Archiv für den Tag: 20. August 2007

globalisiert? my ass!

Jaja, die ganze Leier – Holdings, Banken und Konzerne steuern über die Wirtschaft das Weltgeschick, und Regierungen haben eigentlich nix mehr auszurichten, als gefälligst nette Rahmenbedingungen zu schaffen und die Arbeitslosen zu füttern usw usf.
Das ist schlimm usw. usf.

Es gäbe ja zumindest die ein oder andere gute Seite daran, aber leider haben ganze Bereiche die Globalisierung komplett verschlafen, wenn man sich mal die Unterhaltungsindustrie anschaut:
Die dritte Staffel Desperate Housewives zum Beispiel gibts in Great Britain bei Amazon ab Anfang November, komplett für um die 30 Pfund also insgesamt ca. 45 €. In Deutschland gibts die erste Hlfte der Staffel im Oktober für 35 € und die andere Hälfte im Dezember für nochmal 35 €. Denken die eigentlich daß man blöd ist? Und wer auf deutsche Untertitel angewiesen ist, der müßte sich also zwangsläufig so verarschen lassen?

Im Itunes Shop, der so unsäglich peinlich in der mainstreamigen und außerordentlich beschränkten Auswahl ist, (New Music Tuesday? My Ass! I want new music every day!) kann ich zwar global alle Shops besuchen, aber kaufen darf ich nur im deutschen Shop, wo just die Songs, die ich haben will, nicht verfügbar sind. Aber über irgendeine russische Klauplattform könnte ich sie haben, für 20 Cent pro Song.

Unterschiedliche Release Dates für Bücher, Singles oder Alben über die Welt verteilt: was soll das!? Ich kann mir ein neues Video sagen wir von Annie Lennox im amerkanischen Amazon-Ableger anschauen, aber kaufen kann ich das ganze in Deutschland erst ab Oktober!?
Angenommen, man ist auf die deutsche Harry Potter-Übersetzung angewiesen, wie und wo soll man denn bitteschön bis Oktober existieren, wenn man nicht die Auflösung erfahren will?

Warum kann ich so manchen Film, den es in Europa nicht gibt, aus den USA entweder nur bestellen, wenn er sehr billig ist, oder ich muß horrenden Zoll darauf bezahlen? Und was sollen bitteschön die Region Codes am DVD-Player (nun gut, die sind leicht zu umgehen)?

Peinlich, wie eine der ersten Industrien, die global agierte und durchaus imperialistisch ausgerichtet ist, ihren eigenen Zug verpaßt hat.

Janz schön wat los im Dorf!

Süß!
Herr Lucky fährt nach getanem ersten Arbeitstag schön eingelullt vom belgischen Mädchenchor (Sie ‘abön uns ein Denkmol gesätzt) nach Hause in seine Straße ein und ist in Gedanken schon bei seinen Spaghetti Bolognese mit viel Extra Chili, und Schwupps! ist er rundum von blaublitzenden Bullenwannen und schreienden Menschen umgeben.
Irgendwie wurschtelt er sich durch, parkt und geht mal gucken – man ist ja schließlich auch neugierig.
Eine Horde von aufgebrachten sweeten Mittzwanzigern steht – obligatorisch mit Bierflasche in der rechten Hand, man hält ja auf sich – eingekesselt von Bullenwannen und bewegt sich nicht.
Nach und nach lösen sich einige aus der Masse heraus, und man erfährt, daß man einen unerlaubten Konzert-Gig versucht hat, anscheinend im U-Bahnhof Schlesische Straße, was ja auch eine hübsche Idee ist, finde ich.

Die Poliziei informiert die sich zögerlich auflösende Menge über die Rechtslage (Hausfriedensbruch, Versammlungsdings und wasweißich) und bittet, nicht mit leeren Bierflaschen zu werfen.
Schade, die BVG könnte doch enorm an Coolness profiteren, wenn sie sowas mal zulassen würden. Die Kids werden sicher noch ne kleine Party haben, irgendwo, wenn sie die Wannen abgewimmelt haben. Könnten doch einfach so tun, als hätten sie’s nicht bemerkt, tun sie doch sonst auch.

Ach, schon schön, hier in Kreuzberg zu wohnen. Nur schade, daß ich vom Konzert nix mitbekommen habe, die Leutchen sahen nett aus. Hoffentlich zünden sie mein Auto nicht an.

Und aktueller kann so ne Blogger-Berichterstattung auch nicht sein.

Edit: Erster war ich schonmal, aber andere waren später kompletter: es handelte sich wohl um einen Werbegig einer jungen Rappergruppe namens K.I.Z. und war wohl auch angekündigt, u.a. im Tagesspiegel. Schade eigentlich. Andererseits hatten die Leutchen auf der Straße eine nette Party und so war das Bullenaufkommen wohl wie so oft etwas und ziemlich übertrieben – ohne wärs jedenfalls wohl kaum eskaliert, zumal sie die Menge eh schon aus dem UBahnhof auf die gegenüberliegende Grünfläche begeben hatte.