Monthly Archives: July 2008

Schutz-Rock oder: Balladenhandhabung

Leider erlebt man als Blogger ja manches schon gleich mit der Feder, oder besser, Tastatur im Kopf.
So gings Herrn Lucky und Herrn Ereignishorizont (i.R.) auch gestern, als sie auf freundliche Einladung der Veranstalter bei Alanis Morissette im Tempodrom waren.

Zuerst mal ist es ja eigentlich hocherstaunlich, daß jemand wie Alanis Morissette überhaupt eine so beachtliche Karriere hinlegt, Alben in Top 10s hat und große Venues füllt – so hochgradig neurotisch sie und ihre Texte sind, so unbequem die Musik oft ist, und außerdem, ist es nicht ein ungeschriebenes Gesetz, daß man keine Wörter mit mehr als 3 Silben für Lyrics verwendet? Ganz klar, das ist ein Grund, weswegen wir sie mögen, auch wenn ich nicht zur 1. Reihe Fans gehöre, aber der Mainstream, was soll der damit anfangen?

Im Tempodrom, welches mir übrigens so langsam ans Herz wächst, weil es ganz entspannte Konzerterlebnisse zuläßt, war das Publikum überraschend sehr gemischt, von allen Sorten etwas, Prolls und Intellektuelle, Jüngere, Ältere, Muttis und Teenies, Rocker und Müslis. Erstaunlich.
Und nur ganz wenig Schwule, es scheint doch immer noch eine Aversion gegen Gitarren mit dem Homo-Gen vrbunden zu sein.

Keine Frage, Miss Morissette bot ein richtiges Rock-Konzert. Sehr laut, sehr Gitarren- und Drumlastig, überraschend deshalb, weil man (oder ich) immer dachte, es geht in erster Linie um die komplizierten Texte. Dazu rockte Madame auch körperlich in vielleicht etwas zu engen T-Shirt und Jeans aufs Heftigste, wenn auch die Bewegungen ein wenig seltsam, hospitalistisch-autistisch (sehn’se, es geht schon los mit den langen Wörtern!) wirkten.

Ihre Stimme war live auch am Ende des Konzerts genau so wie auf den CDs, es zahlt sich halt doch aus, wenn man seine Musik selbst schreibt, nicht wie manche andere, die dann live Schiffbruch erleiden, wie diese Esther, beispielsweise.

Bei den Balladen fiel mir ihre seltsame Handhaltung auf, die linke Hand zur Faust geballt in die rechte Hand gepreßt, wobei der Daumen die linke streichelte. Immer. Grundsätzlich. Außer wenn sie die Hand vors Gesicht hielt, um sich vor zu nahen Handyfotos zu schutzen.

Das, und der Umstand, daß sie kaum ins Publikum schaute, legte bei uns beiden die Vermutung nahe, daß Alanis Morissette eigentlich gar nicht so gern unter Leuten ist.
Herr Ereignishorizont prägte darauf den Begriff Schutz-Rock für diese Art Musik, und wenn man es so richtig überlegt, war vielleicht der Moment, in dem Alanis sich minutenlang im Kreis drehte, ihre langen langen Haare um sie fliegend wie ein Kettenkarussell, der authentischste des ganzen Konzerts.

Ich glaube, Alanis spielt schon ganz gerne live, wenn nur nicht die ganzen Leute da wären, die ihr in die Seele gucken wollen, deswegen der monumentale Schutz-Rock und die Balladen-Handhabung.
Dafür hat sie es dann aber sehr schön gemacht. Thank U!

Merke:

Unfreiwillig komisch sein ist sehr peinlich.
Deswegen immer und jederzeit und egal wie den Anschein erwecken, man sei freiwillig komisch.

Ich glaub, das gleiche gilt auch für blöd.

Unter Globetrottern

Gestern in eine völlig neue Welt vorgewagt, weil der gute Glam unsere Anke versenkt hat. Anke, das war unser Anker Engelke, ein Klappanker für unsere Schlauchbootflotilla.
(Mein Verdacht ist ja, daß er sie nicht hochholen wollte, weil sie immer schrecklich gemüffelt hat, vom Schlachtenseeschlamm.)

Jedenfalls haben wir jetzt eine neue, die heißt Ulrike.

So ein Globetrotter-Geschäft ist eine Parallelwelt, bevölkert von strammen drahtigen Personen mit Abenteuer und Kompetenz im Blick, die fachmännig Regale mit für mich nicht zuordnungsbaren Inhalts mustern, den Gipfel jederzeit im sicheren Blick.
Alle tragen VERNÜNFTIGE Kleidung, wetterfest und atmungsaktv, und selbst die Sandalen sind stabil und haben ein ordentliches Profil. Gut, die ein oder andere Ausfallserscheinung gibt es auch, Radlerhosen, aber welche mit unterfütterter Sitzfläche. Also jetzt mal mehr ein Fall für Koma. Fr. Kitty Koma.

Kurzum, ich stach sehr heraus, wie ich mit Anker Ulrike und 20 Metern Rückholfädchenschnur in Rot an der Kasse anstand, mit meinen FlipFlops, den schwarzen Hemd und dem kleinen Bäuchlein.

Meteorotik

Komme grade erst wieder zu mir – man vergißt die Elementargewalten einfach zu leicht.

Grade beim Blumengießen mit dem Schlauch, das dauert immer mindestens eine Stunde, die Haut noch am Glühen von einem eigentlich bewölkten Bootstag mit Glammie, leicht enttäuscht, aber nicht deprimiert von einem zwar vorhersehbar geplatzten, aber durchaus nicht möglichkeitslosem Date auf dem See, überrascht mich ein warmer Sommerschauer.

Da die Schultern eh brennen. schnell das Hemd aus, wunderbar die Kühle, und das Prickeln. Ein Blick rundum, ok, die Lesben gegenüber gießen auch, egal, die interessiert das eh nicht, die Hosen auch aus, und schon steht er da, der Lucky, in voller Pracht, und genießt den warmen, zarten Sommerregen, der sich mal zart, mal heftig, warm, aber kühlend, prickelnd und anregend über ihn ergießt.

Lachen Sie nicht, probieren Sie’s! Los! Nicht so zimperlich! Eh der Regen nachläßt!

(Der einzige Nachteil, es regnete in den Weißwein und die Zigaretten wurden naß. Dafür der Rest aber auch!)

(Und da hängt man Monate in den blauen Seiten rum, und alles was hätte passieren können, wäre nicht annähernd halb so schön gewesen wie dies.)

WICHTIGER NACHTRAG: DAS HIER war ich aber nicht. Ich würde nie 41jährige Frauen mit Ventilatoren bewerfen. Egal, wie heiß es ist!

rrremarkable structure, I have

Hello!!!!!!!!!!!!
My name Aleksandr!!!!!!! You know, what at you very remarkable structure? Yes it is valid so. I have read your structure. And you have seemed to me very good and remarkable the man. I would like to get acquainted with you. I would be very happy to our acquaintance. If you also want to get acquainted with me. I shall be very glad. Write to me on mine mail. Aleksandropen@rambler.ru

Reste

Auf dem Dachboden die Tasche von Vater gefunden, die er immer zur Arbeit mitnahm, auch als er vor 24 Jahren auf dem Weg zur Arbeit von einem LKW in einer geschlossenen Ortschaft mit über 80 km/h überfahren wurde.

Es war außer der Stullendose noch alles drin, seine Augentropfen, der Zollstock, sein Notizbuch, auch eine noch ungeöffnete Halbliterflasche Bitburger und eine neue Packung Africaine-Zigaretten.

Als ich klein war, aß ich mit Begeisterung die angetrockneten Butterbrote, die er wieder mit nach Hause gebracht hatte, das waren nämlich “Hasenbrote”, die ihm der große alte Hase, der irgendwo an der Straße wohnte, für mich mitgegeben hatte.

… Wird Wirt

Ich bin übrigens staatlich geprüfter und diplomierter Ameisenwirt.

Das (durchaus ernst gemeinte) Diplom habe ich beim Durchsehen alter Papiere gefunden.
Wußte auch nicht, daß ich das bin, und weiß auch nicht, was das ist.

One Last Look Around the House Before We Go

Wie die Herren Bacharach/David so schön und dazu noch treffend am allerschönsten von Ms. Warwick singen lassen haben:

A Chair is still a Chair
Even when there’s no one sitting there
But a Chair is not a House
And a House is not a Home
When there’s no one there
To hold you tight
And no one there
You can kiss Good Night.

A Room is still a Room
Even when there’s nothing there but Gloom
But a Room is not a House
And a House is not a Home
When the two of us
Are far apart
And one of us
Has a broken Heart.

Now and then
I call your Name
and suddenly your Face appears
But it’s just a crazy Game
When it ends
It ends in Tears.

So gesehen, bin ich froh, nach neun Stunden Autobahn wieder zuhause in Berlin gelandet zu sein.
Aber die Reise war gut und schön und wichtig und ich war gut aufgehoben und habe jetzt etwas mehr Frieden.

und über mir die Sterne

Was man in der Stadt immer komplett vergißt, wieviele Sterne an einen einzigen Nachthimmel so passen.

Gestern Nacht fast eine Stunde in den klaren glitzernden Himmel gestarrt, Millionen und Abermillionen von Sternen, sogar die Milchstraße war gut zu sehen, ich mit Zigarette, so als kleines rotglühendes Sternchen von unten am Gegenleuchten.

Für nächstes Mal vorgenommen, bis dahin die Sternbilder wieder gelernt zu haben, früher kannte ich die alle.