Archiv für den Tag: 6. August 2007

medikamentenmißbrauch richtig gemacht

Nein, nicht die Sache mit der Viertel E, das war meine beste Idee seit langem. Mußte nur einmal nachlegen, und ich war die sonnigste, aufmerksamste, herzlichste Präsenz am Platze und half jedem, der wollte, die Treppe hoch und runter, egal wie oft. Die Cousins waren auf meine Konstitution neidisch, aber ich war nicht bereit zu teilen, weder Geheimnis noch Substanz.
Es kann zwar etwas gefährlich werden, wenn man auf einmal mit den 78jährigen Nachbarn, der an Durchblutungsstörungen im Hirn leidet (er selbst merkt es nicht so), viele Gemeinsamkeiten entdeckt, wenn man erstmal in sein Universum einsteigt und die verborgene Logik dort versteht. Oder mit der Tante mit dem Unterbiß auf einmal Händchen haltend und kuschelnd durch den Saal schwebt.

In meinem gestandenen Alter war ich immer noch der viertjüngste vor Ort, und wenn man sich den Anteil der wächsernen Gesichter ansah, wußte man, wo das viele Geld der Krankenkassen hingeht: die Pharma- und besonders die Psychopharmaka-Industrie hat sehr guten Umsatz und treue Kunden in der Eifel.

‘Junge, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, warst du aber noch viel schmaler!’ ‘Tante, als ich dich das letzte Mal gesehen habe, hattest du noch deine eigenen Zähne!’

Irgendwann ab Mitte 60 werden übrigens alle Frauen blond, auch in der Eifel. So viel hält man also schon noch auf sich.

Man hat hier auch einen schönen Ausdruck, der bedeutet übersetzt: ‘Jemand hat das arme Tier’. Gemeint ist kein mißhandelter Hund, sondern eine Depression.

‘Als du eben reinkamst, dachte ich zuerst, da kommt dein Vater! Du wirst ihm immer ähnlicher’ ‘Aha, in welcher Phase denn, als er noch jung, knackig und schön war und lächeln konnte, oder als er das abgehalfterte Alkoholikerwrack war?’ That shut them up.

‘Du bist aber auch viel fülliger geworden!’ Mit direktem Blick zurück: ‘Das scheint einigen hier so gegangen zu sein’

Die extrem übergewichtige Verwandte, die man schon als Kind Piggy nannte, und die einem beim Eßvorgang die Redewendung ‘stuffing one’s face’ vorbildlich illustrierte, neben ihrem ebenso extremadipösen Gatten: ‘Seit die (extrem übergewichtige, Anm. d. Red.) Tochter aus dem Haus ist, habe ich immer das Problem, daß ich eine Portion zu viel koche’ (es sah sehr danach aus, daß die beiden das Problem sehr gut meistern).

Erste Runde überlebt. Heute Resteessen mit dem nicht eingeladenen Rest Verwandtschaft und denen, die gestern nicht genug bekamen. Heute ohne Extravitamine. man muß ja auch ein wenig auf sich achten.