Monthly Archives: February 2008

die maske

(Nein, nicht der Film mit Cher)

Als ich klein war, gab es im Haushalt eine alte Till Eulenspiegel-Karnevalsmaske, vor der ich panische Angst hatte. Eine lange geschwungene Nase, joviale rote Wangen, ein spöttisch grinsender Mund und manisch heitere hervortretende Glubschaugen.
Die Maske wohnte in einem Schrank unterm Dach, und schon der Gedanke daran konnte mir schlaflose Nächte und Alpträume bescheren: das Böse lebte unterm Dach, sozusagen lebendig begraben. Sich einfach mal die Treppe zum Dachboden hochtrauen und das Ding einfach wegzuwerfen, das hätte ich mich nie getraut.

Das Problem war außerdem, daß in einem Nachbarort ein Mann wohnte, der der Maske unglaublich ähnlich sah, er war sehr groß und dünn, etwas verwachsen und seine Gesichtszüge schienen denen der Eulenspiegelmaske nachgeschnitzt. Der Mann war geistig behindert, hatte einen wilden Blick und mußte, wohl auf dem Weg zu seiner Behindertenwerkstatt, denselben Bus nehmen, den ich als Schulbus nutzen mußte.
Qualvolle halbe Stunden voller nackter archaischer Angst mehrmals die Woche. Was hätte ich damals für ein Unsichtbarkeitscape gegeben.

Schon allein deswegen, geht mir weg mit Karneval. Es ist nicht die Art von Spaß, den ich verstehe.

streikopfer

Von mir aus kann die BVG ruhig streiken, ich bestreike die ja auch. Sind wir quitt.

Dachte ich.

Was ich nicht bedachte, ist daß meine kleine runde süße Hausperle so den Weg in meine große eckige schmutzige Butze nicht findet, und ich heute Haushalt machen muß.

Der schönste Moment der Woche, am Freitagabend nach Hause zu kommen, die Woche im Rücken, und alles blitzt und blankt und riecht gut und alle losen Enden sind irgendwo versteckt und verstaut, und das Bett ist gemacht – nüschte. Meine eigene Verwahrlosung gähnt mir mit ungeputzten Zähnen ungeduscht entgegen.

Ich finde so einen spontan angekündigten Streik menschenfeindlich. Auch wenn man an all die armen Pendler denkt.