Archiv für den Monat: Januar 2014

Hach

So als Momentaufnahme, als kleine Schneekugel für düsterere Tage.
Der perfekte Mittag, ich habe doch vor 14 Jahren alles richtig gemacht, als ich diese Wohnung ausgesucht habe. Genau der richtige Winkel zur Sonne, die jetzt über die verschneite Terrasse (der Winterjasmin blüht noch, die Männertreus hat es jetzt doch leider leider dahingerafft, ansonsten: Shnamistofloppn! Diamond Pavlova! Go ask Kate Bush) mir auf die Wampe scheint, und zwar seit heute in der genau richtigen Höhe, daß sie mir die Wampe wärmt aber nicht mehr blendet. Heizung überall voll aufgedreht, so daß ich gerade wegen der Sonne in Shorts und T-Shirt wechseln mußte. Die gleißende Sonne bringt herrlich meine vielen bunten Farben zum Strahlen – apfelgrün, orange, sonnengelb, und darüber himmelblau.

So langsam lichtet sich auch der Rest. Es waren harte Monate, viel zu viel Arbeit, die Feiertage haben mir den Rest gegeben, ich war außer und nicht bei mir, alles schwer und bedrohlich und erschütternd erschöpfend, Zuversicht verloren. (Entschuldigung an alle, auf deren nette Weihnachts- und Neujahrswünsche nicht reagiert habe – bitte nicht böse sein, mir war nicht so.) So langsam lichtet sich auch dieser grippale Zustand, der seit Wochen anhält, in eine einfachere Erkältung, Kreislauf ok, Zustand stabil, nur noch Rotz und Wasser. War eben doch gut, mal 2 Tage zuhause zu bleiben, bei mir, zu mir.

Freitagabend nach einer harten Woche ist immer das Herrlichste, denn meine ukrainische Perle hat gewirbelt, alles duftet frisch und sauber und unverkrümelt. Gestern noch die Kante gegeben und den Wocheneinkauf auf dem letzten Zahnfleisch erledigt, was gestern abend Familienportion Bratkartoffeln mit Schinkenspeck und Ei und gleich ein dickes fettes lecker Frühstück bedeutet (Räuchermakrele, Roastbeef, Appenzeller, Stinkecamembert, Äpfel, Blutorange.) Den Wein gestern sogar im Schnee auf der Terrasse gekühlt, das ging schneller. Heute abend Filetsteak.

Und jetzt: ein Leben im Liegen, genüßlich und ohne irgendeine Aufgabe. Und dann endlich wieder gutsortiert in die neue Woche. Jehtoch. Welcome 2014, ich wär dann jetzt so weit.

Hinterher ist immer billiger

Tscha, lieber Herr Westerwelle, lieber Herr Hitzlsperger, hinterher ne dicke Lippe riskieren, das gibt viel Aufsehen, und kostet doch nicht viel. Nicht, daß wir uns falsch verstehen, jede Äußerung in dieser Richtung ist eine gute, und selbstverständlich sollte es jedermann/frau/whoevers private Entscheidung sein, wieviel man von seinem Privatleben oder seiner Meinung öffentlich preisgibt, angesichts der Probleme, die man damit unweigerlich in Kauf nimmt.

Herr W., ich hoffe, Sie haben der Kanzlerin auch persönlich beim privaten Abendessen gesagt, daß sie ihre Haltung zur völligen Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften  persönlich und politisch inakzeptabel und gesetzeswidrig finden, und Herr H., ich hoffe Sie haben ihrerzeit in der Umkleidekabine nicht bei den dort vermutlich üblichen homophoben Ritualen und Sprüchen mitgemacht. So viel persönliche Integrität würde ich ihnen zutrauen, ich hoffe das Vertrauen ist gerechtfertigt. Schnell ist man doch in der Position, in der Mannschaftsdusche selbst als Außenminister mit kaltem Kanzlerinnenstrahl erwischt zu werden, oder beim Dinner mit Präsidentengattin in Dubai nach Buttplugs gefragt zu werden (oder umgekehrt, das ist mir gerade egal, ich bin im Rant).

Ich als schwuler Unternehmer arbeite zwar in der homofreundlichen Kulturbranche, aber auch dort ist die Kruste zu den Konzernen hin sehr dünn, und wenn man dann auf einer Messe in einer der gruppen- und kontaktdynamisch sehr wichtigen Rauchpause die Kotze nicht mehr zurückhalten kann, weil man den möglichen Geschäftspartnern zuhören muß, wie sie mit ihren sexistischen Sprüchen über Messehostessen ihr klägliches Geschlecht und Gemächt meinen aufwerten zu müssen und können, und stattdessen auf irgendeinen stattlichen Mann zeigt, dann wird man ganz schnell, eigentlich ab sofort, nicht mehr zu den strategischen Abendveranstaltungen eingeladen. Das ist ein widriger Umstand, mit dem man dann umgehen muß, aber das muß jeder für sich selbst entscheiden, welchen Preis er oder sie für die persönliche Integrität und letzten Endes vielleicht für einen Beitrag zur Umerziehung eines grundsätzlich immer noch untragbaren Systems zahlen möchte.

Da lobe ich mir die Pragmatik des Ministerpräsidenten Kretschmann, der mit “Menschen akzeptieren, wie sie sind. Fertig. Aus. Amen.” einfach alles Relevante gessagt hat. Mehr muß nicht. (Merken Sie? Er hat akzeptieren gesagt, nicht bloß tolerieren!)

Aber wie wichtig und wie leider wenig selbstverständlich es ist, daß alles auf einen so einfachen Nenner komprimiert werden muß, wenn es um die Gestaltung und Bildung der nächsten Generation geht, das wiederum ist sehr traurig. Daß z.B. irgendein Glaubensverein immer noch meint, eine Doktrin aus dem vorletzen jahrtausend durchdrücken zu müssen, und dabei mit den verständlichen Ängsten der Menschen arbeitet (Selbstmord! Drogen! Psychische Intabilität!), ist unerträglich. Ja, Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans-Menschen und alle drei Trillionen anderer Andersartigkeiten sind mit Selbstmord, Drogen, und psychischen Problemen konnotiert, aber nicht aus sich heraus, sondern weil die grundsätzlich immer noch Andersartigkeit ausschließende diskriminierende Mehrheit mit ihren Moral- und Lebensvorstellungen Andersartige dorthin treibt. Mit 13 hat man noch nicht so viel Lebenserfahrung, um diesen Kräften mit einen kräftigen FUCK YOU entgegen zu treten.

Und hier greift dieser wunderschöne Song von John Grant (you gotta love him!), der beschreibt, wie dieser Schmerz, der einem von der Gesellschaft zugefügt wird, einen zu einem besseren und noch besondereren Menschen machen kann, so wie Diamanten eben durch immensen Druck aus bloßer Kohle entstehen. Das stimmt so auch, aber was ist, wenn man, wie so viele, den Schmerz und Druck nicht überlebt? Ich kenne einige unglaublich wundervolle Menschen, bei denen es nicht nur einmal sehr sehr knapp war.

Es wäre doch schön, in einer Welt zu leben, in der jeder Mensch, egal was seine Andersartigkeit ist (und geben Sie doch zu, Sie alle sind andersartig, oder?), einfach so glänzen und funkeln darf, für alle. Amen.

Bitte schauen Sie das Video an, zwei- oder dreimal mindestens. Es zeigt am Beispiel amerikanischer Kulturgeschichte, welchen Weg wir schon hinter uns haben. Und wieviel Weg noch vor uns liegt. But: What a way to go!

This pain –
It is a glacier moving through you
And carving out deep valleys
And creating spectacular landscapes
And nourishing the ground
With precious minerals and other stuff
So don’t you become paralyzed with fear
When things seem particularly rough