Archiv für den Monat: September 2011

Legion – oder die seltsame Gräfin vom Schlachtensee

Es ist schon ähnlich frustrierend wie ein Auto zu haben aber keinen Führerschein, wenn man die Schlauchboote im Kofferraum und auf dem Rücksitz zurücklassen muß und sich stattdessen ein Ruderboot mieten muß, weil man keine Lust hat, sich seinen Poppes zu verkühlen, indem man ein paar Stunden zu nah auf dem doch schon deutlich erkalteten Schlachtensee zu sitzen.
Aber wir wollten noch ein wenig Sommergefühl aus diesem Altweibersommer quetschen, und eh haben wir beschlossen, uns wenigstens einen Tag am Wochenende der Welt zu zeigen und ungekehrt.
Aber wenn, dann gibt es keine Alternative, wenn schon Ruderboot, dann nur beim Verleih der schattigen Gräfin am Schlachtensee – purer Menschenhaß gepaart mit altem gammligen Westberlin und dann noch in den Arsch gefickt mit blanker Geldgier.
Die arme Frau vor mir in der Schlange, die noch schnell ein Boot wollte und nur fragte, ob das Boot denn um 18 Uhr schon zurück sein müßte, wenn um 18 Uhr Schluß ist – ich dachte sowas liest man nur ein Schauerromanen, aber nein – blanker Haß schüttelte die seltsame Gräfin, der Kopf fing bedrohlich an zu rollen, Zischlaute und andere nicht menschliche Geräusche stießen aus dem greisen Körper – ein Schauspiel, das die Szene in Legion komplett in den Schatten stellte – ich war froh, daß die Alte uns derweil den Rücken zu drehte, man liest ja auch in Schauerromanen auch von furchtbaren Anblicken, die einen um 50 Jahre altern lassen.
(Und um Ihnen das zu ersparen: 18 Uhr Schluß bedeutet, daß dann das letzte Boot rausgeht und spätestens um 19 Uhr wieder da sein muß. Was allerdings passiert, wenn Sie dann 3 Minuten zu spät kommen, well, da muß Hollywood erst noch einen Film zu drehen, oder besser noch, Glämmie schreibt einen Roman drüber.) Ich habe jedenfalls jetzt eine Ahnung, woher der Schlachtensee seinen Namen hat.

Jedenfalls, ein wohl doch jetzt letzter Spätsommertag auf dem See, nicht so heimelig wie mit dem Schlauchboot, aber immerhin – dem grauen Herbstwinter noch ein Schnippchen aus den Händen geschlagen. Und nächstes Wochenende darf der Glammer bestimmen, ich bin gespannt.

Nüsse, Krähen und Elefanten

Ein Heidenkrach im Hinterhof heute nachmittag. Die Krähen haben Nüsse gefunden und probieren die richtige Fallhöhe um sie zu knacken – knick knock dongelong krack – vom Dachfirst über die Dachfenster über die Zinkverkleidung in den Hof.
Und es sieht so aus, als ob sie auch einen Heidenspaß dabei haben, wie sie tanzen.

schachtelhalm

Im Hintergrund fliehen die Helden in Ketten und ich sitze immer noch leicht hung over von gestern in der Altweibersonne, oben heiß und unten kühl, zwischen herbstlichen Blüten und habe Water for Elephants angefangen – wahnsinnig tolles Buch, bin erst 24 Seiten weit und mußte schon zweimal weinen, so schön ist es.

sonnenhut

Es gibt einfach perfekte Momente.

passion1

(UND grade festgestellt, daß ich nicht so dringend einkaufen gehen muß – unbezahlbar!)

Von Berlin nach Straßburg

Ok, wollnwer doch mal zusammenzählen:
- aktive Behinderung der Polizei und Justiz bei der Aufklärung von Mißbrauchsfällen durch Vertuschung und Anmaßung eigener Gerichtsbarkeit – check
- aktive Beteiligung bei der Verbreitung von Seuchen durch mündliches Verbot von Präventionsmitteln und aktivem Verhindern der Erhältlichkeit derselben in armen Ländern – check
- aktive Verstöße gegen Menschenrechte und Grundgesetze durch aktive Diskriminierung von Frauen, Homosexuellen und Transidenten auf dem Arbeitsmarkt, im Arbeitsrecht; versuchte und oft geglückte Beeinflussung der Gesetzgebung in diversen Fällen wie Abtreibungsrecht, Eherecht etc. – check
- Autokratischer Herrscher eines durch einen Vertrag mit einem faschistischen Herrscher (nicht Hitler) gesicherten Stattes, der nicht mehr der Gerichtsbarkeit untersteht – check

Ich könnte jetzt so weitermachen, bis mir der Schaum vorm Gesicht steht, deswegen hör ich jetzt auf, aber so jemand gehört nicht als Gast in den Bundestag, sondern als Angeklagter vor den Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.
(Sachlicher gings jetzt beim besten Willen nicht)

Gummibärchenwahlstrategie

Bei mir im Wahllokal gabs sogar Gummibärchen. Rote, grüne, gelbe und orange. Als ich meinem Hintermann in der Schlange drauf aufmerksam machte, daß hier subtil die Wahl beeinflußt würde, weil keine schwarzen Gummibärchen angeboten würden, kam die Wahlhelferin aber gleich ins Schwitzen, von wegen, stimmt, da hätten sie auch Lakritz reintun müssen, aber es wäre doch nicht so schlimm, es würden ja nur Kinder Gummibärchen bekommen.
Verstehe, langfristige Strategie, die C*U auszublenden, Generationending. Vor dem Hintergrund aber schwer verwunderlich, daß es überhaupt gelbe Guzmmibärchen gibt.

Es war ein großes Finale

das uns am Sonntag noch vom Sommer geschenkt wurde.
Noch ein letztes Mal richtig heiß und Sonne, wo wir uns so oft dieses Jahr unter wolkenverhängenem Himmel begnügt haben, auch wenn das Wasser echt schon was britzelfrisch war.
Und beim Boote aufpumpen (immer eine unwürdige Situation; ich habe ja eigentlich sogar eine elektrische Pumpe im Kofferraum, was ich aber keinem verrate, weil irgendwie geht das gegen die Boating-Ehre, vor die Freude haben die Götter dne Schweiß gesetzt oder so), jedenfalls beim Boote aufpumpen an der Straßenecke, kurz nachdem uns die ohne erkennbaren Grund rotbehelmte Frau fragte, wohin denn die Reise geht, ob bis nach Panama, da liefen hübsche nackte Füße an mir vorbei, und beim Hochgucken hing auch ein paradiesischer junger blonder Jungenskörper dran, in frisch gebügelten weißen Boxershorts, Zehlendorf eben, ansonsten nackt. So eine Schönheit, die es sonst nur in amerikanischen Serien zu sehen gibt, aber nicht in 3D.
Also so richtig ein Anblick für uns beide alten Säcke, pardon, mich alten Sack und den Glam, und dahinter ein hysterisch gackerndes Mädel, der Junge hatte wohl eine Wette verloren und mußte so rumlaufen, und wir waren beim Kopf-Foto-Machen sowas von ertappt. Gottseidank ist mein Reflex, wenn mir was sehr sehr peinlich ist, ein furchtbarer Lachkrampf, der Glam behielt eh seine Countenance (wurde aber auhc ziemlich rot). Er sieht ja auch öfter halbnackte junge Menschen als ich.
Und so war es dann ein glorioser letzter Sommertag auf dem Wasser, mit freundlich grüßenden Schwimmern in Glams liebster Optik (langes blondes Haar und schönstes Lächeln), wenn auch ohne unsere üblichen liebsten Seebegleitungen, die dieses Jahr sowieso komplett geloost haben, denn sie haben sich nicht einmal angemeldet. Mit Ausnahme der wunderbaren Hotel Mama natürlich, aber ansonsten: their loss, zu spät. Ich hatte aber auch nicht einmal das Bedürfnis, andere zu ihrem Glück zu überreden.
Auf dem Rückweg mit offenem Verdeck schon die ersten Regentropfen, was aber keinen davon abhielt, dem Shuffle-Modus blind zu vertrauen und laut mitzusingen, unter andem bei Kate Bushs The Big Sky (Meteorolical Mix), sogar an der Ampel stehend. Wat mutt, mutt.
Und kaum zuhause die Tür zugemacht, beginnt es, das große formidable Gewitter, zwei Stunden Lightshow und Percussion vom Feinsten, rumdum, ich mit Logenplatz auf der Terrasse, den besten Blick auf horizontumfassende Blitze, auch wenn es sogar mir irgendwann zu brenzlig wurde beim Gedanken, von einem Blitz getroffen zu werden.
Warum eigentlich, nach so einen perfekten Tag?