Archiv für den Monat: Dezember 2005

wieviele menschen waren glücklich, daß du gelebt?

Happy Birthday, Hilde (2 days late)

Ich! Ich! Ich! Ich bin glücklich, daß Du gelebt.
Vielen Dank für große Texte, große Lieder, große Bücher und auch ein paar schöne Filme.
‘Daß es gut war wie es war, das weiß man hinterher, daß es schlecht ist wie es ist, weiß man gleich’
Allein dafür schon.
Deine Texte und Lieder haben mir bestimmt manchmal das Leben gerettet.
Deine Schnoddrigkeit, Deine Manchmal-Schlecht-Gelauntheit, und die Erbarmungslosigkeit und Unverblümtheit des Blicks und der Sprache, die fühlt sich immer noch gut an.
Und dann: ‘Leg doch nur einmal den Arm um mich rum’ oder ‘Laß mich bei dir sein’, oder ‘Im Schlaf streck ich meine Hand aus’ – zum Weinen schön und zart.
Eine Ausnahme im Deutschen, ein Geschenk. Und kein Gaul.
In ‘Zwischen Gestern und Morgen’, wie Du allein durch dein Gesicht und Dein Schauspiel zwischen den ganzen alten UFA-Haudegen die neue Zeit einläutest – das muß man gesehen haben.
Dein letztes Konzert, in der Kleinen Revue im Friedrichstadtpalast, kurz nach Maueröffnung. Ich in der ersten Reihe, auf dem Intendantenplatz, der netterwerterweise nicht kam. (Und das für 25 Ostmark!) Wie Du auf die Bühne krochst, kaum fähig zu stehen, geschweige denn zu singen. Und wie Du nach und nach per Augenkontakt jeden im Publikum fragtest, ob sie zu Dir stehen, und Dir Energie saugtest, bis es ging, das Stehen, das Singen. Mein eindruckvollstes Konzerterlebnis. Eine Auferstehung.

In meinem alten, zerbrochenen Rechner ist noch ein Brief an Dich, nie abgeschickt. In dem ich mich bei Dir für meinen Beitrag an der Existenz dieser zweifelhaften Doppelgängerin entschuldige. Die Du überhaupt nicht amusing fandest. Entstanden war sie aus Liebe und Verehrung, aber dann rutschte es mir aus den Händen. Die dazugehörige Beziehung ebenso. Entscheiden mußte ich mich zwischen der Doppelgängerin oder dem was ich liebte, dem dazugehörigen Mann und Dir. Ich hab mich für mich entschieden. Und trotzdem tut es mir leid, einige der Witze sind von mir, auch wenn ich dafür keine Credits bekommen habe – dankenswerterweise.

Ich, ich, ich, ich bin glücklich daß Du gelebt. Ein hartes Leben, ein Leben mit wenig Erbarmen, weder seiner- noch Deinerseits. Ich hoffe, daß Du wenigestens auch ein bißchen glücklich warst, daß Du gelebt.

mißmutig

und nicht gut aufgelegt so zwischen den jahren…
seltsam, normalerweise bin ich da besonders gut gelaunt, hauptsache weihnachten überlebt… und dieses jahr bin ich zudem noch mit einer schicken silvestereinladung bedacht worden.
angekränkelt und alle – ist so als wär das jahr zu lang für den zugedachten energiehaushalt…
nun, ok,ich spar auf 2006!

schöne tage!

Liebe Gemeinde!
ich wünsche euch allen, euch Lieblingsbloggern, Mitbloggern, Unbekannt-Mitlesern und Unbekannt-Mitgelesenen überall wunderbare Tage, ob ihr das Fest feiert oder ignoriert, habt es schön und macht euch ein paar nette Stunden!

Immer genug Marzipan und eine Handbreit Rotwein unterm Kiel! Ein Schnäpschen zu Verdauung oder ein bissel schönes Wetter für einen Spaziergang.
Oder guten Sex oder zumindest Glück beim Twister oder Monopoly…

Ich schließe mich der Lemmingkarawane an und fahre ans andere Ende von Deutschland. Da wo aufgrund zurückgehender Landwirtschaft die Mädchen mittlerweile konkurrenzlos sind und die Männer nur noch nach Bier und Schnaps duften, nicht wie zu meiner Kinderzeit.

Wo zu meinen Weihnachtserinnerungen gehört:
Wie ich mich einen Ast über den Laubsägekasten gefreut habe (gibts sowas noch?)
Wie meine Schwester mir durch die Schlitze in der Jalousie gezeigt hat, daß das Christkind verdammte Ähnlichkeit mit meiner Mutter hat.
Wie ich in dem Jahr nach dem Tod meines Vaters als vermeintlicher Stammhalter mit den anderen Männern in den Wald mußte, um einen Christbaum auszusuchen, und wie wir dann jeweils oben und unten über einen Meter absägen mußten, damit er halbwegs ins Wohnzimmer paßt.
Wie in dem Jahr nach dem Tod meiner Schwester alle ratlos da saßen, weil die Mitte der Familie fehlte.
Wie ich erfahren habe, daß es doch sowas wie leuchtende Kinderaugen gibt, als mein Patensohn doch tatsächlich das Piratenschiff von Playmobil von mir bekam, und das schöne Gefühl daran.
Und wie er kotzen mußte, als ich ihn zu den Nachbarn in den Stall zum Kälbchen-gucken mitnahm.
Und wie ich nach all den Jahren auf einmal ganz ok finde, zur Familie zu fahren, das war schon ganz anders.
Zumindest fühle ich mich in meinem eigenen Leben angekommen, auch wenn es eine Weile gedauert hat.
Und hiermit verlasse ich dieses heimelige Etablissement für ein paar Tage, ihr habt jetzt also sturmfreie Bude.

spiel mit mir! oder: monopoly der lüste

oder: eine Freizeitidee für die Feiertage?
Auf den einschlägigen Seiten habe ich einen attraktiven und gescheiten jungen Herrn -bisher nur virtuell- kennengelernt, der ein besonderes Faible hat: er spielt gern Monopoly.
Nun spiele ich auch gern Monopoly, besonders die Version von Herrn Glam, das Wizard-of-Oz-Monopoly, und das könnte ich auch tagelang.
Der junge Mann aber spielt eine spezielle Version:
Die Ereigniskarten werden durch selbst ausgedachte der Spieler ersetzt, wie z.B.
‘Rücke auf den Opernplatz vor und lasse dich von deinem Mitspieler von Kopf bis Fuß eincremen. Ziehe dann 4 Kleidungsstücke wieder an.’
oder auch:
‘Bringe deinen Mitspieler nur mit der Zunge zur Erektion, ohne die primären zu berühren’
Ich bin ja ganz heiß drauf, das mal auszuprobieren, mit eben jenem Herrn. Von mir aus auch tagelang.
Obwohl ich einge Bedenken habe, was im Gefängnis so passieren soll. Oder in den Elektrizitätswerken…

Und ich habe einige Skrupel, einen solchen Content hier zu veröffentlichen, aber schließlich nannte der junge Herr als Preis für die Veröffentlichung seiner Idee, daß ich ihm 2 Sex-Gutscheine ausstelle.
Ein unmöglich abzuschlagender Wunsch, wie ich finde, grade zur Weihnachtszeit.
DEAL!!!

skandal!

titelt heute die BZ:
‘Berliner Schulkinder kommen jetzt immer früher an Drogen!’
Unfaßbar!
Jetzt stehen die kleinen Ratten auch noch extra früher auf, um sich mit Drogen zu versorgen.
Früher haben wir immer noch schön brav auf die große Pause gewartet, wenn der Dealer im Raucherecken auftaucht….
Es geht wirklich bergab. Tsts. extra früher aufstehen, ich versteh die Jugend nicht mehr…

and we become panoramic

Heute wäre mir nach Landschaft.
Ein großer Himmel, gespiegelt in einem großen See.
Wie das Licht auf dem Wasser tanzt und der Wind in den Blättern spielt. Blau und Gold. Und Wolken.
Eigentlich hätte ich das Bild dazu auch gehabt, eine schwedische Landschaft, nur leider hab ich die Mail gelöscht, in der es war.
So müßt ihr euch das selber vorstellen. Tu ich ja auch.
PANORAMIC!

your own personal doris day – mrs. treckiewicz

In dem verschissenen 250-Seelen-Bauerndorf im Mittelgebirge, in dem ich aufgewachsen bin, und in dem die Kühe auf jeden Fall schöner als die Mädchen waren, und die Eber besser dufteten als die Männer, gab es einen Glanzpunkt, mein ganz eigenes Disneyland:
Mrs. Treckiewicz
Sie war die Gattin eines amerikanischen Militärs, und wohnte mit ihm in einem Neubau(!) zusammen mit zwei weißen Königspudeln (!!). Wir dagegen hatten damals noch nicht mal ein Bad, und das Klo war draußen. Auch im Winter.
Ich besuchte sie jeden Tag, unter dem Vorwand, mit den Hunden zu spielen (ich mag gar keine Hunde).
Der wahre Grund: Sie hatte blonde Haare, frisiert zu einer mustergültigen Doris-Day-Frisur, mal Bob, mal mit Tuch hochgebunden, trug rosa Lippenstift und hatte den gleichen sommersprossigen Teint wie Doris.
Dazu trug sie rosa oder hellblaue, oft klitzeklein karierte Blusen und farblich passende Slacks.
Stil! Lippenstift! Keine Gummistiefel, keine Kittelschürze!
Und sie roch so gut.
Fehlte eigentlich nur, daß sie den ganzen Tag ‘Que sera, sera’ sang.
Und in der Küche gab es alles aus Tupperware, heimlich suchte ich immer die Ecken ab nach dem kleinen müllbeseitigenden Küchenroboter aus den Filmen.
Sie versorgte mich mit amerikanischem Essen, Süßigkeiten, alles was sicherlich vollgestopft mit künstlichen Aromen und Farbstoffen war, aber was ein Unterschied zu ‘alles was man aus Kartoffeln machen kann’ oder ‘alles, was man vom Schwein auch doch noch essen kann’!
Ihren Mann mochte ich nicht, der guckte immer so komisch, wenn ich da war, der hat sicher den Braten gerochen, was es mit mir auf sich hatte.
Ich frage mich auch, ob sie sich nicht wunderte, was ich denn eigentlich von ihr wollte.
Ganz klar, ein bißchen Glamour, ein bißchen Hollywood, ein bißchen Wohltat für meine rosa Seele inmitten der Misthaufen.
Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre?
Mrs. Treckiewicz lebt noch, und wohnt jetzt ein paar Täler weiter. Ich denke ich sollte sie vielleicht einmal besuchen fahren und mich bei ihr bedanken.
Zumindest sei ihr hier mal ein kleines Denkmal gesetzt.