Archiv für den Tag: 5. Februar 2008

die maske

(Nein, nicht der Film mit Cher)

Als ich klein war, gab es im Haushalt eine alte Till Eulenspiegel-Karnevalsmaske, vor der ich panische Angst hatte. Eine lange geschwungene Nase, joviale rote Wangen, ein spöttisch grinsender Mund und manisch heitere hervortretende Glubschaugen.
Die Maske wohnte in einem Schrank unterm Dach, und schon der Gedanke daran konnte mir schlaflose Nächte und Alpträume bescheren: das Böse lebte unterm Dach, sozusagen lebendig begraben. Sich einfach mal die Treppe zum Dachboden hochtrauen und das Ding einfach wegzuwerfen, das hätte ich mich nie getraut.

Das Problem war außerdem, daß in einem Nachbarort ein Mann wohnte, der der Maske unglaublich ähnlich sah, er war sehr groß und dünn, etwas verwachsen und seine Gesichtszüge schienen denen der Eulenspiegelmaske nachgeschnitzt. Der Mann war geistig behindert, hatte einen wilden Blick und mußte, wohl auf dem Weg zu seiner Behindertenwerkstatt, denselben Bus nehmen, den ich als Schulbus nutzen mußte.
Qualvolle halbe Stunden voller nackter archaischer Angst mehrmals die Woche. Was hätte ich damals für ein Unsichtbarkeitscape gegeben.

Schon allein deswegen, geht mir weg mit Karneval. Es ist nicht die Art von Spaß, den ich verstehe.