Archiv für den Tag: 31. Januar 2011

Slum drüber – Endlich wieder frei!

Puh, es ist geschafft. Ich gestehe, ich habe jede einzelne Folge Dschungelcamp gesehen, sklavisch, und ich schäme mich rein gar nicht dafür – zunächst schaute ich nur aus reiner Häme, denn wer guckt nicht gern unwichtigen Leuten beim Abgeben der Rest-Menschenwürde zu, aber dann bekam das Ganze ja ungeahnt Meta- und Meta-Meta-Ebenen.
Die reine Freude, die Strategien der Teilnehmer durch die Strategien des Senders und dann nochmal durch die Strategien von beiden durchgewurstet zu sehen, das Geknarze der Inszenierungsmaschinerie durch zu hören – Brecht! Grand Guignol! Shakespeare! Griechische Tragödie! (Ach, lesen Sie sich die metakulturellen Verweise selbst im Feuilleton zusammen.)
Jedenfalls, eine Freude, eine spannende Sache, und ich ließ meine Sym- und Antipathien gerne und voller Wollust lenken und treiben – wenn man das als Serie schreiben wollte, müßte man sich ganz schön Mühe geben.

Daß der gute Peer gewinnen würde, dachte ich mir allerdings schon nach dieser Mobbing-Szene (und ich freu mich für ihn, was auch immer er davon hat). In echt ist der übrigens genauso, wir hatten in dem Laden mal eine Weihnachtsfeier, wo Glam seine Hose verloren hat. Die Bedienung war überfordert und kam mit Getränken nicht nach (beim Essen wars ja auch einfacher, einfach ein Riesenstück Käse in nen Schmelzapparat, und dann lauter kleingeschnibbeltes Zeuch auf den Tisch.) Jedenfalls, Peer, der Chef, kam später raus, und fragte, wie es uns so gefällt. Ich war grippal, schlechtgelaunt und ungnädig und beschwerte mich über die schlechte Bedienung. Da fing er an zu weinen und zu greinen, hatte aber immerhin den Anstand, erstmal eine Flasche Champagner zu holen, was wiederum den Glam sehr begeisterte, und in späterer Folge zu eben jenem Hosenverlust führte.

Aber ich bin auch unglaublich erleichtert, daß das jetzt zu Ende ist. Die Sendezeit lag so ungünstig, daß man weder vor- noch nachher noch einen Film oder eine Serie reinquetschen konnte, und ich so auf Rumzappen beschränkt war. Und da fühle ich mich unglaublich infiltriert vom Privatfernsehen, sah diesen ekligen Lederhäutigen arme doofe Teenager runterputzen, schlimmste Comediens unlustige Sachen tun, und hätte bei den RTL-Nachrichten sogar um ein Haar z.B. das mit Ägypten verpaßt. Mal abgesehen davon, welchen Teil der Gesellschaft man da ungefragt dauernd präsentiert bekommt. Oder ist Deutschland wirklich so?

Ab heute jedenfalls nur noch selbst oder von Glam ausgesuchte Serien, Serien und Filme – bis es hoffentlich in einem Jahr wieder zwei Wochen slummen gibt.