Archiv für den Monat: November 2006

verliebt in den lehrer, äh, anwalt

ist Mary Doreen Luckystrike.

Naja, vielleicht nicht verliebt, aber ein bissel verguckt hat er sich.
Das Problem, ich habe ihn nie getroffen, sondern nur mit ihm telefoniert, als er mich in einer verzwickten Personalsituation beraten hat. Mit seiner sehr sehr angenehmen Stimme und dem charmanten süddeutschen (fränkischen?) Akzent.
Und dabei natürlich sein Foto auf seiner Homepage im Auge gehabt. Ein schicker Anfang-Vierziger mit feschem Lächeln und fesch geschnittenem Anzug. A knight in shining Armani, äh, armour. Ich will ihn heiraten. Und einen Anwalt kann man immer brauchen, nicht nur vor Gericht.

Jetzt ist der Fall abgeschlossen, und was mach ich jetzt? Einen neuen aufmachen? Nur um mit dem Anwalt flirten zu können?
Machen Anwälte Hausbesuche? Ist es Bestechung, sie irgendwohin einzuladen? (nee, das trau ich mich eh nicht)
hmh.

lucky, i hol di mit’m traktor ab

Manchmal gerät die Imagepflege eines mißachteten Berufsstands doch zu einer wahren Augenweide (also zumindest besser als “Was Friseure können, können nur Friseure” oder “Wie der Schreiner kann’s keiner”):

bauer
Copyright: www.jungbauernkalender.at

Ich jedenfalls kam gestern ein wenig ins Träumen, von herbstlichen oder winterlichen oder sommerlichen Landschaften, strammen Burschen, viel frischer Luft und Betätigung in derselben, mit anschließendem Heißhunger und einem ordentlichen Abendbrot, und dann wieder Betätigung, diesmal aber im rustikalen Ambiente, vielleicht am offenen Kamin, und unter meterdicken Federbetten.
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Dann zappte ich allerdings in eine Bauern-Single-Show bei RTL, und es hat sich schlagartig gegeben – die Wirklichkeit sieht nämlich anders aus. Bärtige Schwiegermonster, Güllegruben, häßliche Einbauküchen. Schweißfüße und Plautzen. Hätte ich eigentlich auch wissen können, schließlich komme ich ja vom Dorf.
Tip an die Kalendermacher: niemals Geruchs-Rubbbelfelder mit aufdrucken!

Edit: Ach ich kann mich nicht beherrschen, die Utopie gewinnt! Hier kommen Mister (haha!) Juni & Dezember.
juni
dezember
Alle Fotos Copyright www.jungbauernkalender.at, aber am besten ihr bestellt euch das im Abo, da gibts auch süße Käsebauern, sweete Akkordeonspieler usw.
Und für die Oh’Behaves dieser Welt gibts das auch mit Jungbäuerinnen, mit und ohne Gummistiefel.

Edit too: Und passend dazu singt grad Cora Frost ihre Wildschweinserenade – vielleicht sollten das jetzt alles Zeichen sein? Soll ich alles hinschmeissen und aufs Land?

blutende augen & ohren

In den letzten Tagen habe ich viel Wundersames und Grausliges gesehen, genug für ein ganzes Menschenleben, zwar nur einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten, jedoch genug, um alle Kindergärten der westlichen Hemisphäre mit Alpträumen zu füllen, bis die Insassen an Altersschwäche sterben.

Ich sah Kinder in Pinguinkostümen Schlittschuh laufen und dabei Weihnachtslieder singen, steppende Eisbären mit aufgenähtem Grinsen (alle Viertelstunde auf der Bühne!), tanzende Tannenbäume mit Strapsen unterm stachligen Grün, wahlweise Schneeköniginnen oder Weihnachtsengel hydraulisch bedingt durch die Lüfte schweben (der Weihnachtsengel hatte stark aufgespritzte Lippen und einen nicht minder starken Überbiß sowie eine scharfe schneidende Stimme), Untote im Wettbewerb mit eben jenem Weihnachtsengel tanzen und singen, kleinwüchsige Erwachsene, ebenso mit starkem Überbiß, die in Kinderrollen noch einmal Weihnachtslieder singen (wahrscheinlich weil die echten Kinder ab neun Uhr nach Hause mußten).

Ich hörte Scherze die so flach waren, daß man dafür eigens eine Kanalisation hätte bauen müssen, gefühlte 23 verschiedene Versionen von ‘Jingle Bells’ und ‘Stihille Nacht’, ein Liebesduett zwischen einem alten Geizhals und einem Zombie und vieles schöne mehr. Viele Worte von Liebe auf Erden und Frieden zwischen den Menschen – genug, um ein eigenes Atomwaffenprogramm auf die Beine zu stellen. Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt, daß ich Weihnachten hasse? Schon von Kindesbeinen an?

Nicht gesehen habe ich immerhin Rolf Eden (seine Enkelinnen hatten wohl keine Schulferien), Barbara Schöne (ähem – Kur?) und Barbara Schöneberger (Ausgehsperre?). Dafür fast den kompletten alten und oder neuen Berliner Senat. Und sämtliche Musical- und SoapdarstellerInnen Deutschlands, mindestens.

Am Samstag, so höre ich, sollen die Akzente sich verschieben. Es soll Glockenspiele aus Hoden geben, Priester mit untenrum nackig, eine rasierte Königin. Und wenn sie dann vielleicht noch ein lebendes Schwein schlachten und auswaiden, oder besser noch eine Weihnachtsputte, dann wäre doch ein kleiner Ausgleich wiederhergestellt.
Und Doris Kunstmann – die würde ich auch gern mal auf einer Premiere sehen.

next week’s höhepunkte

  • Montagabend Betriebsversammlung
  • Dienstagabend: eine vorhersehbar schlimm-schlimme Premiere – wo ich doch Weihnachten sowieso hasse!
  • Donnerstagabend: eine vorhersehbar schlimme Premiere – wo ich doch Weihnachten sowieso hasse!
  • Samstagabend: eine vielleicht interessante Premiere – aber muß das am Wochenende sein? Ich hätte doch sonst vielleicht mal frei?

Muß ich also nächste Woche 3x in den Fummel steigen, mindestens 2x Rolf Eden und mindestens je 1x Glööööckler, Rene Koch, Barbara Schöneberger und wie der Dreck sonst noch so heißt sehen.
Ich hasse es. Hoffentlich sind wenigstens die Buffets gut.

last night a cabbie saved my life

Gestern: zum ersten Mal seit Wochen/Monaten vor halb zwölf Feierabend gehabt (incl. Wochenende). Und zwar um zwanzig nach neun. Außerdem ist die zweite Staffel ‘Desperate Housewives’ gestern angekommen.
Endlich, endlich mal wieder ein Feierabend, und nicht nur ein Reste-Sofa-Liegen. Beschlossen, mir mein Lieblings-Soulfood dazu zu gönnen, einen Riesenberg selbstgemachtes Kartoffelpüree mit weichgekochten Eiern (das ißt man dann bis Oberkante Unterlippe). Und ne Flasche lecker Cabernet Sauvignon ist auch noch da. Und nen schönen Mirabellenschnaps zum Anlösen des Kloßes im Magen.
Es hat wohl so vor Vorfreude im Gesicht geleuchtet, daß die Leute in der U-Bahn mich schon seltsam gemustert haben. Dachten wohl, ich hätte ne neue noch geheime Sorte Johanniskraut.
Dann, vor der Haustür: Kein schlüssel, im Büro liegengelassen! Mist!
So blieb mir nichts anderes übrig als mir ein Taxi ins Büro und wieder zurück zu nehmen, um wenigstens ein bißchen Feierabend zu retten.
Der Taxifahrer hatte ein Einsehen, als ich ‘ich bin so eine blöde Sau’-schreiend einstieg, daß er mich mit Tempo 80-90 und wie bei einer echten Verfolgungsjagd spurwechelnd und gasgebend durch die Stadt und wieder zurück transportierte, ein wahrer Schatz!
God bless the Taxifahrers!

old school – frl. schons

Inspiriert von Modestes Einschulung hier meine Einschulungsbeichte:

Meine erste Grundschule war ein wunderbares altes verwittertes Gebäude, umgeben von hohen Kastanienbäumen, gleich neben dem Rest einer alten Burg, gelegen auf der Spitze eines kleinen Berges. Vom Schulhof konnte man über das ganze Kylltal blicken. Die Schule war so verkommen, daß meistens morgens, wenn der Eimer nicht zugefroren war, im Tafelwischwassereimer ersoffene Ratten oder Mäuse schwammen.
Was Frl. Schons dann immer zum Kreischen brachte, und der stabilste Junge mußte dann die Leichen entsorgen.

Frl. Schons, über 60, stammte aus einer Zeit, in der man als Frl. auch wirklich Frl. war und darüber hinaus auch großen Wert auf eben diese Bezeichnung legte.
Sie war dürr und verfügte über die bleicheste Haut, die ich jemals an einem lebenden Wesen gesehen habe. Es sah so aus, als hätte sich die Kreide von über 40 Jahren Tafelwischen auf ihre vielen vielen Falten gelegt. Die wasserblauen Augen hinter strenger Brille konnten sich gegen den wahren prächtigen Farbpunkt in ihrem Gesicht, die langen leuchtend gelben Zähne, nicht wirklich durchsetzen.

Frl. Schons glaubte noch an bewährte Erziehungsmethoden, sie war gut geübt in schnellen kleinen gemeinen Ohrfeigen oder in schmerzhaftem Wangenzwicken. Ja, das war Anfang der 70er, und eigentlich verboten, aber eigentlich waren alle glücklich, daß sie nicht in der Parallelklasse gelandet waren, denn Herr Knop, der Rektor, glaubt noch an Prügelstrafe mit Stock und Lineal, auf Hände oder Hosenboden.

Aber ich liiiiebte Frl. Schons, zum einen, weil sie mich liebte, zum anderen hatte ich damals schon ein Faible für seltsame ältere Damen. Wohl genetisch so veranlagt.
Frl. Schons hatte auch von moderneren Erziehungsmethoden noch nichts gehört – sie glaubte an die Förderung der Begabteren, und die weniger begabten oder Lästigen reichte man halt am Ende des Schuljahres an die nachfolgende Klasse weiter.

Einschulung war für mich das Größte – einen Kindergarten hatte ich nie besucht, und wirklich sozialisiert hat mich eigentlich nie jemand, ein Einzelgängerkind. Hier waren zig neue Spielkameraden, das Lernen ging nebenher wie von selbst und so konnte ich meine Hauptaktivitäten auf die Unterhaltung der Klasse konzentrieren – ich war also der Klassenclown. Nie der Klassensprecher.
Zur Einschulung wurde ich extra neu eingekleidet: eine knallgrüne Latzhose mit sonnengelben Applikationen und einen Ranzen und eine Schultüte in knallblau. Perfekt zu meinen damals noch semmelblonden Haaren.
Gleich am ersten Schultag, als alle in den Klassenraum stürmten, suchte ich meinen Platz neben dem hübschesten Mädchen, das ich erblickte: D. Mit der ich heute noch befreundet bin. Schinkend., die man so herrlich in der Pause über den Hof jagen konnte, weil sie sich vor meinen Schinkenbroten so ekelte.
Ja, ich war ein wirklich ekelhaftes Kind.

Der Zauber war vorbei, als die Schule in meinem 3. Schuljahr in einen langweiligen Neubau umzog, wir eine neue junge moderne Klassenlehrerin Namens Frau Zahnen bekamen, die zwar wirklich nett war, aber in Punkto Old-Schoolness mit Frl. Schons so überhaupt gar nicht mithalten konnte. Ich war desorientiert, lustlos und weinte mich viele Wochen in den Schlaf, bis ich mich an ihren weniger autoritären Stil gewöhnt hatte.