Archiv für den Monat: September 2013

Na toll, kaputt – Plank in me Eye (with a Camel trying to get through it)

Gestern 5 Stunden in der Charité/Benjamin Franklin in der Augenklinik verbracht, unerträgliche 5 Stunden – und mich dabei noch geschämt, die Privatversicherten-Karte gezogen zu haben, geschämt vor den 60 Menschen im normalen Wartezimmer, an denen ich vorbeigesegelt bin.

Jedenfalls, ich habe jetzt eine Art Magengeschwür fürs Auge, die Quittung für die erste Woche  Arbeit nach  dem Urlaub (oder dafür, überhaupt Urlaub gemacht zu haben?) – stressbedingt, belastungsbedingt – das kommt nicht selten bei halbjungen oder halbalten Männern zwischen 30 und 50 vor, entscheidet sich ein Gefäß, Blut oder Flüssigkeit zwischen Augenende und Netzhaut zu pumpen, was dann eine schicke Beule formt und in ungefähr den selben optischen Effekt hat, wie wenn sie bei RTL2 einen Assi nach seinen abwegigen Sexualpraktiken befragen und ihn zum Anonymisieren mit so einem grauen Blub überm Kopf belegen. So sehe ich Sie jetzt auch, wenn ich Sie mit meinem rechten Auge fixiere. Das kann chronisch werden oder auch im Extremfall die Netzhaut ablösen.

Mehrere Stunden geblitzdingst, als ob die Men in Black mehrere Alienpopulationen in mir auslöschen müßten – aber zugegeben genial war der Special Effect mit dem Farbstoff, der mir gespritzt wurde – bis spätabens pinkelte ich neongelb, leider hatte ich keine Schwarzlichtlampe, um herauszufinden, ob ich mit dem Trick der Star der LAB-Parties im Berghain werden könnte. Ich bin gespannt, ob ich jetzt noch wie angekündigt gelb werde. Simpsonize me.

Jedenfalls, so schlimm sei es nicht, meinte die Professorin, ich solle nur Streß meiden, mich entspannen, nicht ärgern oder unter Druck setzen lassen und generell ein großes fettes OOOOMMM über mein Leben legen. Worauf ich entgegnete, daß ich dann aber auch gleich Weltfrieden verkünden und dafür sorgen könnte, daß kein Kind auf der Welt mehr hungern müßte. Ansonsten könnte man auch lasern, meinte sie dann.

Ich habe Glück, daß das auf dem Auge passiert ist, mit dem ich seit Geburt eh nicht so viel sehen kann, ansonsten wäre ich jetzt hilflos. Das Bittere ist, daß ich gelernt habe, mit den Narben zu leben, die mir mein Burnout von damals und die Sterbefälle, die mir die Genesung so schwer gemacht haben. Posttraumatisch belastungsgestört eben. Auch mit so einer schlimmen Woche wir der vor 4 Wochen kann ich leben, weil ich weiß, daß der Zustand vorübergehend und nicht wirklich ist, sondern nur im Kopf (trotzdem hat Joyce Carol Oates recht, wenn sie behauptet: “States of Mind are real enough” und Dumbledore auch, wenn er zu Harry P. sagt: “Of course, it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean that it’s not real?”)

Also ich kann mit dem gelegentlichen Terror leben, weil ich weiß, daß es nur ein Nachhall ist, Narbengewebe meiner Seele, mittlerweile Bestandteil von mir, aber was mich echt ärgert, ist, daß das Zeug jetzt auch noch an mein Augenlicht will. Magen ok, damit lebe ich seit ewig, aber Augen, nee, das geht nicht. Echt jetzt. Pfui!

kreavtiverlesen

“Im Wald zwei Zwerge boten sich mir da und ich nahm den, der weniger betreten war, und das veränderte mein Leben”

hat ein User in den blauen Seiten als Headline. Damit konnte ich was anfangen, wunderte mich allerdings, warum die Zwerge betreten waren. Waren sie natürlich nicht, er hatte auch nicht Zwerge geschrieben, sondern “Wege” – Wege!

Kakophonie der Großstadt

Sitze hier noch in der Restwärme der Großstadt draußen auf der Terrasse, berauscht vom Tag auf dem See, dem Duft der Gardenie, die zum Saisonabschluß nochmal 12 Blüten spendiert und natürlich dem Wein.

Leider leider nicht zur Einladung der Koma und des Grafen geschafft (sorry!), und auch nicht zum Doppelkopftournier im Garten am Ufer am Damm – nach einem so herrlichen Tag auf dem See (ich bin zum allerersten Mal in den mpf-Jahren sogar eingeschlafen auf dem Boot in der Sonne, vom Wind gestreichelt, und nicht mal geschnarcht!) ist es nix mehr mit nochmal nach Hause, frisch machen, andere Klamotten an und dann mit anderen Menschen in deren Realitäten konversieren – der Tag ist schon vollendet.

Jedenfalls sitze ich hier, aus dem Zimmer klingt diverses, gerade eben Hercules & Love Affair nach Fleetwood Mac (Looking out for Love! Uh-Ah!) nach Mary Roos nach Miss Kittin nach Knef, Lucky’sche Mischung eben, von weiter her fliegen Fetzen aus Tempelhof vorbei, Applaus und vielleicht akustische Stückchen von Björk oder Kalkbrenner oder wer grade da auf der Bühne steht, (bei den Ärzten und Hosen neulich konnte man sogar die Moderationen und die Songtexte verstehen), aus dem Hostel unten nebenan singt Lana del Rey Getragenes aus einem Ipod, und eben läßt der alte Öko im Hof mal nochmal Bob Dylan jaulen – wahrscheinlich von Vinyl.

Ein schöner Abend in der Hauptstadt, so mag ich das, so hab ich mir das vorgestellt, so soll das sein.

 

Avec le Temps (tout s’en vas)

“Ich weiß auch nicht, was für ein Heil ich mir immer aus dem Sommer erwarte, aber ich weiß zumindest genau, wann es vorbei ist.”

Das schrub ich heute vor ein paar Jahren hier, und wenn man sich die Rubrik rechts unten “This day past years” anschaut, ist heute, also der 3. September, scheints immer ein Abschiednehmtag.