Archiv für den Monat: Oktober 2014

Gut durch

Lily oh Lily, I don’t feel safe
I feel that life has blown a great big hole through me!
(Kate Bush)

And the sun will rise and the moon will set
and you learn how to settle for what you get.
It will all go on if we’re here or not
So who cares – So What?
(Cabaret, Frl. Schneider: So What?)

When will they ever learn?
(Pete Seeger)

Thank God für das lange Wochenende! Die Sonne wärmt und scheint durchs Fenster und auf der Terrasse, die Rosen ringen sich gerade zu einer Bonusrunde durch – wie gut das tut.

Durch & durch. Seit dem erholungsmäßig völlig mißglückten Sommer”urlaub” habe ich, außer den beiden Kurzreisen im September, nur einmal Menschen getroffen außer auf der Arbeit. Also zwangsweise zurückgezogen, zwei Monate lang.

Eigentlich war es in der Eifel sehr schön, und die Woche mit meiner Berliner Bagage dort auch, aber mit anderen Menschen zusammen sein, egal wie lustig, nötig und schön es ist, strengt mich unglaublich an, es überanstrengt mich, das ist nicht normal.
Mal abgesehen von dem enormen psychischen Aufwand, Cheerleader für Schwester und Schwager zu spielen (zu wollen), in deren Situation. Auch die Rechnung, länger dort zu bleiben, dann habe ich ja irgendwann alle Menschen, die mich sehen wollen, getroffen, und dann habe  ich endlich etwas Zeit, war Milchmädchen – die kommen dann eben einfach zwei Mal. Oder drei bis vier Mal. Ächz.

Zurück auf Arbeit – krasse Scheiße. Das große Update, das im Juli abgeschlossen sein sollte, ist es bis heute nicht, und so verbringt man Hunderte Stunden, anderer Leute Arbeit vor- und nachzuarbeiten. Außerdem – können sich die Kunden nicht mal an die Hauptsaison halten? Wir sind doch fast alle im Urlaub, was wollen Sie denn? Und warum?

Das selbe beim Kurztrip nach London – 72 Stunden in bester Gesellschaft, und gleich zwei Mal Kate – ein Traum, wie Sie unten lesen können, beides. Aber irgend etwas ist bei meiner Herstellung falsch gelaufen – die schönen Sachen bleiben nicht hängen, die Belastung aber sehr wohl. Wie bei einem gut ausgelasteten Dispokredit – Einnahmen werden geschluckt, Soll bleibt stehen. Eigentlich hätte ich danach eine Woche Erholung gebraucht, aber – s.o.

Unnötigerweise dann auch gleich eine Dienstreise – 48 Stunden Lübeck, mit dem Effekt, daß ich die in London anfangende Erkältung/Grippe/whatever so richtig ausbauen kann. Der besten Assistentin der Welt mußte ich 10 Tage Urlaub geben, bevor sie mir komplett abbrennt. Der andere Assistent bleibt erst mal (vorsichtshalber?) krank zu Hause. An wem das dann hängen bleibt? Richtig!

12-Stunden-Tage, über 100 ankommende und über 60 gesendete Emails (und nicht nur welche mit ja, nein, FYI, sondern welche mit Recherche und Ausführung und so) pro Tag, Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit, Schwitzattacken, Halsschmerzen, Durchfall. Zumindest hat die weltbeste Assistentin sehr mit mir lachen müssen, als wir von unserer perfekten Work/Work-Balance gesprochen haben.

Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch, smells like 2006/7. Aber eins ist anders, wenn der Assi nächste Woche noch krank ist, bin ich es auch. Muß eben das ein oder andere vor die Wand fahren. Ich kann ja alleine keinen reißenden Staudamm aufhalten. Davon geht die Welt nicht unter, hat damals eine Sängerin gesungen, und sie hatte nur bedingt recht.
Aber immerhin, so viel habe ich dann doch gelernt, seit 2006, in der Therapie.
OK, Mittwoch den Termin werde ich wohl doch einhalten, ich muß ja den 1,4-Millionen-Vertrag schon noch verhandeln. Steht ja außerdem nochmal der selbe Betrag direkt dahinter.

Jaaa, könnten sie jetzt sagen, aber was denn mit dem Abend mit dem Araber, das war doch sicher was, oder? Sehen Sie, zum einen s.o. Dispo, zum anderen habe ich den tatsächlich vergessen, als ich oben schrub, daß ich nur einmal Menschen in der Freizeit getroffen habe, und dann deckt das ja noch ein viel größeres Problem auf:

Kann ich mich denn tatsächlich nur nach wirklich großen aufwühlenden Ereignissen so weit öffnen, daß ich sowas zulassen kann? (In der Woche davor hatte ich ihn mit einer schnöden Ausrede abgewimmelt.) Ich meine, meine arme Schwester kann sich ja nicht dauernd den Brustkrebs operieren lassen, nur damit ich Sex habe. Und auch auf die nächsten Live-Auftritte von Kate Bush warten zu müssen, verheißt keine wirklich gute Perspektive für mein Sexleben.

Summer has ended and we are not yet saved -
Das schreibe ich ja jedes Jahr im September, dieses Jahr noch nicht – ich hatte wohl einfach noch keine Zeit dazu.