Archiv für den Monat: März 2009

Sparen Sie sich das, Audrey hat das nicht verdient!

Mich und meinen Wochenendbesuch verschlug es zur Audrey-Hepburn-Ausstellung im U-Bahnhof im Hauptbahnhof, ausgerichtet u.a. von Bahn und BVG.
Allein das hätte Warnung genug sein sollen, aber der Unternehmungsdruck war zu groß.

In einem häßlichen Raum mit häßlichem billigen Teppichboden waren eher wenige Exponate verteilt. Was dafür aber reichlich verteilt war, war der Dieselabgasdunst der unter dem Raum verkehrenden Züge. Hunderte Lufterfrischer konnten nicht verhindern, daß man sich nach der knappen Stunde, die man durch die Ausstellung braucht, halbvergast vorkommt, so wie bei einem gehörigen Schienenersatzverkehr

Einige der Exponate allerdings waren schon reizend und berührend, wenn auch viele der Kleider nur von Givenchy erstellte Nachbildungen waren. Beeindruckt hat mich, welch eine zarte petite Person Audrey gewesen ist, wenn man die Taille ihrer Kleider sieht, und daß sie gar nicht so große Füße hatte, wie es manchmal aussah. Größe 38, halt nur im Verhältnis und weil meist absatzlos wirkten die Füße so groß.

Ansonsten Fotos, Familienfotos, Statements von Kollegen usw., Interviews in Endlosschleife. Auch die persönlichen Sachen blieben unpersönlich, was allerdings der fantasie- und lieblosen Ausstellungsgestaltung zuzuschieben ist.
An manchen Glaskästen klebten noch die Nummern-Aufkleber vom Aufbau, viele Kästen oder Beschriftungen hingen schief oder lösten sich, und irgendjemand sollte den Ausstellungs-Nichtgestaltern sagen, daß, wenn man Plexiglasscheiben doppelseitig behängt, man jeweils von der Rückseite die häßliche Rückseite der Vorderseite sehen kann. Ürgs.

Viele der Beschriftungen waren falsch angebracht, nicht nur die, die vielleicht nur ein Fachmann bemerken würde, aber jeder Depp würde doch merken, daß rote Pumps keine schwarzen Ballerinen sind. Würde man denken.

Einen Shop gab es auch, aber die Schamesröte trieb mich innerhalb von 2 Sekunden wieder hinaus.

Guter Zweck hin oder her (war für Unicef gedacht), so eine schlampige und lieblose Ausstellung hätte nicht mal ein Herr M*hdorn verdient, geschweige denn einer, ach was, DER Ikone des Stils und guten Geschmacks des letzten Jahrhunderts – immer graziös, immer perfekt, Audrey Hepburn.

Sparen Sie sich die 9 Euro Eintritt, spenden Sie die, wenn nötig, direkt und danach gönnen Sie sich einen schönen Bildband, Breakfast at Tiffanies, Wait until Dark, The Children’s Hour, Charade oder welchen Film auch immer und einen schönen Cocktail.
Eine Unverschämtheit, das.

Vertragsmormone

Vor dem Altar der Hausratsversicherung gelten mein Mitbewohner und ich als Lebenspartnerschaft, wenn auch nur dort eingetragen.

Seit gestern habe ich mit einer Freundin ein gemeinsames privates Konto, um dort die Einkünfte unserer gemeinsamen Briefkastenfirma zu verwalten, also haben wir jetzt auch einen gemeinsamen Briefkasten. Ringe mußten wir aber nicht tauschen.

Vor Jahren hatte ich auch eine eingetragene LPG-Lebenspartnerschaft zur Erlangung besserer Konditionen beim Bio-Einkauf. Doch weil ich nie nie nie im Leben Bio einkaufe (gut, ich gebe zu, ich war einmal da, um meine Vorurteile bestätigt zu sehen) sah sich jene Freundin nach jemand anders um, mit dem sie sowohl im Punkte Bio-Einkauf wie auch in horizontaleren Aspekten der Partnerschaft mehr anfangen konnte als mit mir.

Auch zur Erlangung des Pachtvertrags eines Schrebergartens mußten eine lesbische Freundin und ich Partnerschaft vorheucheln, und warne so die wahrscheinlich erste eingetragene schwullesbische Lebenspartnerschaft in den Augen des Kleingärtnervereins Schöneberg-Tempelhof.

Soll jetzt aber keiner von mir sagen, ich sei ein Flittchen.

Hihi, erwischt!

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(Klick vergrößert)

Ob der fast noch junge Mann sich vor jedem Date auch den Waschbrettbauch mit dunklerem Schminkstift nachzieht?
Und ist das dann wasser- oder sonstige-Flüssigkeits-fest?
Oder sollte es gar eintätowiert sein, und bleibt das bei zunehmender Beanspruchung durch die Erdanziehung dann auch an den richtigen stellen?

Ich weiß nicht

ob das hier so richtig die Stimmung setzt für eine Ankunft in Berlin. Man liest doch heutzutage so viel von Komaläufen und dann kennen ja bestimmt viele die Firma nicht:

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Ich wette aber, daß die das im Februar nicht in Dresden schalten durften…

Massenmörder, als Institution

Da regt sich sie Welt über Amokläufe auf (klar, zurecht) aber der weltgrößte institutionalisierte Massenmörder läuft frei in der Welt herum, zur Zeit in Afrika, und predigt gegen die Benutzung von Kondomen. Der Papst läuft Amok. Mit einer MG in der Hand könnte er weit weniger Schaden anrichen.
Auf einem Kontinent, auf dem 20 Millionen Menschen HIV-infiziert sind. Das wäre auf Deutschland bezogen, jeder und jede vierte. Auf einem Kontinent, auf dem der Einfluß der katholischen Kirche leider stark wächst und viele Menschen nicht die nötige Bildung haben, sich zu dem Thema selber eine Meinung haben.

Das ist Dogma pur, halsstarrig, unrealistisch, grob fahrlässig und menschenverachtend.

Da lobe ich mir good old crazy Uta Ranke-Heinemann, die es genau auf den Punkt bringt: ein “Verbrechen in Form von tödlicher Irreführung der Menschheit. Ich klage ihn an, an Krankheit und Tod vieler Menschen die Schuld zu tragen”, schrieb die Kirchenkritikerin. Sie verlange vom Vatikan, “allen betroffenen Ehefrauen (…) medizinische Versorgung zu finanzieren und ihnen und ihren Familien Schadenersatz zu leisten”.
(zitiert nach SPON)

Ida macht’s

Glaub nicht es würde Sommer werden
solange niemand ein bißchen Dampf macht …

Glaub nicht es würde Sommer werden
solange niemand ein bißchen Dampf macht …
… dem Sommer, und es ein bißchen sommerlich macht;
denn dann kommen die Blumen rasch.
Ich mache, daß die Blumen blühen,
ich mache die ganze Kuhweide grün,
und jetzt ist der Sommer gekommen,
denn ich habe eben den Schnee weggemacht.

Ich fülle den Bach mit viel Wasser
so daß er richtig plätschert und strömt.
Ich mache (den Himmel) voll mit Schwalben,
und mit Mücken, die die Schwalben dann fangen.
Ich erneuere das Laub an den Bäumen
und mache kleine Vogelnester hier und da.
Ich mache den Himmel schön am Abend
denn ich färbe ihn vollständig rötlich

Für die Kinder mache ich Walderdbeeren
denn ich finde, die sollten sie bekommen
und auch andere kleine lustige Sachen
die für Kinder passen, solange sie klein sind.
Und ich mache so spaßige Stellen
wo Kinder herumspringen können
da werden die Kinder voll von Sommer
und die Beine voll von Lauferei.
(Übersetzung durch eine freundliche Utube-Nutzerin)

She’s like the Wind

Wenn sie da ist, ist sie meist mehr als ganz da.
Vielleicht weht sie einem ganz frische neue Kontinente durch den Kopf, es kann auch sein, daß sie schwer und drückend ist, mal warm und etwas zuviel wie ein tropischer Gewittersturm, mal erschreckend kristallkalt und gnadenlos wie ein Eissturm.
Es kann passieren, daß sie mit Getöse ganze Gesprächsrunden zerweht, oder sie ist einer dieser kleinen Wirbler, die den Dreck und die toten Blätter solange in der Ecke herumwirbelt, daß man sie in den Arm nehmen möchte, damit sie den alten Staub Staub sein läßt.
Oft reißt sie einen einfach mit, auf die rauhe See, sorgenlos, weil Sorgen sinnlos sind, zwar mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen. Dann bleibt man hinterher manchmal auch mal durchgerüttelt zurück, mit tauben Ohren.

Wenn sie nicht da ist ist sie wirklich weg.
Man könnte sie anrufen, anmailen, anschreiben, aber das ist sinnlos. Sie wird nicht antworten oder ans Telefon gehen.
Den Wind kann man nicht festhalten, auch wenn er manchmal noch so drall und honigblond und warm und körperlich weht.

Was macht der Wind, wenn er nicht weht?

Die Anteilnehmer

Wenn irgendwo im Land etwas scheinbar gesellschaftlich Relevantes Schlimmes passiert oder dazu stilisiert wird, also etwas wirklich Furchtbares geschieht, was zu Recht viele Menschen erschüttert, und ich sage jetzt nicht Ba-Wü oder W., aber Sie wissen schon, dann kommen sie in rauen Massen: die Betroffenen, die Anteilnehmer.
Wobei sie genau genommen nicht wirklich direkt Betroffen sind, aber Anteilnehmen geht immer.

So hat man ganze 16 Kerzen (16!?) im Berliner Dom entzündet, und abends gab es eine Trauerfeier. In Berlin.

Ein zu Unrecht sehr erfolgreicher Comedian (sie wissen schon, je mehr der Scheißhaufen stinkt, desto mehr Fliegen) sagt “aus betroffenheit” seine Teilnahme an seinen eigenen Premierenfeiern ab, nicht aber die Premieren selbst. Das würde ja Geld kosten, das andere ist wohlfeil. Wohlfeil. Umsonst.

Die üblichen verdächtigen Statementgeber geben ihre üblichen verdächtigen Statements ab, ebenfalls wohlfeil, und keinesfalls selbstzweckbefreit, und die Fußballer wollen in schwarzem Trauerflor spielen. Man fragt sich, wo sie betroffen sind.

Das Ganze ist doch wie die laute überschminkte fette Tante: Mit frisch gegipsten, kurz zuvor gebrochenem Bein liegt der Kleene im Kreise der Familie und Freunde und sonnt sich im Licht und Trost der Aufmerksamkeit und Geschenke.
Bis die laute, überschminkte fette Tante anrauscht und das Bild sprengt: “ACHwasHABICHMIRSORGENgemachtumdich!!! ICHkonnteDIEGANZENACHTNICHTSCHLAFENundjetzthabICH HERZRASENUNDMIGRÄNE!!!”
Und der Kleene und sein Drama ist komplett vergessen.

Man sollte sie Anteilwegnehmer nennen, das wäre genauer und ehrlicher.