Archiv für den Monat: Oktober 2006

Titanic ohne Untergang

Das Klirren kommt zeitverzögert. Kein Wunder, denn die leere Weinflasche hat einen weiten Weg vom Dach des fünften Stocks bis zum Bürgersteig. Das Klirren kommt als Erleichterung, denn eine Schrecksekunde sah ich Elisabeth, die Messiefrau aus dem zweiten Stock, die ihren gesammelten Trödel mit selbstgeklauten Blumen zu widerwärtigen kleinen Objekten verarbeitet, um sie dann nachts in den Bars von Kreuzberg an die Besoffenen zu verkaufen, mit großen Augen und einen noch größeren Loch im Kopf unter ihrem Fahrrad liegen.

Die Flasche ist mir entglitten beim Versuch, Nachschub auf das eben nicht flache Dach zu bringen. Ich, der ich normalerweise schon Höhenangst bekomme, wenn ich auf einen Stuhl steigen muß. Aber heute nacht ist das anders, kein Schwindel.

Wir befinden uns auf einer Zwillingsparty, dem Geburtstag des heißgeliebten besten Freundes Glamourdick. Und wenn ein Zwilling zum Geburtstag lädt, dann kommen viele schöne Menschen. Einige außen schön, andere innen schön, und einige davon schaffen es auch aufs Wunderbarste, das eine mit dem anderen zu verbinden. Es gibt von allem reichlich, nicht nur vom Wein. Inspiration, Liebe. So reichlich, daß zwei Zwillinge eben ihre Kleidung getauscht haben. Crossdressing nur so, aus reiner Liebe.

So sind wir alle irgendwann auf dem gefährlichen Dach gelandet, das nicht flach ist. Noch näher am Himmel. Oben weht ein milder Wind, von unten schallt die Musik hoch, die Frank ausgesucht hat, und er mag aufgeblähte Musik. Solche, wo bevorzugt Frauen mit großen Nasen zeigen, wieviel Luft noch in ihnen steckt.

Im Westen spielt der Nachthimmel noch das orangene Leuchten der Stadt zurück, im Osten tasten sich die ersten rosafarbenen Finger des Morgen heran. Davor, das Altenheim gegenüber, dessen Treppenhausfenster Tag und Nacht neongraublau von Pflege, Alter, Demenz und Tod erzählen. Nach und nach gehen in den Zimmern die Lichter an, die alten Leute werden schon um fünf Uhr morgens gewaschen, für einen neuen Tag, der genauso sein wird wie der gestrige, und der morgige, der vielleicht nicht mehr kommen wird.

Da, von unten erklingen diese schrecklichen irischen Flötentöne, Celine Dion schwurbelt sich in den Refain, und plötzlich fallen wir alle ein: “…and your Heart won’t go on” singen wir für die Alten im Heim gegenüber, von unserem Titanic-Dach, auf dem wir besoffen tanzend balancieren.
Wenn die Alten uns hören sollten, schon frisch gewaschen und fertig gemacht für den Tag, werden sie sich denken “Na, momentan steht ihr dem Tod aber deutlich näher als wir, Abstand ungefähr zehn Zentimeter, wie’s aussieht.”

Recht haben Sie, aber das merken wir nicht, beflügelt und beschützt von unserer Freundschaft, unserer Liebe und dem Wahnsinn, der unser Leben ist.

note to self

Sich mal so richtig durchficken zu lassen, entspannt ganz ungemein, vertreibt Sorgen, verursacht gute Laune, Zufriedenheit und Gelassenheit und Muskelkater an den seltsamsten Stellen.

Und Glück verbreitet sich in Wellen an ganz wunderbaren Stellen (2Raumwohnung)
Wenns Arscherl brummt, ist’s Herzerl g’sund. (Brandmalerei auf Holzbrett)

Note to self: Don’t forget about the sex thing. Regelmäßige Anwendung empfohlen. Wußte auch schon Kate Bush, die das wohl mit 16 oder so geschrieben hat.

Ja, ne, ganz vergessen, daß das hier ein schwules Blog ist?
(And pardon my french)

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Dolle Wurst! Hätten sie nicht wenigstens ne schöne Pflanze nehmen können?
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Pffft!
Bin mal gespannt, wann die eine Petunie ‘Glamourdick’ rausbringen.

Mashed Potatoes: Rufus Wainwright with Annette Humpe

Warnung! Führende Ärzte und Apotheker empfehlen bei akuter Anfälligkeit für Depression oder Traurigkeit, diesen Giftschrank fest verschlossen zu lassen

I eat dinner at the kitchen table
By the light that switches on
I eat leftovers with mashed potatoes
No more candlelight, no more romance, no more small talk
When the hunger’s gone

Wenn Du mich nicht liebst, macht nichts.
Wenns mich nicht mehr gibt, macht nichts.
Wenn ich nichts erreich im Leben,
macht mir gar nichts aus.

I eat dinner at the kitchen table
And I wash it down with pop wine.
I eat leftovers with mashed potatoes
No more candlelight, no more romance, no more small talk
When the hunger stops

Ich bleib einfach hier sitzen bis die Nacht kommt
und stell mir vor ich schau hinaus aufs Meer.
Ist alles still und niemand weiß wo Gott wohnt.
Es kann nur besser werden als bisher.

Never thought that I’d end up this way
I who loved the sparks
Never thought my hair’d be turning to gray
It used to be so dark, so dark

Ich bleib einfach hier sitzen bis es hell wird.
Mein Stern im Universum ist allein.
Ich bins, die im Dunkeln umherirrt.
Morgen wird schon alles besser sein.

No more candlelight, no more romance, no more small talk
When the hunger’s gone
No more candlelight, no more romance, no more small talk
When the hunger’s gone
When the hunger’s gone

Wenn ich dich verlier, macht nichts.
Wenn ich mich blamier, macht nichts.
Wenn ich in der Gosse lande,
macht mir gar nichts aus.

Never thought that I’d end up like this
I who loved the night
Never thought I’d be without a kiss
No one to turn off the light
Turn off the light

Wenn mich niemand liebt, macht nichts.
Wenn’s mich nicht mehr gibt, macht nichts.
Wenn ich wie ein Blatt vom Baum fall,
macht mir gar nichts aus.

I eat dinner at the kitchen table
By the light of the TV screen
I eat leftovers with mashed potatoes
No more candlelight, no more romance, no more small talk
When the plate is clean
When the hunger’s gone, when the hunger’s gone

Ich bleib einfach hier sitzen bis der Tag kommt
und stell mir vor ich schau hinaus aufs Meer.
Ist alles still und niemand weiß wo Gott wohnt
es kann nur besser werden als bisher.

Macht nicht.
Macht nichts.
Macht nichts.
Macht mir gar nichts aus.

Lyrics by Kate Macgarrigle ‘I Eat Dinner’ and Annette Humpe ‘Macht Nichts’ (jedenfalls habe ich keine anderen Angaben finden können) Remix by Lucky

macht man das?

Hmh. Ist es wirklich ganz furchtbar schrecklich sehr sehr unmöglich, wenn man, weil man total verschlafen und danach keine Zeit mehr hat, die dringend abzugebende Stuhlprobe per Kurier zum Arzt schickt???

Wir haben im Büro jedenfalls alle auf dem Boden gelegen vor Lachen, als der Fahradkurier sich mit seiner kostbaren Fracht in Doppelröhrchen und Luftpolsterumschlag auf den Weg gemacht hat…

chopin

Ich weiß ja nicht, ob sich das hier immer so mitteilt, aber ich bin ja ein gebildeter Mensch, der die Kultur liebt.
Zum Beispiel ist mein Lieblingsvodka ja Chopin, ein polnischer Wodka, den man hier kaum kriegt, und den mir die wunderbare Natalie deshalb regelmäßig aus Polen importieren läßt, in der schicken Geschenkpackung, komplett mit einem Trinkbesteck von zwei Gläsern, Flasche wie Gläser mit einem schicken Hologramm mit dem Antlitz des Komponisten versehen.
Also hochkulturell, das Trinken dann.
Außerdem schmeckt er wirklich so lecker, daß ich ihn gar nicht kühlen mag, so ein wunderbares Aroma hat er, im Gegensatz zu manch anderen Wodkas, die man wirklich nur mit -10 Grad ertragen kann.
Also wenn ihr mal ne Flasche Chopin zwischen die Finger kriegt, mitnehmen! Nur nicht, wenns bei mir zuhause ist!

geschenke

Madame Modestes Wunsch war es und natürlich wurde der sogleich geflissentlich erfüllt.
Ich nicht blöd, habs ihr gleich abgebettelt, und nun hab ichs auch: ein süßes Gadget, über das man die Blogeintrage von vor einem Jahr direkt aufrufen kann – manchmal schön, manchmal seltsam, was einen letztes Jahr um diese Zeit umgetrieben hat…
Meins hab ich jedenfalls rechts als Last Year’s Kisses eingestellt, und prompt hat es mir diese Perle von Liedgut ausgebuddelt, die damals zu Unrecht wenig Beachtung fand, wie ich meine.
Zu haben bei Herrn Heimchen, der so freundlich war. Merci! Schöne Idee!

taxi taxi

Mit meinen letzten beiden Taxifahrern hatte ich olfaktorisch weniger Glück als mit meinem Taxi zwischen den Welten.
Irgend jemand sollte auch den älteren Männern verraten, daß ein Deostift am besten dann wirkt, wenn auch drunter frisch gewaschen ist. Nicht einfach drüber schmieren! Es ist jetzt draußen zu kalt, um mit offenen Fenstern zu fahren!
Dafür kann man den anderen Taxitext jetzt auch in der neuen Ausgabe von Mindestens haltbar nachlesen.
Und für die nächste Ausgabe soll ich einen Beitrag zum Thema Nachtleben beisteuern. Mal sehen, was mir da aus meinem reichhaltigen, wenn auch etwas verblichenen Erfahrungsschatz noch aus meinem Resthirn entgegenpurzelt. Kann ja schlecht darüber schreiben, wie ich letzten Samstag von mittags um zwölf bis morgens um sieben konsequent auf dem Sofa sitzen gebleiben bin?