Archiv für den Monat: April 2014

Heisse Kiste

Diese Woche abends auf der Straße vorm Haus, ich so in die Beifahrertür gebeugt, um die Einkäufe von vorm Sitz herauszuzerren, hinter mir brüllen zwei besoffene Italiener “Bella Macchina!”

Dreh mich so um mit meinem reizendsten Lächeln (oder was heutzutage dafür herhalten muß), aber sie waren schon weiter gegangen. Und außerdem hatten sie offensichtlich das Auto gemeint, nicht meinen Hintern.

Weiß nicht, ob ich das jetzt drollig von mir ist oder voll peinlich. Entscheide mich für drollig.

Hischmann gelesen, geweint

Die leichte frische Brise weht den Duft der Hyazinthen, Narzissen und des Goldllacks umher, so daß einem fast schwindlig wird, so wie den Heerscharen von Bienen und Hummeln, die so aufgekratzt umherschwirren wie auch schon letzten Dienstag, daß der arme Rastajungen als erklärtes Stadtkind mit einem “give-me-concrete-and-glass-anytime” sich die Kapuze seines Shirts über den Kopf zog, aus Angst, Tierwelt mit nach Hause zu nehmen. Einen Moment dachte ich, die Geste gälte mir, aber das stellte sich ja später als unbegründet heraus.

Die letzten kostbaren Seiten von “Am Ende schmeißen wir mit Gold” von Fabian Hischmann gelesen, und glücklich. Immer wieder Tränen zerdrückt, weil er einen versteht anzufassen in einem knappen Nebensatz, und auch weil es endlich (wieder) solche Bücher in Deutschland gibt. Noch dazu wunderschön aufgemachte Bucher, Schmeichler schon von der Optik und Haptik her, weit entfernt von der Schulbuchhaftigkeit der üblichen DTVs und Suhrkamps, seriös zu wirken versucht und dabei doch nur Freudloses schaffend.

Hischmann, es fällt einem unbedingt Herrndorfs Tschick ein, und doch ist es ganz anders. Ein spätpubertärer Endzwanziger kehrt ins Elternhaus zurück, um eben jenes und seinen alten Hund für den Sommer zu hüten, und wird mit den noch nicht spätpubertären Dramen, Träumen und Traumen konfrontiert. Aus den anfangs geplanten 2 Wochen wird aus Gründen eine längere Phase, und Hischmann changiert zwischen seinen alten Freunden, die versuchen eine Utopie zu leben, einer Episode in Griechenland und einer in New York.  Von Sommer bis Weihnachten im Kosmos eines, der sich schon lange nicht mehr festgelegt hat, keinen Ort hat.

Die Sprache ist dabei das schönste Element, im prosaischen Ton und faktischen Blick des Langpubertierenden (kennen wir das nicht alle?) wird in kurzen Skizzen geschildert, nur damit dabei in einem Halbsatz, einen nachgeworfenen Wort das wahre Trauma, der Kern, das wahre Thema aufblitzen kann.

Ein köstliches Buch, welches ich Sie hiermit verpflichten möchte, zu kaufen und zu zelebrieren. Teilen Sie es sich gut ein, es liest sich viel zu schnell. Und wie bei Ihren jüngeren Verwandten passiert es dann, daß man die wahre Geschichte überhört in dem lakonisch Erzählten.

Entwarnung

Ich weiß nicht, ob mein F*cken gegen Brustkrebs auch ein wenig dazu beigetragen hat, jedenfalls stellte sich gestern bei den ganzen Untersuchungen heraus, daß es keinerleit Metastasen gibt. Was ein Glück!
So bleiben jetzt vorläufig nur die normalen, wenn auch nicht angenehmen Nachbehandlungen. Puh!
Es kann also auch mal anders gehen.

Sexual Healing

When Life gives you Lemons, you know what to do.
But when Life gives you a cute Rasta Boy, make Love.

Eigentlich ja gar nicht im Zustand und in der Lage, aber der wunderschöne 30jährige Rasta mit der Milchkaffeehaut und dem großen, öhm, Lächeln meinte, es würde mich doch ein wenig auf andere Gedanken bringen, so ein bißchen Sex.

Und so ist es dem Brustkrebs meiner Schwester zu verdanken, daß ich heute am allerhellichtesten Vormittag ein Sexdate mit einem unglaublich schönen jungen Mann hatte. Das ist nämlich schon für Fortgeschrittene, wenn man nicht mehr grade Ende 20 ist, mehr als mmpf Kilo wiegt und auch sonst schon deutlich Ge- und Verbrauchsspuren aufweist.  Da ist ein Abenddate deutlich vorzuziehen und einfacher, mit schummriger Beleuchtung und ein, zwei Gläschen Wein für dem Mut (liquid courage, wie er es nannte).

Da der junge Mann aber abends nicht kann, weil er einen Boyfriend zu hüten hat, und außerdem morgen für zwei Wochen wegfährt, in denen er sein Interesse mit Sicherheit vergessen hätte, hatte ich nun die Pistole auf der Brust und natürlich blanke bodenlose Panik im Herzen und sonstwo.

Verdammt, hab ich mir dann in den Hintern getreten, wenn deine Schwester ihre übermächtige Angst vor Ärzten und Torturen überwinden kann, um ihr Leben zu retten, dann kannst du ja wohl deine bekloppten Ängste überwinden und etwas zulassen, was dir gut tut. Und es wird allerhöchste Zeit, daß du das tust!

Nun, leicht wars nicht, aber der junge Mann hatte eine Engelsgeduld, und es wurde ein sehr sehr schöner sinnlicher Vormittag. Für heute fühle ich mich geheilt.

Und so kam es, daß ich zum ersten Mal seit über 10 jahren frischgefickt und verspätet auf Arbeit erschien. Weil meine Schwester Brustkrebs hat.