meinen Ex von vor vielen Jahren, selbsterklärter Jünger von Diane Arbus, Engelmacher, nun schon seit 19 Jahren tot, und an die Zeit. Seinen Blick, sein Staunen, seine Neugier, seinen Trieb, wie er Menschen erkannte und inszenierte und mit seiner Leidenschaft paarte, zu Ikonen.

Wie ich versuchte Bomec, mit dem ich die Ausstellung besuchte, die Welt von vor 20 Jahren zu schildern, zu erklären, nahezubringen, und scheitern mußte, was nicht an meinem Zuhörer lag, gierig und wißbegierig und innen und außen intelligent, wie er ist, sondern an der Unmöglichkeit, ein Universum zu beschwören, das nur kurz aufflackerte und längst verschollen ist, deutlich größer als ich und dann doch nur begrenzt. Romantik, Episode Berlin 1986-1993.
Eine Wolke über uns, weil er gerne begriffen und gekannt hätte, was nicht mehr möglich ist, Melancholie über Nicht-Gekanntes und bei mir über Längst-Vergessenes.
Und doch, sehr emotionalen Abend verbracht mit den Bildbänden von Baldiga und Arbus, und sehr sehr glücklich gewesen, daß ich doch nicht vergessen hatte, was ich längst schon vergessen geglaubt.
Gehen Sie hin, so viel Schönheit und schönes Empfinden kriegen Sie for 10 Euro, ach, für 1000 Euro so schnell nicht wieder!

Freaks

Knoten ins Taschentuch! Unbedingt zur Diane-Arbus-Ausstellung gehen.
Freaks, meinte sie, hätten etwas von einer Legende. “Wie eine Person in einem Märchen, die einem Rätsel aufgibt, die man lösen muss. Die meisten Leute haben ihr Leben lang Angst davor, dass ihnen etwas Traumatisches zustößt. Freaks sind mit ihrem Trauma auf die Welt gekommen. Die Lebensprüfung haben sie schon bestanden. Sie sind Aristokraten. Wenn du jemals mit einem zweiköpfigen Menschen gesprochen hast, dann weißt du, dass der etwas weiß, was du nicht weißt.”
(zitiert nach der Berliner Zeitung)

Scheiß mich am Arsch

Ich will ja kein Party-Poop sein (oder doch?) aber wenn man so den ganzen Frühabend Terrasse fertig gepflanzt hat und jetzt versucht noch halbwegs gemütlich drauf zu sitzen, dann ergibt sich akustisch ein grausiges Szenario.
Wie die Reaktionen aufs Fußballspiel so rundum aus den Wohnhöhlen und den Public Viewings tönen, im Surround-Sound, fast wie im Stadion, wie sie anschwellen, sich steigern, ekstatisch werden, und schließlich akustisch komplett abgehen – ok, was Fußball doch so ein doller Gemeinschaftssport ist.
Mich erinnert das eher an die Geräuschkulisse von einem Naziaufmarsch, damals als ich erst kurz in Berlin war, und ich brauche nicht viel Phantasie, wie der Soundtrack vielleicht derselbe war, oder wäre, wenn vielleicht was ähnlich Spannendes die Volksseele hochkocht – ein Pogrom zum Beispiel.
Oder wie mein Lieblings-Drecks-Junkie-Asso von gegenüber, der mit seiner Dorgenv*tze bei jedem Höhepunkt des Spiels nackt ans Fenster kommt, Böller wirft, und schreit: “Scheiß mich am Arsch! Scheiß mich am Arsch!” Wie wahr, wie wahr. Scheiß dich am Arsch.

Sieben! (Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht, (kein) Neid)

Good Times and bum Times
I’ve seen them all
ans my Dear,
and I’m here
I’m still here.

Ich glaube, irgendwann habe ich wie Shirley MacLaine beschlossen, einfach einen Scheiß drauf zu geben, was die Leute so meinen, und deswegen ist dieser kleine SchmutzBlog noch da. Das hamse jetzt davon.


Shirley MacLaine "I'm Still Here" von graduate

(Wennse das Video nicht sehen können, dann gehen Sie doch auf den Link, es lohnt sich. So schamlos wär ich auch gerne.)

But Alive! (And very much so)

Es gibt, und das schreibe ich jetzt nicht nur so, I mean it, für mich nichts Geileres (ja und das meine ich auch genauso und ich schreibe das nicht mangels eines besseren oder schöneren Worts) – na gut, es gibt nichts Herrlicheres, als nach ein paar Stunden Brutzeln auf dem See (innen Wein und außen Sonne und Wasser und herrliche Company), also als nach ein paar Stunden von so einem unglaublichen Gewittersturm überrascht zu werden auf dem See.
Wie der Regen Blasen wirft auf dem Wasser, kleine Nadelstiche auf der angebrannten Haut, und dann irgendwann doch raus mit den Booten und im harten warmen üppigen Regen die Boote plattmachen und dabei fast splitterfasernackt irgendwo in Zehlendorf auf der Straße zu stehen.
Und dabei über alle Backen zu lachen und durch die Gegend zu springen. (Und sich einen Scheiß drum kehren, wer was sieht oder denkt.) Jede einzelne Zelle vibriert.
Das werden für mich immer Höhepunkte im Leben sein, Frau Koma zum Beispiel versteht das, Herr Glam auch, aber es ist wirklich rühmlich, daß er erst mal unsere geliebte Frischschwangere (nicht Frau Koma) in Sicherkeit bringen wollte.
Ich bin so einer, wo Sie nicht sicher sein können, ob der sich zu solchen Gelegenheiten nicht weitgehend die Klamotten vom Leib reißt und mitten auf der Straße tanzt. (Und wer mich kennt, weiß, das ich sonst nicht so der Extrovertierte bin. Und wie absurd das aussieht.) So wie damals beim ersten Date mit H, in Schöneberg, zu dessen Erstaunen und Beeindruckung, und oft danach.
Ich glaube ich möchte daß es auf meiner Beerdigung ein dickes fettes warmes Gewitter gibt.

(eigentlich wollte ich mit Frau Koma nass titeln, aber es hätte den Ton nicht so getroffen und außerdem will ich ja auch keinen Ärger mit dem Grafen.)

Trend-Setting (Bamboo-zle Them!)

Bekanntlich ist es ja mittlerweile voll verboten, die Schlesische Straße ohne Travelling Bierflasche oder wahlweise, für Mächen, Walking Faber-Sektflasche in der Hand zu betreten, und das gilt für alle Tagesszeiten. Und das ist nur das Mindestgebot, richtig cool ist man erst mit einem iPhone in der anderen Hand, und die richtig Coolen fahren natürlich Fahrrad, während sie mit der einen Nachrichten checken und der anderen das Bier halten. Natürlich die Ohren ordentlich mit megagroßen Kopfhörern verschlossen, aber das muß ich ja nicht extra betonen.

Gestern abend aber war ICH, ich olles Ding, DER Hingucker auf dem Abschnitt Benidorm, in den sich meine Straße allabendlich verwandelt, als ich gegen halb eins nachts den 2,50-Meter-Bambus, den Elke mir geschenkt hat, über die Spätifeiermeile nach Hause trug, mit kühlen Griff, in der linken Hand, rechts Zichte.
Münder blieben offen, Apps unbetrachtet, Playlists unterbrochen, Neid und Staunen machte sich breit, man machte mir sogar eine kleine Gasse zum Durchgehen frei, ein wahrer Catwalk.
Selten habe ich mich so IN, so COOL gefühlt in meinem Leben.
Und jetzt bin ich gespannt, wann die ersten Copycats ihren Bambus zum Feiern tragen, und wie lange es dauert, bis sich der Style nach Prag, Warschau, Paris, London, New York verbreitet. Wenn Sie in Barcelona Bambus als Accessore sehen, dann denken Sie an mich!
Ich sollte noch schnell Bambus-Aktien kaufen.
Tja, Herr Glämmerdick, nice try mit Ihrem Bierpod, aber gegen den Bambus fallense doch deutlich ab.