Archiv für den Monat: Februar 2009

Ruf! Nicht! An!

Wer mich kennt, weiß, daß man mir mit einem Anruf nicht die, sagen wir, allergrößte Freude bereitet. Leider kann ich es meinen Kunden nicht so mitteilen, so daß leider leider mein Privatleben umso mehr an fehlender Kommunikation leidet.

Für die richtige Stimmung bei der Beantwortung beruflicher Anfragen habe ich daher einen Bachmannpreisträger als Klingelton bemüht:

(20sek)

In richtig harten Tagen und Wochen sorgt diese etwas härtere Gangart für das richtige Maß an Psychohygiene bei der freundlichen Beantwortung eines Anrufes:

(40sek)

Und damit nicht nur die anderen etwas abbekommen, Selbstbestrafung muß ja schließlich auch sein bei ehemaligen Katholiken, kündigt die freundliche Bree neue SMSse mit diesen dürren Worten an:

(5 sek)

Inside Lucky Strike, so you don’t have to be!

Der Plan

Hier ist der Plan:
Wenn also Assistent2 nicht wie angekündigt morgen wieder zur Arbeit erscheint, und Assistentin1 doch nicht am Mittwoch wiederkommt, und die Buchhaltung/Zentrale eh diese Woche zum Skiurlaub ist, dann bleibt Chef0 nichts anderes übrig, als selbst zuhause zu bleiben.
Radikal, ja. Aber alles andere wäre Selbstmord.
Noch so eine Woche wie die letzten beiden würde ich nicht überstehen.

Wie Lily Allen mir das Leben gerettet hat und nebenbei das vieler gar nicht so unschuldiger Passanten

Als ich gestern das Haus verließ, hatte ich schon SO EINEN HALS, und es war noch gar nicht mal schon wirklich etwas passiert.
Das hat ein junges englisches Mädel mit einem Schlag geändert (es gibt kein richtiges Video zum Song):
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Verpackt in einen sweeten 60er Sandie-Shaw-Lulu-Cilla-Black-Britpop-Sound ein kleines freches Lied als Lebenshilfe Ultra für den Hinterkopf. Es hilft! (Wenn die ersten Akkorde nicht sogar das Intro von “Raindrops keep falling on my Head” sind)
Gehen Sie also unverzüglich in einen Shop Ihres Vertrauens und kaufen Sie sich die Neue CD “It’s not Me, it’s You” von Lily Allen, und wenn Sie die erste nicht schon haben, dann die “Allright, Still” auch gleich dazu, gefälligst.
Diese Jungend muß man unterstützen, und auch wenn die Guteste auch eher durch ihre Yellow-Press-Präsenz nervt, so macht sie doch gute Musik mit guten Texten und – She’s got Balls!

So, und jetzt bastele ich mir einen Klingelton fürs Handy aus dem Song. Man sollte generell mehr lächeln.

Siehste

Wenn, ja wenn der eine Assistent schon ein paar Wochen krank ist, und die andere Assistentin an ihren hochheiligen Berlinale-Urlaub noch 10 Tage Grippe dran hängt – natürlich komplett unfreiwillig, wenn also jemand, der vor zwei Jahren noch komplett unfähig war zu delegieren, somit sozusagen allein 3 Jobs erledigt, von denen man 2 schon Jahre nicht mehr erledigt hat, und das in nicht unschwierigen Zeiten, dann klingt irgendwo aus der Tiefe diese kleine fiese und komplett nutzlose, aber enorm störende Stimme “Siehste, siehste, siehste!”

Die Markthalle des abgefahrenen Zugs

“Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!”
(Vorschlag für eine Inschrift über dem Eingang)

Ihnen gehts gut? Schon wieder dieses optimistische Wird-schon-alles-werden-Gefühl?

Das läßt sich ändern, machen Sie doch einmal einen kleinen Ausflug nach Kreuzberg, in die Eisenbahnstraße, zur gleichnamigen Eisenbahnmarkthalle. Eine Prise Verfall schnuppern, aber nicht im Sinne großartiger Romantik verfallener Industrieruinen oder überwucherter alter Friedhöfe, sondern ein Verfall, der nach Haldol, schlechten Zähnen, Altkleidern und aufgegebenem Leben riecht. Und sie werden verstehen warum eine Depression auch im wirtschaftlichen Sinn eben Depression heißt.

Bis vor sieben Jahren wohnte ich in der Muskauer Straße, und ich kann mich gut erinnern, mit welch argwöhnischen Blicken dort beobachtet wurde, wie die hübschen Altbauten renoviert und etwas über sonstigem Preisniveau vermietet oder verkauft wurden. Up and Coming und gar hübsch und liebevoll ist nicht wirklich gern gesehen in Kreuzberg, geworfene Farbbeutel waren die Antwort. Nun, diese Sorgen muß man sich heute nicht mehr machen.

Damals gab es in der Markthalle zeitweise 3 Bäcker, 3 Metzger, mehrere Biostände, eine Änderungsschneiderei, zwei Feinkoststände. Natürlich unterschiedlichen Niveaus, aber man konnte seinen Wochenendeinkauf dort wirklich erledigen, jedenfalls, wenn man seinen Arsch samstags vor 13 Uhr aus dem Bett bekam.
Es gab Feinkost Sahili, mit wirklich tollem Angebot an Leckereien, und viele davon waren auch tatsächlich frisch, ein reizender türkischer Familienbetrieb. Der andere hatte einen immer alten etwas griebigen Besitzer, und die Kost war auch nicht wirklich fein. Ein Wurstwarenstand hatte nur geräuchertes und haltbares im Angebot, dafür aber eine Verkäuferin, die original an Siw Malmkwist in den 60ern erinnerte, über Lidstrich verfügte und einen sweeten schüchternen französischen Akzent hatte.
Die Fischfrau am Fischstand litt an schweren Depressionen und bewegte sich hinter ihrem Tresen immer wie unter Wasser, ihr Mann mit dem hochroten Gesicht sah aus wie ein Metzger. Gibt es eigentlich auch Fischmetzger? Aber an dem frischen Thunfisch kam ich nie vorbei.

Heute gibt es dort noch einen Aldi, einen KiK (wahrscheinlich, damit die Kids sich dort auch mit “Deine Mudda klaut doch bei KiK” beschimpfen können, es soll ja an nichts fehlen.)
Und einen Drospa, der anmutet, als ob eine türkische Großfamilie ihn nach jahrelangem Geschlossensein einfach aufgebrochen hat, um die vorhandenen verstaubten Restbestände noch abzuverkaufen.
Ansonsten ist die Halle leer, die Stände sind geschlossen. Sogar die ALG2-Projekte, die als Zwischennutzer die Halle mit sogenannter Kunst und sogenannten Eigeninititativen aufwerten sollen, sind wieder eingegangen.

Die wenigen Geschäfte, die überlebt haben, haben das nur geschafft, weil sie sich aus der offensichtlich morbiden Luft der Markthalle gerade eben noch nach draußen geschleppt haben, die wirklich nette und gut sortierte und nicht mcdonaldisierte Videothek und ein griechischer Feinkostladen, der früher ganz hinten rechts war.
In den letzten Zuckungen kann man noch einen Schreibwarenladen besuchen, dessen gesamtes Inventar für zukünftige Filme und Ausstellungen beschlagnahmt werden sollte, bei denen es auf Original-Grußkarten, Schreibgerät und Büroartikel der 60er bis 80er Jahre ankommt. Und auf der Rückseite, in der Pücklerstraße, bietet immer noch dieser etwas penetrante Blumenhändler seine welke Ware an.

Ich glaube nicht, daß man sich über eine Gentrifizierung Kreuzbergs ernsthaft Sorgen machen muß, für jede Straße, die aufgemotzt wird, fällt hinten eine andere aus dem Raster. Und das finde ich gleichzeitig schlimm und auch gut so. Die Wrangelstraße wird immer häßlich, assig und dreckig bleiben, egal, wieviele schicke Firmen in der Schlesischen noch einziehen.

(Edit 2013: Es ist einiges dort passiert, und besonders am Freitag/Samstag soll ein Besuch lohnen.)

Gut gegeben

Auch das ein Grund, Berlin zu lieben: Neben dieser grundjämmerlich-jammernden Kampagne des DGB hat die Kampagne der Schaubühne doch gleich ein paar knackige Kommentare parat:

rentenet1

Und, das hat Herr Ivy ja auch schon festgestellt, was ist das für eine saublöde Internetadresse: www.ichwillrente.net!?

Das ist genauso blöd, wie eine Po*noseite www.ischfiggdisch.net statt www.ischfiggdisch.com benennen: .

Und die Renten-Kampagne ist genauso effektiv wie ein Neuköllner Bierkneipengespräch, aber Hauptsache, es hat im Gegensatz dazu viel Geld gekostet.

Unverschämt und arbeitsscheu

Schreibt mich doch auf der blauen Welt so ein 26jähriger Cyberstricher an, ob ich Lust hätte, heute abend mit ihm und einem 46jährigen Sex in Alt-Reinickendorf (!) zu machen, Details waren auch dabei. Dabei reichte schon ‘Alt-Reinickendorf’ für ein Nichtbeantworten.
Dafür wollte er auch noch 70 € für eine halbe der 120 € für eine ganze Stunde haben – Jesses! Die ganze Arbeit machen, und das noch in Alt-Reinickendorf, und dann auch noch bezahlen?