Monthly Archives: August 2007

worthy endings (no spoiler)

Am Wochenende habe ich ja den letzten Harry Potter (& the Deathly Hallows) zuende gelesen – bin immer erstaunt, wenn Leute fragen “Wie, DU liest das!?”
Ja, ich les das, und zwar sehr gerne. Und ich finde Ms. Rowlin hat jede der vielen Millionen verdient, die sie mit Harry, Ron & Hermione gemacht hat. Rundum. Ich liebe die Welt und die Charaktere, die sie erfunden hat, und ich finde auch gut zusammengeklaut besser als schlecht selbst erfunden.
Für die letzten hundert Seiten habe ich am Samstag 12 Stunden gebraucht, weil es so spannend war, daß ich übersprungsmäßig alle 2-3 Seiten in die Küche oder sonstwohin rennen mußte.
Ein rundes, würdiges, ausführliches finales Finale für eine Welt, die mich viele Jahre begleitet hat. Ok, hier und da gibts auch ein wenig zu meckern, aber perfekt bleibt es trotzdem. Ich liebte diese Welt und ich werde sie vermissen, aber in 2 oder 3 Jahren kann ich es ja noch einal von vorne lesen.

Da bleibe ich altmodisch, ich brauche Closure, ich will zum Schluß genau und ausführlich wissen, was mit wem und wie passiert ist, ambivalente oder offene Enden treiben mich in den Wahnsinn.

Auch in Queer as Folk gibt es ein schönes, ausführliches Ende, wie auch bei Herr der Ringe (auch wenn das im Film sogar für mich -zig Minuten kürzer hätte sein können)

Das formal und emotional schönste Finale ist und bleibt zur Zeit aber die Schlußsequenz von Six Feet Under. Auch wenn ich da immer mindestens 2 Packen Taschentücher brauche, auch beim zehnten Mal.

mutprobe

Gestern noch groß getönt, heute bin ich schon dran.

Schwimmbäder sind für mich seit frühester Kindheit ein Ort des Schreckens und der Demütigung. Man kann nicht schwimmen, man kennt sich in den Vorgängen nicht aus, man hat noch nie mit anderen geduscht und, nicht zu allerletzt, ist man zu klein, dünn und schmächtig (früher) oder zu fettleibig, zu weiß und aufgedunsen (heute).

Warum also ist sich der Lucky im Telefonat mit Herrn Ereignishorizont (i.R.) nach geglückter Totalabsage (“Ich!? Sowas würde ich NIE tun!”) selbst in den Rücken gefallen, und gesagt “Scheiß drauf, ich weiß ja wie’s aussieht, und die anderen können ja weggucken!”

So geht also der Herr Lucky in Begleitung des wohlgestalteten Adonis Herrn Ereignishorzont (i.R.) zum Badeschiff.
Hoffentlich finde ich eine Runde Fettleibiger, in deren Nähe ich mich legen kann, so daß Blicke von unbeteiligten Interessierten nicht den Direktvergleich suchen.

Talking about take back the Night? Ha!

Edit: War gar nicht so schlümm, die Leute hatten eh nur Augen für E. (i.R.), so daß mich keiner angespuckt oder beleidigt hat. Sogar Bekannte des jungen Manns waren freundlich zu mir.
Letztendlich hatte später das Wetter ein Einsehen mit allen, und so konnten wir das Biertrinken außerhalb der prallen Sonne andernorts und bauchbedeckt weiterführen.

selbsterhaltendes system (confessional pottery)

…und von meiner Yacht aus
die Küste verachten…

Seit 4 Tagen wieder in Berlin, und noch keinen Fuß nach draußen gesetzt, zu erschöpft gewesen, und das orange Sofa ist ein sicherer Hafen. Konsequent nicht und mit niemand kommuniziert. Ich verbrauche den Rest der vorhandenen Lebensmittel, und Harry Potter ist ein guter Seelentröster. Das Berliner Wetter ist in Urlaubsstimmung, das heißt, es regnet und ist grau, wie es sich gehört, wenn ich Urlaub habe. Paßt schon.
Ein einziger schöner Sonnentag war mir gegeben, doch ich war nicht imstande, mit Glam zum See zu fahren.

Heute ist Sonntag, und ich komme langsam zu mir. War ich denn außer mir? Und wenn ja, wie lange?
Wie kann es sein, daß ich nach 2 Wochen Urlaub komplett erschöpft bin?

Ich habe meine Pflicht erfüllt. Der Familie gegenüber, der Herkunft genüge getan.
Dabei festgestellt, daß das Unglücklichsein dort selbsterhaltend ist. Niemand ist an Entwicklung interessiert, daran, wie es einem wirklich geht. Und wie es einem besser gehen kann. Persönliches wird einem aus der Hand gerissen und zum Aufpolstern des eigenen Unglücklichseins zweckentfremdet. Positive Impulse werden als störend empfunden und ausgesperrt.
Ich glaube, Glam war es, der den schönen Begriff Aufmerksamkeitsvampire gefunden hat.
Das Opfer aber ist hier zumindest Mittäter, es hat es sich entweder so ausgesucht, oder sich zumindest nicht gewehrt. Lange nicht mehr.
Hier ist nicht der Weg das Ziel, oder das Ziel das Ziel, der Weg ist der Weg, Hauptsache möglichst steil und steinig.
Vier Tage habe ich gebraucht, um wieder zu mir zu kommen.

Zu mir? Und wo soll das sein?
Ich habe eine Ahnung. Hier und da tut sich etwas auf. Ein Interesse, eine Lust auf. Ein Horizont. Vielleicht finde ich gerade heraus, wo ich anfange und die anderen aufhören. Grenzen setzen, egoistischer sein. Nicht nur das behalten, was übrig bleibt. Selbst gestalten und verteilen, was über ist. Suchen, entdecken, finden. Schmecken, hören, riechen, fühlen. Exodus.
Sie wohnen dort alle in ihren eigenen Häusern, Häusern aus Stein und Sorgen, aus Toten, aus Ballast und Alltag.
Erinner dich, vor langer Zeit bist du einmal dort ausgezogen, um all dem Sterben zu entkommen.
In mir vibriert es ein wenig wie vor 18 Jahren, beim letzten Exodus. Ich spüre ein Lächeln in meinen Augen.

So, und jetzt gehe ich mich frisch machen und schaue mal, was ich heute unternehme.
Das Schöne: eine Woche Urlaub habe ich noch, und das Wetter ist mir scheißegal.

Eigentlich gehört dieser Text nicht hierher.
Aber aus irgendeinem Grund möchte ich, daß das irgendwie dokumentiert ist, für mich, zum Nachlesen in einem Jahr, vielleicht als Versprechen.
Bear with me.

Endlich wieder fix

Es hat kaum 3 Wochen gedauert.
War gar nicht schlümm.
Es geht ja auch super mit DFÜ-Verbindung, der guten alten Hitlers Datenautobahn.
Man muß nicht wirlich youtube-Videos gucken oder Podcasts hören. Ist doch alles Quatsch. Und wenn man Pornos gucken will, dann greift man eben auf die guten alten VHS-Videos zurück, die kennt man wenigstens in- und auswendig.

Wie dem auch sei, nach 3 Wochen bin ich jetzt endlich wieder mit DSL.Geschwindigkeit unterwegs. Es hat Hell-is-Alice kaum 2 Wochen gebraucht, mir ein neues Modem zu schicken, und dann hat es kaum 4 Tage gebraucht, um den verf*ckten Windows-Kram wieder beizubringen, wie es sich einzuwählen hat. Alles gut, ich bin GANZ entspannt.
Und schwöre, dieses Internetz jetzt ganz sacht und mit Samthandschuhen zu benutzen, damit das nie nie nie wieder kaputt geht. Denn dann ist man am Arsch.

alpha-blogger, geht kacken!

…denn Tante Gerda weiß Bescheid!

Der Festsaal, Altersdurchschnitt 65, kämpft sich durchs Kuchenbuffet.

Ein Zufall im Universum verfügt momentweise Stille, während sich die Gratulanten die Dritten geraderücken oder ein wenig Sabber aus dem Mundwinkel wegwischen.

Tante Gerda (das ist die mit den kleinen zugekniffenen Augen, dem massiven Unterbiß und dem sehr, sehr lauten Organ, ihr kennt sie, sie hatte neulich Goldene Hochzeit) bricht die Stille, als Neffe Lucky durch den Saal zum Buffet geht:

“Do, Do, guckt mal! Wie der aussieht, wißt ihr wie der aussieht!? Wie een, wie een JOURNALIST!”

Nun wissen wir nicht, was der freundliche Arzt oder Apotheker unserer Tante Gerda empfohlen hat, aber eins ist klar:
Da mögen andere sich seit Jahren die Tastatur blutig schreiben in ihren Blogs oder ins Internet, um als die besseren Journalisten anerkannt zu werden, unsere Tante Gerda, die hats gleich geblickt!

DER BRÜLLER DER FAMILIENFEIER

Die alte Dame steht am Eingang zum Festsaal, umgeben von Sohn und Tochter, um die Gäste zu begrüßen und Glückwünsche und Geschenke zu ihrem 80sten entgegenzunehmen.

Ein Geschenk rutscht ihr aus den Händen, der Sohn bückt sich, um es aufzuheben, und zischt laut und vernehmlich: “Paß bloß auf, sonst kommst du ins Heim!”
Betretenes Schweigen, irritierte Blicke, hochrote Köpfe bei den Gästen. Die Todesstille vibriert vor Entsetzen.

Bis die Jubilarin zeitgleich mit ihrem Sohn laut losprustet, die beiden können kaum an sich halten, Tränen strömen ihre Wangen herunter, sie krümmen sich vor Lachen und müssen sich aneinander festhalten, sie gackern und lachen und es nimmt kein Ende.

Verwirrt schauen sich die Gäste an, manche lächeln unsicher, andere versuchen ein höfliches Kichern. Irrtitiert bleiben sie. Die Schwester ist es bis heute.

Meine Mutter gestand mir hinterher, daß sie sich um ein Haar eingemacht hätte vor Lachen.
Sie ist schon eine coole Sau, meine Mom.

medikamentenmißbrauch richtig gemacht

Nein, nicht die Sache mit der Viertel E, das war meine beste Idee seit langem. Mußte nur einmal nachlegen, und ich war die sonnigste, aufmerksamste, herzlichste Präsenz am Platze und half jedem, der wollte, die Treppe hoch und runter, egal wie oft. Die Cousins waren auf meine Konstitution neidisch, aber ich war nicht bereit zu teilen, weder Geheimnis noch Substanz.
Es kann zwar etwas gefährlich werden, wenn man auf einmal mit den 78jährigen Nachbarn, der an Durchblutungsstörungen im Hirn leidet (er selbst merkt es nicht so), viele Gemeinsamkeiten entdeckt, wenn man erstmal in sein Universum einsteigt und die verborgene Logik dort versteht. Oder mit der Tante mit dem Unterbiß auf einmal Händchen haltend und kuschelnd durch den Saal schwebt.

In meinem gestandenen Alter war ich immer noch der viertjüngste vor Ort, und wenn man sich den Anteil der wächsernen Gesichter ansah, wußte man, wo das viele Geld der Krankenkassen hingeht: die Pharma- und besonders die Psychopharmaka-Industrie hat sehr guten Umsatz und treue Kunden in der Eifel.

‘Junge, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, warst du aber noch viel schmaler!’ ‘Tante, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, hattest du noch deine eigenen Zähne!’

Irgendwann ab Mitte 60 werden übrigens alle Frauen blond, auch in der Eifel. So viel hält man also schon noch auf sich.

Man hat hier auch einen schönen Ausdruck, der bedeutet übersetzt: ‘Jemand hat das arme Tier’. Gemeint ist kein mißhandelter Hund, sondern eine Depression.

‘Als du eben reinkamst, dachte ich zuerst, da kommt dein Vater! Du wirst ihm immer ähnlicher’ ‘Aha, in welcher Phase denn, als er noch jung, knackig und schön war und lächeln konnte, oder als er das abgehalfterte Alkoholikerwrack war?’ That shut them up.

‘Du bist aber auch viel fülliger geworden!’ Mit direktem Blick zurück: ‘Das scheint einigen hier so gegangen zu sein’

Die extrem übergewichtige Verwandte, die man schon als Kind Piggy nannte, und die einem beim Eßvorgang die Redewendung ‘stuffing one’s face’ vorbildlich illustrierte, neben ihrem ebenso extremadipösen Gatten: ‘Seit die (extrem übergewichtige, Anm. d. Red.) Tochter aus dem Haus ist, habe ich immer das Problem, daß ich eine Portion zu viel koche’ (es sah sehr danach aus, daß die beiden das Problem sehr gut meistern).

Erste Runde überlebt. Heute Resteessen mit dem nicht eingeladenen Rest Verwandtschaft und denen, die gestern nicht genug bekamen. Heute ohne Extravitamine. man muß ja auch ein wenig auf sich achten.

Die Post macht auf sexy

Heute den Briefträger abgepaßt, um die Post persönlich aus seiner starken Hand zu pflücken.
Ohhh-La-La-La…
Braungebrannt, stramm und braune Augen zu sonnengebleichten Locken.
Ohhh-La-La-la.
Er ist Urlaubsvertretung, Spochtstudent aus Köln.
Hat meine Tante schon rausgekriegt, praktisch, so ein Dorf.

Leider beim Weg zurück ins Haus gegen die Tür gelaufen. Nächstes Mal eleganteren Abgang einplanen.

Schreibt mir mehr Postkarten!

lifesavers

All families are psychotic.
Douglas Coupland

Es ist seltsam, fast beunruhigend. Es scheint eine geheime Absprache zu geben, mich nicht zu nerven. Ich mußte noch nicht einmal meine Stimme erheben. Sogar ausschlafen läßt man mich, und meine ersten beiden Tagesstunden läßt man mich auch in Ruhe, bis ich auf Betriebstemperatur bin.

Gelegentlich bilde ich mir ein, man beobachte mich aus dem Augenwinkel. Angelegentlich fragt man nach, wie es denn in der Therapie voran gehe. Und ob man denn auch drin vorkomme. So als ob ich einen großen ZDF-Enthüllungsroman-der-Woche mit Klarnamen in Arbeit hätte.

Oops, da kommt meine Mom um die Ecke. Sie will ‘nur mal wissen, wie das Internet aussieht. ‘Bist du das da oben rechts?’ ‘Wie kommst du denn auf die Idee?’

Es muß die Ruhe vor dem Sturm sein, auf alle Fälle hochverdächtig.

Damit konnte ich nicht rechnen.
Aber ich bin gewappnet, für die Fälle der Fälle.

Ui, eine Sommer-Aushilfe bei der Post. Sonnenverwöhnte Locken, Shorts, die seine braunen Beine zeigen, und ein leichtes, an der Brust weit geöffnetes Poloshirt. Surfer-Wochen bei der gelben Sau. Ich sollte mal öfter Postkarten schreiben.

Ich habe alle meine Lifesavers dabei:
Den Rechner, für die kurze Flucht ins Netz.
Das Auto, für die Androhung plötzlicher Abreise.
Harry Potter 6 + 7, zum Ablenken.
Bier gibts hier ja eh genug und umsonst, aber ich habe beschlossen, in der Hinsicht etwas kürzer zu treten. Klappt ganz gut, bisher.
Zichten sowieso, und aus ‘Rücksicht’ gehe ich gerne nach draußen rauchen. Was ziemlich oft vorkommt.

Und für alle Fälle habe ich für die Feier am Sonntag noch eine alte E gefunden und mitgenommen. Sie können sich nicht vorstellen, welch Hilfe eine gut dosierte Viertel E beim Konversieren, Freundlich- und Höflichsein im Kreise der Verwandtschaft sein kann.
Und das ist kein unerlaubtes Doping – so wie die meisten von denen gucken, sind die selbst reichlich mit Psychopharmaka versorgt. Es ist lediglich eine Maßnahme zur Chancengleichheit.