Archiv für den Monat: Juli 2008

In der Warteschleife zum guten Wetter

Ich fühle mich ‘on hold’, unsägliche Plastikversionen von Guantanamera tröpfeln nervtötend und unausweichbar vom Himmel an die blinden Fensterscheiben, aus denen es sich schon lange nicht mehr lohnt, hinauszuschauen.
Auflegen kann man aber auch nicht, irgendwie, man hätte ja doch gerne Service.

Pläne machen lohnt sich auch nicht, es ist kalt. Wer jetzt kein Herz hat, kriegt auch keines mehr, usw. usf.

Hey, war da nicht was mit Sommer!? Schwitzen? Halbnackt sein? Alkohol unter freiem Himmel?

Und die Welt regt sich drüber auf, daß Prinzessin Anne ein Kleid von vor 27 Jahren recycelt, anstelle sie dafür zu loben, daß sie noch rein paßt, armes häßliches Ding, hat doch sonst wenig, außer Pferden und em dazu passenden Gesicht.

Apropos Recyceln: Alexandra scheint mir angemessen:
“Es ist November und der Regen
geht durch die Kleider auf die Haut…”

Direkt

Unterminiermotten – Unentdeckte Tierarten V

Die Unterminiermotte (Psychoplexis minimensis) ist ein zwar weit verbreiteter, jedoch erst vor kurzem wissenschaftlich belegter Parasit.
Ähnlich dem Herpesvirus verbleibt es latent in seinem Wirtstier und bricht nur in bestimmten Reizsituationen aus. Da es sich im Nervensystem ausbreitet, bringt es den Wirt zu unwillkürlichen, kaum zu kontrollierenden Reaktionen, die immer nach dem gleichen Muster laufen.
Erhält der Wirt ein unvermutetes Kompliment, dann kontert er mit einer Selbstdemütigung, die auch für den Komplimentgeber nicht mehr nach fishing for compliments aussieht.
Zum Beispiel:
“Deine neue Frisur ist ja schön, sieht gut aus, wenn du die Haare so ins Gesicht gekämmt trägst!”
“Ja, da sieht man nicht so viel vom Aufgeschwemmten und den Falten, nicht!?”

Eine weitere neurologische Malfunktion wird ebenfalls von den nicht mit dem menschlichen Auge wahrnehmbaren Unterminiermotten ausgelöst, die Dislokation. Erhält das Opfer beispielsweise ein Kompliment für seinen wohlgeformten Po, wird dies nicht als solches aufgenommen, sondern als Kritik am restlichen Körperbau sowie krasser Mißbilligung des Gesamtpersönlichkeit des Betroffenen empfunden.

Desweiteren verhindert der Parasit das ansonsten angeborene Abspeichern von Erfolgserlebnissen, Liebesbeweisen und sonstigen positiven Erlebnissen des Opfers. Diese selektive Demenz unterminiert (sic!) den Aufbau einer gesunden, selbstbewußten, im Leben stehenden Persönlichkeit und führt im weiteren zu Suchtverhalten, Alkoholmißbrauch und Verhaltensauffälligkeiten in Menschenansammlungen.

Eine durchschlagende Behandlungsmethode gegen die Unterminiermotte konnte bislang noch nicht gefunden werden. Einige Formen der Verhaltenstherapie können oberflächlich die Unterminiermotte wieder in einen latenten Krankheitszustand überführen, jedoch nicht ausrotten.

Studien haben ergeben, daß in einigen Bevölkerungsgruppen erstaunliche Resistenzen gegen den Parasiten vorhanden sind. So befällt die Unterminiermotte kaum Menschen mit niedrigem Intelligenzquotienten; des weiteren konnte bei der Bevölkerungsgruppe der arabisch-türkischen Männer zwischen 12 und 30 keinerlei Befall durch die Unterminiermotte entdeckt werden, jedoch ein reziprok agierendes Element, welches vorläufig “Überminiermotte” benannt wurde und zu absolut gegenteiligen Reaktionen wie den oben geschilderten führt. Ob dies eine genetisch oder kulturell bedingte Mutation derselben Parasitenart ist, sollen laufende Untersuchungen ebenso feststellen, wie auch, ob hier eine Chance für Behandlungsmöglichkeiten voliegt.

Plus/Minus Null

So viel Warten
für so wenig Spaß
So viele Tränen
für so wenig Glück
Mit meiner Rechenmaschine
rechne ich den Plus und den Minus
und ich komme nicht einmal
auf Plus/Minus Null!

So viel Dramen
für so wenig Genuß
so viel Reden
für so wenig Sex
Mit meiner Rechenmaschine
rechne ich den Plus und den Minus
und ich komme nicht einmal
auf Plus/Minus Null!

So viele Worte
für so wenig Küsse
so viel Kummer
für so wenig Liebe
So viel Hysterie
für so wenig Extase
so viele Töne
für so wenig Musik.

Nicht einmal
Plus/Minus Null!
Plus/Minus Null!
Plus/Minus Null!

Wie man merkt und u.U. auch weiß, ich mags nicht schwiemelig im Ausdruck, sondern direkt, zack-zack. Wir danken Francoise Cactus und Bretzel Göring von Stereo Total für den begnadet treffenden Gesamtein- und ausdruck in Ton, Bild und Musik. Und Tanz, nicht zu vergessen, natürlich.

Käffchen?

Es ist ja nichts so unnötig, wie Verwandte beim Berlin-Besuch zu bespaßen, egal wie kurz.

Es ist ja aber auch nichts so unnötig, daß nicht doch was bei rumkommt, zwei Sachen habe ich gelernt:

Beim normalen Filterkaffeekochen (ich liebe Filterkaffee, da könnt ihr euch auf den Kopf stellen) gebe man zum Schluß eine Prise Salz in den Pott, solls leckerer machen, alter 50er Jahre-Trick.

Ein anderer Kaffee-Koch-Trick (auch wohl 40er oder 50er):
Wenn man jemand so gar nicht leiden kann, dann koche man den Kaffee folgendermaßen:
Erstmal kocht man einen alten Weinkorken ca. 10 Minuten in Wasser auf.
Dann kocht man den Kaffee mit eben diesem Wasser, Salz hin oder her, egal.
Dann wartet man auf das Unwohlsein dessen, dem man das serviert hat, es soll nämlich ziemlich schnell unglaublich starke Blähungen erzeugen. Hrhr.

(Beides von meiner Tante, die ihrerzeit Köchin in hochherrschaftlichen Häusern war)

So, und eins davon probiere ich morgen aus, welches, verrat ich nicht.

Über euch!

Wenn das Wetter nicht schnell noch ne Kapriole schlägt, dann leiste ich meinen Beitrag zur Klimakatastrophe und fliege heute nachmittag mit einem Rosinenbomber eine Stunde lang über die Stadt.
For free, natürlich, bin gespannt. Ein letztes Mal Tempelhof.

Also: nicht nackig auf den Balkon gehen, und die alten Lieblingsschlüpper vom Wäscheständer nehmen, sonst sehe ich das. Ich bin dann sozusagen Google Earth.
Und ich werde es erzählen!

Wolken ziehn vorbei

Wenn man eh schon superfiese Laune hat, ist alles schlecht.

Sogar wenn dann noch der beste Freund aus ähnlichen Gründen ein Schlechte-Laune-Bekämpfen-Programm mit Fuck-That-es-ist-trotzdem- Sommer-auch-wenn-ich-nicht-auf-den-See-kann-Motivation ausgeheckt hat, dann steht man doppelt doof da, wenn man sich nicht so weit bekämpfen kann, um daran teilzunehmen.
Ein Zeichen langjährig gereifter Freundschaft ist dann, wenn man einfach hinnehmen und in Ruhe lassen kann – sehr schön und wohltuend.

Um dann keine ganz unnütze Existenz zu sein, hab ich mich daran gemacht, meine alten Video-VHS-Schnipsel an Kostbarkeiten zu digitaliseren, um Platz zu sparen und vielleicht mal die ein oder andere Perle hier zu teilen.
Blöd nur, wenn die extra dafür gekaufte Software dann nur leere DVDs brennt. Aaaaaaaargh.

Ganz schlecht, wenn man sich in dem Zustand Technischem widmet, um Zwischenmenschliches zu vermeiden.

Mit dem Vinyl-Digitalisieren ging es dann schon besser.

Blöd nur, wenn einem dann am Sonntag noch die DSL-Leitung wegfällt. Aaaaaaargh!

So, heute ist Dienstag, ein weitgehend verkacktes Wochenende liegt hinter mir und es geht schon wieder, einigermaßen.

Sogar die DSL-Leitung hat sich selbsttätig repariert, während ich in Alices Warteschleifen-Wunderland hing. Ich konnte den armen Telefonisten dort nur noch einen schönen Abend wünschen, worauf die sich wirklich verarscht vorkamen.
Ich hatte aus Hmanitätsgründen bisher vermieden, dort anzurufen.

Jehtoch!

Emotionale Flatulenz

Aufgrund ultrafieser schlechter Laune bleibt dieses Zierblog weiterhin vorübergehend außer Betrieb.

Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

P.S. Ein Blick in meien vorjährigen und vorjährigen Untaten zeigt mir, daß es jährlich um diese Zeit immer so bei mir ist. Scheint also zyklisch zu sein, kein Grund zur Sorgealso.
Vielleicht.

Armseligkeit de Luxe

reizend

Ich hab da einen virtuellen Bekannten, also nicht imaginary, sondern internetmäßig. Den kenne ich virtuell seit 3 Jahren, er ist ziemlich witzig und es macht Spaß mit ihm in der blauen Welt zu chatten. Im realen Leben wohnt er einmal über den Fluß rüber.

Da er auch optisch nicht unerträglich scheint, gab es letztes Jahr im Frühling auch einen Dateversuch. Für Herrn Lucky war das ein großes Ding, schließlich hatte er schon seit Jahren kein Date. Was auch so bleiben sollte, schließlich sagte der junge Mann das Date per Message in der blauen Welt ungefähr zum vereinbarten Datebeginn ab.

Soweit, so gewöhnlich und uninteressant. Aber da Herr Lucky sowas nicht gutheißen kann, schließlich hatte man ja einigen emotionalen Aufwand, brach er den Kontakt ab. Um ihn ein Jahr später wieder aufzunehmen, unter der Prämisse, daß man sich sicher sein kann, daß der Kontakt eh virtuell bleibt, und schließlich war es ja auch immer lustig.

Als ich dann einige Zeit nicht in Berlin war, häuften sich die Anfragen, wann ich denn in die Stadt zurückkomme. Unverständnis meinerseits, schließlich kann es ihm ja egal sein, ob ich von der anderen Spreeseite mit ihm digital kommuniziere, oder vom Mars. Es spielte aber eine Rolle für den jungen Mann, denn schließlich wollte er sich jetzt doch kurzfristig mit mir treffen.

Mit zwar wenig Glauben an ein Erscheinen, wenig Erwartungsdruck, aber doch einiger freudiger Erregung wurde ein Date für Sonntag auf dem See ausgemacht, dem See, an dem er mich angeblich schon einmal (oder öfters?) beobachtet habe, oder sagt man dazu: gestalkt?

Um eine armselige Geschichte abzukürzen: natürlich erschien der junge Mann nicht, und keiner war erstaunt.
Fast würde ich mir Sorgen machen, denn Messages in der blauen Welt blieben ungelesen, der junge Mann seit Sonntag offline. Wenn da nicht sein Zweitprofil wäre, das jeden Tag online ist. Von dem er auch weiß, daß ich es kenne.

Das alles wäre jetzt reichlich uninteressant, wenn ich nicht ganz klar und deutlich den Eindruck gehabt hatte, daß der junge Mann mich wirklich und wahrhaftig treffen wollte, und daß es ihn sehr viel gekostet hat, nur nach einem Date zu fragen. Warum das so schwierig sein soll, und wovor man Angst haben muß, mag sich mir aber nicht erschließen, und ich mag mich auch gar nicht hineinversetzen. Arm.
Arme Sau!

yourretarded