Archiv für den Monat: November 2012

Absence makes the Heart grow fonder

…hoffe ich doch.
Wow, über zwei Wochen nix hier geschrieben, das gab es glaub ich noch nie.
Sie haben aber auch nix verpaßt, das Leben des L. ist ein langweiliger grauer Wirbel, wie es sich zu Zeiten der Hauptsaison so gehört. Eine Woche hat gefühlt 2-3 Tage, dann ist wieder Wochenende, und man weiß überhaupt gar nicht mehr, was die Woche so mit sich brachte. Das hört sich gnädiger an, als es ist, denn die 2-3 Tage haben es in sich, denken Sie Steinbruch, denken Sie Chain Gang. Mit Peitschen, für alle.
Denn Hauptsaison ist Hauptsaison, diese und die nächste Woche sind die härtesten des Jahres, und daß der Laden ganz gut aufgestellt ist, merkt man daran, daß es erst jetzt anfängt, weh zu tun und die Bereifung dünn wird, anstelle daß man schon seit Wochen mit blutigen Füßen bzw. Nerven die letzten zwei Drittel des Marathons ansteuert.
Geschäftlich jedoch eins der besten Jahre ever, obwohl es keine überraschenden Füllhörner gab. Und so freut es mich, und ist mir auch wichtig, daß wir unseren Leutchen einen lecker Bonus auszahlen konnten. (Sie würden blutige Augen bekommen, wenn Sie wüßten, was das mich persönlich als Gesellschafter so an Geld kostet.) Aber es ist einfach richtig so, gut und wichtig. Und selbstverständlich.
So als Tüpfelchem auf dem Haufen zwei absurde Termine gehabt, einer auf der ewig unglücklichen Baustelle in Mitte, der überraschend viel besser gelaufen ist als erwartet, auch wenn das vermutlich nicht viel bringen wird.
Der andere in der wohl teuersten Kulturstiftung des Landes, immerhin mal eine Aufwertung meines Status, aber letzten Endes wurde ja auch eins der von mir erstellten Konzepte verhandelt (liegt schon seit zwei Jahren dort in den Giftschränken.) Es ist schon beeindruckend, welch miese Einstellung so viele so gut bezahlte Spitzenkräfte haben können, Inseldenken und beschränktge Horizonte. Das Gute dran, mir kann es egal sein. Aber zumindest dürfte allen in der Stiftung mittlerweile klar sein, wo die Kompetenzen liegen, wenn es über den eigenen Tellerrand hinaus gehen soll. Man muß ja auch für die kommenden Jahre vorbauen.
Und so gehts heute ins Büro und dann noch Lebensmittelgroßeinkauf, währenddessen wird meine ukrainische Perle den Schutt und Schmodder der Woche wegputzen und dann zwei Tage Sofa, bis die Knochen weh tun. Life’s hard, but good.
Und Sie so?

Mäuschen!

Muß es mir wirklich peinlich sein, das von heute morgen in der Bäckerei?
Als die Verkäuferin, die sowieso immer supernett zu mit ist, obwohl ich noch gar nicht dran war, “Mäuschen!” rief und mit einem Lächeln und der Bedienzange eine von diesen Ziegenkäsestangen über den Tresen reichte, und meine Hand schon unterwegs war, um das Geschenk anzunehmen.
Ich hatte das kleine spanische Mädchen übersehen, das neben mir stand und vor mir dran war. Und für das das “Mäuschen” und die Ziegenkäsestange gedacht war.
Glaubense mir, so schnell hab ich meinen Arm noch nie wieder eingefahren und ich hoffe inständig, daß die Bedienung es auch wirklich nicht gesehen hat.

Aber irgendwie find ich es auch ganz schön süß, daß ich in meinem Alter und mit meiner Statur auch noch auf “Mäuschen” reagiere.

Und daß ich nicht dem kleinen Mädchen die Ziegenkäsestange weggeschnappt hab.

Nackt im Wind der brüllt und wütet

Gestern nach Ewigkeiten mal wieder den Sack rasiert (wollten Sie nicht wissen? Pech, jetzt wissen sie’s!) und gedacht, na die untere Gesichtshälfte hast du aber auch seit Jahren nicht mehr gesehen unter diesem spärlichen grauweißblondrotschwarzen Gefussel, und so dann auch zum ersten Mal seit 2006 das Gesicht rasiert.
Ein wenig erleichtert, ganz schlimm sieht es nicht aus, ganz ganz glatte Haut, und mir scheint, die Enttäuscht-Falten um den Mund fallen etwas weniger auf, aber ich fühle mich sehr sehr nackt. Wie damals mit 12 oder 13, als ich mir das erste Mal die Fussel auf der Oberlippe rasierte und danach das Gefühl hatte, meine Oberlippe sei 8 cm lang. Und mein Vater mich gemeinerweise auslachte, anstelle daß er mir gezeigt hätte, wie man sich rasiert. Der Arsch.

Meisterstück?

Im Klein-Klein des Alltags vergißt sich so leicht, was ich an sich so leiste als Chef meines kleinen Etablissements, nebenbei, über die Jahre, an politischer Arbeit, oder nennen wir es doch lieber gärtnerischer Arbeit, politisch klingt so verlogen.
Hier ein bißchen säen, da ein wenig auf die Ernte verzichten, den wilden Trieb abschneiden, dort ein wenig Gutes tun, hier ein verträgliches Klima schaffen, meist ohne Absicht auf kurzfrisitge Ergebnisse.
Und so hatte ich am Freitag einen Termin bei einem sehr prominenten potentiellen Auftraggeber, der politisch eigentlich extrem unwahrscheinlich bis unmöglich ist, da ich mit der Konkurrenz verbandelt bin.
Es geht nur um einen winzig kleinen Auftrag, eine Notfalllösung für ein ziemlich delikates Problem, und es ist das Ergebnis von 15 Jahren guten Gärtnerns, daß die Gegenseite das Gefühl hat, sie können sich damit vertrauensvoll an mich wenden.
Ein Termin auf Augenhöhe, ein kleiner innerer Reichsparteitag für mich (hat da jemand Autobahn gesagt?), und ganz selbstverständlich ist es mir gelungen, mehr auf den Tisch zu legen, als sie überhaupt andenken konnten.
Soll keiner sagen, daß ich nicht die ganze Hand rausrücke, wenn man eigentlich nur den kleinen Finger haben wollte.
Selbst wenn nichts daraus werden sollte, ist das eine richtig große Genugtuung für mich und ganz etwas anderes als so manche von diesen unwürdigen Terminen, die ich in den letzten Jahren haben mußte, und die mir fast komplett die Freude an meiner Arbeit verdorben haben.
So als Knoten für mich ins Internet, für die Zeiten, wo ich mich wieder als ganz klein und loosermaäßg vorfinde. Kurz, bin grade mächtig stolz auf mich.

Night of the Biking Dead

Gestern abend in Kreuzberg unterwegs, einige Halloweenisierte gesehen. Muß mich beunruhigen, daß ich die radfahrenden Zombies mit den tiefen Schatten unter den Augen, der grauen Haut und den blutunterlaufenen Augen und Lippen erst beim zweiten Blick als kostümiert wahrgenommen habe?
Oder schau ich einfach zu viel Horrorfilme? Oder komme ich einfach zu selten aus Kreuzberg raus?