Slum drüber – Endlich wieder frei!

Puh, es ist geschafft. Ich gestehe, ich habe jede einzelne Folge Dschungelcamp gesehen, sklavisch, und ich schäme mich rein gar nicht dafür – zunächst schaute ich nur aus reiner Häme, denn wer guckt nicht gern unwichtigen Leuten beim Abgeben der Rest-Menschenwürde zu, aber dann bekam das Ganze ja ungeahnt Meta- und Meta-Meta-Ebenen.
Die reine Freude, die Strategien der Teilnehmer durch die Strategien des Senders und dann nochmal durch die Strategien von beiden durchgewurstet zu sehen, das Geknarze der Inszenierungsmaschinerie durch zu hören – Brecht! Grand Guignol! Shakespeare! Griechische Tragödie! (Ach, lesen Sie sich die metakulturellen Verweise selbst im Feuilleton zusammen.)
Jedenfalls, eine Freude, eine spannende Sache, und ich ließ meine Sym- und Antipathien gerne und voller Wollust lenken und treiben – wenn man das als Serie schreiben wollte, müßte man sich ganz schön Mühe geben.

Daß der gute Peer gewinnen würde, dachte ich mir allerdings schon nach dieser Mobbing-Szene (und ich freu mich für ihn, was auch immer er davon hat). In echt ist der übrigens genauso, wir hatten in dem Laden mal eine Weihnachtsfeier, wo Glam seine Hose verloren hat. Die Bedienung war überfordert und kam mit Getränken nicht nach (beim Essen wars ja auch einfacher, einfach ein Riesenstück Käse in nen Schmelzapparat, und dann lauter kleingeschnibbeltes Zeuch auf den Tisch.) Jedenfalls, Peer, der Chef, kam später raus, und fragte, wie es uns so gefällt. Ich war grippal, schlechtgelaunt und ungnädig und beschwerte mich über die schlechte Bedienung. Da fing er an zu weinen und zu greinen, hatte aber immerhin den Anstand, erstmal eine Flasche Champagner zu holen, was wiederum den Glam sehr begeisterte, und in späterer Folge zu eben jenem Hosenverlust führte.

Aber ich bin auch unglaublich erleichtert, daß das jetzt zu Ende ist. Die Sendezeit lag so ungünstig, daß man weder vor- noch nachher noch einen Film oder eine Serie reinquetschen konnte, und ich so auf Rumzappen beschränkt war. Und da fühle ich mich unglaublich infiltriert vom Privatfernsehen, sah diesen ekligen Lederhäutigen arme doofe Teenager runterputzen, schlimmste Comediens unlustige Sachen tun, und hätte bei den RTL-Nachrichten sogar um ein Haar z.B. das mit Ägypten verpaßt. Mal abgesehen davon, welchen Teil der Gesellschaft man da ungefragt dauernd präsentiert bekommt. Oder ist Deutschland wirklich so?

Ab heute jedenfalls nur noch selbst oder von Glam ausgesuchte Serien, Serien und Filme – bis es hoffentlich in einem Jahr wieder zwei Wochen slummen gibt.

14 Gedanken zu „Slum drüber – Endlich wieder frei!

  1. spango

    das ist wie überall – man muss selektieren. nicht hängenbleiben, da wirste doof. ich fands auch toll. ein gleißender stern am unterhaltungshimmel, voller zärtlicher enthüllungen, ohne falsche scham, unterfüttert von schmerzhafter authentizität…und dass so ein einkleidender altruist das rennen macht – super…

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  2. luckystrike

    REPLY:
    Das könnte einem fast Hoffnung geben, wüßte man es nicht anders…
    (Und ich freu mich schon auf die nächste Staffel, wo alle Kackbesen dann auf Gutmensch machen!)

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  3. luckystrike

    REPLY:
    Naja, was da eben authentisch scheint…
    Aber immerhin hat Ihr ehemaliger Berufszweig deutlich Aufwertung und noch mehr Existenzberechtigung erfahren, als 6-8 Leute bei einer Dschungelprüfung da standen, und 10 nicht durch 5 teilen konnten…!

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  4. la-mamma

    ich schau mir jetzt auch nur mehr schwer empfohlene filme an, da haben sich bildungslücken aufgetan, sie glauben es gar nicht …

    mich hat diese fieber ja nur einmal erwischt: da hat meine allerbeste, allerlängste freundin auch wochenlang bei der “expedition robinson” auf der insel ausgeharrt. (kann sich an das überhaupt noch wer erinnern?) die mussten damals noch gar nix ekeliges machen, nur nicht verhungern und ein bisschen sport. und das war auch beides schon herausforderung;-)

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  5. luckystrike

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    Welch Erleichterung, sich seine Unterhaltung wieder selber zu gestalten!
    (Und von dieser Expedition hab ich noch nie was gehört, da scheinen die 15 Minuten wohl längst vorbei)

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  6. Llama (Gast)

    Peer gewinnt, weil er geweint. Ha! Wieder etwas durch bloße Buchstabengemeinsamkeiten erklärt.

    (Und das “gleich” von letztens bezog sich auf die Eigenschaft “rot” – das dürfte sich in der Zwischenzeit in braun verwandelt haben. Wobei ich in dem Fall nicht hoffe, dass sich da was Gleiches hinzugesellt hat!)

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  7. feinstrick

    Ich gestehe – ich habs auch geguckt. Erst nur, um zu kapieren, was in meiner twitter-timeline plötzlich los war. Dann, weil diese Oper einfach grandios war. Habe selten so viel Schlechtes so gut inszeniert gesehen. Und am Ende siegte auch noch der Außenseiter, der sich aus allem raus hielt. Grande!

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