Archiv für den Monat: November 2008

Kaiser’s Frodo

Und da ist noch dieser süße kleine junge Abendkassierer bei Kaisers, dessen schwerer tieftrauriger braunäugiger Blick bei seinem “Schönen Abend noch” mir durch die Augen ganz direkt tief ins Herz geht, so wie Frodos, als er von seiner Aufgabe erfährt.

Leider meinte er neulich, ich einen (für mich) ganz normalen Wochentagseinkauf auf dem Laufband, bemerken zu müssen: “Oh, das wird bestimmt eine tolle Party!”
Ich hatte allerdings nur so das Dringendste für mich eingekauft…

Grmph, nächstes Mal stelle ich mich an einer anderen Schlange an.

Röhrchenmänner

Irgendwo in der Kanalisation Brandenburgs, möglicherweise Pritzwalk, muß es sein, wo sie gezüchtet werden: die Gattung der Heizungsableser.
Kleine vornüber gebeugte Männlein mit fliehender Stirn, flüchtigem Blick, und huschendem Gang.
Man weiß nicht, ob sie so geschult wurden, um die mit großer Wahrscheinlichkeit extrem belastenden Anblicke der verschiedensten Wohnungen ertragen zu können, die sie unerschrocken durchqueren müssen, um die “Röhrchen” auszutauschen, oder ob es Spätfolgen eben jener Wohnungsgestaltungen sind.

Mir jedenfalls macht es immer einen Heidenspaß, die Kollegen in das mit schwarzer Teichfolie ausgekleidete Spielzimmer meines Mitbewohners zu schicken – die aufgerissenen Augen und der stetige Blick nach hinten sind unbezahlbar, gnihihi.

Belastungstest

So, morgen ist es so weit:
Nach anderthalb Jahren Therapie der erste Termin mit dem Wahnsinnigen, dessen Projekt mir damals den Rest gegeben hat. Immerhin habe ich es durchsetzen können, daß es in den letzten 14 Monaten keine solche Termine gab. Dieser ist nun wirklich unausweichlich.
Die Lage im Vorfeld ist, würde ich sagen – unentschieden. Angstattacken und Magenzwicken lösen sich mit den erlernten beruhigenden und stärkenden Verhaltensmechanismen ab.
Irgendwo zwischen bodenlosem Fall und guten Klettergriffen.
Wir werden sehen. Aber mal muß es ja auch ausgestanden werden.

Die Leere

Ach, man sollte doch auf Vorrat posten, letzte Woche hätte ich 4 Beiträge pro Tag veröffentlichen können, was keinen Sinn macht, weil alle immer nur den obersten lesen und kommentieren, weswegen man es dann auch nicht macht, und diese Woche – wohlige Leere im Lucky’schen Herz & Hirn.
Oder wo sonst die Beiträge auch herkommen.

Verderbt, verdorben

Wer denkt, daß er eine Oper so inszenieren muß, der denkt auch, er habe Sex, wenn er sich eine Wäscheklammer an den Nippel klemmt. (Der Verdacht liegt nahe)
So viel grauschwarze Bleiernheit bei so viel Dreivierteltakt, das muß man erst mal hinkriegen.

No Sandy Dennis anymore, Me

>You are cordially invited to George and Martha’s for an evening of fun and games.<

Sie kennen ‘Who’s afraid of Virginia Woolf’? Taylor und Burton lassen’s richtig krachen?
Dann wissen Sie wovon ich rede.

Jemand, oder mehrere, die einen zuschauenden Katalysator brauchen. für was auch immer in ihnen oder zwischen ihnen vorgeht, der Zuschauer verläßt, knapp mit dem bloßen Leben entkommen, aber auf jeden Fall zerrüttet den Schauplatz, wenn er sich nicht selbst hat benutzen lassen und Schlimmeres angestellt hat wie Partei ergreifen oder zu versuchen, mitten im Schlachtfeld zu vermitteln.
Nur der oder die (Zur-)Schausteller hatten einen großartigen Abend, das System hat sich wieder selbst stabilisiert, die emotionalen Pickel sind ausgedrückt. Publikum als Badezimmerspiegel.

Meine Schwester ist so ein Fall, sie kann das solo und gnadenlos, auch wenn Sie es (beunruhigend) lang kaum mehr praktiziert hat. X-unddreissig Jahre davon sind genug.
Und einige Menschen, die ich sehr mag und liebe, können das auch, allerdings nur im Tandem. Ganz neuerdings gehe ich einfach, wenn sich die Zeichen mehren. Kann schon sein, daß es gar nicht eskaliert ist – ich wollte einfach nicht bleiben, um zu sehen, ob.
Dann war der Abend eben nur so lang und nicht so lang, aber dennoch schön. Kein Problem, jedenfalls nicht für mich. Geworden.
Nicht mehr.

Meme Si

Ich glaube das letzte Video von Les Rita Mitsouko mit Catherine Ringer und Fred Chichin zusammen, der vor einem Jahr gestorben ist.
Übertragung ins Deutsche in den Kommentaren
Si quelque vent du nord bien féroce
De ses rafales gelées glaçait ton cœur
Ou qu’une brise encore, bien belle gosse
Tramontane idéale allumait ton ardeur

Même si, même si tout s’effondrait
Je serais près de toi
Même si, même si…
Même si, même si tout disparaissait
Je serais près de toi
Même si même si

Au centre des ennuis
Je serais là
Au désert sans ami
Avec toi

Si quelque vent lunaire m’emportait
Mouiller sur une étoile, je reviendrais

Même si, même si tout s’effondrait
Je serais près de toi
Même si, même si…
Même si, même si tout disparaissait
Je serais près de toi
Même si même si
(Lyrics: Les Rita Mitsouko)

P.S.: Sonntag, 23.11. um 14:00 Catherine Ringer chante Les Rita Mitousko et autres Live, auf Arte, Wdh 29.11. 0:00

Krabat für zuhause

Nach einem schönen Abend mit charmanten Menschen leider blöd aufgewacht nach einem Familien-Weihnachtstraum, schwer, die Gespenster wieder zu verscheuchen.
Immerhin die armen nicht wintertauglichen Kollegen unter der Schneedecke von der Terrasse ins Warme gerettet, mal sehen, wie sie aussehen, wenn sie aufgetaut sind.
Dann die warmen von Mutter gestrickten Socken angezogen und da mußte ich weinen.
Der Herpes an der Unterlippe kommt bestimmt von den vielen guten Tagen, die ich in letzter Zeit hatte, die vielen Hochs müssen einen Organismus ja über Gebühr stressen, der sich unter den Tiefs wohler fühlt und besser auskennt, logisch. Eben mal einen Tag Pause einlegen. Schon ok. Wohnung putzen wird bei der Seelenheilung helfen.

Draußen tanzen 7 Krähen im Wintersturm, sie haben einen Heidenspaß, im Gegenwind zu versuchen, auf dem Schornstein oder der rostigen Antenne zu landen, jedenfalls machen sie schon seit einer Stunde schönsten Scherenschnitt vor dem graublauschwarzen Winterhimmel.

Bauern einölen

Eine herrliche Idee, ein wahrer Augenschmaus, war ja immer zum Herbst der Jungbauernkalender der österreichischen Jungbauern, wir berichteten. Leider fällt der dieses Jahr aber eher unsinnlich, steril und wenig sexy aus.
Was ein Glück, daß es noch andere Alpenländer gibt, die sich auch nicht schämen, die Idee zu kopieren, in dem Fall auch viel besser, die Schweizer Bauern:
claudio
(Copyright: www.schweizerbauer.ch und www.claude-stahel.ch)

SO stell ich es mir vor, Mannespracht in wilder Natur oder ganz rustikal in der Hütten. Testosteron in seiner natürlichen Umgebung.
Falls einer der kernigen Burschen planen sollte, bei Bauer sucht Mann mitzumachen: Also ich kann hervorragend melken, misten tu ich zwar nicht gerne, aber ich kann auch Trecker fahren und zur Not steht mir Dirndl auch ganz gut! (Fotos vorhanden) Einfach hier melden und wir sparen uns das mit dem Fernsehen!

Hier kann man sich die ganze Pracht anschauen, und hier gibts ein leckeres Making-of-Video zu sehen (ganz nach unten scrollen, lädt sehr langsam, Schweiz halt).
Ach, hätte ich doch was anderes studiert, dann könnte ich jetzt auch Bauern einölen!

Und Oktober ist überhaupt auch ein schöner Monat!
michael
(Copyright: www.schweizerbauer.ch und www.claude-stahel.ch)

Also, Geschenke mag ich an sich ja nicht so gerne, aber wenn sich jemand austoben möchte, bitte gerne!

Alles richtig gemacht!

Na, wann ist es das letzte Mal gewesen, daß Sie das zu sich sagen konnten? Ich hab das in letzter Zeit öfter mal, und das fühlt sich gut an.

Beruflich habe ich dieses Jahr Aussitzen gelernt, und Problem-Tennis, beides sehr hilfreich.
Aussitzen bedeutet, daß ich nicht jedesmal, wenn irgend ein Arsch ein Klappmesser aufklappt, in den Ring steige und nach dem Rechten schaue. Wieso, was ist passiert, was können wir denn machen etc pp. Nein, ich warte jetzt, bis sich die Protagonisten untereinander gemetzelt haben, und kümmere mich um die angeschlagenen übrig gebliebenen, entweder päppele ich sie hoch oder gebe ihnen den Rest. Mein ekelhafter Problemkunde, der uns dieses Jahr mehrmals kündigen wollte (aber nicht konnte) verhandelt jetzt mit uns über einen 5-Jahres-Vertrag, allein, ich weiß noch nicht, ob ich einen möchte.

Ebenfalls sehr zu empfehlen ist Problem-Tennis.
Mein Job ist es zwar, für die Probleme anderer zuständig zu sein, aber doch nicht für alle.
Bis ich das merkte, fing ich alle Probleme wie ein elektrifizierter Wollpulli Fussel, was mich auch beinahe den Verstand gekostet hätte.
Seitdem: Problem-Tennis! In jedem Telefonat, in jeder Email, in jedem Termin schaue ich allem, was mir da auf meine Hälfte des Spielfelds gehauen werden soll, tief in die häßlichen wässrigen Augen: Mein Problem? Dein Problem? Und mit einem saftigen häßlichen Plopp landen die meisten, da durch Unfähigkeit oder Faulheit selbstverschuldeten Probleme wieder im gegnerischen Spielfeld, wie Fallobst.
Das funktioniert sehr gut, und oft muß jemand, der mir seinen verwahrlosten Schreibtisch überhelfen wollte, leicht frustriert aber einsichtig und mit ein paar zusätzlichen Hausaufgaben den Platz verlassen.
Ich befürchtete immer, man schätzt mich und meine Arbeit dann nicht mehr so – das Gegenteil ist der Fall, ich erfahre seitdem weitaus mehr Respekt und Wertschätzung (und habe viel viel weniger Arbeit und Frust!)
Willst du gelten, mach dich selten…

Privat gebe ich mir auch sehr Mühe, und so langsam fängt es an, sich auszuzahlen. Ich bin (jedenfalls die meiste Zeit, wenn ich nicht grade Fotos mache oder so) gut zu mir.
Das ist neu und bedeutet, diszipliniert negative Gedanken, Ängste, Schuldgefühle, die mich regelmäßig arg beuteln kommen, zurück in den Keller zu schicken, wenn sie weder Hand noch Fuß haben.
Stattdessen, und das kostet mich einige Anstrengung, sich etwas Positives heraussuchen. Worauf man stolz sein kann, worauf man sich freuen kann, was man gut gemacht hat. Das hört sich so einfach an, ist es aber nicht. Wenn das gelernte Verhalten das umgekehrte ist, wenn man sich in Angst und Depression einfach mehr auskennt, zuhause und geborgen fühlt.
Und siehe da, es bleibt viel mehr Energie übrig, manche Tage flutschen einfach problemlos vor sich hin, und ab und an setzt ein kartoffelpüreesattes Gefühl der Zufriedenheit ein. Wenn man diszipliniert dabei bleibt.

In einer Verhaltenstherapie lernt man eben nicht, die Umstände zu ändern, sondern sein Verhalten. Gelernte Verhaltensweisen durch neue, positivere und produktivere, angemessenere, zu ersetzen. Und dadurch ändern sich eben auch die Umstände.
Praise the Heidi!