Monthly Archives: July 2007

sehr gelacht – bachmannpreis

Ich weiß nicht, ob das hier so durchscheint, ich hoffe nicht, aber der Herr Lucky ist ja von Haus aus Literatur- und Theaterwissenschaftler.
Und da ich ja jetzt Zeit hab, dachte ich, tu ich was für die Bildung und schau mir mal das Finale vom Bachmann-Preis an (heißt da bestimmt anders), da ich bei Frau Sopran da ab und zu was von mitbekommen habe. Die das übrigens sehr fein abwickelt.

Und jetzt ich weiß wieder, warum ich mein Germanistik-Studium zu 90% geschwänzt habe und dann doch lieber Anglist war. Und zumindest ersteres komplett verdrängt habe und auch so gut wie keine deutschen Autoren lese.

Das Szenario: Eine Runde Experten, Literaten und Literaturwissenschaftler mit fettigen Haaren, käsigem Teint schauen in die Runde, als ob man Ihnen schon vor Wochen ihr Prozac und auch das Johanniskraut weggenommen habe, und sagen Gewichtiges. Eingekleidet waren sie scheints bei Humana. Einizg eine machte eine halbwegs gelungene Heidenreich-Impersonation, was dem ganzen etwas Leben, aber auch noch mehr Penetranz einhauchte.
Der Bühnenbild! Der Hintergrund! Ganz groß und sehr passend: ein Künstler (anscheinend) hatte hinter die beigen Menschen einen monströsen steingrau-mausgrau changierenden
Webteppich an die Wand gehängt. Als Materialien wurden augenscheinlich alte Eulen- und Katzengewölle und Putzlappen verwendet. Wahrhaft passende Abrundung der Runde!
Schönster Satz der Veranstaltung: “Wie es aussieht, wird Frau Mondschein heute noch einige Kilometer hinter sich bringen müssen.” Frau Mondschein war die Eule mit dem asymmetrischen Haarschnitt, die den Juroren die Abstimmzettel für Wahl, Stichwahl und nochmal Stichwahl einzeln vorbeibringen mußte.

Profitiert habe ich auch: ich weiß jetzt wie PeterLicht aussieht, der zwar seine Preise nicht persönlich entgegennahm, aber dafür dauernd in Großaufnahme im Publikum zu sehen war.

Und noch mehr profitiert habe ich: einen Bachmann-Preis würde ich angesichts der widrigen und widerlichen Umstände auf keinen Fall haben wollen. Es sei denn, man brächte ihn mir zu Hause vorbei. Per Boten.

Und naß gemacht hab ich mich auch vor Lachen, wie diese superdröge Veranstaltung fast vor lauter Schwerwiegen im Erdboden versunken ist. Da könnten die sich bei DSDS doch mal ein Beispiel nehmen!

unheimlich

Seltsam, ganz seltsam. Wohin mit mir und meinem Streß?
Where am I going, and what will I find, um es mit Sweet Charity zu sagen?
Sind das meine Hände, meine Füße, ist das mein Bauch?
Muß ich ‘es’ füttern und waschen?
Auch wenn ich nirgendwo hin muß?

Ausnahmezustand im Hause Lucky:
Ich habe eine Woche Urlaub.
Und ich kann mich nicht erinnern, wann das schon einmal vorgekommen ist, ohne daß ich verreise oder doch heimlich ins Büro gehe. Jedenfalls nicht in diesem Jahrtausend.

Wir bitten, die Postings in diesen Tagen auf seltsame Äußerungen zu scannen und zur Not ein kleines Sondereinsatzkommando zu schicken.

kein schabrackentapir oder: bauch beine po

Gleich vorweg: wer für Bauch Beine Po was Gutes tun will, der gehe in die Waldbühne und hole sich ab und an ein Getränk oder gehe auf Tö. Should do the Trick. Ungefähr 1,5 Mio Stufen zu Diensten.

Und: Berlin bleibt doch Berlin. Wer gedacht hat, daß sich die gute alte Tante Waldbühne bei Ticketpreisen zwischen 120 und 560 € für Barbra Streisand etwas aufrüscht, Bartische mit Champagnerkübeln, Austern und lebenden Gardenien etwa, der täuscht sich. Berliner Kindl, Asia-Pfanne und Wurschtbuden wie immer. Der Berliner an sich bleibt sich ebenfalls treu: Sandalen, geländegängies Allwetteroutfit. Kaum eine große Robe in Sicht.

Nun zum Main Event:

streisand

Soviel hat man gesehen von meinem Platz, der knapp 400 € gekostet hätte, und das ist schon mit 4x-Zoom. Oder man schaut gleich auf die Leinwand:

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Also, so richtige Intimität kam nicht auf, in der ziemlich vollen Waldbühne mit ca. 16.000 Gästen.

Dafür war Madame aber sehr gut gelaunt, gut bei Stimme, witzig und auch schlagfertig. Da sie den Teleprompter mitten im Publikum aufgestellt hatte (Alterweitsichtigkeit?),
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konnte man sehr schön nachverfolgen, welche Äußerungen von Script kamen und welche spontan waren. La Diva ist allerdings nach 47 Jahren Karriere so professionell, daß man den Unterschied in der Conference eh nicht bemerkt.

Supersympathisch ihre Scherze über ihre Freßlust, und ja, sie war ein bissel moppelig, auch wenn ich ihr nicht glaube, daß sie extra Currywurst probieren war. In der zweiten Hälfte entledigte sie sich auch ihrer Schuhe, wegen ‘dicker Füße’, mit solchen Tricks kriegt man mich sowieso immer.

Über die Musikauswahl hatte ich ich ja schon beschwert, größtenteils die getragenen Songs, und fast keine der ‘Ich-machs-trotzdem’ oder ‘Ihr-kriegt-mich-nicht-unter’-Songs, für die sie so lange meine Heldin war. Allerdings hat sie auch die kitschigeren Lieder differenziert und zart gesungen, was sie einfach von den Mariah-ich-kann-noch-was-lauter-pressen-Careys, Zellulite-Heulboje-Dions und Whitney-Crackhead-Houstons dieser Welt unterscheidet. The Lady is a Lady. And she knows her job.

Ihre Stimme: stark wie immer, aber auch sanft, etwas dunkler geworden, schön, wenn sie auch mal an der ein oder anderen Note ein wenig scheitert, das machte die Lieder lebendig und die Stimmung echt. Das Orchester war großartig, ebenso die Arrangements.
Nur diese gräßlichen Il Divo, die so manche längere Umkleidepause Madames ausfüllen mußten, und die wesentlich zum Mord des ja eigentlich schönen “Somewhere” beitrugen, waren überflüssig bis unerträglich.
Und was mich wunderte, daß die Rückseite der Bühne in der Waldbühne, die ja nun wirklich aussieht wie ein Grabmal für einen Faschistendiktator, nicht mit was Tülligem abgehängt war.

So richtig gekriegt hat sie mich allerdings mit “Papa, can you hear me?”, ganz zart und doch stark gesungen, und dazu die einzigartige Stimmung in der Waldbühne, unter Baumwipfeln und unter einem dräuenden Nachthimmel über einem.
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Es war ein schöner Abend, etwas altmodisch, groß, aber nicht kitschig, und irgendwie schafft es Barbra Streisand, daß man nicht eine große alte Dame da vorne sieht, sondern daß immer noch die (etwas füllig gewordene) jüdische Prinzessin aus der Brooklyn durchscheint.