Archiv für den Monat: Juni 2009

Spocht!

Lucky in blinder Panik. Ich fühle mich, als ob ich gleich ins Krankenhaus muß, zu einer OP mit ungewissem Ausgang. Kittel mit hinten offen inklusive. Schon seit Tagen schlafe ich schlecht.

Spocht war immer die Manifestation meiner sozialen Nicht-Integration, mangelnde Fähigkeiten multipliziert mit körperlichem Nicht-Selbstbewußtsein, im Quadrat mit faschistoiden Spochtlehrern oder einfach dumpfen Jungs aus dem Dorf.
Mit Wort und Witz konnte ich mich zumindest immer auf eine Außenseiterpositon retten, aber wenn Körperliches ins Spiel kam, stellte sich klar heraus was was ist.
Was dazu führte, daß ich immer mit den anderen dicken Mädchen bis zuletzt auf der Bank sitzen blieb, wenn Mannschaften gewählt wurden. Oder bis ans Ende der Schulzeit (als einziger) mit Schwimmhilfe im Nichtschwimmerbecken dümpeln mußte. Oder sich alle schon im Voraus auf die Performance freuten, wenn im Spochtunterricht benotet wurde (Ich bekam immer eine 6, weil ich unter Druck Bewegungslegasteniker bin.)
Mehr als 400m am Stück bin ich noch nie gelaufen, wenn man das Laufen nennen kann.
Eigentlich habe ich mich in meinem Leben noch nie freiwillig bewegt, Sex und Tanzen mal ausgeschlossen und natürlich Schlauchboating mit Glam.

Ich glaube nicht, daß der PT weiß, worauf er sich eingelassen hat. Ich weiß es auch nicht. Der Geruch stinkender Gymnastikmatten verfolgt mich schon seit Tagen.

Ave Spocht, morituri te salutant.

Ich werde ihm Sitzfußball vorschlagen.

Sommer in Aspik

Trübe sickert das wenige Licht dickflüssig durch die Fenster, drin gefangen Fetzen von Blüten, Blättern, Fliegen. Kein Wind rührt das gelierte Etwas um.
Es ist kalt, also ziehe ich mir was über, dann aber fange ich sofort an zu kleben, es ist so schwül. Ziehe ich es also wieder aus, und sofort wird der klebrige Schweiß eiskalt. Bjäch.

Aber eine gute Nachricht gibt es auch: Das Dach vom Mitbewohner ist wieder undicht, Handwerker auf dem Dach sind wieder gefordert. Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: es gibt eine neue Hausverwaltung, und die haben mit Sicherheit nicht die Telefonnummer von MEINEM Dachdecker. Da kommt bestimmt jemand der Günter ohne h heißt, in Lichtenrade wohnt und den Minipli von Dieter Thomas Heck aufträgt.

Das neue Leben

Gestern an der Supermarktkasse hatte ich doch so ein sonderbares gutes Gefühl, so wie es die Menschen im Werbefernsehen scheinbar haben, wenn sie sich was angeblich Gutes tun mit irgendwelchem Wellnessdreck.
Für eine Sekunde fand ich es schade, daß es doch (noch?) keine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel gibt, denn sonst hatte ich bestimmt Bonuspunkte bei meiner Krankenkasse bekommen, wenn Kaisers die Daten meines Einkaufs an sie weitergibt.
Es lagen nur Sachen auf dem Band, wo man mehrere zusammen kochen muß, Frisches und Gesundes, kein Fertigprodukt, OK, eine einsame Tüte Chips für die schwachen Stunden, und auch kein Alkohol.
(Na gut, ich hab eine neue Lieblingssorte Wein, den ich woanders kistenweise kaufe, und die Kiste war schon im Auto, und die Stange Zigaretten kaufe ich immer beim Händler meines Vertrauens der baut auf mich.)
But, still.

Bilderrätsel

Morgens gibt ja verordnet nur Obst, deswegen zwingt sich Herr Lucky am Nachmittag zum Mittagessen, das Schöne an Trennkost ist ja, daß man so viel essen kann, wie man will, man muß es nur entsprechend rationalisieren sortieren.
Jedenfalls steht Lucky mit seiner gekauften Trennkost(?)-Pasta leicht schwitzend am Aufzug zum Büro, natürlich mit einer Lucky in der Hand.

Vorbei kommt der Besitzer des Soap-und Werbedarsteller-Ausbildungsladens, etwas älter als ich, perfekte Zähne (Inlays?), perfekter Körper, glattes Gesicht (Botox?), volles dunkles gutgeschnittenes Haar, so wie man halt aussehen muß, wenn man für Olivenöl, Versicherungen und Sportartikel Reklame machen muß, und grüßt wie immer perfekt freundlich, bevor er behend die Treppen in Angriff nimmt.

Na, wie viele Unterschiede sind wohl im Bild versteckt?

Bruaharharhar

“Madonna sei zu Tränen gerührt gewesen, als die kleine Mercy sie bei ihrem Treffen mit “Moni, Moni, Mummy” begrüßt habe.” (Quelle: SPON)

Sie hat gesagt: “Money, Money-Mommie!”
Das haben die ihr noch in Malawi beigebracht, damit sie weiß wie mit Esther umzugehen ist und wie sie ihren kleinen gekauften Arsch retten kann.

4 Kilo

Also nicht, daß man es tatsächlich sehen würde, aber 4 Kilo sind runter.
4 Kilo, das sind 16 Päckchen Butter, oder 20 große Schweineschnitzel.
Und ich wüßte nicht, wo in oder an meinem Körper ich sowas hätte versteckt halten können. Unglaublich.

Herr Lucky ist motiviert

Tomorrow is my turn
no more doubts, no more fears
tomorrow is my turn
when my luck is returning
all these years I’ve been learning
to save fingers from burning
Tomorrow is my turn
to receive without giving
make life worth living
now it’s my life I’m living
and my only concern
for tomorow is my turn!
(Nina Simone)

Tomorrow never knows
(Danielle Dax)

Ich bin motiviert. Ein seltsamer, ungewohnter Zustand.
Seit Wochen stehe ich mit echten, bitteren Tränen vorm Kühlschrank, Trennkost ist verordnet, und immer ausgerechnet das, wozu ich Lust hatte, durfte ich nicht essen, jedenfalls nicht zusammen. Und dabei ist Essen doch der größte Trost, mal abgesehen von Saufen.
Wie oft mußte der arme Lucky unbefriedigt mit Grummeln im Magen ins Bettchen oder zur Arbeit!
Aber: die Waage pendelt sich stetig unter der einen runden Grenze ein. Man sieht es zwar noch nicht, aber würde meine Waage mich anlügen? Doch wohl nur aus Bösartigkeit, aber nicht so! Jedenfalls, Ziel wäre die nächstniedrigere Nullergrenze. Dann hätte ich zwar noch ein paar Kilo zuviel aber das wär dann passend. Ich bin gespannt. Und gehe jetzt mal ne Runde vor den Spiegel bauchtanzen, solange noch welcher da ist.
(Und ich wage es gar nicht zu erzählen, aber übernächste Woche hat der Herr Lucky seinen ersten Personal Trainer Termin. Er soll mir vermitteln, daß ich Bewegung als selbstverständlich und wohltuend begreife. Wenn er das schafft, kann er auch den Welthunger beseitigen und den Nahostkonflikt beenden. Sie werden es erfahren.

Dann gestern bei meiner Finanzberaterin. Ein Thema, das mit allergische Reaktionen beschert, mein Hirn wabert, meine Augen beginnen zu flirren, und in meinen Ohren fiept es.
Aber alle Klischees sind wahr: Schwule haben viel Sex und geben viel zu viel Geld für Klamotten und Lifestyle aus (ausgenommen meiner selbst) und Lesben sind gut mit Geld.
Deswegen habe ich mich an diesen Verein aus wettergegerbten Flanellhemdlesben gewandt, die alternativere, aber durchaus knallharte Geldanlagepolitik betreiben. Die Fonds, den sie mir verkauft haben, und die vorher beim Drecksladen MLP immer weniger wurden (und das vor der Krise!) haben sich -in diesen Zeiten!- um über 10% vermehrt! God bless karierte Flanellhemden!
Jedenfalls ging es gestern um die deprimierende Aussicht, noch 2-3 langweilige Scheiß-private-Altersvorsorgen abzuschließen, denn mit dem was jetzt ist, ist nichts, grade mal Hearts-4-Niveau.
Und was sagt sie mir? Daß es vielleicht sinnvoller wäre, ich würde mein Geld noch dieses Jahr in Wohneigentum investieren, sei ja schließlich auch Altersvorsorge, und würde sicher auch mehr Freude bereiten!
Mein Traum! Mein einziger Traum!
Etwas kleinlaut legte ich dann meinen Traum auf den Tisch, denn ich hab ja gar kein Kapital, aber sie hat mir vorgerechnet, daß ich sehr wohl ein Dachgeschoß mit Riesenterrasse in Kreuzberg haben kann. Wenn ich das will. Und daß sie genügend Fachfrauen haben, um mich dabei zu unterstützen! Mein Traum, mein einziger!
(Und wenn das mit der neuen Firma im Herbst klappt, dann wär es anscheinend so gar kein Problem…)
Herrschaften, ich bin dann mal mit zittrigen Händen die Immobilienseiten durchwühlen.