Archiv für den Monat: März 2013

Wüste

So, gestern abend den glutäugigen Wüstensohn wohl endgültig dahin geschickt, wo er her kam. Nice while it lasted – aber wenn mein eigenes Begehren so unproportional ist zu dem, was bei ihm geht, dann haut das nicht hin, bzw. habe ich das mit der casual affair zumindest emotional nicht so richtig verstanden. Und daß das keine Perspektive hat, wußte ich ja von Anfang an.

Allerdings, Schaden habe ich gar keinen genommen, sondern es war eine durchaus positive Erfahrung, und das nicht nur für meine immer noch laufende seelische wie körperliche Reha-Maßnahme, so dornröschenmäßig nach hundertjährigem Komaschlaf wieder ins Hier und Jetzt gefickt zu werden – großartig!

Profitiert habe ich auf etliche Arten, nicht nur körperlich. Oder waren sie schon mal streng halal einkaufen, um nach dem Sex ausführlichst bekocht zu werden? Und ich habe jetzt ein wirklich gutes Humus-Rezept, obendrein.

Auch profitiert habe ich, indem ich in dieser relativ neutralen Testumgebung meinen üblichen Reflexen, Obsessionen und Unsicherheiten, mit denen ich schon so manche meiner Beziehungen (mit-)zerstört habe, beim Frei-Drehen zusehen konnte. Und es sogar geschafft habe, sie ab und an zu entlarven und einfach mein Gefühl und mein Verhalten zu ändern. Die Heidi wäre stolz auf mich, die Heidi in mir ist es schon.

Ich fand es auch sehr bereichernd, so einen echten Araber kennen zu lernen, auch wenn es mit der Kommunikation schon schwierig ist, wenn jemand wirklich nicht sehr gut Deutsch oder Englisch kann, und ich kein Arabisch. Oder kennen Sie so jemanden, außer aus dem Späti oder Gemüseladen? Ich finde es ziemlich faszinierend, ein so komplett anderes Weltbild und Leben mitzukriegen.

Oder auch deprimierend, zu sehen, wie jemand der kaum deutsch kann, hier leben muß – Sie haben sich doch sicher auch so aufgeregt über die Dokumentation über die Arbeitsbedingungen der Aushilfen bei Amazon? Ich verrate Ihnen jetzt mal was: das machen alle so. So leben viele hier in Deutschland, für netto tausend Euro arbeiten sie 40-60 Stunden die Woche in nacht- und Tagschicht, bei DHL, UPS und in Reinigungsfirmen, was auch immer, zuzüglich einer oft zweistündigen Anreise mitten in der Nacht nach Brieselang oder Birkenwerder. Oft ist übrigens die Unterbringung tatsächlich Teil des Jobpakets, im Wohnheim, zu überteuerten Priesen am Ende der Welt. Ja, da sagt unsereins als Bildungsbürger, selber schuld, erstmal die Sprache richtig lernen, und sich dann weiterbilden, dann hat man auch eine bessere Perspektive. Jaha, aber dann müßte man erst einmal regelmäßig und kalkulierbar frei haben, um eben diese Sprachkurse machen zu können, und Zeit und Kraft übrig, um hier in dieser Gesellschaft auch richtig anzukommen.

Und in diesem Fall auch, um sich ab und an mit Herrn Lucky einen vergnüglichen Abend zu machen. Und das öfter mal, damit der Wüstensohn auch mit seinem eigenen Begehren und der Lust, über die er sich so erschreckt hat, klar kommen kann.

 

Tagebuchbloggen?

So ein schöner neuer Plock will ja dann auch gefüttert werden, und eigentlich finde ich ja Tagebuchbloggen eine schöne Idee. Ist ja, wie meine Heidi gleich am Anfang unserer Sitzungen sehr einleuchtend gesagt hat, egal, wo man die Wurscht aufschneidet, ist ja überall Wurscht drin. Ich mag pragmatische Ansätze. Und so lernt man die Leute schon gut kennen beim tagebuchbloggen.

Andererseits habe ich die Befürchtung, daß ich Sie unendlich deprimieren würde mit meinem Alltag, und bei saftigeren beruflichen Sachen müßte ich eh zensieren, und bei den wirklich saftigen, ähm, ganz privaten Details auch (nicht daß es so oft vorkommt, aber, immerhin, es kommt vor, wieder) Ich glaub dann wäre es auch wirklich nicht mehr interessant, oder?

Grade noch rechtzeitig

Sieht so aus als ob ich meinen zierlichen Arsch Blog grade noch rechtzeitig hier über die Grenze gerettet hab, Twoday ist seit gestern abend mal wieder nicht zu erreichen.

Bitter nur, daß meine lieben Kollegen, Glamourdick und Madame Modeste und der Herr Schneck besipielsweise, dort sozusagen in Geiselhaft sind und ich sie nicht besuchen kann – Frau Koma hülf!

Willkommen, Bienvenue, Welcome to Montenegro!

Kommse rein, Jacken nach da hinten bitte, Schuhe bitte draußen, ist ja alles noch ganz neu hier. Hier, nehmen Sie doch erst mal einen Cremant, und schauen sich um. Ist eigentlich wie immer, nur woanders. Es ist noch nicht alles fertig, ein paar Kartons sind noch nicht ausgepackt, ein paar Kisten stehen noch auf der Straße, glaub ich.

Ein wenig aufgeregt bin ich, ich ziehe nämlich so selten um, insgesamt tatsächlich erst 3x in meinem Leben, aber das sit das erste Mal, daß ich virtuell umziehe. Das alles hätte ich nie geschafft ohne die fachfrauliche Unterstützung von Miz Kitty, die das hier nächtelang konvertiert und zurechtgefrickelt hat. Vielen Dank, meine Liebe! Ich muß sagen, es hat gar nicht weh getan!

Na, dann stoßen wir doch mal auf hoffentlich noch ein paar Jahre an – bleimse mir gewogen!

 

Tränen für Mogli

Es ist schon etwas unglaublich, besonders wenn man weiß, daß ich Hunde an sich nicht so dolle mag, aber nun sitze ich hier im verfrorenen Berlin und heule, weil auf Ibiza ein Hund gestorben ist.
Gerade heute mittag fand ich noch beim Durchsortieren Fotos von ihm und bekam ein ganz intensives Gefühl und dachte: das ist nicht einfach so ein Hund, das ist jemand, den man regelmäßig sehen und besuchen müßte, so wie einen guten Freund oder einen alten Verwandten. Und bekam so ein bißchen Sehnsucht.
Mogli war nänlich kein normaler Hund, er war ein Gentleman, ein Sean Connery unter den Hunden, ein Hund wie ein Haus.
Als ich das zweite Mal auf Ibiza war, ging es mir nicht besonders gut, nach meinem Burnout und mit Depressionen. Mogli hat sich aber ganz ganz großartig um mich gekümmert, leistet mir immer Gesellschaft, wenn ich alleine zuhause war, paßte auf mich auf, und wenn ich jemand zum ganz fest halten brauchte, ließ er es geschehen – und er war ja ganz großartig gebaut zum Festhalten, so ein großer Hund. Ich hatte das Gefühl, als ob er genau wußte, was ich brauchte, als könnte er in meine Seele sehen.
Ich werde Mogli nie vergessen und ihn sehr vermissen, wenn ich mal wieder nach Ibiza kommen sollte.
feet

Andererseits

wenn man dann vor dem Kleiderschrank steht und ein dunkles T-Shirt rauszieht, und man ganz furchtbar lachen muß, weil es ein Cats-Musical-T-Shirt ist, dann ist es genau der Tag dafür, genau dieses T-Shrt anzuziehen, natürlich nur zu Ehren der liebsten Kollegin, die wir seit Monaten mit Katzenbildern und Kätzchendeko auf ihrem Schreibtisch mobben. Natürlich mag sie überhaupt keine Katzen, das ist ja der Punkt.
Ach, ich würde fast alles für sie tun!

Smells like Burn-Out

Yeah hey, they say two thousand zero zero party over, oops, out of time So tonite I’m gonna party burn out like it’s nineteen ninety-ninetwothousandsix Yeah, yeah, hey
PRINCE – 1999 LYRICS

Ich bin recht sicher, daß ich diesmal keinen habe, oder hoffe es zumindest sehr sehr stark, aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie der Körper so stark reagieren kann:
“Hey, die Situation kennick, da heben wir doch was Passendes!” und in den Keller steigt, und irgendwas Verschimmeltes aus den Verschlägen der Seele zieht. (Wir berichteten hier schon oft.)

Fast volles Programm, Genick wie Stahlseile, und die Angst, bei einer falschen Bewegung die Mutter aller Migränen an Land zu ziehen. Dasselbe im Rücken. Beim Aufstehen schon wieder todmüde, und aller Schlaf der Welt reicht nicht, und zu lange schlafen verspannt wieder Genick und Rücken.
Abends im Auto immer diese flashes, wo ich in einer Millisekunde vergesse, in welcher Straße ich grade bin, und ein paar Sekunden brauche, mich neu zu orientieren. Und gelegentlich, die Unfähigkeit, auch nur ein einfaches Wort zu schreiben.

Draußen aber segelt der Käptn das Schiff souverän durch irgendwelche trügerischen Unterwasserströmungen, schreibt Abmahnungen und Therapieanordnungen für Mitarbeiter mit Alkoholproblemen, verwaltet eine Veranstalterinsolvenz, versucht mit der schwer bekloppten Schwester eine Lösung für das leere Haus zu finden und bereitet zwei (oder sind es drei?) Systemwechsel vor, inklusive der hohen Politik der Partnerberuhigung.

Hey, es ist 2013 und nicht 2006/7.

(Don’t) Turn around, bright eyes

Und dann der doch durchaus und überaus peinliche Moment, wo der smarte Mann mit den schönen grünen Augen und dem exotischen Nachnamen (ungarisch?), mit dem man eben noch im Termin saß, sich in der Tür nochmal umdreht, justament und genau in dem Moment, wo man ihm zum Abschied noch genüßlich auf den Hintern gucken will.
Erwischt, du Fisch.

Heartbreaking

Hab ich Ihnen diese Seite schon mal ans Herz gelegt? Wenn nicht, wird es aber mächtig Zeit: Letters of Note.
Besondere Briefe von bekannten oder unbekannten Menschen. Mal witzig, mal wütend, mal sarkastisch, je nachdem.
Oder herzzerreißend, wie dieser hier, geschrieben von einem amerikanischen GI an seinen Kameraden, seinen Geliebten, anläßlich des Jahrestages, daß sie sich kennen lernten – nur um sich dann wieder zu verlieren:
Sleep well, my Love
Ein kurzer Brief nur, aber das in Cinemascope, Breitwand, mit ein wenig Sepia, ein Brief – ein Film.