Archiv für den Monat: März 2011

Japanische Zurückhaltung

Ein Freund war einmal auf Konzertreise in Japan, und besuchte dort auch einen etwas abgelegenen Tempel, den man mit dem Bus erreichte.
Am späten Nachmittag, als alles besichtigt war, wollte die kleine Gruppe mit dem Bus wieder zurück in die Stadt, also erkundigte man sich im Touristenbüro, wann denn der nächste ginge.
Freundliches Lächeln, eifriges Blättern in den Kursbuchern, nur leider keine Antworten. Auf wiederholtes Nachfragen weiterhin freundliches Lächeln, und eifriges Blättern, nach 20 Minuten wurden auch noch einige Kollegen hinzugezogen, die ebenfalls ergeben lächelten und eifrig mitblätterten.
So ging das eine Ewigkeit, bis der Reisegruppe von selber auf die Idee mußte, daß wohl an den Tag kein Bus mehr ginge, und daß sie selber schauen müssen, wie sie wieder in die Stadt kommen.
Anscheinend war es denn Touristenberatern nicht möglich, das mitzuteilen, weil es unhöflich gewesen wäre, man sagt auf eine Bitte nicht Nein und maßt sich nicht an, unangenehme Wahrheiten zu verkünden.
Man hätte also noch ein paar Tage damit verbringen können, dem Personal beim ergebenen Lächeln und eifrigen Blättern zuzuschauen.
Nun kann ich nicht beurteilen, ob das wirklich so stimmt, aber wenn ich mir die Pressekonferenzen zum GAU in japan so anschaue, macht es doch wahrhaft Sinn.
Offensichtlich muß die Welt schon selber drauf kommen, daß der (Super?)GAU schon längst passiert ist.

Wo sollse denn herkommen, die Felicidad?

(aus der bezaubernden Collage “Jetzt hat sie’s” von Katharina Franck)

Nee im Ernst, ich frag mich, wo man das immer hernehmen soll, jeden Tag antreten, mild und freundlich sein, nur um dann wieder nach Hause zu fahren. Allein allein.

Und dann noch diese Arschlochnarzisse: Da kauft man so ein Töpfchen mit winzigen Trieben und Knöspchen, pflanzt es mit Liebe und Vorfreude ein, und was macht das blöde Stück: wächst und streckt sich, und steckt seine Blüten in die andere Richtung, dreht mir so den Rücken zu – was ein Arschloch!

(Edit: Oder es war doch nur das kleine Frühlingsgrippchen, das so runtergezogen hat – ich bleib heut mal mit dem Arsch zuhause, vielleicht hilft das)

narziss

Jehtoch!

Was in Ägypten und Tunesien ging, hat anscheinend in BaWü auch geklappt, sogar fast gewaltfrei – eine fast 60jährige Herrschaft zu beenden. Was sicher interessante Veränderungen besonders im mittleren und unteren Verwaltungsfilz bedeutet, der ja jahrzehntelang ungestört rumwuchern konnte.
Besonders freut es mich aber für Rheinland-Pfalz, meinem Heimatland. Wenn ich daran denke, wie ich, als ich das erste Mal wählen durfte, das Wahlergebnis der Grünen in meinem Dorf um 100% steigerte – da werden nämlich am nächsten Tag die Stimmen kontrolliert, und die andere grüne Stimme gehörte einer Frau, die als irre und “mit der spricht man nicht” schon seit Jahren aussortiert war. Da wurd man am nächsten Tag von vielen argwöhnisch angesprochen.
Und jetzt gehts auch dort nicht mehr ohne grün, auch wenn ich die eine Spitzenkandidation mehr als fragwürdig finde.

Die Taschentücher des Diktatoren

Ist Ihnen eigentlich auch schon mal aufgefallen, daß auf fast allen Fotos mit Gaddafi er entweder ein Papiertaschentuch in der Hand hat oder ein schicker Papiertaschentuchspender auf dem Tisch steht?

Was soll uns das sagen? Hat er Koksschnupfen oder wichst er gern mal heimlich zwischen Ansprachen und Interviews?

Fürsorglich aber neben dem Punkt

Luckychen, sagt meine frisch wieder eingeflogene ukrainische Putzperle mit besorgtem Blick, hab isch in Färnsehn gesehn, ist nich gäsund, wie du sitzt, mit Computer auf die Schoß! Macht Strahlen und macht, äh, Sperma kaputt!

Galinchen, sag ich ihr, mach dir da mal keinen Kopf drum. Ob mein Sperma links dreht oder im Dunkeln leuchtet, keiner wirds mitkriegen – und Kinderproduktion steht auch nicht an.

Hochmut kommt vor dem Phall

Erst kürzlich, also gut, vor mpffeinhalb Jahren, hatte ich auf die hochverehrte Doro verweisen und zitiert:

“das ist ja mit steigender lebenserfahrung ein allgemeines problem, man will ausgesucht werden und nicht einfach nur aufgrund des eigenen geschlechts so mitgevögelt werden.”

OK – nach mpffeinhalb Jahren: Ich gebe auf. Ich gebe klein bei, ganz klein. Haben und Soll, Vogel in Hand oder auf Dach. Sie verstehen.

Blond am Sonntag

Heute ab 15 Uhr ist übrigens Bloggerblondieren bei Lucky. Ansätze oder ganz – wie es beliebt, Herr Lucky wird selbst Hand anlegen an die Häupter der Besten. Nicht, ohne sich der Gefahren bewußt zu sein.
Also, wer braucht noch? Wer hat noch nicht?

(Und in ein paar Jahren mach ich dann vielleicht Botox-Parties für alle)

Herpes in der Politik

Gestern abend beim Nachrichtenmarathon unendlich über den überquellenden Herpes am Mund des Umweltministers gefreut – endlich mal ein ehrliches Zeichen in der Politik, das garantiert nicht kalkuliert und gelogen sein kann…

Update 17.3. Für die gestrigen Interviews haben sie ihm dann einen altrosa Lippenstift verpaßt. Man kann sich aber auf wirklich nichts mehr verlassen in der Politik.

Premierentip

Wenn Sie mal auf einer Premiere mit anschließender Feier sind, und es gibt nur ein mobiles Buffett, also diese armen unterbezahlten Studenten mit Häppchentellern und Sektflaschen, dann hier ein Tip für Sie:

Stellen Sie sich zu einem dicken Mann. So einem wie mir.

Wenn es am Anfang auch nur schwer und kaum aussichtsreich ist, überhaupt ein Häppchen zu ergattern, weil diese Lichtenradener Hausfrauen sich äußerst erfolgreich Ausfallschritte und Einkesselungsmethoden von den Elstern in Ihren Reihenhausgärten abgeschaut haben, so erlahmen die dann doch ganz schnell. Und wenn dann noch Tonnen Essen da sind, kommen die Häppchen von ganz alleine zu Ihnen, für fünf Euro die Stunde haben die Buffethasen nämlich auch keine Lust, das Zeug allzuweit und mit unberechenbaren Abnahmechancen zu schleppen. Dasselbe gilt für die kleinen Mädchen mit den großen Sektflaschen.

Mittelalt im Frühling

Ungewöhnlich aktives Wochenende im Hause Lucky: Samstag erstmal spontan zum Holländer, Frühling kaufen, in blau, pink, gelb, himmelblau, orange und rot, honigduftend. Dann zum Ku’damm, den neuen Anzug abholen. Immerhin, er glänzt leicht, und immerhin, alles paßt rein, keine Gefahr, daß einem mitten auf der Premiere die Hose platzt (ein sehr ungutes Gefühl, das!), aber ach, mit den Maßen gabs keinen wirklich schick geschnittenen – und im neuen Hemd mit der Marke fühlt man sich ein wenig schröderesk. Hm, welcome middle age. Was solls. Noch ein paar Lebensmittel, dann endlich aufs Sofa. Welcome middle age.
Sonntags dann extra früher aufstehen, Wohnung saugen und Küche klar machen. Dann endlich raus auf die Terrasse, bevor die Sonne verschwindet. In Windeseile Primeln, Narzissen, Hornveilchen und Ranunkeln versenkt – es ist ein wenig wie Ostereier verstecken. Frühling angekommen, Winter adé!
Mit Weißwein in der Restsonne sitzen und darüber nachdenken, wie lange es wohl dauert, bis japanischer Fallout eben solches verbietet, aber erstmal muß man nicht nüchtern zum Abendtermin, Pflichttermin. Jetzt, wo das Gebiß fertig restauriert ist, besonders viel und besonders groß lächeln. Wirklich angenehm, der neue Anzug kneift nirgends, irgendwo eine Ahnung, wenn was gut aussehen soll, muß es auch kneifen. Egal. Egal wie die Vorstellung, Mondlicht, schau hinauf in das Mondlicht, ächz. Ich kann nicht verstehen, wie das so ein Erfolg sein kann, langweilig, wie es ist. Einziger Höhepunkt, als die Nebelmaschine es übertreibt und die ersten Zuschauerreihen verschluckt, wie einzelne Menschen verzweifelt und nach Luft schnappend vom Sitz aufspringen. Allerdings in den letzten Wochen wesentlich Schlimmeres gesehen, auch auf Bühnen.
Und auch schon beschissenere Wochenenden gehabt.