Dufte!

Normalerweise riecht es ja in meiner Wohnung eher nach alten Kippen, nicht runtergebrachtem ungetrennten Müll und möglicherweise muffigen Kissen, aber heute abend kam ich nach Hause und alles duftete wild-wohlig. Zuerst dachte ich, Galina sei zu einem Putzzwischenstopp unter der Woche da gewesen, aber nein, siehe da: Blauregen und Geißblatt legen überraschend und bisher unbemerkt eine zweite Schicht ein, und Oleander, Sternjasmin und Gardenie und sogar die Petunien tun das ihre dazu. Betörend!

So riecht es vielleicht, das gepflegte Leben.

Tagebuch 21.6.-4.7. Urlaub, zum ersten

Na, kommen Sie sich vernachlässigt vor? Fast schon verwahrlost? Tja, Herr Lucky hat Urlaub und kriegt deswegen gar nix gebacken.

Wunderbarer Besuch von Freunden der Familie, Christine, David und Marianne aus Devon. Die kamen, damals noch ohne Tochter Marianne, seit den frühen 70ern als Freunde meiner Schwester ab und an in die Eifel, somit meine einzige Anbindung an die sogenannte große weite Welt außer meiner persönlichen Doris Day, Frau Treckiewicz.

Und wie das mit Besuch so ist, macht man Sachen die man eigentlich nicht vorhätte: Samstags bei gloriösem Wetter in der Waldbühne bei den Philharmonikern. Die ganze Logistik drumrum ist echt ein Grund, sich dagegen zu entscheiden, zum Beispiel steht man über eine Stunde an, bevor man drin ist, damit nur keiner der gutsituierten Bürger etwa eine Glasflasche einschmuggelt – WTF? Verhältnismäßigkeit?
Konzert war dann aber, trotz oder vielleicht auch wegen der billigen Plätze ganz oben, sehr schön, wenn dann die Sonne langsam untergeht und die Waldbühne in einen herrlichen Sommerabend versinkt. Besonders toll fand ich aber die Vögel drumherum, die langsam anfingen um Ludwigs Neunte herumzusingen, und nicht nur heimlicher Star war eine Amsel, die sich akustisch gewitzt oben am Rund in einen hohen Baum setzte und dem Geschehen der Philharmoniker aber sowas von zeigte, wo die Amsel den Most holt. Und der Wind, der ab und an in die andächtigen Stillen Soundfetzen von einer Prollo-Party herüberwehte: Nana-nanana, Life is Life!

Sonntag dann großes Spargelessen bei mir auf der Terrasse, sechs Personem, 3,5 Kilo Spargel plus Kartoffeln, Schinken und Schweinemedaillons in der berühmten Lucky’schen Soße. Das allerdings nach einem herrlichen Tag auf dem See mit dem Glam, und einer Flasche Wein pro Nase in der gleißenden Sonne – derart tiefenentspannt ist nicht gut groß kochen, besonders wenn der werte Besuch dann auch noch eine Stunde zu früh kommt, also just, wenn man die Schlüpper alle aus den Palmen und den sonstigen Müll eingesammelt hat und grade mit Spargelschälen anfangen will. Man muß dann nur das Wimmern der hungrigen Gäste ignorieren, sowie den Neffen, der in seiner unendlichen Weisheit es für unnötig hält, Spargel überhaupt zu schälen, und schwupps ist das Essen dann anderthalb Stunden zu spät dann auch schon fertig, währendessen man den Besuch vorm Fernseher geparkt hat, damit sie das gestrige Konzert nochmal in nah sehen können. War dann aber doch ein voller Erfolg, auch wenn ich, Kitty sieh’s mir nach, die Hollandaise nicht selbst gemacht hab.

Wie man Engländer zugleich komplett entsetzt und dabei dann doch zu roten Äuglein rührt, habe ich gemerkt, als ich eine kleine Ansprache über den butterfly-effect zu Ehren der Gäste hielt. Schließlich haben sie mir und meinem Neffen damals eine für uns noch völlig unbekannte Lebensart gezeigt: Spaß, Interesse, Weltgewandheit statt Arbeit, Frust und Kuhfladen. Mir persönlich hat es sich damals überhaupt erst erschlossen, warum es Sinn macht, Englisch zu lernen – so gesehen sind sie nicht unschuldig daran, daß ich einen M.A. in Anglistik habe, und England kulturell für mich ins Weltzentrum rückte, damals in den 80ern. Und natürlich meine Besessenheit mit Lenkdrachen. Es war sehr schön, sie so gerührt zu sehen. Ab und an muß man solche Momente eifach auch setzen.

Montags arbeiten, und Dienstag wollten sie dann unbedingt im strömenden Regen zum Checkpoint Charlie, der nicht nur bei dem Wetter Berlins bescheuertste Ecke ist. Das Asisi-Panorama allerdings fand ich ganz interessant, wenn auch mit 10€ Eintritt völlig überteuert. Gerettet hat den Tag dann eine spontan von mir organisierte Führung durch Glämmies Oper der Phantome, das spontane Angebot für Steuerkarten für den Wizard of Oz vom Staatsballett, und das Dinner hinterher im übrigens sehr empfehlenswerten NÖ in der Glinkastraße, dem einzigen echten und liebevollen Restaurant (süddeutsch/elsässisches Weinrestaurant) in der ganzen Gegend um die Linden.

So ein Besuch ist herrlich, schlaucht aber auch gewaltig, so daß ich die nächsten Tage sehr dankbar für das schlechte Urlaubswetter war und meine Tage mit Drachenzüchten und -jagen auf dem Sofa verbrachte – bis das dann am Dienstag auch leicht sauer wurde, aber schwupps, man kann ja ein paar Leute treffen, und mit denen die Stadt genießen.

Nur die Wohnung streichen wie eigentlich vorgehabt, das hat irgendwie nicht geklappt….

Tagebuch 19./20.06.13 Do’s and Don’ts

Eine großartige Idee, am zweitheißesten Tag des Jahres einfach hitzefrei zu machen und mit dme Glämmie auf den See zu fahren, um viel Zeit auf halbkaputten Luftmatratzen halb unter Wasser zu verbringen, wie ein Nilpferd, nur die Nüstern über Wasser.

Eine nicht so großartige Idee ist, sich dabei einen so kräftigen Sonnenbrand zu holen, mit dem man dann die heißeste Nacht des Jahres und den anschließenden heißesten Tag des Jahres mit zuerst Badminton und dann Büro überstehen muß, wo dann die wichtigen Anrufe, auf die man seit Tagen wartet, schon auf Rückruf warten. Kann ich auch bloß mit der knappen weißen Badehose bekleidet ins Büro eigentlich?

Gehmse Acht!

Stellense sich das mal vor, acht Jahre gibts dies zierliche Blog hier jetzt schon!

An sich nicht verwunderlich, bin ich doch einer von der Sorte, die nie ausgehen, aber wenn, dann bleiben sie auch bis zum bitteren Ende der Party und darüber hinaus – so gesehen, macht es auch Sinn, daß ich hier noch blogge, auch wenn fast keiner mehr kommentiert. Aber ein bißchen mehr Mühe könnten Sie sich schon auch geben.

Tagebuch 15.-17.06. Floßpartie

Huch, manchmal verhindert das Leben doch tatsächlich Bloggen! Ich war unterwegs, stellnse sich das mal vor, zur ersten Floßfahrt der Saison, mit der Doppelkopf-Bagage, in die Schorfheide. (Ich weiß der Witz ist oll, aber ich finde Schorfheide hört sich immer noch an eine alte Hure.)

Es ist immer sehr sehr lustig mit meiner Lieblingsbagage, und es gibt keine Schimpfwörter, die nicht als zweifelhafte Kosenamen herhalten müssen, und keine körperlichen oder seelischen Eigenheiten, die nicht aufs allerherzlichste kommentiert werden, in unserem Fall sind das allerdings überwiegend Bemerkungen über Dicke.

Floßfahrt in der Schorfheide geht so: man melde sich frühzeitig (im Vorjahr) beim Fischer an, der einem dann ein simples großes Floß aus Brettern mit einen fest aufgeschraubten Grill zur Verfügung stellt. (Kostenpunkt dieses Jahr: 40 Euro inklusive 9 große Lachsforellen.) Es gibt auch nur 2 Floße überhaupt für den ganzen großen See. Darauf baut man dann einen Pavillion, bringt Stühle, Biertische, ein Kaffeservice, Sektgläser, Weißweingläser, Biergläser, Saftgläser, Kühltaschen, Weinkisten, Bierkisten, Kuchen, Kuchen, Wassermelone, Erdbeeren, Kartoffelsalat, Nudelsalat, Käse, Würstchen, Cevapcici (?), Rote Grütze, Vanillesoße, Sahne, Chips, Süßigkeiten, Oliven, Schüsseln, Eßservice, Messer, Gabel, Kuchengabel, einen  Pinkeleimer, einen Bindeneimer, Liegestühle, eine Schwimmkröte, mehrere Luftmatratzen, Fliegenabwehrspray, Decken für später, Sitzkissen, Liegekissen, Handtücher, Badetücher, Korkenzieher, Flaschenöffner, Servietten, Müllbeutel, Wassernäpfe und Freßnäpfe für die Hunde und was sonst noch so gebraucht wird mit, und schon ist alles bereit für die große Sause. Sollte ich jetzt etwas vergessen haben, dann hab ich Pech gehabt, zurückgefahren wird nur höchstens 3x.

Unabsichtlich schlauerweise kam ich erst an, als alles schon verstaut war und hatte mir nur die logistische Aufgabe an Land gezogen, Wein und Sekt zu besorgen.

Dann schleppt einen der Fischer, der dieses Jahr noch nicht mittags schon 3 Strich gegen den Wind blau war (wir vermuteten, daß er eine neue Freundin hat) über den See, bis man eine Stelle gefunden hat, die einem besonders gefällt, und dann wird man dort verankert.

Schon kann die Spiel-, Freß- und Sauforgie beginnen. Der See war noch kalt, aber nicht unerträglich kalt, aber man überlegte es sich schon gut, ob man wieder ins Wasser wollte. Wetter gab es von allen Sorten, außer Hagel und Schnee. Ein Seeadler, Störche, Schwäne, und vieles mehr. Unglaublich entspannend, so ein Tag auf dem Wasser, den Wind in den Haaren, Wein in der Hand, die Sonne blinkt auf dem Wasser herum und erst der abendliche Sturmregen spät nach prachtvollem pinken Sonnenuntergang veranlaßte uns den Fischer anzurufen.

Übernachtet wurde im Gesindehaus, 6 km weiter, und es gibt nichts Schöneres, als dort einen sonnigen Sonntag (leider mit eiskalten Wind) auf dem Hof zu verbräsen, während um einen herum die verschiedensten und absonderlichsten Arten Hühner, Gänse und Enten, zum Teil mit Küken, den Hof nach Freßbarem durchsuchen. Am frühen Abend dann glücklich und entspannt zurück in die Molochstadt, mit dem Gefühl lange lange weg gewesen zu sein, und nicht nur 36 Stunden. Und weit weit weg, und nicht nur 79 Kilometer.

Dabei die armen Menschen bemitleiden, die auf einer vollgeschissenen Baumscheibe vor einem Späti das Gefühl zelebrieren, daß es doch so herrlich ist, aml wieder draußen sitzen zu können.

Tagebuch 14.06.13 Spooky

Ja, gell, Sie kommen gar nicht mehr mit, wie Sie hier mit lauter Text zugeschissen werden!?!

Gestern der Tag beschwerlich, wegen zu wenig Schlaf und zu viel Wein, aber das Badminton hat es tatsächlich weitgehend behoben. Lustig, daß ich erst nach einer Stunde zu einer gewissen Form auflaufe, während die anderen dann schon langsam abbauen – das ist dann die Zeit wo ich auch mal eine Chance habe zu gewinnen. Und das mir als Kettenraucher und Fettmops. Aber ich schwitze auch mehrere Liter, wie ein Schwein, wollte ich grade schreiben, aber schwitzen Schweine denn eigentlich?

Trotzdem das Klavierkonzert am Abend geknickt und nach Hause. Enough is enough. Sorry, Pietro.

Schon seltsam, während Mitbewohner und ich auf der Terrasse saßen und sehr bewegt über Tod und Leben und Selbstbestimmung philosophierten, praktizierte zeitgleich seine Mausi, seine Oma und einer seiner Lieblingsmenschen, eben jenes.

Fast 95, war ihr das letzte Lebensjahr sehr beschwerlich, und sie fand ihr Leben nur noch Scheiße, wie sie sagte. Sie, die sehr autonom und hellwach am Leben teilnahm (wenn es irgendwo eine Kunstaustellung gab, die sie interessierte, stieg sie in ihren Mercedes aus den 70ern und fuhr mal eben 800 Kilometer), wurde unbeweglich und die Demenz begann ihre grauen Schatten voraus zu werfen. Erst letztes Jahr hatte sie sich mit Anwalts Hilfe ihren Führerschein (!) zurück erstritten, der ihr entzogen worden war, weil sie beim Ausparken ein Kind angefahren hatte. Nur um dann aus freien Stücken und aus eigener Entscheidung das Fahren sein zu lassen. Aber eben nicht auf die Tour, nicht mit ihr! Und jetzt, wo die Enkel mit ihr einen Heimplatz suchen wollten, hat sie wohl entschieden, daß es reicht. Ich finde das schön und vorbildlich für mich. Aber schon seltsam, die Gleichzeitigkeit, manchmal im Universum.

Tagebuch 13.06.13 Versumpft

Will ich doch grade von der Terrasse rein und eine Pizza zu True Blood einschieben, kommt der Mitbewohner kurz vorbei. Manchmal sehen wir und Wochen nicht, manchmal nur für fünf Minuten, und manchmal ufert es aus, so wie gestern. Ein paar Stunden und ein paar Flaschen Wein später haben wir über Sterben, Patientenverfügung, unser Geschäftsleben, unsere bekloppten Schwestern, Liebe, Leben viel gelacht und geweint und liegen uns beim Gute-Nacht-Sagen in den Armen, bevor er ein paar Handvoll der gefallenen Rosenblätter einpackt, um sie seinem Freund aufs Bett zu streuen.

Zuvor nachmittags Kundentermin mit wohl den beklopptesten Kunden, die wir zur Zeit haben. Gottseidank haben sie ein paar Jahre pausiert. Sie sind unglaublich anstrengend, verrückt und kennen keine Grenzen nirgendwo, und was sie machen ist mit das schlimmste, was man je gesehen hat. Aber irgendwo tief drin finde ich bewundernswert, daß sie einfach auf sowas alles scheißen und ihr Ding machen und sich so in ihrer Ecke ihr Leben so eirichten, wie sie es wollen.

Puh, heute wird der Sport entweder es oder mich richten – entweder schwitzt sich der Kater raus, oder ich bin hinterher komplett am Arsch. Gottseidank keine Termine heute.

Tagebuchbloggen 12.06.13 Broken Windows

Ich weiß ja nicht, wie es bei Ihnen so aussieht, wenn Sie grade keinen Besuch erwarten, aber bei mir kann man zur Zeit sehr gut den Broken Windows Effect beobachten: sobald ein benutzter Teller oder getragener Schlüpper nicht an die dafür vorgesehen Stellen entsorgt ist, entsteht darum ein loses Nest mit weiteren benutzten Tellern, Tassen oder Socken. (Diese Haufen halte ich untereinander aber dann doch weitgehend getrennt, ein wenig Ordnung muß schon sein, selbst bei mir.) Es würde nur 3 Minuten dauern, das zu richten, aber manchmal: nö. Muß wohl der letzte Rückzugsort der Reste meiner überlang gehegten und gepflegten Pubertät sein.

Ansonsten liegt die Terrasse gerade unter einem schönen Teppich aus Rosenblütenblättern, als ob für eine Braut gestreut wäre. (Und drinnen siehts aus, als ob ebenda die Bacheloretten-Party gewesen, mit einem halben Dutzend übergewichter Stripper, s.o.)

Gestern tagsüber dann wirklich großen Hass bekommen wegen dem Termin vorgestern. Abends dann aber das jährliche Geschäftsessen mit Kunden erster Stunde, die längst zu Familie geworden sind. Ich fühle mich sehr privilegiert, durch meinen Beruf so viele unterschiedliche Menschen unterschiedlichster Herkunft sehr gut kennen zu dürfen, in diesem Fall Freunde mit einer für mich sehr spannenden Sozialisation in den ehemaligen Leuchttürmen ostdeutscher Kultur. Und ich liebe den Gorgonzola Club für die liebevolle Art, seine Gäste zu bewirten und das immer unglaublich leckere Essen.

Danach zum Chillen die letzte Staffel True Blood angefangen. Wie schon mal geschrieben, wenn man es aufgibt, auf durchgehende und sinnvolle Handlung zu bestehen, ist das ein großer Spaß, und wenn sie noch mehr weitgehend nackte gutgebaute Menschen und Monster zeigen wollten, dann müßten sie Split Screen nutzen. I like. Aber leider deswegen nicht wirklich ausgeschlafen.