Archiv für den Monat: August 2009

Wenn ich das Meer seh’

brauch ich kein’ See mehr!

(Jedenfalls für die nächsten sieben Tage, und vom Haus aus sieht man auf der einen Seite Meer, auf der anderen Bodden, also See, man kann also doch beides haben!)

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Zeit, liebe Kollegen, und bin gespannt, wie eine ganze Woche offline leben so kommt.
Godspeed!

Haus am Ende der Welt

Es war auf der Rückfahrt nach dem mühsam überlebten Weihnachten, dem ersten im Kreis der Familie ohne meine Mutter, daß ich die Idee hatte. Ach was, es war keine Idee, es war ein Bild, was ich hatte:

Ein großes Haus am Meer, für zwei Wochen im Sommer, ich darin, und alle meine Lieben können mich besuchen, wenn sie wollen. So eine Art Home at the End of the World mit ein bißchen Brothers and Sisters. (Wobei, mit dem Vergleich schieß ich mir jetzt selbst ins Knie, so zwischen Colin Farrell und Sally Fields fällt die Zuordnung dann doch leider leicht, dabei hab ich doch einen eher kleinen Mund…)

Nun gut, es wurde nur eine Woche, und auch nicht Kalifornien oder New England, sondern Ostsee, aber dafür steht das Haus nicht hinter den Dünen sondern OBENDRAUF! Mit einem unendlichen Strand direkt darunter.

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Auch Colin Farrell wird nicht da sein, aber dafür beehren mich insgesamt sieben meiner liebsten Menschen dort und ich bin sehr sehr gespannt, was die Woche so bringen wird. Noch 2 Arbeitstage zu überleben!

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… not yet saved

Es geht mir schon ein paar Wochen so, obwohl der Sommer in voller Blüte tobt. Gut, mittlerweile mischt sich ein kleiner Whiff Herbst dazu, in den Abenden, die kühler sind, in den Blättern und an der merklich schräger stehenden Sonne auf dem See:
The Summer has ended and we are not yet saved!

Es ist viel passiert mit mir seit April, viel Gutes, vieles in Bewegung, manch alte Schnur durchschnitten, manch Ahnung von Anfang, und da ginge noch was. Jetzt huscht schon leise der Herbst herein, auf Zehenspitzen, und wenns nur in meiner internen Wahrnehmung ist – bei 26° sitze ich hier mit eiskalten Füßen und dabei bin ich doch noch gar nicht bereit, ich brauche noch zwei Monate Sommer, um zu festigen, um weiter zu kommen.
So langsam kommen die Kunden aus den Sommerpausen zurück, und der Großkonzern droht den Saft abzudrehen. Interessiert mich doch alles nicht, ich will weiter nach mir schauen, weiterkommen, was erreichen, bevor es Winter wird und jede Bewegung schwer fällt!

Twenty Years – Hälfte des (bisherigen) Lebens

Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free,
The wretched refuse of your teeming shore;
Send these, the homeless, tempest-tost to me,
I lift my lamp beside the golden door!
Aufschrift der Statue of Liberty

Fast wäre es untergegangen, aber Mitte März waren es genau 20 Jahre, daß ich nach Berlin gezogen bin, ach was: ausgewandert, die Hälfte des Lebens, und das war mit Sicherheit der größte Sprung, den ich in meinem Leben gemacht habe.

“Take me away from all this Death” wünschte sich Mina von Dracula in Coppolas Verfilmung, und war bereit, dies mit ihrem Leben zu bezahlen.
Meins wollte ich ebenfalls einsetzen, und zwar voll und ganz, nach all den Jahren des Sterbens, der Enge, der Sozialkontrolle, und der unerträglichen Mutter-Sohn-Verbindung. Allerdings zum Leben, Lieben, Lachen, Frei Sein. Berlin hat mein Leben gerettet, noch ein Jahr da unten, ich hätte mich umgebracht.
Das Richtigste, was ich in meinem Leben jemals gemacht habe, niemals bereut.
Als schwarz gefärbter Sonderling stieg ich in den Umzugswagen, ein alter Transit übrigens für den Transit, und kam als geouteter Schwuler, bald weißblond, in der Stadt an.
Das erste gute halbe Jahr vor Mauerfall, das sich anfühlt wie 3 Jahre, so voll von Erleben, geschlafen wurde nicht, Tag und Nacht die Stadt bis in die hintersten Ecken erkundet, so voller Lebenshunger, damals.
Die Monate sehr bald nach Maueröffnung, als ich im besetzten Haus in Mitte zu tun hatte und ein ganz anderes Berlin kennen lernte.
Die erste Wohnung in Moabit, 1. Stock, 2. Hinterhof, Nordseite, aber immerhin ein geparktes Schiff vorm Küchenfenster, die Tür war polizeilich verriegelt gewesen , der Stromzähler ausgebaut, von wo ich dem abwesenden Hauptmieter seltsame Telefonbotschaften übermittelte. Später fand ich heraus daß er zum RAF-Sympathisantenkreis gehörte. Dann die Wohnung teilen mit zwei jüdischen Schwestern aus Budapest, eine kulturelle und politische Konfrontation.

An der Uni, zwar eigentlich nur pro forma eingeschrieben, dennoch drei Dozenten gefunden, die mich erkannten und förderten, unbedankt von mir, leider, liebe A.v.D, lieber Prof. D., lieber Prof. H. Ohne die hätte ich mit Scherheit keinen M.A., wozu auch immer der gut ist.

Aber vor allem an der Uni einen riesigen Schatz gehoben: Im April jährte sich meine Liebe und Freundschaft zum Glam auch zum 20sten Mal.

Die erste schwule WG zu dritt, bald zu zweit, in Kreuzberg in der wunderschönen Altbauwohnung in der Muskauer, leider nur mit Nordbalkon, aber. Überhaupt bisher nur zwei Mal umgezogen (ich bin eine Immobilie), immer mit dem Mitbewohner, der längst ein Bruder ist, eine lange Strecke mit vielen Biegungen, Abhängen und Kurven.
Das leerstehende Mittelzimmer, immer Raum für Gäste, Freunde, Fremde und alles dazischen. Einen Raum für Gäste vermisse ich heute. Absurd, wo wir doch heute 50 qm mehr haben als früher.

Meine 15 Minuten Berühmtsein, damals, als Engel, und die Feststellung: Gestorben wird immer. Eben dem Gebeinhaus entkommen, hier dann eine lebensbejahende Kultur im Umgang mit dem Sterben (an Aids) gefunden. Wenn man umzieht, nimmt man doch immer sich und seine Themen mit. Aber mit der Umgebung ändert sich der Umgang damit.

Die Männer, C., mein erster, der mich nicht nur in die Uni einführte, B. brachte mir Kreuzberg und Brandenburg per Rad bei, H. trug mich drei Jahre auf Händen, bis er es nicht mehr aushielt, U. für genußreiche, emotional teuer bezahlte Jahre, P. für die vielleicht reifste und schönste Beziehung. Und all die One-Night-Stands, Affären und Affärchen, Sexdates, oder auch Sex-ohne-Dates. Das Thema hat sich leider etwas verloren in den letzten Jahren.

Eine Karriere, zufällig, ungeplant, wenn auch nicht unverdient. Immerhin, ein Geschenk, ein Reichtum, eine kleine Welt nach eigenen Maßstäben gestalten zu dürfen, wenn auch manchmal verdammt schwer zu tragen und zu schützen, was mich um ein Haar einmal das Leben gekostet hätte.

Hat Berlin mich glücklich gemacht? Manchmal, ja. Manchmal, unglücklich. Oder war ich das selber?
Zumindest hat es mir alle möglichen Chancen und Gelegenheitengeboten, und im Grunde, nicht mal dafür ist so eine Stadt eigentlich zuständig.

(Inspririert durch Glammies 20-Jahre-Berlin-Beitrag vom Letzten Jahr.

Late Night, Maudlin Street

Gestern Abend einen größeren Anfall der Rührseligkeiten gehabt, so mit Trauer um Vergangenes, und Sorgen um das Kommende, uferlos, und sinnlos. Ich bin froh, das nicht verbloggt zu haben, denn heut gehts ja schon fast wieder.
Jedenfalls, Sorgen um die Zukunft muß man sich eigentlich nicht machen, man kann ja immer noch mit allem spielen, was so bleibt, wie die Dame hier: It’s a Candy Bra! Have a ball!

Och nöööööööh!

And if you must go to work tomorrow
well if I were you
I wouldn’t bother.
For there are brighter sides to life
and I should know
because I’ve seen them
but not often.
(The Smiths, Still Ill)

Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht!

Eine Woche Urlaub ist zu kurz. Zwei sehr schöne Wochenenden, eins in Brandenburg, das andere auf dem See, ein Akklimatisierungstag, zwei Tage wegen emotionaler Vorbereitung auf Termin verloren, und das wars schon.

Noch ein, zwei Tage, und dann wäre ich in der Lage, richtig Urlaub zu machen, so mit Freunde zum Essen einladen, Klamotten kaufen, im Cafe abhängen, Fahrrad ausmotten, was auch immer.

Na gut, es gibt noch zweimal Urlaub dieses Jahr, aber wieder nur jeweils eine Woche. Ich Depp, ich.

Daumen drücken bitte

Ich weiß nicht ob Sie es wußten, aber der Herr Lucky hat ja diese Woche Urlaub. Und was gibt es da Schöneres als ein wahrhaft häßlicher Geschäftstermin mittendrin? Richtig, außer Hämorrhoiden oder Darmkrebs nix.

Drücken Sie mir die Daumen, ich treffe den Haifisch vom Megakonzern zu einem Vier-Augen-Gespräch. Der Konzern ist unamused mit so einigem, was unser kleiner Streichelzoo so unternimmt, und bildet sich ein, sie können uns das verbieten. Oder alternativ dazu auch gleich ganz das Licht ausschalten.
Eine Runde Armdrücken ist angesagt. David/Goliath, Gallien/Rom, Sie wissen schon.

Update: Ich glaube ich habe es ganz gut gespielt, man wird sehen in den nächsten Wochen. Vielen Dank fürs Daumen drücken! Jetzt erstmal paar lecker Weißwein!

Brandenburg teilweise rehabilitiert

Die Landschaft ist wirklich ein Traum, besonders so im Hochsommer, offen im Auto befahren. Grillenzirpen, frisch gemähte Felder und Wiesen, Hecken, Hügelchen, vergessene Dörflein mit seltsamen Namen (Afrika! Ohnewitz!), natürlich die Alleen, und alle naselang ein köstlicher kühler See. Man muß gar nicht etliche Stunden auf einmal am See verbringen, denn gleich kommt ja schon der nächste zum Reinspringen.

Und dann erfüllt es einen mit Trauer, wenn man sich vorstellt, welche Kulturlandschaft Brandenburg einmal gewesen ist, mit Gutshäusern, Teil des preußischen Musterstaats (hier alles von Fontane einfügen, machen Sie sich die Mühe doch selber) und heute ein recht menschenleeres, vergessenes Bundesland mit großem Imageproblem, gern gemieden. Verlassen von den Bewohnern, auf der Suche nach Chancen, die es hier nicht gibt, gemieden von Besuchern, die vorsichtig geworden sind angesichts der vielen Berichte über Rechtsradikale und ihre Untaten.
Auch ich bin bei letzterem nicht ausgenommen, und das nicht nur aus bloßem Vorurteil. Unvergessen, wie sich in Birkenwerder vor ein paar Jahren die Skinheads wie Zombies aus all den Haustüren pellten, und uns auf dem Weg zum rettenden Bahnhof wie ferngesteuert vor ihnen her trieben. Die Horden am S-Bahnhof Königs Wusterhausen, die einem den netten Nachmittagsausflug am Nottekanal nach Mittenwalde zu dieser leckeren Konditorei endgültig verleideten. Der leider notwendige Besuch einer Tankstelle auf dem Weg zum lieben Freund, der den Sommer in einer Klinik an der Müritz verbrachte, als die landschaftlich bedingte paradiesische Stimmung binnen Sekunden in blanke Angst umschlug, 12 bullige Skinheads verfielen in eisiges Schweigen, als ich eintrat, um meinen Sprit zu bezahlen (mit dem sie mich anscheinend gerne verbrannt hätten.)

Und doch die letzten Tage, die Landschaft, das Einfache, das Menschenleere – ach! Nach Nordwesten hin, den Montag verbrachte ich in Havelberg, immerhin eine Hansesadt, durch all die kleinen Dörflein, das wohlaufgeräumte und gepflegte Dörflein Nitzow, das Bad in der Havel inmitten blühender Teichmummeln und Blumenbinsen. Grillen in einem alten Hof, mit bewohntem Storchennest auf der Scheune.
Die Choriner Schorfheide am Samstag und Sonntag, nur eine Autostunde von Kreuzberg entfernt, viel kleinteiliger und urwüchsiger, wo sich viele alternativere Menschen angesiedelt haben in den kleinen Gemeinden mit bloß 20 Einwohnern, wo anscheinend noch oder wieder eine intakte Dorfgemeinschaft besteht. Der Bürgermeister bringt frisch gepflückte Pfirsische und Pflaumen vorbei, auf dem Gesindehof, den Bekannte seit Jahren mit viel Liebe zum Detail und altem pittoresken Krempel zum Gästehaus ausbauen. Ein kleines Paradies, mit Katzen, Hund, Ziegen, Schafen, Gänsen, Hühnern und Hasen. Das Wochenende mit Freunden und zunächst fremden Familien dort verbringen, am Samstagabend mit allen zusammen Pizza im Lehmofen auf dem Hof backen und essen, ein Hauch Italien in der Uckermark. Und mindestens 4x am Tag in den Düstersee, oder den Sabinensee, oder den Stiernsee. Leichte Ernüchterung auf der Liegewiese am Stiernsee, wo auch viel echte Bevölkerung den Tag verbringt. Dann wieder paradiesisch und auch noch ökologisch-biologisch speisen, ein Dorf weiter in einem halbrestaurierten Gutshaus.
Die einzige Bedrohung, die ich dieser Tage sah, war die Aufschrift “Keule kommt sofort” auf einem Lieferwagen, aber dabei handelte es sich lediglich um einen Antik-An- und Verkaufshändler.

Ach, Brandenburg, ich mag dich nicht aufgeben, aber leicht machst du es mir nicht gerade.

Go green

Heute Nacht bin ich vom einem Flashmob Bonduelle-Gemüse verfolgt worden, lauter Figuren in hautenges giftgrünes Lycra gepreßt, mit Gemüseanmutungen auf dem Kopf und an den Füßen.
Obs an der Trennkost liegt?