Archiv für den Monat: August 2010

Braindead like me

Ja, nee, ich lebe noch, und wohl auch noch ne Weile, voraussichtlich. Geht sogar ganz gut, soweit.
Habe nur rein gar nix im Kopf, oder sonstwo, nicht mal was für hier.
Außer daß ich mich jetzt morgens auch noch über Schlaffalten im Dekolleté ärgern muß. Haben Sie sowas auch? Unglaubliche Frechheit.

Wenn Sie sich an diesen milden Herbstabenden was Gutes tun wollen, dann schauen Sie sich doch mal “Skins” an, eine britische Serie (2007-2010) über defunkte Jugendliche in einem englischen Vorort, die versuchen, ein gutes Leben zu haben, Drogen nehmen, krude sexuelle Erfahrungen machen und generell so richtig viel schlimmen Mist bauen. Erwachsene kommen kaum vor, aber wenn, dann merkt man, wer im Vergleich wirklich kaputt ist, und wie im Vergleich die Kids ihr Leben mit viel Lebenslust und Mut und Phantasie meistern, ja – meistern. Und ja, es ist eine Comedy, of sorts, und unglaublich ansteckend mit so viel Lebensfreude inmitten so krasser Umstände.
Und ich hab eine neue Lieblingsfigur, Cassie, magersüchtig, pill-popping, crazy und dizzy, und so allerliebst, wie sie jedem anbietet, der aus Versehen was Nettes zu ihr gesagt hat, anbietet, er könne sie ficken.

Halbleer halbvoll halbleer halbvoll

Bei Glämmie steht ja schon der Sonntag feinst beschrieben, nur die Abende verliefen unterschiedlich.

Für die Menschen im Hostel nebenan sah es jedenfalls bestimmt komisch aus, als da ein dicker Mann in leuchtend grünem Slip auf die Terrasse trat, sich in den kühlen Abendregen stellte und wild mit Armen und Körperfett um sich schwenkte – aber es prickelte so schön auf der heißen Haut…

Irgendwie muß man diesem scheidenden Sommer doch noch so viel abpressen wie es nur geht.

Kopfgut

“Was du im Kopf hast, kann dir niemand mehr nehmen” versuchte meine Mutter mir früher die Vorteile von Bildung schmackhaft zu machen.

Ein gutes Argument gegen Koksen ist das allerdings nicht.

Oder gegen Psychosen.

Devil in my Life

Isn’t it a crying Shame
how you became
the Devil in my Life?
(Grace Jones)

Ein kleines schönes wohliges Gefühl, zu hören, daß die Gestalt, die nicht nur in meinem Leben so viel Herzblut geraubt und eine lange Spur Schmerz, Wut, Verzweiflung und Enttäuschung hinter sich läßt, kurz davor steht, abgeschossen zu werden.
Vielleicht schon nächste Woche, behalten Sie den Lokalteil ihrer Zeitung im Auge.

…doch heut bin ich wieder dabei

Vier Wochen Urlaub, das schien mir eine unendliche Strecke, nicht mehr gehabt seit den großen Schulferien von damals, und durchaus furchteinflößend. Was würde passieren, ich so ganz auf mich selbst geworfen?
In der ganzen langen Zeit hat sich jedoch nicht das eingestellt, was ich erwartet hatte: der Moment, wo man wieder beide Beine auf den Boden bekommt, ausgeruht, ein wenig Klarheit, und den Blick für ein wenig Richtung für einen selbst.

Nun, nichts ist passiert, aber die letzte Woche, die erste Arbeitswoche, war die blanke Hölle. Nicht, daß irgendwas schlimmes passiert wäre, es war nur so, daß ich ein ganz klares Gefühl hatte, daß ich das alles nicht mehr will. (Und ich werde mich bei dem ein oder anderen Kollegen für die furchtbar schlechte Laune entschuldigen müssen…)
Besonders schlimm der Nervfaktor meiner Arbeit, an den ich mich erstmal wieder gewöhnen muß (Muß ich das?)
Freitag abend war dann der Höhepunkt, Midlife Crisis at it’s best, aber nach einem verkrochenen Wochenende fühle ich mich wieder in der Lage und willens, weiter zu machen. Erst mal.

(Ich nehme an, das macht so jetzt gar keinen Sinn, vielleicht kommt der ja noch, irgednwann)

Merkzettel für den nächsten langen Urlaub: Reizfreiere Umgebung mit weniger Verbindlickeiten, dafür mehr Unbekanntem.

Buchstabenrätsel

Vor mir auf der Straße ging grade ein mittelalter Mann, Werktagsgesicht, graubraunbeige Klamotten, bequme häßliche Schuhe, wenig Extravaganz.

Außer dem großen T, welches ihm auf dem Hinterkopf in die Haare rasiert war.

WTF??

Hat ihn vielleicht seine Frau beim Tragen ihrer Unterwäsche erwischt, und sie rächt sich, indem sie ihm heimlich nachts das T für Transvestit rasiert hat, wo er es nicht bemerkt?

Ist er vielleicht einer von merheren Fuckbuddies eines Herrn, der Namensschwierigkeiten hat, und der deswegen immer die Initialen auf den Hinterkopf seiner Partner rasiert, damit er beim Arschficken nicht aus Versehen den falschen Namen ruft, wenn er kommt?

Oder wissen Sie da mehr?

Kumpelöffner

Weiter auf gleichem Niveau:
Na, haben Sie auch einen so furchtbar attraktiven guten Freund, der aber leider Hetero ist?
Der neue Kollege, wo alle sabbern wenn er reinkommt, der sich aber so gar nicht dafür interessiert?
Dann könnte Ihnen hiermit geholfen sein:

kumpeloeffner

Erhältlich in der Getränke-Hoffmann-Filiale Ihres Vertrauens.
Bezüglich Anwendung muß ich mich leider auf Ihre Phantasie verlassen, mir fällt dazu nur unpassendes ein…

Auch muschig

Es gibt halt schon einen besonderen Effekt auf die umstehenden Rentner, wenn man mit der alten Freundin vor dem Eingang des Botanischen Gartens steht, diese feststellt: “Guck mal es gibt sogar Pilzberatung!” und man das kleine bissel zu laut antwortet “Großartig, dann können wir ja mal wegen deinem Scheidenpilz fragen!”

(Weil die Glämmerpuss heute auch so muschig ist)

Posthume Geschenke

Meine Mutter hatte den Hang zu “Mautschen”, das sind kleine Nester mit Geld für Unvorhergesehenes, nest-eggs sagt man wohl auf Englisch.
Entstanden ist das wohl aus den Zeiten, als wir sehr arm waren, in denen sie immer ein wenig Geld extra erwirtschaftet hatte, durch Eier oder Gemüse verkaufen oder ähnliches, um das Geld dann für uns Kinder oder bei Katatrophen ganz stolz hervorzukramen.
Natürlich hatte ich die Schränke schon vor zwei Jahren danach durchsucht, und auch mehrere gefunden, aber jetzt beim Schränke räumen fanden wir zwischen den Sonntagspullis einen weiteren Umschlag mit der Handschrift meiner Mutter “1330 Euro”
Darin waren noch über 600 Euro, meine Schwester wurde ganz grün im Gesicht und mußte sich erstmal setzen. Aufs Konto soll das Geld, meinte sie.
Ich fand aber, daß wir das ruhig als letztes Überraschungsgeschenk verstehen und uns freuen sollen, und sich jeder etwas dafür kaufen soll, was wir uns sonst nie gekauft hätten, etwas, was uns immer an dieses letzte Geschenk erinnern wird.

Frönen oder: Come as you are

strodehne

Manchmal vergesse ich sie ein wenig, oder sie scheinen mir ein wenig weit weg aus meinem Alltag, aber verloren geht er mir gottseidank anscheinend nicht, dieser ganze gigantisch großen Freundes- und Bekanntenkreis, der so wunderbar offen und geduldig, schmerzfrei, lustig, tolerant und lebensfreudig und langlebig ist.
Und eben jener hatte sich ein altes Pfarrhaus an der Havel gemietet, für eine Woche, und mich dazu geladen, was ich in einem Moment seltener Spontanität auch einfach so zugesagt habe.

Und wie froh bin ich darüber, 4 Tage voll Spiel und Spaß, dort wo “Zierscheide” noch das zarteste aller Kosewörter ist, wo Platz ist für alternde Transvestiten und Trödelladenbesitzerinnen, patente alleinerziehende Mütter mit ebenso patenten pubertierenden Söhnen, wo Eigenart noch eine schöne Blüte ist und “Chacun á son gout” als Fremdwort vielleicht nicht von allen verstanden, aber auf jeden Fall praktiziert wird, die alte preußische Tugend – genauso wie allem gefrönt wird von Kanu oder Schlauchboot auf der Havel, Angeln, Yoga, Englischunterricht, gutem Essen, ritueller liebevoller gegenseitiger Demütigung und vor allem: Spielen Spielen Spielen.
So ging auch die vermeintlich gewagte Idee auf, dem Bommel seine ersten Urlaubstage einfach zu verplanen, zum mehrtägigen Doppelkopfmarathon, auch wenn dabei den Verkehrssicherkeitsfanatikern zum Leid der nunmehr unabdingbare Brauch begründet würde, daß immer Piccolöchen oder Flachmännerchen geleert werden müssen, wenn der Bomec und der Lucky zusammen im Auto sitzen.

Brandenburg, du kannst so schön sein.