ich möchte mich gern von mir trennen…

… wenn möglich auf längere Zeit.
Es reicht mir, mich näher zu kennen –
Ich mag mich nicht mehr, tut mir leid.

Ich nahm auf mich leider nie Rücksicht –
von mir tief gekränkt steh ich hier.
Deshalb nehm ich lieber zur Vorsicht
auf längre Zeit Abstand von mir.

Was kann es denn Schwereres geben,
als so mit sich selber zu leben –
und dieses eben
ein ganzes Leben?

Ich wünsche mir andere Nerven
ich such mir ‘ne andere Haut
der meinen hab ich vorzuwerfen
sie hat mich noch nie ganz verdaut.

Ich möchte mit mir nicht mehr zittern
meist schlaflos im eigenen Bett,
mit Angst vor der Welt und Gewittern,
vor Post auf dem Frühstückstablett.

Was kann es denn Schwereres geben,
als so mit sich selber zu leben –
und dieses eben
ein ganzes Leben?

Ich mag meinen belgischen Schrank nicht,
ich HASSE mein Nußbaumklavier,
ich mag auch mein Geld auf der Bank nicht –
ach wär ich doch gar nicht erst hier!

Ich möchte mich gern von mir trennen,
wenn möglich auf längere Zeit.
dafür würd ich tagelang rennen,
egal wohin, Hauptsache, weit!

Was kann es denn Schwereres geben
als so mit sich selber zu leben –
und dieses eben
ein ganzes Leben?

(Muß man sich vorstellen als schnellen, sachlichen Walzer, Text: Hildegard Knef, meine Tucholsky des deutschen Chansons. Abgesehen von ein bissel 60s-Interieur mein Song du Jour. Des beaucoup des Jours)

15 Gedanken zu „ich möchte mich gern von mir trennen…

  1. arboretum

    REPLY:
    Oh ja, von Jo van Nelsen sah ich vor vielen Jahren einmal einen ganz wunderbaren Hildegard-Knef-Abend. Für den, und für den Abend über Dorothy Parker, liebe ich ihn.

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  2. arboretum

    REPLY:
    Dass ein eingefleischter Knef-Fan wie Sie da vielleicht andere Erwartungen hat und anders urteilt als ich, die mit ihr bis dato gar nix am Hut hatte, überrascht kaum. Und vielleicht war Jo van Nelsen an dem Abend selbst ja auch anders drauf, ich glaube, es war die Premiere – von mir ganz zu schweigen. Ich hatte kurz zuvor meine letzte Magisterprüfung (Hauptfach) abgelegt. Ich habe ihn jetzt schon länger nicht mehr auf der Bühne gesehen, aber bisher mochte ich seine Arbeit.

    Mit wem ich hingegen gar nichts anfangen kann, ist Tim Fischer. Den habe ich in den 90ern und vor zwei Jahren nochmals gesehen und fand ihn beide Male überhaupt nicht gut. Es ist mir ein Rätsel, warum so viele Leute seinetwegen so aus dem Häuschen geraten. Beim ersten Mal zehrte er noch von seiner Jugend, 2005 war er einfach nur unterirdisch und belanglos. Die ewig gleichen Posen und stimmlich ist es auch nicht so dolle.

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  3. luckystrike

    REPLY:
    Ich finds aber auch wirklich schwierig, wenn andere Leute Kneflieder singen. Einzige Version, die mir bisher gefallen hat, war “Die Welt ging unter am Zürichsee” von Michael von der Heide.

    Und von Tim Fischer braucht man nu wirklich nicht zu reden. Hat der überhaupt eigene Songs? Er singt ja eigentlich immer nur nach, was andere schon viel besser und vor allem originärer gemacht haben.
    Den letzten Funken Sympathie hat er sich allerdings bei mir verschissen, als er bei einem Ingrid Caven-Konzert (deren Repertoire er fast komplett singt) völlig zugekokst mit seiner Entourage absolut daneben ins Konzert quatschte und störte, fast die ganze Zeit.
    Und wie er nach einem Georg Kreisler-Konzert beim Essen fast auf dem Schoß von diesem saß und ihn beschleimte, ürgs, ich muß aufhören, sonst…

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  4. raketenprinz

    Der Vergleich sitzt! Der Prinz hielt die ja früher in schlimmer Ignoranz für ne seichte Chansonette. Sein Freund Jo verdrehte die Augen und füllte einen ganzen Abend mit Hilde. Seitdem: J’adore Knef.

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  5. glamourdick

    ich bin froh und erleichtert, dass du das nussbaumklavier endlich mal ansprichst. ich hatte es dir schon lange sagen wollen. gut, dass du es nun selbst festgestellt hast. es ist wirklich ausgesprochen scheußlich.

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  6. raketenprinz

    REPLY:
    also, tim fischer g e h t g a r n i c h t. fischer ist schlicht maßlos überschätzt, vor allem von ihm selbst. absolut nervig.

    daher verbietet sich der vergleich mit jo van nelsen – selbst, wenn man letzteren nicht so dolle fand. denn da gibt es wirklich viel zu entdecken. da ist verstand und können an bord.

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  7. arboretum

    REPLY:
    Sehen Sie es mir bitte nach, Herr Raketenprinz, dass ich beider Namen in einem Posting erwähnte. Ich konnte nur ‘mal wieder nicht die Gelegenheit auslassen, zu erwähnen, wie kümmerlich ich Tim Fischers Darbietung finde, der zu Unrecht so viel bekannter ist als Jo van Nelsen. Denn dieser hat all das, was Tim Fischer fehlt und eine gute Stimme obendrein.

    Um Ihre Frage zu beantworten, Herr Lucky, doch, doch, Herr van Nelsen tut noch. Und wie, er ist recht umtriebig: Er inszeniert, singt, schreibt, arbeitet an seinem neuen Programm usw. usf.

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