Archiv für den Monat: März 2010

Kein Anschluß

Zuerst war es der Vorweihnachtsstreß, dann wolte ich nur mal ein paar Wochen meine Ruhe haben, dann war es eine Depression, dann genoß ich es einfach mal meine Ruhe zu haben ohne depressiv zu sein, dann weder eine kleine Depression, dann einfach wieder schön, meine Ruhe zu haben – Fakt ist, daß ich seit Anfang Dezember niemanden angerufen geschweige denn zurückgerufen habe.
Was wiederum mittlerweile dazu führt, daß mich auch niemand mehr anruft, und so habe ich meine Ruhe und genieße das.
Kann von mir aus noch eine ganze Weile so weiter gehen.

Generationsding

“Whoah, boah, Scooter!” sagt der kürzlich deutschlandweit entdeckte Jungautor, als er meine Wohnung betritt und das Bild sieht, und ich bin fassungslos.
Fassungslos, weil er unterstellt, daß ich tatsächlich so etwas Schlimmes in meiner Wohnung hängen hätte, oder fassunglos, weil das schließlich ich bin, vor 20 Jahren, oder eben das Bild, was mein damaliger Lover (sich) von mir gemacht hat, weißblondiert, blutjung, und mit Flügeln.
Schon eine gräßliche Hypothek, das Ding.

Oder es ist einfach ein Generationending, schließlich ist er bloß 2/3 so alt wie ich, und ich damit um die Hälfte älter als er, you do the math. Außerdem ist Glam im generationsübergreifenden Dialog viel besser als ich, ich tauge da nix.

Straffe glatte Haut – das Geheimnis

Vergessen Sie Botox, Liften, Peeling – wenn Sie wirklich straffe Gesichts- oder sonstwo- Haut haben wollen, lassen Sie sich einen ordentlichen unterirdischen Pickel wachsen.
Ja so einen, der sich anfühlt, als ob Ihnen ein zweiter Kopf wächst, am besten mitten im Gesicht. Während das Gewächs so nach und nach aufblüht wie eine Champignonwiese nach einem warmen Sommerregen, spannt sich Ihre Gesichtshaut wie Ihre Nerven, wenn sie in Mitte im Auto hinter eine Spontandemo mit Polizeischutz geraten.
Wahrscheinlich werde ich auch dazu übergehen müssen, meinen Gemütszustand verbal mitteilen zu müssen, denn ob ich erheitert, wütend oder traurig bin, kann man bald nicht mehr am Gesicht ablesen.

Schönheit Tag für Tag

Ich liebe meine Bäckereifrau nebenan, nicht nur, weil sie immer so “Hi” ruft, als ob sie sich immens freut, daß gerade ich gerade jetzt reinschneie, oder weil sie mir immer ein zweites Stück Rosinenkranz in die Tüte schmuggelt, das ich immer auf der Arbeit verfüttern kann, sondern auch, weil sie manchmal betörend schön zurechtgemacht ist, als ob sie gleich in einem Bollywood-Film mitspielt, und manchmal so aussieht, als ob sie die ganze Nacht mit Lindsay Lohan Crack geraucht und Blowjobs verteilt hat.
Gestern dann:
“Oh, das sieht aber gut aus”
(Sie hat offensichtlich ein ständiges Thema bezüglich Blondieren mit ihren Kolleginnen, in das ich immer mal wieder involviert werde)
“Wie, was denn???”
(Sie macht eine Handbewegung um den Kopf) “Was hast du gemacht?”
“Oh, äh, nix. Gewaschen, gewaschen hab ich sie.”
“Oh, gewaschen!”(Betretenes verschämtes Schweigen)
Worauf ich prusten muß und einen schlimmen Lachkrampf bekomme, und schon ist der ganze Laden am Lachen, inklusive der alten türkischen Männer.

Die Wiedergänger

Am meisten freut es mich ja für Brenda. Sie scheint nach Nates Tod eine gute Therapie gemacht zu haben, zu der auch gehörte, die Eltern auszutauschen, welch guter Tausch, diese Psycho-Psychologin mit der abgeranzten 60s-Philosophie und der schrillen Lache gegen Nora Walker? Na gut, richtig Glück mit den Männern hat sie auch in Sisters & Brothers nicht, darf aber immerhin eine Zeitlang eine Firma leiten, und das ist auf jeden Fall besser, als im Rollstuhl sitzen zu müssen, wie damals in Australien, als Muriel heiraten wollte.
Auch daß David sein Trauma von der Geiselnahme endlich auslebt, macht Sinn. So gehemmt und unterdrückt, wie er als Bestatter war, ist es wirklich kein Wunder, daß er nach Florida umgezogen ist und als Dexter jetzt als Serienmörder kleine Ungerechtigkeiten des Systems beseitigt.
Seine Mutter scheint zu Geld gekommen zu sein und hat wohl als erstes einen Stylisten engagiert. Das Haus scheint ihr aber zu leer geworden zu sein, sonst würde Ruth Fisher nicht unter falschem Namen versuchen, Gabby aus der Wisteria Lane ein Kind abzukaufen, nachdem sie ekstatisch Carlos’ Massagen genossen hat – Desperate Housewives… Immerhin hat sie sich noch vorher bei Nip Tuck eine kleine Schönheits-OP gegönnt.
Klar war, daß Brian es nicht lange bei Susan in Wisteria Lane aushalten würde, schließlich hat er ja Justin und Susan ist nun wirklich eine nutzlose Tröte.
Daß Ally, die mittlerweile nur noch eine Schönheits-OP von einem japanischen Koi entfernt ist, überhaupt noch einen so schnieken Präsidentschaftskandidaten abkriegt, kann nur damit zuammenhängen, daß Robert im Hotel New Hampshire eine seltsame Kindheit gehabt hat, mit all den Bären und so.
Es ist aber auch manchmal verwirrend in meinem kleinen Dorf.

Five fathoms deep?

‘That corpse you planted last year in your garden,
‘Has it begun to sprout? Will it bloom this year?
(T.S. Eliot, The Wasteland; Überschrift nach Shakespeares The Tempest)

Daß mein Vater tot ist, ist ja nichts neues, seit bald 26 Jahren.
Neu ist, daß ich das jede Woche träumen muß.
Wobei ich doch dann immer so viel zu tun habe, Straße fegen, Haus aufräumen, Garten bestellen (war der immer schon auf dem Hof der Nachbarn? Glaube nicht), daß ich mich nicht richtig drum kümmern kann.
Nervig auch, daß seine Leiche immer vom Wohnzimmertisch runter fiel, und ich ihn immer wieder hochheben mußte. Wobei, es war auch schön, ihn wiederzusehen und anzufassen,in seinem karierten kurzärmeligen Hemd, seine muskulösen gebräunten Arme, die breiten Schultern.

Und immerhin, zumindest meine Mutter scheint tief genug beerdigt, sie gibt Ruhe und spielt keine Hauptrollen in den Träumen.