your own personal doris day – mrs. treckiewicz

In dem verschissenen 250-Seelen-Bauerndorf im Mittelgebirge, in dem ich aufgewachsen bin, und in dem die Kühe auf jeden Fall schöner als die Mädchen waren, und die Eber besser dufteten als die Männer, gab es einen Glanzpunkt, mein ganz eigenes Disneyland:
Mrs. Treckiewicz
Sie war die Gattin eines amerikanischen Militärs, und wohnte mit ihm in einem Neubau(!) zusammen mit zwei weißen Königspudeln (!!). Wir dagegen hatten damals noch nicht mal ein Bad, und das Klo war draußen. Auch im Winter.
Ich besuchte sie jeden Tag, unter dem Vorwand, mit den Hunden zu spielen (ich mag gar keine Hunde).
Der wahre Grund: Sie hatte blonde Haare, frisiert zu einer mustergültigen Doris-Day-Frisur, mal Bob, mal mit Tuch hochgebunden, trug rosa Lippenstift und hatte den gleichen sommersprossigen Teint wie Doris.
Dazu trug sie rosa oder hellblaue, oft klitzeklein karierte Blusen und farblich passende Slacks.
Stil! Lippenstift! Keine Gummistiefel, keine Kittelschürze!
Und sie roch so gut.
Fehlte eigentlich nur, daß sie den ganzen Tag ‘Que sera, sera’ sang.
Und in der Küche gab es alles aus Tupperware, heimlich suchte ich immer die Ecken ab nach dem kleinen müllbeseitigenden Küchenroboter aus den Filmen.
Sie versorgte mich mit amerikanischem Essen, Süßigkeiten, alles was sicherlich vollgestopft mit künstlichen Aromen und Farbstoffen war, aber was ein Unterschied zu ‘alles was man aus Kartoffeln machen kann’ oder ‘alles, was man vom Schwein auch doch noch essen kann’!
Ihren Mann mochte ich nicht, der guckte immer so komisch, wenn ich da war, der hat sicher den Braten gerochen, was es mit mir auf sich hatte.
Ich frage mich auch, ob sie sich nicht wunderte, was ich denn eigentlich von ihr wollte.
Ganz klar, ein bißchen Glamour, ein bißchen Hollywood, ein bißchen Wohltat für meine rosa Seele inmitten der Misthaufen.
Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre?
Mrs. Treckiewicz lebt noch, und wohnt jetzt ein paar Täler weiter. Ich denke ich sollte sie vielleicht einmal besuchen fahren und mich bei ihr bedanken.
Zumindest sei ihr hier mal ein kleines Denkmal gesetzt.

15 Gedanken zu „your own personal doris day – mrs. treckiewicz

  1. luckystrike

    REPLY:
    rainbows we have now, much later.
    seltsam, habe grade nach eine Foto von Doris gegugelt, aber ich finde keins, daß meiner Vorstellung enstspricht – so ist das mit Ikonen. Aber man braucht auch gar kein Bild, das hat man im Kopf.

    Antworten
  2. luckystrike

    REPLY:
    och schön! LUCKY ME!!!! thanks a lot, dear britt – die wär perfekt gewesen!
    bei mir lief nur grade depeche mode, deswegen kam ich auf die headline, denn ich finde jeder sollte eine own personal doris day haben, überhaupt dorisse kann man nie genug haben, da könnte ich glatt ne kleine serie draus machen. dorisse spielen nämlich eine schöne rolle in meinem leben.
    davon abgesehen mußt du dir mal von glam sein dors-day-day-lied vorspielen lassen – traumhaft!

    Antworten
  3. luckystrike

    REPLY:
    Nee, Frau Treckiewicz hatte keine Kinder, sondern Königspudel, weiße. und später graue. Ich denke aber, das waren andere, also nicht die weißen, die grau geworden sind.
    Wäre mal ein Abenteuer, sie zu besuchen, muß mal meine Mutter nach ihr fragen.

    Antworten
  4. luckystrike

    REPLY:
    jeder, der spontan auch noch im hohen alter mal seine glocken vor versammelter mannschaft rausholt, hat auch einen gewissen glamourfaktor, finde ich.
    vielleicht nicht cosmopolitan und vogue, eher berliner kurier oder superillu, aber immerhin!

    Antworten
  5. luckystrike

    REPLY:
    Ich kann es wirklich nicht mehr sagen, wie ich dazu kam, sie zu besuchen, und wie alt ich damals war, 6? 12? 28? ;-)
    und auch nicht mehr, wie es endete – ich glaub die waren zwischendurch weggezogen und kamen wieder, und dann wars vorbei. keine ahnung.
    aber sie erzählte mir immer sehr viel, wenn ich nur wüßte was, wohl eher aus der weiten welt.
    das ganze ist tatsächlich eine recovered memory, die schönerweise durch einen kommentar hier freigelegt wurde

    Antworten
  6. Pingback: Tagebuch 21.6.-4.7. Urlaub | lucky strikes

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>