Archiv für den Monat: Januar 2011

Slum drüber – Endlich wieder frei!

Puh, es ist geschafft. Ich gestehe, ich habe jede einzelne Folge Dschungelcamp gesehen, sklavisch, und ich schäme mich rein gar nicht dafür – zunächst schaute ich nur aus reiner Häme, denn wer guckt nicht gern unwichtigen Leuten beim Abgeben der Rest-Menschenwürde zu, aber dann bekam das Ganze ja ungeahnt Meta- und Meta-Meta-Ebenen.
Die reine Freude, die Strategien der Teilnehmer durch die Strategien des Senders und dann nochmal durch die Strategien von beiden durchgewurstet zu sehen, das Geknarze der Inszenierungsmaschinerie durch zu hören – Brecht! Grand Guignol! Shakespeare! Griechische Tragödie! (Ach, lesen Sie sich die metakulturellen Verweise selbst im Feuilleton zusammen.)
Jedenfalls, eine Freude, eine spannende Sache, und ich ließ meine Sym- und Antipathien gerne und voller Wollust lenken und treiben – wenn man das als Serie schreiben wollte, müßte man sich ganz schön Mühe geben.

Daß der gute Peer gewinnen würde, dachte ich mir allerdings schon nach dieser Mobbing-Szene (und ich freu mich für ihn, was auch immer er davon hat). In echt ist der übrigens genauso, wir hatten in dem Laden mal eine Weihnachtsfeier, wo Glam seine Hose verloren hat. Die Bedienung war überfordert und kam mit Getränken nicht nach (beim Essen wars ja auch einfacher, einfach ein Riesenstück Käse in nen Schmelzapparat, und dann lauter kleingeschnibbeltes Zeuch auf den Tisch.) Jedenfalls, Peer, der Chef, kam später raus, und fragte, wie es uns so gefällt. Ich war grippal, schlechtgelaunt und ungnädig und beschwerte mich über die schlechte Bedienung. Da fing er an zu weinen und zu greinen, hatte aber immerhin den Anstand, erstmal eine Flasche Champagner zu holen, was wiederum den Glam sehr begeisterte, und in späterer Folge zu eben jenem Hosenverlust führte.

Aber ich bin auch unglaublich erleichtert, daß das jetzt zu Ende ist. Die Sendezeit lag so ungünstig, daß man weder vor- noch nachher noch einen Film oder eine Serie reinquetschen konnte, und ich so auf Rumzappen beschränkt war. Und da fühle ich mich unglaublich infiltriert vom Privatfernsehen, sah diesen ekligen Lederhäutigen arme doofe Teenager runterputzen, schlimmste Comediens unlustige Sachen tun, und hätte bei den RTL-Nachrichten sogar um ein Haar z.B. das mit Ägypten verpaßt. Mal abgesehen davon, welchen Teil der Gesellschaft man da ungefragt dauernd präsentiert bekommt. Oder ist Deutschland wirklich so?

Ab heute jedenfalls nur noch selbst oder von Glam ausgesuchte Serien, Serien und Filme – bis es hoffentlich in einem Jahr wieder zwei Wochen slummen gibt.

Haltense durch!

Jaja, es ist schon noch Winter, und auch noch einige Zeit, aber die Zeichen sind unverkennbar: der Vorfrühling (wie ihn Frau Engl nennt) drängelt sich schon dazwischen: die Tage sind deutlich länger, es riecht schon anders, ab und zu streicht einem ein kleines lauwarmes Windchen um die Nase, mein Winterjasmin blüht schon auf der Terrasse, und eben ist eine großer Pulk Graugänse mit großem Getöse über mir nach Norden geflogen.
Winter, du kannst dich noch ne Weile wehren, aber gewinnen wirst du nicht!

Berlin liebt mich

“Ach, Herr Lucky, der Urlaub muß Ihnen ja sehr gut bekommen sein, Sie sind ja ganz rot!”
“Das nennt man jetzt braun, Frau Heidi, und ja, der Urlaub war herrlich.”

Seit gestern Abend Rückkehr muß mich Berlin sehr sehr lieben – jedenfalls zwingt mich jede einzelne verschissene Ampel, an der ich sonst achtlos in grüner Welle vorbeigefahren wäre, zu ein paar Minütchen Verweilzeit im Rotlicht (Ach verweile doch…). Anders ist es nicht zu erklären, außer sie hätten alle Ampeln umgestellt in der einen Woche.

Kleine Strand-Schneekugel

Na gut, die Sonne zeigt sich am äußersten westlichen Zipfel der Bananenplantage, dann geh ich doch mal hoch, gleich erreicht sie auch die Terrasse.
Frau Koma hat schon den ersten Pott Kaffee aufgesetzt, ein verstrubbeltes “Guten Morgen”, und raus mit The Hunger Games in die noch wirklich frische Luft, erster Kaffee und natürlich erste Zichten.
Frau Koma kriegt immer schneller Hunger als ich und macht sich bald daran, Bacon zu braten, Spiegeleier, der Frühstückstisch wird gedeckt, Melone wird aufgeschnitten und es wird ausgiebig gefrühstückt, in der Sonne, die fast schon zu sehr wärmt. Das Meer ist von blaugrau auf tiefblau gewechselt, und immer wieder hört man die großen Wellen an die Steilküste bollern.
Nach dem Frühstück muß man sich erstmal ausruhen, also raus die Liegen und die Bücher und ein, zwei therapeutische Sekt. Für en Kreislauf versteht sich.
Sonnencreme braucht man fast keine, die Luft ist voller kleiner Salzwassertropfen, die man auch auf dem Lippen schmeckt.
Ab und an ins Internet geguckt, die Klickzahlen auf unseren Blogs überschlagen sich, was erwarten die wohl, wir schreiben doch gar nichts, haben die kein eigenes Leben?
Stunden später kommt eine gewisse Unruhe auf, obwohl, Unruhe ist dafür das falsche Wort. Wir sollten wirklich mal an den Strand. Also runter durch die Finca, zu dem schmalen Pfad, der unter Tamarisken oder neben freiem Fall zu dem kleinen Strand wo die großen Wellen eine wilde Gischt entfachen, wie sie aufeinanderknallen. Jede Welle scheint gewaltiger als die vorige, wie sie sich petrolfarben überschlagen, und dann in reinstem Türkis mit viel weißem Schaum auslaufen. Schwimmen kann man hier nicht, wäre auch eh zu viel Betätigung, aber man kann sich in den Schaum und die Gischt stellen und die Wellen mit sich spielen lassen.
Oder man setzt sich in den schwarzen Sand und beobachtet die anderen bei dem Spiel, schöne braune junge Körper oder auch viele alte greise, und wenn man Glück hat, kommt auch der ein oder andere Surfer mit Brett, um mit den Wellen zu spielen. Das kann man dann stundenlang betrachten, wie eine Lavalampe, der nächste Höhepunkt immer nur eine Sekunde entfernt. Abgesehen davon, daß so ein richtiger Neopremanzug jeden Körper gut formt, und wenn man Glück hat, sehen sie auch beim Ausziehen gut aus. (Frau Koma an einem Strand mit neoprenbekleideten Männenr müssen Sie sich in etwa so vorstellen wie ein hungriges Kätzchen vor der Auslage eines gut sortierten Metzgers.)
Irgendwann verschwindet die Sonne hinter der Steilwand, und es wird Zeit, sich um Abendessen zu kümmern, danach wird Dschungelcamp geschaut und wir wetteifern miteinander, wer die blödere Sarah geben kann, dann ist es schon wieder Zeit fürs Bettchen, denn morgen ist wieder so ein schwerer harter ereignisreicher Tag wie heute.

Nichts was wir tun können

außer uns auszuruhn.
(Wir sind Helden) (Wir auch)

Puh, das war knapp, um ein Haar Kittys Morgenmedikation verpaßt – ein Sekt allerhöchstens eine Stunde nach dem Frühstück, sonst weiß man nicht was passiert, wo ja außerdem noch Vollmond ist.

Außer der Landschaft, wenn es denn welche gibt, und dem Klima ist ja nichts reizvolles hier. Ok, es gibt Santa Cruz, die Hauptstadt hier, da könnte man hinfahren, aber Stadt haben wir ja ab morgen/übermorgen wieder im Übermaß.

Inselrundfahrt links- und rechtsrum, Berge, Täler, alles sehr eindrucksvoll, aber wenn man sich hier sagen wir 14 Tage von Restaurants ernähren müßte, würde ich spätestens nach acht Tagen in irgendeiner Restaurantküche Amok laufen. Es gibt alles, was eine Nachkriegsgeneration aus England und Deutschland als “feines Essen” bezeichnen würde, also Fleisch aller Sorten mit Pfeffersauce, oder Überbackenes mit Käse, oder alles wo man Shrimps oder Prawns auch noch drauflegen kann. 12 Standardgerichte auf allen allen Karten, plus ein “Original Kanarisches” Gericht, mit Fisch, Pellkartoffeln und zwei Soßen, wo es aber reicht, wenn man das einmal ißt, des Lokalkolorits zuliebe. Die gesamte Gastronomie sollte über eine der vielen Steilküsten entsorgt werden.

Also ist alles,was man wirklich braucht, ein okayes Appartment mit wirklich großer Terrasse zum Meer mitten in einer Finca, einen Supermarkt in der Nähe, und Frau Koma, die man mit Gewalt aus der Küche entfernen müßte. Nicht, daß ich nicht gerne kochen würde, aber noch lieber lasse ich mich bekochen, morgens und abends, wenn es sein muß.

Ich bin ziemlich sicher, daß Frau Koma in den nächsten Wochen auf gar keinen Fall Musik hören wird, zu der eine Frau singt oder kreischt, aber sie wird wohl gewußt haben, worauf sie sich eingelassen hat, und zur Not hat sie Medikamente.

Übrigens eine spannende Mischung, mit Frau Koma in Urlaub (alles wunderschön), und dann abends dazu Dschungelcamp gucken, und tagsüber und nachts The Hunger Games fertig lesen ;-)
Wir halten uns nicht nur im Vergleich wirklich gut, und ich glaube ich bin sowas wie ihr Baldrian.

Pornös, aber nicht an mir

Ein ganz knappes Badehöschen gekauft, in weiß, weil der Surferladen und die Umverpackung mich meine eigene Körperlichkeit kurz vergessen ließ.
Das Höschen sähe traumhaft aus am Ereignishorizont i.R. oder am Skaylight, sie wissen schon, vorne grade genug Platz für die Kronjuwelen, seitlich für den Sixpackansatz, und hinten so, daß die obere Hälfte des Apfelarsches so richtig schön rausgucken kann.
Also definitv nix für mich.

Ist mir aber für hier grad komplett mampe, es kennt mich ja hier keiner, und Frau Koma hat Medikamente für sich, falls es zu schlimm wird.

Girl with a Gong

Wenn Sie auf einem der Panoramaparkplätze am Teide grade zum Auto zurückgehen, und wenn dem jungen spanischen Pärchen im Auto vor Ihnen grade fast das Gesicht platzt vor Entsetzen/Überraschung/Schadenfreude/haltlosem Lachen, weil es hinter Ihnen gerade ganz fürchterlich laut gegongt hat, dann hätten Sie auf das, was Sie aus dem Augenwinkel gesehen haben, viel viel schneller reagieren und die Kamera rausholen sollen.
Dann hätten Sie jetzt ein Video für Youtube, in dem Frau Koma mit einem gewaltigen Anlauf und einem Sprung gezielt gegen das Schild knallt, einen Gong erzeugt, der durch die ganze Hochebene schallt, wonach sie ein wenig bedusselt auf dem Hintern landet.
Schade, mit Video hätte sie es bestimmt zu Menschen 2011 geschafft, bitte, was ist ein schielendes Opossum schon für eine Konkurrenz!?

Easy does it

Frau Koma ist einfach – man gibt ihr nach dem Frühstück ein Glas Sekt und schon wirft sie sich auf die Sonnenliege wie Rainer L. für eine Dschungelprüfung. Keiner kommt zu Schaden.