Archiv für den Monat: Juli 2013

Kind im Manne (Just the one, Dear?)

Es juckt mich ja immer mächtig in den Fingern, wenn ich jemand in Jogginghose auf der Straße sehe, besonders bei diesen Burschen vorm McFit, daß ich mit einem kräftigen Ruck die Hose nach unten ziehe.

Das fand noch nie jemand lustig oder drollig (außer mir), als ich das als Kind gemacht habe, und jetzt bestimmt erst recht nicht, von einem dicklichen, überblondierten, mittelalten Mann – käme das wohl auch nicht gut an.

Dufte!

Normalerweise riecht es ja in meiner Wohnung eher nach alten Kippen, nicht runtergebrachtem ungetrennten Müll und möglicherweise muffigen Kissen, aber heute abend kam ich nach Hause und alles duftete wild-wohlig. Zuerst dachte ich, Galina sei zu einem Putzzwischenstopp unter der Woche da gewesen, aber nein, siehe da: Blauregen und Geißblatt legen überraschend und bisher unbemerkt eine zweite Schicht ein, und Oleander, Sternjasmin und Gardenie und sogar die Petunien tun das ihre dazu. Betörend!

So riecht es vielleicht, das gepflegte Leben.

Tagebuch 21.6.-4.7. Urlaub, zum ersten

Na, kommen Sie sich vernachlässigt vor? Fast schon verwahrlost? Tja, Herr Lucky hat Urlaub und kriegt deswegen gar nix gebacken.

Wunderbarer Besuch von Freunden der Familie, Christine, David und Marianne aus Devon. Die kamen, damals noch ohne Tochter Marianne, seit den frühen 70ern als Freunde meiner Schwester ab und an in die Eifel, somit meine einzige Anbindung an die sogenannte große weite Welt außer meiner persönlichen Doris Day, Frau Treckiewicz.

Und wie das mit Besuch so ist, macht man Sachen die man eigentlich nicht vorhätte: Samstags bei gloriösem Wetter in der Waldbühne bei den Philharmonikern. Die ganze Logistik drumrum ist echt ein Grund, sich dagegen zu entscheiden, zum Beispiel steht man über eine Stunde an, bevor man drin ist, damit nur keiner der gutsituierten Bürger etwa eine Glasflasche einschmuggelt – WTF? Verhältnismäßigkeit?
Konzert war dann aber, trotz oder vielleicht auch wegen der billigen Plätze ganz oben, sehr schön, wenn dann die Sonne langsam untergeht und die Waldbühne in einen herrlichen Sommerabend versinkt. Besonders toll fand ich aber die Vögel drumherum, die langsam anfingen um Ludwigs Neunte herumzusingen, und nicht nur heimlicher Star war eine Amsel, die sich akustisch gewitzt oben am Rund in einen hohen Baum setzte und dem Geschehen der Philharmoniker aber sowas von zeigte, wo die Amsel den Most holt. Und der Wind, der ab und an in die andächtigen Stillen Soundfetzen von einer Prollo-Party herüberwehte: Nana-nanana, Life is Life!

Sonntag dann großes Spargelessen bei mir auf der Terrasse, sechs Personem, 3,5 Kilo Spargel plus Kartoffeln, Schinken und Schweinemedaillons in der berühmten Lucky’schen Soße. Das allerdings nach einem herrlichen Tag auf dem See mit dem Glam, und einer Flasche Wein pro Nase in der gleißenden Sonne – derart tiefenentspannt ist nicht gut groß kochen, besonders wenn der werte Besuch dann auch noch eine Stunde zu früh kommt, also just, wenn man die Schlüpper alle aus den Palmen und den sonstigen Müll eingesammelt hat und grade mit Spargelschälen anfangen will. Man muß dann nur das Wimmern der hungrigen Gäste ignorieren, sowie den Neffen, der in seiner unendlichen Weisheit es für unnötig hält, Spargel überhaupt zu schälen, und schwupps ist das Essen dann anderthalb Stunden zu spät dann auch schon fertig, währendessen man den Besuch vorm Fernseher geparkt hat, damit sie das gestrige Konzert nochmal in nah sehen können. War dann aber doch ein voller Erfolg, auch wenn ich, Kitty sieh’s mir nach, die Hollandaise nicht selbst gemacht hab.

Wie man Engländer zugleich komplett entsetzt und dabei dann doch zu roten Äuglein rührt, habe ich gemerkt, als ich eine kleine Ansprache über den butterfly-effect zu Ehren der Gäste hielt. Schließlich haben sie mir und meinem Neffen damals eine für uns noch völlig unbekannte Lebensart gezeigt: Spaß, Interesse, Weltgewandheit statt Arbeit, Frust und Kuhfladen. Mir persönlich hat es sich damals überhaupt erst erschlossen, warum es Sinn macht, Englisch zu lernen – so gesehen sind sie nicht unschuldig daran, daß ich einen M.A. in Anglistik habe, und England kulturell für mich ins Weltzentrum rückte, damals in den 80ern. Und natürlich meine Besessenheit mit Lenkdrachen. Es war sehr schön, sie so gerührt zu sehen. Ab und an muß man solche Momente eifach auch setzen.

Montags arbeiten, und Dienstag wollten sie dann unbedingt im strömenden Regen zum Checkpoint Charlie, der nicht nur bei dem Wetter Berlins bescheuertste Ecke ist. Das Asisi-Panorama allerdings fand ich ganz interessant, wenn auch mit 10€ Eintritt völlig überteuert. Gerettet hat den Tag dann eine spontan von mir organisierte Führung durch Glämmies Oper der Phantome, das spontane Angebot für Steuerkarten für den Wizard of Oz vom Staatsballett, und das Dinner hinterher im übrigens sehr empfehlenswerten NÖ in der Glinkastraße, dem einzigen echten und liebevollen Restaurant (süddeutsch/elsässisches Weinrestaurant) in der ganzen Gegend um die Linden.

So ein Besuch ist herrlich, schlaucht aber auch gewaltig, so daß ich die nächsten Tage sehr dankbar für das schlechte Urlaubswetter war und meine Tage mit Drachenzüchten und -jagen auf dem Sofa verbrachte – bis das dann am Dienstag auch leicht sauer wurde, aber schwupps, man kann ja ein paar Leute treffen, und mit denen die Stadt genießen.

Nur die Wohnung streichen wie eigentlich vorgehabt, das hat irgendwie nicht geklappt….