Archiv für den Monat: Juli 2008

Leben als MP3

Älterwerden oder Dickerwerden oder was sind vielleicht gar nicht das Problem. Das Problem ist das Stumpfwerden.

Man stelle sich vor, die Musiker, die Sängerin, der Tontechniker haben Tage, ja vielleicht Wochen daran gearbeitet, aufgenommen, verworfen, gepitcht, an den Bässen gefeilt, die Streicher in ungeahnte Höhen geworfen und episch verteilt, damit der Song musikalisch genau den Sound hat, den er braucht, um zu berühren.
Dann speist man das gute Stück in IT*nes ein, und das ist dann so wie der Kunstsammler, der mit einer alten Nagelschere die Ränder des Caravaggio nachschneidet, und hier und da ein bissel Farbe abkratzt, damit er in den Standard-Normrahmen auf der Rauhfasertapete paßt.

Die Höhen sind dumpf, die Tiefen seicht, die Stillen zu laut und die lauten Stellen plattgedrückt. Das ist das, womit man sich heutzutage zufrieden gibt, das ist der Standard. Das Leben als MP3.

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich einige meiner besten Freunde wahnsinnig finde, mich sorge, sie schelte oder belächle, wenn sie da hin gehen, wo sie es spüren, auch wenn’s weh tut und erstmal scheinbar keinen Sinn macht. Und dabei liege ich dann sehr falsch, tragisch falsch.

Das Leben als Live-Club, die Höhen hinter der Nase spüren, da wo die Tränendrüsen sind, die Bässe in Hals und Bauch, mit den Streichern über die Landschaft fliegen, die Stille ertragen und genießen und gegen das Meer anschreien, wenn es laut wird. Und Tanzen natürlich, Tanzen nicht zu vergessen.

Stop listening to the Static.

A Legend in her Own Time

Oooh let me have it!
Let me grab your Soul away!
You know, it’s me, Kathy!

So ist sie damals angetreten, mit Wuthering Heights, ihrem ersten Hit.

And she did, she grabbed my soul away. In a good way.

Wenn ich sehr traurig bin, dann ist es ein Lied von Kate Bush, in dem ich Zuflucht suche. Wenn ich sehr glücklich bin, dann ist es ein Lied von Kate Bush, zu dem ich mit meinen Seelengeschwistern auf Dächern tanze. Und wenn ich gleichzeitig weinen und lachen will, dann gehe ich auch zu Kate.

Und auch sonst – Kate is all around me. Und eine Dekade oder zwei auf ein neues Album zu warten ist erträglich, denn es gibt so viel zu hören von ihr in der Zwischenzeit, die Songs hören sich nicht leer.

Glammie hat schon einen sehr schönen Brief an Kate geschrieben, da bleibt mir nichts anderes übrig als eine Forderung an die britische Regierung zu formulieren:

Dear Madams and Sirs of the British Government, honourable Prime Minister,
as today we celebrate the 50th birthday of your most creative, ingenious and gifted music artist I would like to suggest you honour Kate Bush with naming a Mountain after her, as well as a Lake, an Island, a Shoreside, and a Star.
Also, don’t you think it would be a great idea if you turned today’s Katemas into a National Holiday in honour of your most precious National Treasure!?
How do we go about it, will you just do it, or do I have to start a petition?
Sincerely,
Lucky Strikes

Nackte Haut! Gummi! Heiss! Und mit Tieren! Auf dem Wasser!

So hat sich unser liebstes Schnittchen am Sonntag vergnügt!

krokoschnittchen

Hach, war det schön!

Und noch eine Erfahrung, wenn man eine solch reizende und attraktive Galeonsfigur an Bord hat, ist das nicht nur für den Bootsbetreiber eine wahre Freude, nein, auch die heterosexuellen Schwimmer und Ruderer sind zutraulicher als sonst. Manche ließen sich sogar fast mit Schokokeksen füttern. (Heißen Chocolinos eigentlich auch im englischsprachigen Raum so: Chokelinos?)

Die Frau Koma ist aber auch so zutraulich, die kam einfach so vorbeigeschwommen, auf nen Drink, nen Keks und ne Zichte.

Wegen akutem Wohlsein

gibts hier keine Dramatik heute.

Aber Sie können sich ja hier informieren, wie die ultimative Abkühlung funktionert, falls Bedarf bestehen sollte. Und immer dran denken, auf die Terrasse setzen, NICHT auf den Schlauch.

Ich warte noch auf die Freigabe eines sehr sehr schönen Bildes von gestern und verbleibe einstweilen mit den freundlich-verschwitztesten Grüßen,
in saisonaktuellem charismatischen hummerrot
Ihr Lucky Strikes.

Gute Aussicht(en)

Das Venue ist wahrscheinlich das mit der großartigsten Aussicht der Stadt, und mit der beeindruckendsten Architektur.
Eine Hochzeitsfeier über den Dächern, ein wundervolles Brautpaar, eine Gästerunde vom Feinsten, ein Hollywoodmoment, ein Kate- und Leopold-Gefühl am Geländer vor dem Sonnenuntergang:
I am King of the World!

frankfurterallee

Der sehr junge Zufallsbegleiter des besten Freundes fragt “And how long have you two known each other?”
“Oh that must be close to twenty years now!”
Erschreckter Blick auf den 21jährigen: “That must sound awfully old, doesn’t it?”
Das hielt dann später allerdings keinen davon ab… aber das ist eine andere und nicht meine Geschichte.

Meine Geschichte war der gut gebaute Hetero der mich mit festen Blick auserkoren hatte, mich den ganzen Abend mit Komplimenten zu bestücken. So einer, der nach dem Jakobsweg letztes Jahr jetzt mal andere Priortäten setzen muß, und der laut Eigenauskunft auch gerne mal einem Mann an den Hintern tatscht, ohne daß es ihm allerdings sexuell was bringen würde. Sie kennen das.
Egal, ich geh ja immer erstmal mit, man will ja wissen, wo die Leute hin wollen, und worauf hinaus, das hab ich früher auch immer mit den Diesel-Dykes so gehalten.

Natürlich wollte er auf nichts hinaus, aber meine Therapeutin wird stolz auf mich sein, so voll hab ich mir die Taschen mit Komplimenten stecken lasse.

(Und natürlich hab ich es mir beim Abschied nicht nehmen lassen, bei dem jungen Mann mal überall genauer nachzufühlen. Stramm, indeed, hrhr)

Sadie, Sadie

A husband, a house,
and a beautiful reflection
of my love’s affection
Sadie, Sadie, married Lady
That’s me!
(aus ‘Funny Girl)

“After fifty, she told me, you become either a gentleman or Siegfried and Roy” Pedro Almodovar

Jetzt hab ich mich aber grade selbst geschockt, als ich die Nektarine fürs Müsli kleinschnippelte. Ein Gedanke ging durch meinen Kopf. Das an sich wäre jetzt nicht so shocking, ich denke öfters mal, aber es war: “Eigentlich könntest du doch jetzt deinen Junggesellen-Lifestyle, der ja eigentlich auch nur ein spätpubertärer ist, auch an den Nagel hängen, und eine Familie gründen.”
Ein schöner Ehemann, früh aufstehen, und die beiden Kids in die Kita zu bringen, Elternabend, Pflaster kleben, abends früh, genervt und müde zu Bett, am Wochenende mal ein Gläschen Wein, wenn die Kinder im Bett sind, und ein- oder zweimal im Jahr einen schönen Familienurlaub. Einen Grund haben, mit dem Rauchen aufzuhören (did I just say that???) abends nicht so lang auf Arbeit festzukleben, und stundenlang Videogames mit den Kids, wenn wir nicht grade Faules-Obst-Schlachten auf der Straße machen.

Schockierend war, daß mir das gut gefallen hat, und es mich lächeln machte. Das hätte ich nie von mir gedacht.
Es muß das Alter sein, jetzt hat mich auch das “um die”-Gefühl erwischt. Auwei. Me, a Breeder!?

Vielleicht sollte ich mir zur Probe vorsichtshalber erstmal ein Haustier anschaffen. Ein Hund, nein, eine Katze. Oder doch besser vielleicht eine Schildkröte. So was kann man ja dann wieder im Tierheim abgeben, wenn es nach 2 Wochen nervt.

Gibts eigentlich noch sowas wie Tamagotchis?

Nachtrag zu “So kalt”

Ich weiß nicht, ob man einen solchen Beitrag wirklich einfach so hier einstellen kann und soll, so persönlich, so hart im Thema, so wenig literarisch überarbeitet.
Es ist sicher seltsam, an einem hundsgewöhnlichen Donnerstag mit einem solchen Thema konfrontiert zu werden, und ich habe länger drüber hin und her nachgedacht, bin aber zu keinem Schluß gekommen.
Fakt ist, das ist das, wo ich heute morgen war, und da twoday wieder mal nicht funktionierte, habe ich das offline geschrieben, war dann aber nicht zufrieden damit, daß es nicht online war, und so habe ich dann vorläufig entscheiden, es doch zu veröffentlichen.
Exhibitionismus? Vielleicht. Bedürfnis? Wahrscheinlich.
It’s a Blog-Thing, obviously.

Es tut mir leid, wenn einer oder mehrere meiner Leser unverhofft mit einem solchen Thema konfrontiert wurden und dadurch in ihren Gefühlen ungewollt berührt sein sollten an einem solch schönen Sommertag.
Andererseits, vielleicht hilft es jemand, der im Netz nach Texten zu dem Thema sucht.

So kalt

Die Nachricht vom Tod meiner Mutter erreichte mich völlig überraschend und alltäglich, im Büro. Ein Telefonanruf meiner Schwester, schon beim Blick auf den Display wußte ich, was passiert war.
Das war das, wovor ich mich seit Jahren am meisten gefürchtet hatte, und jetzt war es da. Darin lag, neben dem unglaublichen Schmerz und dem Wahnsinn, auch eine gewisse Erleichterung. Nichts ist schlimmer als die Angst. Bestimmt nicht das, wovor man sich gefürchtet hat.

Nach 8 hysterischen Stunden auf der Autobahn, einer Reise nicht nur über 800 Kilometer, kam ich irgendwie an, man frage mich nicht, wie.
Alle waren da, Schwester, Schwager, Schwager, Tante, Onkel, Neffe, die Reste unserer Familie, mit bleiernen tauben Gesichtern saßen sie stumm im Licht der Deckenlampe. Es war für sie ein langer schlimmer Tag gewesen, vom Anruf der Nachbarn, vom Einbrechen ins Haus, vom Finden meiner Mutter, die langen Minuten der Verzeiflung und Sorge, bis der Arzt eindeutig feststellte, daß sie schon länger tot war, der Stille danach.
Ängstlich suchten sie mein Gesicht nach Anzeichen ab, wie es mir gnge, sie machten sich große Sorgen, für sie war ich die am meisten betroffene Person in diesen Umständen.
“Ich nehme an, es gibt heute keinen Kappestetisch?” fragte ich. Meine Mutter hatte mir zur Ankunft immer mein Lieblingsessen gekocht.

Meine Schwester hatte entschieden, daß Mutter über Nacht zuhause bleiben sollte, bis ich da war, damit ich Abschied nehmen konnte. Darüber war ich sehr froh. Trotzdem dauerte es ein paar Stunden, bis ich den Mut fassen konnte, sie in ihrem Schlafzimmer zu besuchen. Seltsame Vorstellung, daß sie dort oben liegt, still, tot, wenn unten das Haus voller Gäste ist.
Als ich mich dann endlich langsam nach oben begab, lag sie dort auf ihrem Bett, in ihrem gelben Frottee-Schlafanzug, so vertraut und doch so fremd. Auf ihrem Gesicht war ein kleiner Abdruck, wo sie gefallen war, aber sonst sah sie friedlich aus. Dennoch, ein Toter ist ein fremdes kaltes Ding. Jeder Ausdruck, jede Haltung, die einen Menschen ausmacht, ist gelöscht. Eine leere Hülle. Und doch – ein Körper, wenigstens.
Es hatte einige Zeit gedauert, bis die Familie sich getraut hatte, sie aufzuheben und auf das Bett zu legen. Sie hatten nicht daran gedacht, ihre Hände übereinander zu legen, und irgendwie hatte ich das Gefühl, das würde sie wollen, und auch ihren Rosenkranz in ihre Hand hätte sie sicher gerne gehabt, sie war eine sehr gläubige Frau.
Irgendwie war es keine große Überwindung, sie anzufassen. Ich habe schon einige Tote gesehen, aber nie einen angefaßt. Aber das war schließlich meine Mutter.

Erschreckend aber war diese Kälte. Kälter als kalt, kälter als der Tod, diese Kälte stand in keiner Beziehung zur Umgebung. Sie ist absolut.
Und das meiner Mom, die immer so kälteempfindlich gewesen war, die zur voll aufgedrehten Heizung immer auch noch den Holzofen angemacht hatte. Als Kind hatte sie wohl sehr viel Kälte ertragen müssen.
Die Hände und die Arme waren steif vor Kälte, und so dauerte es einige Zeit, bis ich sie mit der Wärme meiner Hände so weit aufgewärmt hatte, bis ich ihre Hände übereinanderlegen konnte, und eine Hand so weit öffnen konnte, daß ich ihren Rosenkranz zwischen ihre Finger legen konnte. Die Hände, die so viel gearbeitet hatten in ihrem langen harten Leben, auch für mich.
Die Finger, die jetzt im Tod ganz zart und glatt waren, wie überhaupt ihre Haut ganz zart und glatt und eben geworden war, wie ich spürte, als ich ihr über die Wange strich.

Dann ging ich wieder zum Rest der Familie, die ich später in der Nacht fast gegen ihren Willen nach Hause schicken mußte. Ich wollte noch einige Zeit mit meiner Mtter verbringen, die so allein dort oben lag.

Wieder ging ich zu ihr, und es verschaffte mir einen seltsamen Trost und eine Beruhigung, meine Mutter anzufassen und zu halten, ihre Hände, jetzt so weich, ihr Gesicht, und ganz besonders ihre Schulter, diese starke runde Schulter. Es war gut gewesen, meine Mutter für diese eine Nacht noch zuhause zu behalten. Dort lag sie, in ihrem gelben Schlafanzug, so klein und weich und bleich und kalt.

Tagsüber im Leben war meine Mutter auch noch mit 80 eine sehr selbstbestimmte, aktive, umtriebige Frau mit starkem eigenen Willen gewesen, die auch manchmal hart und herrisch sein konnte. Wir hatten uns oft und heftig gestritten, weil sie einem ordentlich auf die Nerven gehen konnte.
Abends aber, wenn sie sich aufs Zubettgehen vorbereitet hatte, den Schlafanzug angezogen, die Dritten im Glas, dann kam sie immer noch einmal zu mir, und das waren unsere intimsten Momente, egal wie der Tag gewesen war. In diesen Minuten hatten wir andere Namen füreinander, Kosenamen, die niemand sonst kennt, und wir konnten uns zärtlch und liebevoll in den Arm nehmen und brauchten keine anderen Worte.

An der Wand neben ihrem Bett hing neben Familien- und Heiligenbildern auch ein altes Mariengebet, aus ihrer Kindheit wohl, das ihr wichtig gewesen sein mußte. Ich bete zwar nicht und glaube auch kaum, aber da sie ja nun keine Stimme mehr hatte, wollte ich ihr meine leihen, ich faltete meine Hände über ihre und betete das Mariengebt, drei Mal, für sie, statt ihrer.
Ein seltsames Gefühl ist es, wenn die Hände eines Toten langsam wieder warm werden, wenn man sie lange genug hält. Nach einiger Zeit beginnt man sogar einen Puls zu spüren, aber natürlich ist es nur das Echo des eigenen.

Einige Stunden saß ich noch so bei meiner toten Mutter, und wir schauten im Kopf das Fotoalbum der gemeinamen Erinnerungen, der 40 Jahre gemeinsamen Lebens an.
Als ich in den Morgenstunden dann endlich schlafen ging, ließ ich beide Zimmertüren auf, damit sie – und ich – wenigstens diese letzte Nacht nicht alleine schlafen mußte.

Anleitung zur sexuellen Dienstleistung

Eines lauen Sommerabends, vor dem “Hafen”.
Eine gut abgelebte Endvierzigerin mit rauchschwerer Stimme und tiefschwarz gefärbten Haaren in Leopardenmuster gekleidet war darauf aus, ein paar Schnäpschen zu schnorren.

Nun denn, das Date war zwar anhänglich, aber extrem langweilig und sprachunlustig, und wer bereit ist, für seinen Unterhalt zu singen…

“Was machst du denn beruflich”
“NA ICK BIN TELEFON-DOMMINA!”
“Oh, das ist ja spannend, was passiert denn da?”
“NA MIR RUFEN DA SO PERVERSE AN, ÜBER 0190ER, DENEN MUSS ICH DET BESORGEN, ABA UFF DIE HARTE TOUR WOLLN DIE DET, PEITSCHE, DILDO, FISTEN, UND DET JANZE AM TELLEFON”
“Da bist du doch aber bestimmt ziemlich gut drin!”
“NEE, MEIN SCHEFF WILL MIR KÜNDIGEN. ICK KOMM NICH UFF DIE MINDESTGESPRÄCHSZEIT, SACHTER”
“Wieso, was machst du denn falsch?”
“NA ICK KLÄR AB, WAT DER PERVERSO WILL, UND DENN KRICHT ER DET, VOLLE KRONE, ZACK ZACK. WENN DER DILDO WILL: KRICHT ER. SACHICK: ‘ICK SCHIEB DIR DET DING RIN BIS ANSCHLAG; WA!’ UND FERTICH”
“Wie, so ganz ohne Vorspiel?”
“???”
“So, jetzt trinken wir noch nen Wodka schön in Ruhe, und dann gehen wr zwei Hübschen mal ins Sexkino nebenan und nehmen mal so nen Dildokatalog mit. Dann läßt du die Typen erstmal einen aussuchen, ob mit oder ohne Noppen, welche Farbe, wie groß wie lang wie dick, und dann erklär ich dir mal, wie man das ganz langsam macht!”
“ACH DU BIST MIR ABER SO’N JANZ SÜSSER, SACHMA, STEHSTE UFF DILDO, SOLL ICK DIR DET OOCH MA SO RICHTIG BESORGEN?”