Archiv für den Monat: November 2010

Bester Kritikersatz ever!

“N.N. nutzt die Unfähigkeit, singen und tanzen zu können, so virtuos wie noch nie”
(Tagesspiegel)
Den merk ich mir für mein Premierenrepertoire!
Der ist fast so gut wie “N.N. in ihrer natürlichen Häßlichkeit”
(Und wie gut, daß ich mich kurzfristig entschlossen hatte, am Sonntag dann doch zu privatisieren)

Dirty old Man

Ich kam mir schon ziemlich kinderschänderisch vor, aber wenn die beiden Weiber, die eigentlich die Erziehungsberechtigten darstellen sollten, einen auf neues Lesbenpaar machen, nur zum Spaß natürlich, was aber trotzdem Gelegenheit machte für das Szenario mit dem menschlichen Büffet und der Spaghetti Bolognese (fragen Sie mich nicht, ich hab es auch nicht verstanden), dann lag da wohl nicht nur der Geburtstag des 18-jährigen in der Luft.

Und so kam es, daß das Geburtstagskind mittem im Würgeengel den Pulli lüftete, um zu zeigen, daß er der männlichere der beiden sei, wobei der Ramones-Aufdruck des T-Shirts dafür nur der eindrucksvollen Beweiskette war. Und das kam daher, daß der andere grade Volljährige ein Ernie-und-Bert-T-Shirt trug, was mich zu der Bemerkung vom berühmtesten Schwulenpärchen verleitete.

Letztere zog dann ganz naiv auch ganz blank obenrum, als ich ihm sagte, er solle mir doch seine Hautkrankheit mal zeigen, von der er grade erzählte. Ob er dachte, ich hätte die passende Salbe dabei? (Und nein, lieber Glam, an dieser Stelle steige ich aus!)

Jedenfalls, es geht doch nix über die testosteronbritzelnde Körperhaftigkeit von Spätpubertierenden, auch wenn dieser schlimme alte Finger sich hinterher ganz schmutzig und verderbt fühlte.

Life, yeah

Draußen schneits, argh.
Von Montag bis Mittwoch in Besprechungen gesessen, alle wichtig und nutzlos zugleich, während im Büro die Hauptsaison tobt und meine rechte Hand krank ist.
Im Halbstundentakt in nicht angekündigten Telefonterminen auf diversesten Themenkreisen wichtige Weichen gestellt, die Strategien für die nächsten 3 oder 5 Jahre mehr oder weniger aus dem Arsch gezogen, aber hinterher gestaunt, wie gut sie sind. Was ein Glück, daß anscheinend das Unterbewußtsein wenigstens gründlich vor sich hin arbeiten kann.
So manche Probleme lösen sich gar selber – gestern zwischendurch ein netter Anruf, desses Info einen häßlichen Rechtsstreit unnötig werden läßt und ein fettes fettes Problem sich selbst lösen läßt, der nächste Anruf macht eine mühsame schwierige Anfrage unnötig.
Tobe von Termin zu Termin, kaum vorbereitet und nur in eigenem Saft, während sich drumrum der Rest von selbst klärt.
Welt und ich drehen momentan wohl in dieselbe Richtung, toi toi toi.
Aber boah, ist das anstrengend! Mittwoch dachte ich, ich kriege Grippe, war aber nur komplett erschöpft.
(Und wenn ich momentan kaum zu einem Freizeitdate zu überzeugen bin, sehen Sie’s mir bitte nach, sind Feldherrentage grade, komme kaum vom Roß runter.)

70-80%

“Wie würden Sie denn aktuell Ihr Lebensgefühl beschreiben?”
“Ach, seit Ende August bin ich relativ stabil ganz zufrieden mit mir und meinem Leben.”
“WAS!!!??”
“Ja, so zu 70, 80% ganz zufrieden”
“Herr Lucky, sowas hab ich ja noch nie von Ihnen gehört – dann sind Sie ja jetzt aus dem Gröbsten raus!”

Ist wirklich wahr, nach dem 4-Wochen-Urlaub im Sommer hatte ich zwei, drei schwere Wochen, an denen ich jeden Abend heulend zuhause gesessen habe, und dann jene entscheidende Sitzung, an der das letzte Puzzlestück an seinen Platz fiel, ein ganz unspektaktuläres Puzzlestück, eines, das ich ich schon ganz oft in der Hand hielt, aber anscheinend war die Zeit noch nicht richtig dafür.

Seitdem spreche ich von einem neuen Lebensabschnitt, jetzt schon 3 Monate stabil. Was eine Wonne, ohne Depressionen, die Ängste halten sich in Grenzern, und ich muß nicht mal jedesmal würgen, wenn ich mal an einem Spiegel vorbeikomme.

Das waren lange 10 Jahre – fünf Jahre, um sich ordentlich in den Burnout reinzuarbeiten, ein Jahr Annus Horribilis, und dann vier Jahre, um sich aus dem Schlamassel wieder rauszugraben. Ganz schöne Strecke, aber, und deswegen schreibe ich das hier, es ist zu schaffen!

Ich war eigentlich eh schon immer antizyklisch, jetzt eben wohlig im November.
Jetzt kann es also weitergehen, das Leben.

Die Merkel in mir – therapiert

“Ja, Herr Lucky, also, jede Person in ihrem Traum sind sie selbst, das wissen Sie ja.”
“Aber die nicht, die hat sich eingeschlichen, wie sie immer Umstand mit ihrer Handtasche hat, und dann auch noch mit mir nackt schwimmen gehen will!?”
“Denken Sie mal nach – was stellt denn Frau Merkel so für Sie dar?”
“Da muß ich an die runtergezogenen Mundwinkel denken”
(Wußten Sie eigentlich, daß man Merkel in der Gebärdensprache darstellt, indem man rechts und links heruntergezogene Mundwinkel zeichnet?)
“Könnte es sein, daß Frau Merkel ihre Depression darstellt, wie sie sich überall dazusetzen will, mit ihrer Handtasche voller Sorgen?”
“Frau Heidi, ich glaub das ist der Volltreffer, das paßt doch total!”
“Nur, warum Ihre Depression mit Ihnen nackt scwimmen gehen will, das kann ich Ihnen auch nicht erklären – vielleicht will sie sich befreien, locker machen, aus ihrer Depression herauskommen?”
“Wie meinen Sie das, haben jetzt schon meine Depressionen selber Depressionen?”

Selten mit der Therapeutin so gelacht, in einer Sitzung…!

Merkelwürdig

Bin immer noch ganz verstört, was wollte denn die Kanzlerin die ganze Nacht von mir, daß sie dauernd überall in den Träumen auftauchte, was hatte sie in der ominösen Handtasche, warum schaute sie immer so nervös um sich und warum wollte sie unbedingt mit mir nackt schwimmen gehen, sie wisse da einen wunderschönen Ort?

Tidings of Comfort & Joy?

Grade hat mein Magen-Herz-Gegend einen doppelten Handstandüberschlag gemacht – Annie Lennox hat eine neue Platte (YEAH) mit – Weihnachtsliedern (ÜRGS ogottogott!)
Ausgerechnet – bjäch!
(“Atmosphere – that’s very important” sagt sie, und knallt ein Teelicht aufs Sideboard wie ein Pfund Mett, im Dokuvideo)
Kurz reinschauen und -hören mußte ich natürlich doch (das Video ist so eine Art Rattenfänger Weihnacht mit ohne Kelly-Family), traditionelle Weihnachtslieder, komplett unironisch und ernst gemeint, wie grauenhaft, wie kann ich ihr das jemals verzeihen? Ok, in England und den USA hat man ein anderes Verhältnis zu sowas, aber! Und dann doch, nicht schlecht arrangiert, warum denn eigentlich nicht, warum sich nicht einfach mal einlassen?
LUCKY! Backpfeife rechts und links – Weihnachten und du, das ist wie Weihwasser und Teufel, wirst du alt und milde? Pfui! Sofort raus und weg da! Schäm dich!

Der Mann mit den Röhrchen kommt

“Aber nich, datt’se mir hier gleich verkloppen wollen!”
“Aber warum sollte ich Sie denn verkloppen wollen?”
“Na, ick hab det Zimmer nehman sehr wohl jesehn, sieht ja rüchtig professionell aus!”
“Achso, da müssen Sie warten, bis mein Mitbewohner wiederkommt, mein Ding ist das nicht.”
(Das Schlafzimmer meines Mitbewohners ist ganz seinem S&M-Hobby gewidmet)
“Ick steh nämlich nicht so uff Schläge, also privat. Sportlich schon, ich mach Karate!”
(Wäre das also geklärt, er wäre nicht hilflos, sollte ich ihn jetzt hinterrücks überfallen wollen)
“Also, sehr professionell!”(Mittlerweile kniet er auf der schwarzen Teichfolie, gleich neben den Gerätschaften und Illustrationen) “Aber mehr so Mann-auf-Mann-Äktschn, oder? Schwul, ne?”
“Öhm, ja, und?”
“Na det paßt ja, drüben unterm Dach vornerum die beiden Polizeilesben, und hier hintenrum, haha, zwee Schwule! Hab ick doch heute morgen drüben bei den beeden geklingelt, und da macht die eene mir auf, und ick sachso, Guten Morgen, Herr Soundso, und da sehick erst, da sind zwee Glocken dran, Mannomann, war mir det peinlich!”
(Die beiden Lesben gegenüber sehen wirklich ziemlich burschikos aus, es hat auch bei mir ein halbes Jahr gedauert, bis ich gemerkt habe, daß das zwei Frauen drüben auf der Terrasse sind, reizende Leute übrigens, eine Polizistin, die andere beim Personenschutz)
“Und denn habick heute morgen schon mit ner fetten Alten im Bett gelegen!”
“Öhm?”
“Na, die hatte det Bein in Gips, und ich kam nich ran,weil det Bett davor stand, da sachte se, komm ick rück n Stückchen rüber, dann kommste mit ins Bett”

Es gibt wahrscheinlich wirklich kaum weniger aufregende und horizonterweiterndere Jobs als den des Heizungsablesers. Privatfernsehen ist ein Dreck dagegen.

Caterpillar-Effect

(Eigentlich müßte es ja Butterfly-Effect heißen, aber dafür bn ich nicht grazil genug)

Wurzelbehandlungen sind nicht schön, Wurzelbehandlungen sind nicht schön, sie sind wirklich nicht schön, besonders wenn sie mehrfach durchgeführt werden müssen, an dem Zahn, der damals auseinanderbrach, als ich mit der Beerdigung meiner Mom beschäftigt war, und den ich deswegen irgendwie auch mehr in den emotionalen Komplex zugeordnet hatte, und weniger in den physischen, der ja auch tatsächlich in meinem Kopf sitzt.
Jedenfalls, die Behandlung führt dazu, daß ich meine Kiefer auch wieder beidseitig benutzen kann, und siehe da, die Lendenwirbelsäulenschmerzen (wow, was ein langes schönes Wort), die mich ebenfalls seit Jahren plagen, sind fast komplett weg.
(Ich gebe zu, mein Osteo hatte irgendwas in der Richtung gesagt, ich hielt das aber für die übliche Ganzheitlichkeitsmafiapropaganda) (Noch so ein schönes langes Wort, scheint der Tag dafür zu sein, genau wie für Sätze in Klammern.)

Vielleicht sollte ich mir dann endlich auch mal die Augen lasern lassen, wer weiß, vielleicht nehme ich dann auf einen Schlag 20 Kilo ab?

Do I have to be strong? Do I?

Gestern nach dieser grauenhaften Premiere leicht angesäuselt und ohne bestimmten Anlaß oder vielmehr aus vielerlei Gründen “I’ve Got a Life (but it refuses to Shine” von den Eurythmics im Loop hängegeblieben. Ein phantastisches Stück Gegreine, wenn man mal alle Traurigkeit, alle Unzufriedenheiten und Ungerechtigkeiten geballt durchleben will in x-mal 3 Minuten, so kann das eben nur Frau Lennox bieten.
“You got to be strong now, Babe, you got to be strong now” endet das gute Stück, und das ist mir dann sauer aufgestoßen – warum soll man denn immer nur stark sein? Warum nicht einfach mal sich gehen lassen und abkotzen und seine Verwundungen zeigen, die Leute spüren lassen, wo sie einen (wohl auch unbeabsichtigt) verletzen? Warum immer tapfer sein und auf das Positive schauen? Warum sich jeden einzelnen verschissenen Tag neu motivieren?
Könnte ein spannender Tag werden…
(…und die Heidi kriegt morgen alle Hände voll zu tun…)