Archiv für den Monat: Januar 2006

wunder geschahn

Wie immer nach einer Trennung war ich ein paar Jahre in Quarantäne gegangen, und hatte die Schnauze voll von eben dieser.
Also muß man mal wieder ausgehen. Obs den Club noch gibt?
Wie ein häßliches Entlein stand ich also ganz hinten am Rand der Tanzfläche im Club, am dunkelsten Fleck, und merkte ganz deutlich, daß ich hier nicht hingehörte. Wie eine Nacktschnecke an den Strand von Ibiza. Obwohl, das war jetzt vielleicht ein schlechter Vergleich…
Wahrscheinlich würde gleich einer der Türsteher nachträglich befinden, daß ich doch zu häßlich, zu langweilig sei und überhaupt überflüssig sei, also nicht mitspielen dürfte, und mich wieder hinausbefördern.

‘Willst Du was trinken?’ stand da plötzlich einer vor mir, und ich guckte erschreckt auf: alle meine Pornophantasien auf einem hellmilchschokoladeförmigen Haufen, ein ein bissel dumpf-brutaler Gesichtsausdruck, breiteste Schultern und und und..! Und das in 3D. Heiser stotterte ich ‘N Becks?’
Hauptsache, er ginge erst mal wieder weg. Über seine breite Schulter mich anlächelnd ging er zur Bar. Kaum hatte er sich umgedreht, suchten meine Augen panisch nach Fluchtmöglichkeit, Notausgang, Feuerleiter, ein Tisch, unter dem man sich verstecken könnte, ein dicker Mensch, egal.
Zwecklos, er war verdammt schnell von der Bar zurück, guckte mir lang und tief in die Augen, grinste, stieß mit dem Bier an und ging gleich zur Sache. Wow, was für ein Körper! Was ein Kerl! All I ever dreamed of!
Die Augen beim Küssen schließen konnte ich aber nicht, denn hektisch suchte ich die Ränge nach versteckten Kameras ab.

In wenigen Minuten würden Scheinwerfer angehen, und irgendeine bösartige schwule Version von ‘Verstehen Sie Spaß’ würde loslegen. Eine transsexuelle Paola würde mich fragen ‘Und Sie haben wirklich geglaubt, so einer würde Sie im Ernst angraben?’ Alle würden sich ausschütten vor Lachen, und ich wäre auf den mir zustehenden Platz verwiesen.
Aber außer dem Nahkampf passierte nichts, vielleicht waren Paola und Kurt Felix nebst Kamerateam aufgehalten worden, und mein Hulk mußte seinen Act jetzt durchziehen.

Später zuhause habe die ganze Nacht kein Auge zugetan, um mir das Bild von uns zusammen in meinem Bett einzubrennen. Fiebernd überlegte ich, wie ich unbemerkt meinen Mitbewohner wecken konnte, damit er ein paar Beweisfotos machen könnte. Für die Zukunft, wenn ich wieder mal denke, ich bin eine Nacktschnecke am Strand.

Das war nicht nötig gewesen, denn mein persönlicher Pornostar war gekommen um zu bleiben. Wie ein perfekter Fleck.

Und wenn Sie den Niedergang dieses modernen Märchens lesen möchten, und wie man alle Arten von Flecken letztendlich doch wieder rauskriegt, dann schauen Sie demnächst wieder rein.

zitat

AMERICAN BAR
Eines Tages
da werden wir uns wiedersehn,
nur so – comme ca
zufällig – cosi.

Zufällig
in einer Stadt im Hotel an der Bar.
Mit meiner Art, so etwas vage,
bin ich sehr en vogue
Du mit deinem Tick
bist auch ganz schön schick.

Seltsam
wie auf leisen Sohlen
sich die alten Geschichten
immer wiederholen.

Du trägst einen alten Hut
und vielleicht hast du Krebs
Hello, wie gehts, sagst du zu mir.
Ich werde sagen
Danke, und wie geht es dir?
Um 3 flieg ich nach London, ich geb ein Konzert.

Gemeinsam
trinken wir einige sehr komplizierte Cocktails
und dann in einer der Suiten
wiederholen wir unsere alten Riten.
Nur so – this way, zufällig – cosi
Von meinen Lidern rennt schwarze Tusche
Seltsam das Weinen am Morgen um Drei.

Du wirst sagen ‘Zu blöd
Das ist ja wie in einem Lied’

Text: Jean Jacques Schuhl
Gesungen von: Ingrid Caven (nicht im Bild)

evelyn ist wieder da

Viele fahren ja im Januar nach Bali oder Thailand, um Sonne zu tanken und es sich gut gehen zu lassen.

Nicht so Evelyn: als ich heute morgen aus dem Fenster guckte, begrüßte mich ein herzlich-kräftiges Kja-tschack mit wachem Blick, orangem Schnabel und schwarzem Federkleid. Zuerst dachte ich, oh, eine Kate Bush-Abordnung, von der, die mit den Vögeln singt. Aber nein, Evelyn, die Amsel, macht jetzt schon im dritten Jahr Winterurlaub auf meiner Terrasse – meist bis Ende Februar.

Warum sie Evelyn heißt?
Ganz klar, sie muß eine Art Reinkarnation von Evelyn Künneke sein: sie singt ab und zu und zwitschert auch gern mal einen. Auf meiner Terrasse steht ein Baum mit kleinen Äpfelchen, die durch das ganze Frieren und Auftauen im Winter um diese Zeit heftigst vergoren sind. Davon genehmigt sich Evelyn gerne mehrere, und dann ist sie hackedicht, lehnt seitlich und mit wirrem Blick an einem Blumenkübel, kann sich nicht mehr bewegen und singt was.
Ihre Eßgewohnheiten erinnern dabei auch an die echte Evelyn, die es in meinem Beisein schaffte, ein wirklich großes Schnitzel in 3 Stücken zu verschlingen, und mir dabei mit vollem Hals von ihrer Karriere als Hitlers Kampffliegerin über England zu erzählen – ohne Scham übrigens. Weder fürs Bomben fliegen noch für die Eßgewohnheiten.
Und wie die echte hat sie eine weitere ekelhafte Angewohnheit: meine Terrasse ist wie weiland das Dresdner Hotelzimmer der Künneke nach Abreise der Künstlerin von vorn bis hinten zugeschissen. Weil Evelyn in gewissen Zuständen bestimmte Funktionen nicht mehr kontrollieren kann oder mag.

I believe in reincarnation, I do I do. Muß ja.
Nur, womit hab ich diese Heimsuchung verdient?

jungsspiele

gestern war ich kickern, in der milchbar, wo es aber wodka gab. mit sehr hübschen heterojungs.
alle turnhallentraumata meiner schulzeit wurden gleichzeitig wach, da half auch kein wodka, und ich dachte ich würde beim mannschaften wählen wie früher mit den dicken mädchen bis zum schluß auf der bank sitzen bleiben.

aber es kam nicht so, und zum schluß war ich gelobt und hatte sogar ein paar tore aufzuweisen, und nicht nur welche, die ich reingelassen hatte.
und dann gings weiter in den trinkteufel, der seinen namen nicht von ungefähr hat. und heute hab ich schmerzen. bestimmt vom sport.

queen entthront – aus versehen

Als ich die Queen in ihren azurblauen Kostüm fragte, was sie denn eigentlich machen würde, wenn sie in den Raum kommt, und ihr spezieller Königinnenplatz besetzt sei, war ich sehr verwundert, warum sie auf einmal so unglaublich wütend guckte. Hatte ich wie üblich wieder irgendein protokollarisches Zeugs vergessen? Schließlich komme ich ja aus ganz einfachen Verhältnissen.

Ein anwesender Würdenträger mit Abzeichen am Anzug klärte mich auf:
Dies sei eine magische Frage. Seit Jahrtausenden sei es der Fluch jedes Königs und jeder Königin, daß sie augenblicklich entmachtet und entthront sind, wenn jemand sie mit dieser Frage konfrontiert.

Das tat mir sehr leid, war ja keine Absicht, wußte ich ja gar nicht, und ich entschuldigte mich sofort tausendfach, was aber die Queen gar nicht beeindruckte, die grimmig guckend und vor sich hin murmelnd einen der Stapelstühle vom Stapel hob, ihn hinter sich her zu einem Platz weiter hinten im Raum zog und unheimlich beleidigt dort Platz nahm.

Dann mußte ich auf dem Queen-Stuhl Platz nehmen, mir wurden irgendwelche Schärpen umgeworfen und das alles war mir sehr sehr unangenehm.
Es war mir sogar nach dem Aufwachen und beim zweiten Becher Kaffee noch fürchterlich peinlich.

in love with a troll

Unbedingte Leseempfehlung:
Troll – eine Liebesgeschichte
von Johanna Sinisalo

Hab ich heute morgen in einem Wupps gelesen, so schön, so geheimnisvoll, so sexy und so verstörend war es. Danke für den Buchtip, Glammie!

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So, und jetzt geh ich erstmal in den Plänterwald, und such mir auch einen Troll.

They call me Troll
Gnawer of the Moon,
Giant of the Gale-blasts,
Curse of the rain-hall,
Companion of the Sibyl,
Nightroaming hag,
Swallower of the loaf of heaven.
What is a Troll but that?
(Quelle: Wikipedia)

non, c’est rien

… gar nix ist.
ich dachte nur, ich mache ein paar leere tage im noch blassen, unbeschriebenen jahr, einfach mal ‘krank’. angekratzt, wie ich war, die letzten wochen/monate, mit keiner zeit zum erholen, orientierung wiederfinden, abstand nehmen, ausspannen.
und ich muß sagen, das ist eine ganz schwierige übung, so ganz auf sich selbst geworfen…