die maske

(Nein, nicht der Film mit Cher)

Als ich klein war, gab es im Haushalt eine alte Till Eulenspiegel-Karnevalsmaske, vor der ich panische Angst hatte. Eine lange geschwungene Nase, joviale rote Wangen, ein spöttisch grinsender Mund und manisch heitere hervortretende Glubschaugen.
Die Maske wohnte in einem Schrank unterm Dach, und schon der Gedanke daran konnte mir schlaflose Nächte und Alpträume bescheren: das Böse lebte unterm Dach, sozusagen lebendig begraben. Sich einfach mal die Treppe zum Dachboden hochtrauen und das Ding einfach wegzuwerfen, das hätte ich mich nie getraut.

Das Problem war außerdem, daß in einem Nachbarort ein Mann wohnte, der der Maske unglaublich ähnlich sah, er war sehr groß und dünn, etwas verwachsen und seine Gesichtszüge schienen denen der Eulenspiegelmaske nachgeschnitzt. Der Mann war geistig behindert, hatte einen wilden Blick und mußte, wohl auf dem Weg zu seiner Behindertenwerkstatt, denselben Bus nehmen, den ich als Schulbus nutzen mußte.
Qualvolle halbe Stunden voller nackter archaischer Angst mehrmals die Woche. Was hätte ich damals für ein Unsichtbarkeitscape gegeben.

Schon allein deswegen, geht mir weg mit Karneval. Es ist nicht die Art von Spaß, den ich verstehe.

15 thoughts on “die maske

  1. kittykoma

    marionetten, masken oder einfach die kasperlhandpuppe (oder der teufel!!!) ist für kinder genauso gruselig wie der clown aus der englischen tradition.
    die sind alle noch so nah am archaisch kultischen und schamaischen dran und das war definitiv kein kinderkram und nicht zum lachen.

  2. luckystrike

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    gottseidank ist das ja in einer Studie bewiesen, daß Kinder Clowns nicht mögen und sogar Angst davor haben, wußte ich schon lange.

  3. pheerce (Gast)

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    ich hatte immer angst vor entführungen als kind, seit ich eines abend nicht schlafen konnte, aufgestanden und ins wohnzimmer gelaufen bin und die entführung der kronzucker kinder in der tagesschau sah. ab da rannte ich im dunklen immer nach hause.

  4. Antiteilchen (Gast)

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    Ich fand das Gelb der Plakate mit den Fahndungsfotos das bei uns auf der Post hing, immer total hässlich und wunderte mich warum die so fiese Fotos von den Leuten genommen haben. Haare nicht gemacht, unrasiert etc…Meine Güte ich war sieben!

  5. arboretum

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    Bei mir hat Friederike Krabbe einen bleibenden Eindruck hinterlassen, zum einen wegen des Namens, zum anderen wegen des fiesen Fotos mit freigelegtem Ohr. Seither frage ich mich, was aus ihr wohl geworden ist. Sie gilt laut Wikipedia als “Altverschwundene” der RAF und soll noch bis kurz vor dem Eimarsch der amerikanischen Truppen in Bagdad gewohnt haben.

    Klar sah von denen auf dem Plakat noch am besten aus, daran erinnere ich mich auch noch.

  6. Polaris (Gast)

    Ich hatte eine “Kasperle” Handpuppe in einer Kiste unten im Kleiderschrank.
    Diese Figur jagte mir einen solchen Schrecken ein, dass ich den Schrank nur mit grosser Angst und entsprechendem Herzklopfen öffnen konnte. Wenn eben möglich, vermied ich dies.
    Ich erinnere noch heute den Gummigeruch des Kopfes. Schon merkwürdig, wie sich bestimmte Eindrücke ins Kinderhirn graben.
    Husch, husch! Weg mit Euch!!

  7. luckystrike

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    siehste, das ist unser Altersunterschied, ich dachte immer, die bösen Terroristen von den Plakaten an der Telefonzelle kommen mich holen.

  8. luckystrike

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    ich fand die terroristen immer unglaublich fazinierend, was bei mir aber mehr darin bestand, wie sich jemand so komplett aus seinem bürgerlichen leben schießen kann – hätte ich auch gerne, aber ich war ja erst 11.
    Sie haben sich sicherlich eher stilmäßig inspirieren lassen…!?

  9. luckystrike

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    krabbe hab ich gar nicht auf dem schirm, aber ich fand inge viett immer faszinierend (sah immer komisch aus und nicht “wie eine terroristin”) und brigitte mohnhaupt.

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