Archiv für den Monat: Dezember 2009

Die Ferres Vroni hat ihren Typ gefunden:

Nach endlosen Wirrungen als leidgeprüfte deutsche Spaltungs- oder Flüchtlingsmutti hat die Ferres-Vroni endlich ihre Bestimmung gefunden: als als Großfischsäuger des deutschen Fernsehen:
“Kämpfe für das, was du liebst: das Geheimnis der Wale!”

wale2

Rettet die Wale!

wale

Jetzt müssen sie nur noch für die Berben was finden – vielleicht was mit Echsen.

Different but same

Spannend, so ein öffentliches Tagebuch, man kann nachlesen, wie man jedes Jahr vor dem Fest so zum Fest stand. Viel passiert, in den letzten Jahren.
Gestern die Geschenke (und einen Hexenschuß, oben zwischen den Schultern) besorgt, allerdings nur für die Kinder (wo kommen all die Kinder auf einmal her? Es mutet ja fast an, als ob ich auch auf dem letzten Drücker bin?), und na gut, für die Mütter darfs dann auch was sein, das Leben ist ja sonst schon ungerecht genug. Jedenfalls, wissen Sie, wie man Menschen 3 Tage vor dem sogenannten Heiligen Abend nachhaltig verunsichert? In Schlangen vorlassen, der gestreßten Kassiererin sagen, sie soll sich Zeit lassen, oder jemand die Tür aufhalten. Die fühlen sich komplett verarscht, garantiert.

Jedenfalls habe ich dieses Jahr nicht einmal darüber nachgedacht, nicht zum Rest der Restfamilie zu fahren. Vielleicht liegt es daran, daß letztes Jahr vielleicht das schönste, entspannteste Weihnachten war, an das ich mich erinnern kann. Es fühlt sich pervers an, das zu sagen, immerhin war es das erste ohne Mutter, und ich allein im leeren Haus.
Schlimm, die erste Nacht, als sich in dem klammen Haus die überparfümierte Bettwäsche mit dem Muff der immer noch unausgeräumten Schränke wie ein öliger Film auf meine Haut legte. Gut der nächste Tag, als die Sonne schien, ich ordentlich gelüftet hatte und mir einen eigenen kleinen Weihnchtsbaumersatz improvisierte. Und ganz entspannt und frei die Zeit mit Schwester.
Nicht so entspannt der Tag mit Tante und Familie, denn Tante hatte eine eigene bzw. keine Strategie, mit dem offensichtlichen Verlust umzugehen.
Nun, dieses Jahr wird das anders, denn Tante ist nicht mehr, und für einen Tag zumindest findet ihre Restfamilie Asyl bei uns.
Same same, but different. Different, but same same.
Also ich wünschte schon, ich hätte auch mal andere Themen.

Bleeding Heart Days

Muß dann doch die Vorweihnachtszeit sein…
Während ich in meinem Leben hause wie eine Made in einem Kadaver (siehe unten), gibt es so viele Menschen, die mir nahe stehen und die ein echtes Problem haben…

F., meine beste Friseurin vor Ort und dazu noch alte Bekannte, geht gleich nach Neujahr ins Krankenhaus, zu ihrer 4. Mastektomie. Ich wußte gar nicht, daß sie überhaupt Brüste hat, so schlank und jungenhaft ist sie, aber Platz ist anscheinend in der kleinsten Hütte. Diesmal läßt sie sich alles ratzeputz entfernen, und später mit einer deutlich größeren Körbchengröße aufpolstern. Ihre Mutter ist vor einem halben Jahr an Krebs am anderen Ende gestorben, ganz schnell, noch jung, und das letzte, was sie momentan braucht, ist das. Das Probelm dazu: sie ist alleinerziehend mit 9jährigem Sohn, und verdient als Selbständige in den mindestens acht Wochen, die sie nicht arbeiten kann, keinen Pfennig. Wenn also jemand einen Job weiß, den man von zuhause machen kann, ohne sich allzuviel zu bewegen, her damit!

Die J. ist in der Klinik, Seele flicken, und ish würde sie zu gerne mal fest drücken. Was sie schreibt, hört sich befremdlich bis grausig an, aber immerhin zunehmend mit kleinen Lichtsprengseln drin.

Der D. muß ich noch beibringen, daß ich nicht Patenonkel ihres Kleinen werden will kann, eigentlich eine Anfrage, die eine Ehre ist und die man an sich nicht ablehnen darf. Sie wird verletzt sein.

Kollegin L., eine Prachtkumpelin, auch wenn ich sie nicht oft sehe, liegt seit 8 Wochen im Krankenhaus im Wedding, anfangs kleine Sportverletzung, dann Entzündung, usw usw. Sie leidet wie ein Tier, denn ihr Seelenheil hängt daran, daß sie jeden Tag eine Stunde laufen kann, und sich sonst viel bewegt. Sie ist eine der schicksten und schönsten und toughten Frauen, die ich kenne, aber einmal habe ich sie auf der Straße ungeschminkt und nicht zurechtgemacht gesehen, und sie sah aus wie der Geist von Miss Havisham. Da habe ich mich ein bißchen in sie verliebt.
Unnötig zu sagen, daß ich sie bisher weder angerufen noch besucht habe.

Die I. muß wieder ins Krankenhaus, nochmal der Fuß. Ich hoffe, daß ich diesmal nicht vergesse, sie zu besuchen.

Heute nacht habe ich geträumt, daß ich meiner Mutter geholfen habe, beim Pflanzen eines Brombeerstrauchs, sie telefonierte. Ein wunderschöner Fleck Garten, am Hang blühte dicker rosa Mohn und Gräser, und als ich das Pflanzloch aushub, krachte die Erddecke zusammen, zwei Särge wurden sichtbar. Einer war offen und beherbergte eine verkrümmte Leiche, feucht und bräunlich und grausig anzusehen. Vor Schreck wankte ich, der Boden brach mehr ein und ich fiel mit voller Wucht auf den anderen, ebenfalls gefüllten Sarg. Mit Schrei wurde ich wach. Wenigstens paßte der Traum zu den anderen letzte Nacht, mit verschiedenen Leuten war ich auf der Suche nach Herberge, einem Versteck, und immer, wenn wir in den verlassenen Bauten gemeint hatten, etwas zu finden, lagen dort verrottende Leichen.
Sehnse, schon wieder ich ich ich.

The Ersatz Life

In meiner Küche schimmelt seit Tagen eine Ananas und die Schalen der Pellkartoffeln von x sind auch nicht mehr braun. In der Ecke sammeln sich die leeren Weinflaschen seit (will ich jetzt auch nicht wirklich wissen.) Unter dem Wohnzimmertisch stapeln sich die benutzten Teller, und das Waschbecken im Bad ist auch mal weiß gewesen, das weiß ich genau. Hinten im Auto liegt seit letzter Woche die neue elektronische Zahnbürste, auf die ich mich gefreut hatte, und noch irgendein nützliches elektrisches Gerät, ich komme aber grad nicht drauf, welches.

Es ist Hauptsaison auf Arbeit, oberstes Gebot: genug Wasser trinken tagsüber und gelegentlich einen Happen essen, überleben ist alles, leben ein andermal.

Aber abends, wenn man wirklich nichts mehr sehen und sagen und hören will, dann gibts Serien, so als Lebenssimulation. Aktuell Brothers & Sisters, dritte Staffel. Das ist eigentlich dasselbe wie Dallas oder Denver, nur in zärtlicherem kalifornischen Licht, mit Ökolebensmitteln und Rotwein statt Öl als Handelsware, kleineren Frisuren und ohne Schulterpolster.

Man steht voll im Leben (anderer fiktiver Menschen) und braucht aber selber nicht ran. Ersatz eben. Erleben ohne Leben – was eine tolle Erfindung!
Allerdings habe ich mich auch schon auf Parties dabei ertappt, vorspulen zu wollen, beim Gang auf Klo oder in Küche Pause drücken zu wollen oder auf direkte Ansprache nicht zu reagieren.

Da fällt mir auf

daß ich ganz vergessen habe, mich über mich in dem Video und den Fotos auf der Weihnachtsfeier aufzuregen, wissen Sie noch, was los war, als ich letztes Jahr Fotos machen lassen mußte für die Homepage?

Und jetzt, und es ist wahrlich kein schöner Anblick, besoffen, schwitzend, gestikulierend, grimassig und fettleibig, und es ist mir egal bis ich finde es lustig.
Leck mich, Ingeborg.