Monthly Archives: October 2006

taxi zwischen den welten

Taxifahrer und Berlin passen ja zusammen wie Currywurscht und Pommes Schranke (rot-weiß), wie Molle und Korn und Pfitze und Mira. Eigentlich SIND sie Berlin, und sollten bei Altersmittellosigkeit genauso gehegt und gepflegt werden wie die Knef, als sie alt, hilf- und mittellos war. So als National Treasure.
Schließlich weiß man nur dann genau, daß man in der harten Hauptstadt angekommen ist, wenn man erstmal gleich am Flughafen oder Bahnhof herzhaft vom Taxikutscher angeschnauzt wird. Wenn nicht, könnte man ja meinen, in Köln oder München gelandet zu sein.

Manchmal gerät man aber auch an einen Taxifahrer, der mit Bolle-Jovialität genau den Spruch macht, den man brauchte für die richtige Einstellung, den Tag zu überleben. Herzhaft herzlich, Hartz 4 am richtigen Fleck.

Als ich gestern Nacht in ein Taxi stieg, war das eine ganz neue Erfahrung. Kein Nichtrauchertaxi, im Gegenteil, die Endvierziger wettergegerbte Fahrerin hatte sich ihre Pause mit einem fetten Joint versüßt, gleich vorm Curry 36. So fett, daß das innere des Taxis milchblau schien, und ich sehr bald ebenfalls deutlich entspannte. Sie fuhr dann auch, sagen wir, sehr intuitiv, ging kreativ mit dem Schalten um, brachte mich aber einen Euro billiger heim, als alle ihre Kollegen das jemals vorher geschafft hatten, auf gleicher Strecke.
Nur bei der Bitte um eine Quittung kam sie ins Schleudern: Im breitesten Schwäbisch rätselte sie: ‘Als wir losgefahren sind, war noch Gestern, jetzt ist heute, also morgen, welches Datum soll ich denn eintragen? Wir sind ja nur ein paar Minuten gefahren, aber ich hab Sie in einen anderen Tag gebracht, seltsam, nicht? Eine Zeitreise! Zwischen Gestern und Morgen!
Ach ja, und es lief natürlich esoterische Klimper- und Flötenmusik.

nachgetreten

Naaaa? Vermißt du mich
wenn die Nächte lang und kalt sind?
Träumst du von mir
im sehnsuchtsvollem schwarzen Dunst?
(Nina Hagen, ‘Alptraum’
)

Na, hat es sich gelohnt?
“Wer mich liebt, liebt auch XY!” XY, die bestenfalls drittklassige Kabarettfigur, die du (mit meiner Hilfe) geschaffen hast. “Wer XY nicht liebt, hat auch keinen Platz im meinem Leben”, sagtest du und machtest mir damit die Entscheidung sehr leicht, die wahrscheinlich sowieso überflüssige Wiederaufnahme unserer Beziehung ein für allemal abzusetzen.
Ist es so, wie ich es dir vorausgesagt habe? Ist es einsam, nach einem Auftritt in einer Stadthalle so allein und schlecht oder gar nicht gefickt in einem verschissenen Hotel in einer verschissenen Kleinstadt zu sitzen? Hat es sich gelohnt?
Jetzt, wo du alles aus dieser erbärmlichen kleinen Idee herausgepresst hast, zweieinhalb Programme, zwei CDs und eine Restverwertung als Buch? Das Buch, zu dem ich dir verboten habe, irgendwelche Details zu mir und dir zu verbraten? Mit immer denselben 3 Pressefotos?
Einmal habe ich dich in diesem Jahrtausend noch gesehen. Du hütest immer noch die Terrassenpflanzen, die ich dir vor fast 10 Jahren gepflanzt habe, und denkst jeden Tag an mich, hattest du die Größe zuzugeben. Dir fehlt unser Sex, unser animalischer Sex, sagtest du. Niemals hättest du solchen Sex gehabt, weder vor mir noch nach mir. Ja, mir fehlt er auch. Wir waren einander hörig. Unser Sex war nicht schön, er war geil.
Allerdings fand ich es stillos, daß du das im Beisein deines ehemaligen Ex- und jetzt wieder Lovers gesagt hast.

Du, der du immer deinen Kuchen aufessen aber doch behalten wolltest.

Na, hat es sich gelohnt?

not amused?

Ich bin ja eigentlich kein gemeiner Mensch, aber mein Humor ist manchmal halt etwas drüber.
Christine, englische Austauschstudentin und keines Wortes Deutsch mächtig, wollte von mir wissen, was ‘Wie bitte?’ also das deutsche Pendant zu ‘Pardon?’ auf deutsch hieße.
Ich sagte ‘ficken’.
Irgendwie vergaß ich, sie über den Scherz aufzuklären, so daß die arme Christine wohl ein paar Tage auf jedes Angesprochen-Werden mit einem freundlich-fragendem Blick und dem Wörtchen ‘Ficken?’ reagierte.
Für sie, die etwas unentspannt und auch ein wenig verklemmt war, schon eine schlimme Sache, als ich sie dann doch mal aufklärte.
She was so very not amused. I was. Very. Gemein, nicht!?