taxi zwischen den welten

Taxifahrer und Berlin passen ja zusammen wie Currywurscht und Pommes Schranke (rot-weiß), wie Molle und Korn und Pfitze und Mira. Eigentlich SIND sie Berlin, und sollten bei Altersmittellosigkeit genauso gehegt und gepflegt werden wie die Knef, als sie alt, hilf- und mittellos war. So als National Treasure.
Schließlich weiß man nur dann genau, daß man in der harten Hauptstadt angekommen ist, wenn man erstmal gleich am Flughafen oder Bahnhof herzhaft vom Taxikutscher angeschnauzt wird. Wenn nicht, könnte man ja meinen, in Köln oder München gelandet zu sein.

Manchmal gerät man aber auch an einen Taxifahrer, der mit Bolle-Jovialität genau den Spruch macht, den man brauchte für die richtige Einstellung, den Tag zu überleben. Herzhaft herzlich, Hartz 4 am richtigen Fleck.

Als ich gestern Nacht in ein Taxi stieg, war das eine ganz neue Erfahrung. Kein Nichtrauchertaxi, im Gegenteil, die Endvierziger wettergegerbte Fahrerin hatte sich ihre Pause mit einem fetten Joint versüßt, gleich vorm Curry 36. So fett, daß das innere des Taxis milchblau schien, und ich sehr bald ebenfalls deutlich entspannte. Sie fuhr dann auch, sagen wir, sehr intuitiv, ging kreativ mit dem Schalten um, brachte mich aber einen Euro billiger heim, als alle ihre Kollegen das jemals vorher geschafft hatten, auf gleicher Strecke.
Nur bei der Bitte um eine Quittung kam sie ins Schleudern: Im breitesten Schwäbisch rätselte sie: ‘Als wir losgefahren sind, war noch Gestern, jetzt ist heute, also morgen, welches Datum soll ich denn eintragen? Wir sind ja nur ein paar Minuten gefahren, aber ich hab Sie in einen anderen Tag gebracht, seltsam, nicht? Eine Zeitreise! Zwischen Gestern und Morgen!
Ach ja, und es lief natürlich esoterische Klimper- und Flötenmusik.

29 thoughts on “taxi zwischen den welten

  1. der_rex (Gast)

    …nie hab ich son glück. genau den wagen wo ich das nächste mal brauche…und, die nummer gemerkt?? gettin´ high for free is rare these days, dude. 🙂

  2. wortschnittchen (Gast)

    Unfreundliche Taxifahrer hatte ich schon lange nicht mehr. Aber dafür vermehrt solche, die sich von mir detailliert den Weg beschreiben lassen müssen. Und keiner kifft.

  3. horizont (Gast)

    REPLY:
    @wortschnittchen: AAAAAA!!!!!!!
    mein gestocktetestteter Atem fiel mir mal aus dem gesicht bei der rückfrage: frankfurter allee? wo is das?
    aussteigen sollte man an der stelle. *knrrrrrrrrrr

  4. bittersweet choc

    herrlich – i would have taken this ride, too, sweetie 🙂 gott sei dank war sie bekifft, die fahren wenigstens langsam.

    eine frage noch: welche farbe hatte das duftbäumchen am rückspiegel?

  5. OhBehave

    Wow! Warum hatte ich in meinem Leben noch nicht so ne Taxifahrt? Dieses “zwischen morgen und gestern” kenn ich aber auch ohne Droge 😉
    Ich sollte Taxifahrer in Berlin werden. “Chill-Out Taxi ‘Behave” – We have all your favorite song cover versions on board. Come in and find never out again.

  6. luckystrike

    REPLY:
    ‘dein auto fährt so schnell weil du auf der reise bist
    viel hab ich auch noch nicht gesehn’
    fabuliert nenachen. nimm mich mit sagt da die 2raumwohnung.

  7. luckystrike

    REPLY:
    sie hat ja während der fahrt nicht viel gesagt, mußte sich wohl eher arg konzentrieren… oder war sie mit den gedanken ganz woanders?

  8. luckystrike

    REPLY:
    @schnidde: ach, ich kenn mich aus, das macht dann nix
    @horizont: sach ma, wo ist denn die?
    @rakete: stimmt, merke ich auch immer, wenn meine hand den sitz berührt und dann aberganz schnell wieder hochgezogen wird. invalidenstraße hört sich aber auch irgendwie morbid,äh moabit an

  9. luckystrike

    REPLY:
    @glam&horizont: die verkraften das, die zähen alten biester, because they will survive
    @pheerce: wie jetzt, wer ist das taxi gefahren,du oder agneta? und wer brauchte thrombosestrümpfe?

  10. luckystrike

    REPLY:
    ‘what the world needs now
    is love, sweet love’ hat schon herr bacharach bzw. herr david getextet.
    zur not tuts aber auch mal einb tütchen zum frieden.
    ich geh mal raus auf die terrasse gucken ob meine schon reif sind.

  11. engl

    ach ja, diese schwellenmomente… weiß nicht jeder zu würdigen. glück gehabt, würde ich sagen. 😉

  12. raketenprinz

    REPLY:
    @lucky: der prinz nennt das ja das neue bahnhofsviertel. klingt auch nicht gerade edel, birgt aber einen versteckten hinweis auf die koordinaten. hilft bei taxifahrern aber auch nicht.

  13. King Fisher

    Ach ja…
    Was für eine Stadt!
    (Ich komme gerade aus Augsburg. Da sind die Taxifahrer noch irritiert, wenn man hinten einsteigt. Sie sagen, es wirke “arrogant”. Andere Länder, andere Sitten.)

  14. luckystrike

    REPLY:
    die sollen sich ma nicht so haben, sollen sie mal in berlin mitfahren! nach augsburg ist es wahrscheinlich ganz schön, wenn man erstmal angeschnauzt wird.

  15. raketenprinz

    REPLY:
    @horizont: das ist ganz normal. “invalidenstraße? wo isn dette?” – “waren sie in ihrem taxifahrerleben schon einmal am hauptbahnhof? da.”
    auch schlimm: die steigende zahl klebrig-dreckiger droschkeninnenleben. schlimmer als die bvg.

  16. glamourdick

    womit wieder einmal bewiesen wäre:
    between yesterday and tomorrow there is more, there is more than a day… SHUTYOURFREAKYFACEUPBARBRAAAAAA!

  17. horizont (Gast)

    REPLY:
    Neue extremistische Untergruppen in der Berliner Homosexuellen-Szene!
    Barbra-Basher oder Madonna-Mobber, welche Trendsetter werden die Oberhand gewinnen?

  18. pheerce

    REPLY:
    ja es gibt sie, die coolen taxis…ich hatten mal vom krankenhaus weg eine blonde mittelalte schwedin, namens agneta. sie begleitete mich entspannt auf einer irrfahrt durch die stadt auf der verzweifelten suche nach thrombosestrümpfen. neulich trafen wir uns wieder vorm kadewe und sie erinnerte sich sofort an mich. das ist kundenbindung. ich habe chiqitita im ohr.

  19. luckystrike

    REPLY:
    oops. also ich hatte ja netterweise getippt, daß die strümpfe für agneta wären. ich meine, mit dne stiefeln immer. und das rumgestehe bei konzerten, und die choreographien.

  20. pheerce (Gast)

    REPLY:
    agneta, die taxifahrerin, fuhr natrlich mich, den fahrgast. die thrombosestrümpfe waren für mich aber das ist eine unappetitliche geschichte, die wollen wir an anderer stelle erzählen.

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