Isn’t it Ironic?

Life has a funny way of sneaking up on you
Life has a funny, funny way of helping you out
Helping you out

Seit Wochen schon habe ich so ein ungutes Gefühl, als Echo meines Burnouts kriecht es unvorhergesehen aus meinen Eingeweiden hervor, und sorgt dafür, daß ich nicht mehr klar denken kann. Ich zittere und bin wie gelähmt.
Der Körper hat die beste und genaueste Erinnerung, nur leider nicht das beste Gespür dafür, wann es angebracht ist, diese aufzutischen.

Jedenfalls, das ist der Zustand, wenn ich täglich mein Emailpostfach aufmache, und den wünsche ich niemand.

Gestern war es dann soweit: Einer meiner Kunden schickt seinen Kündigungswunsch. Es ist jener, der hauptsächlich mein Burnout verursacht hat, mit seinem Wahnsinn, seiner Inkompetenz, Arroganz, andauerndem Mißtrauen und kompletten Verblendung (mal abgesehen davon, daß er in manchen Terminen immer mal kurz rausmußte, um ne Line nachzuziehen). Ein Kunde frisch aus der Hölle, den ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde. Seit 6 Monaten läuft das Projekt zwar reibungslos bis erfreulich, aber ich wußte, daß der Wahnsinn nicht dauerhaft verschwunden sein würde.
Stellen Sie sich vor, sie müssen einen Pudding an die Wand nageln. Immer wieder.

Meine Reaktion: Zittern, Schwitzen, Panik. Doch dann, von ganz ganz tief unten, ein breites Lächeln, eine Entspannung, ein herzlicher Glückwunsch.
Der sich nach und nach durchsetzt, bis ich am Abend das wohlig-erschöpfte Gefühl habe, das nach stundenlangen Weinkrämpfen einsetzt.

Selten hat es mir so gut getan, ein Geschäft zu verlieren. Über 2 Jahre harte Arbeit in die Tonne zu treten.

Dazu muß Ostern gemacht sein: Tod und Auferstehung. Erneuerung!

18 thoughts on “Isn’t it Ironic?

  1. arboretum

    Zeit und Energie für neue, bessere Kunden. Gut, dass der Nagelpuddingkunde endlich Platz dafür gemacht hat.
    Frohe Ostern, lieber Lucky!

  2. kittykoma

    glückwunsch, was für ein wunderbares gefühl, wenn ein spuk ein ende hat.
    und fürs nächste mal ist innerlich eingeschrieben, zu wissen, daß man mit kunden aus der hölle keinen pakt unterzeichnen muß. daß man einfach sehr sehr freundlich nein sagen kann und für die höllengestalt nehmen dann drei irdische im portfolio platz, die auch geschäft bringen.
    das weiß man aber immer erst, wenn man das einmal durch hat.

  3. larousse

    unglaublich, wie manche Kunden es allein durch das Wissen um ihre Existenz schaffen, sämtliches Leben um sich herum unlebenswert zu machen? Ich beglückwünsche Sie von Herzen zu diesem Kundenverlust! Möge er seine Eier woanders verstecken als in Ihrem Nervenkostüm! Gack!

  4. raketenprinz

    REPLY:
    antworten Sie ihm doch mit einem einfachen Brief:

    Betrifft: Kündigung.

    Sehr geehrter Herr Kunde,

    danke.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lucky Strike.

  5. luckystrike

    REPLY:
    wenn, dann: HERZLICHEN Dank, auch im Namen der Belegschaft.
    Aber das kann ich nicht, ich muß ja noch eine dicke fette Abfindung da raus klagen. Eine, wo Blut, abgebrochene Zähne und Haarwurzeln dran kleben.

  6. brittbee

    nicht immer hat eine trennung diesen schnellen befreiungseffekt wie in diesem fall, aber ich freue mich sehr mit dir. die welt dreht sich auch so weiter.
    habs hübsch die nächsten tage, und fang dir nen hübschen hasen.

  7. Polaris (Gast)

    Ich kann mir vorstellen, dass einer der Vorzüge des Bloggens die Rückschau ist.
    Wenn man nach ein, zwei Jahren die Einträge liest, die nun vergangene Stationen bespiegeln.
    Da weiss man dann recht genau, um wieviel und in welche Richtung man zwischenzeitlich gewachsen ist.
    Das sollten sie in einem Jahr erinnern, lieber Herr Lucky, um sich dann wohlig zu räkeln und sich ihres Lebens zu freuen!
    Fröhliche Auferstehung!

Comments are closed.