Archiv für den Tag: 1. Juli 2007

kein schabrackentapir oder: bauch beine po

Gleich vorweg: wer für Bauch Beine Po was Gutes tun will, der gehe in die Waldbühne und hole sich ab und an ein Getränk oder gehe auf Tö. Should do the Trick. Ungefähr 1,5 Mio Stufen zu Diensten.

Und: Berlin bleibt doch Berlin. Wer gedacht hat, daß sich die gute alte Tante Waldbühne bei Ticketpreisen zwischen 120 und 560 € für Barbra Streisand etwas aufrüscht, Bartische mit Champagnerkübeln, Austern und lebenden Gardenien etwa, der täuscht sich. Berliner Kindl, Asia-Pfanne und Wurschtbuden wie immer. Der Berliner an sich bleibt sich ebenfalls treu: Sandalen, geländegängies Allwetteroutfit. Kaum eine große Robe in Sicht.

Nun zum Main Event:

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Soviel hat man gesehen von meinem Platz, der knapp 400 € gekostet hätte, und das ist schon mit 4x-Zoom. Oder man schaut gleich auf die Leinwand:

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Also, so richtige Intimität kam nicht auf, in der ziemlich vollen Waldbühne mit ca. 16.000 Gästen.

Dafür war Madame aber sehr gut gelaunt, gut bei Stimme, witzig und auch schlagfertig. Da sie den Teleprompter mitten im Publikum aufgestellt hatte (Alterweitsichtigkeit?),
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konnte man sehr schön nachverfolgen, welche Äußerungen von Script kamen und welche spontan waren. La Diva ist allerdings nach 47 Jahren Karriere so professionell, daß man den Unterschied in der Conference eh nicht bemerkt.

Supersympathisch ihre Scherze über ihre Freßlust, und ja, sie war ein bissel moppelig, auch wenn ich ihr nicht glaube, daß sie extra Currywurst probieren war. In der zweiten Hälfte entledigte sie sich auch ihrer Schuhe, wegen ‘dicker Füße’, mit solchen Tricks kriegt man mich sowieso immer.

Über die Musikauswahl hatte ich ich ja schon beschwert, größtenteils die getragenen Songs, und fast keine der ‘Ich-machs-trotzdem’ oder ‘Ihr-kriegt-mich-nicht-unter’-Songs, für die sie so lange meine Heldin war. Allerdings hat sie auch die kitschigeren Lieder differenziert und zart gesungen, was sie einfach von den Mariah-ich-kann-noch-was-lauter-pressen-Careys, Zellulite-Heulboje-Dions und Whitney-Crackhead-Houstons dieser Welt unterscheidet. The Lady is a Lady. And she knows her job.

Ihre Stimme: stark wie immer, aber auch sanft, etwas dunkler geworden, schön, wenn sie auch mal an der ein oder anderen Note ein wenig scheitert, das machte die Lieder lebendig und die Stimmung echt. Das Orchester war großartig, ebenso die Arrangements.
Nur diese gräßlichen Il Divo, die so manche längere Umkleidepause Madames ausfüllen mußten, und die wesentlich zum Mord des ja eigentlich schönen “Somewhere” beitrugen, waren überflüssig bis unerträglich.
Und was mich wunderte, daß die Rückseite der Bühne in der Waldbühne, die ja nun wirklich aussieht wie ein Grabmal für einen Faschistendiktator, nicht mit was Tülligem abgehängt war.

So richtig gekriegt hat sie mich allerdings mit “Papa, can you hear me?”, ganz zart und doch stark gesungen, und dazu die einzigartige Stimmung in der Waldbühne, unter Baumwipfeln und unter einem dräuenden Nachthimmel über einem.
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Es war ein schöner Abend, etwas altmodisch, groß, aber nicht kitschig, und irgendwie schafft es Barbra Streisand, daß man nicht eine große alte Dame da vorne sieht, sondern daß immer noch die (etwas füllig gewordene) jüdische Prinzessin aus der Brooklyn durchscheint.