Archiv für den Monat: September 2012

Therapeuten, Putzfrauen, Hausärzte, Späti-Verkäufer

“Sagense mal, trinken Sie die eigentlich immer alle selber?” fragt der solariumbenutzende, augenbrauengezupfte metrosexuelle türkische Spätiverkäufer mit seinem scheuen, süßen Lächeln, und zeigt auf die zwei Flaschen Airen, die ich grade aus seinem gutsortimentierten Kühlschrank geholt habe. (Selbstverständlich trinken oder rauchen die Brüder nicht, sie ernähren sich nur von der Sucht der anderen.)

In der Tat, das hatte ich vor, die anstrengende Höllenzeit der letzten beiden Wochen wollte ich gerne in den zwei Flaschen Weißwein ertränken, bzw. ausprobieren, wie weit ich damit komme.

“NÖ!” sage ich stattdessen, mit hoffentlich fester Stimme, “aber bei uns kommt immer ganz schön was weg…” und bin nicht nur ein wenig beschämt.

Verschwende deine Jugend (an mich)

Schon ein seltsames Gefühl, mit jemandem im Roses mit Wodka-Cranberries zu stehen, den man als Neugeborenen in den (zitternden) Händen hielt.
Jedenfalls bin ich gestern mit dem Patensohn und seinem besten Freund ganz vorbildlich bis morgens früh im Roses versackt, zwei wunderhübsche und tolle und stramme (Hetero-)Jungs Anfang 20, und ich nehme mal an, ich habe ordentlich für Spekulationen gesorgt, während die Leute versuchten, an mir vorbei die Jungs anzuflirten. Ich meine die Gruppe Spanier hinter uns so verstanden zuhaben, daß man beschloß, daß ich der Vater sein müsse, und daß das ja wohl komisch sei, wenn ich meine Kinder dort hin schleppe.

Oh, to be young.
Und jetzt komm mir keiner mit aber die Weisheit, und nicht tauschen wollen, die Erfahrung und diesem ganzen verlogenen Geseire.
(Auftritt Bette Davis: “Anyone who says that life begins at forty is full of it. As people get older their bodies begin to decay. They get sick. They forget things. What’s good about that?”)
Und nichts läßt einen älter und verkaterter fühlen, als wenn der Kumpel des Patensohns morgens nur im Slip jung, stramm und wohlgeformt durch die Wohnung turnt.

Wisch & Weg

Mit Putzmännern verhält es sich ja manchmal wie mit Unterwäschewerbung: Das Versprechen wird einfach nicht eingelöst, der vesprochene Effekt stellt sich nicht ein oder die Gummibänder leiern zu schnell aus und alles wird labberig (also an der Unterwäsche jetzt!) und so mußte ich meinem brasilianischen Putzmann heute Morgen eine SMS schreiben:
“Lieber Rapha, guten Morgen – ich bin gar nicht glücklich. Der Herd sah aus wie Sau, die Küche und der Tisch ist voller Schlieren, wo die leeren Weinflaschen standen, sind noch die Ringe davon auf dem Boden, die Badewanne ist nicht sauber und an den Kacheln im Bad ist alles voller Flecken vom Putzmittel. Ich zahle dir 50 € für fünf Stunden, finde das ist gutes Geld, und dafür hätte ich es schon gerne sauber und ordentlich und möchte auch die Spülmaschine nicht selber ausräumen oder wie letztes Mal nur eingeräumt vorfinden. Mal ehrlich, wie lange warst du gestern wirklich da?”
(Er putzt gern Brasilian Style, eine Hand mit Handy am Ohr, die andere wischt)
Mal sehen wie er reagiert.
Ich freu mich jedenfalls, wenn Miss Ukraine wieder da ist.

Sporty Strike!

Das hätte ich auch nie gedacht, daß ich mal unleidlich werden kann, wenn ich nicht 2x die Woche meinen Sport haben kann! Ich, der ich mich in meinem Leben noch nie freiwillig bewegt habe, es sei denn, es ging um Essen oder Sex.
Montag und Donnerstag vormittag wird jetzt Badminton gespielt, anderthalb Stunden lang, und keineswegs als Stehrumchen, sondern entspannt aber dabei voll ehrgeizig – mittlerweile sind wir 4 Kollegen, der Olaf, der Bommel und der Daniel, so daß das System einigermaßen ausfallsicher ist – und Doppel spielen wir nicht – die Felder wären uns wohl auch zu klein.
Ich brauche es einfach, um nicht wahnsinnig zu werden, und wie geil ist das, sich über soundsoviel Quadratmeter zu verteilen, wenn man sonst immer zusammengekrümmt auf dem Sofa oder am Schreibtisch sitzt.
Gerade vormittags hilft es ungemein, auch gegen die morgendlichen Angstzustände, die immer mal wieder kommen – entspannter kann man einfach nicht in den Bürokampf ziehen.

Immer wieder bin ich erstaunt, wie jemand, der (mindestens) drei Packen Zigaretten am Tag raucht wie ich, die anderthalb Stunden so gut durchstehen kann – na gut, ich schwitze wie ein Schwein, auch Stunden später noch. Man sagt mir das sei ein gutes Zeichen. Ich glaub das mal so.
Und daß ich auch tatsächlich immer besser werde, ich der ich früher im Spochtunterricht immer mit den dicken Mädchen zuletzt von der Bank in die Mannschaften gewählt wurde.

Maybe there is some hope after all. Wunder geschehn – offensichtlich!

Trains and Boats, no Planes

Kleine Dienstreise, immer ein Alptraum, diesmal ergänzt um – schon wieder – eine Trauerfeier. Knochenbrecher. Die Füße tun mir weh, das Herz und auch die Augen.
Ich bin so monumental durch, ich möchte jetzt Herr der Ringe 1-3 gucken, nur wegen der Monumentalität und des Schlußsongs von Howard Shore und Annie Lennox. Und das werde ich auch tun, aber vorraussichtlich nach 10 Minuten einschlafen, im ersten Teil natürlich.
Immerhin, die Location des Abendevents war kein Dreck:

20120913_190940

At least I had a little Jack Sparrow moment there.

Achso, in der Reihe fast unveröffentlichte Beiträge mit grandioser Headline, aber ohne Pointe:
Ich sitze in der ersten Klasse und Joschka Fischer sitzt vor mir und mein Hosenstall ist offen.
Sonst nix. Ich hab doch gesagt, keine Pointe.

11.9. 2012 22:15

Genau um diese Zeit war es dann plötzlich: Herbst.
Eingeläutet von einem kleinen Regen, war die Spätsommerstraßenwärme auf einen Schlag weg, wie von den Regentropfen in die Gosse gespült, und man fing an zu frösteln auf seinem Platz draußen vorm Mexikaner.
Ich will aber noch nicht!

Unloveable

Das hab ich mir damals, Ende Teens, Anfang Twens, mühsam mit Buchstabenschablone und Stoffmalfarbe auf ein weißes T-Shirt gemalt, denn Plotter und Internet-T-Shirt-Design-Auftragsfirmen gab es Ende der 80er eben noch nicht und es brauchte sehr viel mehr Herzschmalz als heute, um sich öffentlich auszudrücken, glaubte ich zumindest. Ich fühlte mich sehr mutig damit, damals.
Irgendwo habe ich, glaube ich, sogar das T-Shirt noch, wohl neben denen, mit denen Act Up damals welche mit mir drauf gedruckt hat.

Unlovable, von den Smiths natürlich. Tief empfunden und zeitgleich auch damals schon komplette Koketterie, denn sogar ich wußte damals schon das, was Morrissey auch singt:
But I know that you would like me
If only you could see me
If only you could meet me

Fast 25 Jahre später könnte ich das Shirt eigentlich auch immer noch und/oder schon wieder tragen, wäre ich noch ähnlich emo wie damals – 25 Jahre Lebensweg, ich bin ein ganz anderer oder dann etwa doch wieder nicht?

And if I seem a little strange
Well, that’s because I am
If I seem a little strange
That’s because I am