Archiv für den Monat: Januar 2015

Halbleer, halbvoll, neu

Seit ungefähr August prophezeite ich diesem rundum als grauenhaft empfundenen Jahr 2014, daß es zum Ende in eine stabile Plastiktüte gestopft und noch mal ordentlich drauf geschissen wird, dann ein paar schwere Wackersteine drauf, Plastiktüte ordentlich fest zugebunden und dann an der tiefsten Stelle der Spree versenkt werden wird.

Einerseits.

Andererseits, der Brustkrebs der Schwester war wohl die Luxusvariante, schon bei der OP hat man scheints alles erwischt, und die quälende Chemo und die Bestrahlungen seien nur rein prophylaktisch. Für eine Prophylaxe eine lange und miese Strecke, 10 Monate alles in allem, aber die Untersuchungen finden: nichts. Bald ist sie auch mit den Bestrahlungen durch, und unter ihrer künstlichen braunen Haarmütze sprießt schon weder erster graumelierter Babyflaum.

Das unsäglich anstrengede Jahr auf Arbeit, maßgeblich bedingt durch die nicht funktionierende Softwarelöung  (sagt man da echt “Lösung” zum Problem?) von einem der weltgrößten Anbieter – immerhin am Ende größtmögliche Anerkennung durch den Kundenpartner, nicht nur durch Worte, sondern auch in einem fetten Geldgeschenk an die Firma als “Aufwandsentschädigung.”

Von Liebe oder so sei hier mal keine Rede, weil das Ganze in 2014 auch eh fast gar kein Thema war.

Es ist kein neuer Gedanke: am Ende bzw. eigentlich immer, auch zwischendurch, kann man es sich aussuchen, war es jetzt schlimm, oder ist es eigentlich noch ganz glimpflich (schönes Wort!) ausgegangen, hätte alles nicht noch schlimmer kommen können, und hat man auf der Strecke nicht letztendlich auch Schönes erfahren oder gegeben und sollte ein Stückchen dankbar sein? Wo kommt das Böse her, und wozu ist es gut? (sic)

Natürlich ist so ein versöhnlicher Rücklick auch ein Stück Selbstbetrug, aber ich freue mich immer auf die ersten Tage des neuen Jahres, wenn es noch so ganz unbefleckt und rein vor einem liegt wie eine frisch zugeschneite Landschaft, man noch ganz naiv Gutes erhofft, bis dann wieder jemand in den Schnee pißt und überhaupt das Ganze eh wieder zu bräunlichem Matsch wird. Lassen Sie mir doch die paar Tage/Stunden Hoffnung.