Wie-de-wie-de-wie-sie-mir-gefällt

Vielleicht wäre ja alles anders gelaufen, wenn man mich in einen Kindergarten geschickt hätte.
So aber bin ich weitgehend unsozialisiert als seltsames eigenbrötlerisches Kind aufgewachsen und eher skurril erzogen worden, wenn überhaupt.

Mein größter Horror war es immer, und ist es auch jetzt oft noch, mich in einer oder gegen eine Gemeinschaft behaupten zu müssen. Ich beherrsche die gängigen Mittel einfach nicht wirklich gut.

In der Schule mutierte ich deswegen zum Klassenclown und Monstre Sacré, der sich das aber auch leisten konnte, denn als einer der Besten des Jahrgangs wurde man nicht einfach so von der Schule gefeuert.

In meiner Pubertät konnte ich oft nicht schlafen aus panischer Angst vor dem Wehrdienst – da würde ich dann mal richtig grade gezogen, prophezeite meine Familie. Dann war ich im ersten Jahrgang, für den das Verweigerungsrecht massiv vereinfacht wurde – umsonst die ganzen Vorwärtssorgen, gottseidank!

Beruflich komplett ohne Pläne, stolperte ich zufällig in meinen jetzigen Beruf und baute, ohne es eigentlich vor zu haben oder wirklich zu begreifen, aber mit beträchtlichem Aufwand und großen persönlichen Unkosten eine recht erfolgreiche Firma auf – mit allen Mitteln, nur nicht den gängigen.
Immer aus einer Position der Schwäche heraus agierend, umsichtig, integrativ, gewitzt, vorsichtig und oft naiv, aber niemals überlegen, aggressiv, machtmissbrauchend.

“Schwäche” als wahre Stärke, der lange Weg außenrum als der direktere und dauerhaftere.
In meiner Branche wundert man sich über unseren Erfolg, keiner kann nachvollziehen, wie er zustande kommt, und grade dieser Status ist ein perfekter Schutz vor den Ich-Kauf-Dich-oder Zerstör-Dich-Strategien der großen Konzerne.

Und das alles nicht, weil ich so mutig oder originell wäre oder so einzigartig und individualistisch oder genial, sondern ganz einfach, weil ich es nicht anders kann – ich kann und will nicht morgens im Büro sein, boykottiere die Stammtische der Entscheidungsträger, Erfolg ist mir meist eher ein wenig peinlich und als schwuler Unternehmer mag und kann ich auch nicht an den Dicke-Hosen-Ritualen der meist heterosexuellen Partner oder Konkurrenten teilhaben.

I guess that’s just My Way.

Puh!

Ein Ziel der langen langen Therapie war es ja auch schließlich, dahin zu kommen, mich besser um mich zu kümmern und endlich mehr Verantwortung für mich zu übernehmen.

Das schließt nun mal auch das Materielle, die berufliche Weiterentwicklung und die Absicherung mit ein.

Aber warum nur, warum nur, sieht es so aus, daß ich nächstes Jahr gleich zwei Firmen mehr am Arsch habe? Zwar mit der besten Freundin und zugleich bestmöglichen Partnerin, aber trotzdem…

Hätte ich nicht einfach einen Zahnarzttermin machen können wie andere Leute auch?

Hausbesuch

Wenn der Typ, der grade an meiner Wohnungstür stand, um einen angeblichen “Wasserschaden” zu begutachten, von dem ich nichts wußte, nicht so verschwielte Pranken gehabt hätte, hätte ich glatt gedacht, das sei ein neuer schwuler Datingtrick:

Einfach irgendwo bei Homos klingeln, “Problem” melden, sich so Zutritt verschaffen, und dann das “Problem” zünftig angehen.
Das fänd ich gut, da wär ich mit bei.
Handwerk, goldener HBoden, und so. Wie der Schreiner kann’s keiner. Dem Installateur ist nichts zu schwör.

Der Bursche war unglaublich attraktiv, Anfang 30, gut gebaut, gebräunt, gegelt und gecremt, und hatte – halten Sie sich fest – !gezupfte Augenbrauen! Beckham als Dachdecker. Ich sage nie wieder was gegen Metrosexualität…

Den Wasserschaden gab’s dann übrigens wirklich, im Spielzimmer des LMB, und ich hätte ihm zu gerne die Handhabung der ein oder anderen Gerätschaft gezeigt. Oder ein wenig mit ihm geschaukelt, im Sling. Erstaunlich zutraulich war er ja.

Stattdessen war ich mit ihm aufs Dach, das war dann eben romantischer, Blick über die Stadt und so, Sie wissen schon.

Gut, daß ich vormittags meist noch zuhause bin, da kann ich immer die Handwerker abgreifen.

Nasser Arsch bei 1°

Kein Schaden so groß
wie der, den man sich selber antut
(Meine Mutter)

Als ich mein Auto aufschließe, entdecke ich eine Riesenpfütze auf dem Fahrersitz, der komplett voll Wasser gesaugt ist.
Vandalismus? Eingeschlagenes Fenster? Spätabendliche Heimweginkontinenz?
Weitgefehlt – ich habe offensichtlich über Nacht das Fenster 5 mm aufgelassen.

Trotz untergelegter Plastiktüte habe ich jetzt einen nassen und kalten Arsch.
Ach, hätte ich welche von diesen praktischen Styroporplatten, mit denen man sich auf dem Sofa meines Opas isolieren konnte, der ja immer nur auf 5° hochheizte…
Ich setz mich jetzt erst mal auf die Heizung.

Allerdings ohne Restalkohol und ohne Nelke im Mund – mir ist jetzt nicht nach Glühwein.

Krokusgelber Freupuschel

Na – November/Dezember!? Saftlos? Kraftlos? Farblos? Mutlos? Grau in Grau?
Wir wissen nicht, was Ihr Arzt, Apotheker, Dealer oder Heilpraktiker empfiehlt, wir empfehlen Ihnen dies, kräftiger Beat direkt aus meiner Straße! Ganz laut hören!

Hier ist die Luft verbraucht
das Atmen fällt mir schwer
Byebye ich muß hier raus
die Wände kommen näher
die Welt mit Staub bedeckt
doch ich will sehn, wo’s hingeht
steig auf den Berg aus Dreck
weil oben frischer Wind weht

Jaja, mal was anderes als greinende alte Frauen, aber extreme Umstände bedingen andere Mittel! Probieren Sie’s mal!
Ein Bonustrack der CD von Peter Fox heißt sympathischerweise “Schüttel deinen Speck” – entschuldigen Sie mich derweil, das geh ich jetzt mal befolgen.

GLAM in CATCH 22

Lieber Herr Strike, herzlichen Dank, dass Sie mir diesen Gastbeitrag ermöglichen. Und danke, dass man sich auf Ihre Notfall-Rückholfädchenanrufe verlassen kann! Dafür gibt´s demnächst ne glämme Lasagne!
Ihrer immer,

Glam

Das Gute an Dates ist ja, dass man sich jede Rückzugsmöglichkeit offenhalten kann. Wenn der Kerl nicht so ist, wie man sich das wünscht täuscht man einen Asthmaanfall vor und lässt sich von ihm in die Notaufnahme fahren, hustet ein „Tschüss, Danke“ und stellt sein Romeoprofil-Tag von „Beschäftigt“ wieder um auf „Date“. Selbst schuld, wenn man sich ein Date nach Hause über´s Wochenende einlädt. Noch blöder, wenn das Date den Blog kennt. Ätsch, Deshalb dank an Herrn Strike für die Beherbergung.

Es war tatsächlich so, dass ich an Tag 2 das Not-As aus dem Ärmel zog: „Du, ich muss unbedingt die Wohnung putzen, ganz gründlich und mit schwerem chemischen Geschütz, das kann ich Dir nicht zumuten, geh doch bitte auf den Spielplatz spazieren die nächsten Stunden. Mein Ego brauchte einfach Raum. Die ganze Zeit hatte er nur von sich erzählt, seinem nervigen Job, dem bösen Leben, der Ungerechtigkeit der Welt. Ich habe Herzrasen bekommen. Herzrasen. Das schafft sonst eigentlich nur mein Onkel Schorse, der Taxifahrer. Ich bin ja nicht interviewgeil, aber nicht einmal gab es eine Frage an mich. Stattdessen nur welterfahrene, kluge Statements, durchdachte Ansichten, allgemeingültige Maximen – ich habe lange niemanden mehr getroffen, der so selbstüberzeugt war. Jemanden, der einfach immer Recht hat. Der seine Sprüche aus Sprüchebüchern auswendig lernt. Sprich – jemand so erwachsenen.
Und trotzdem habe ich ihm noch ein warmes Abendessen serviert und dann die Wohnung verlassen, heimlich, und bin zur Nachbarin, da war eine Party und die Gäste waren charming, der Wein rot, und es war ein wahrer Jungbrunnen.

Auf dem Weg zum Flughafen habe ich dann anschaulich gemacht, was unser Kommunikationsproblem ist. Durch Schweigen. Nur der Tatsache, dass er auch selbst den Mund hielt kann er es verdanken, dass er auch am Flughafen angekommen ist. Ein blöder Spruch noch und ich hätte ihn am Straßenrand ausgesetzt.

So. Jetzt bin ich wieder zu haben. Anfragen bitte ab 30.

Kaiser’s Frodo

Und da ist noch dieser süße kleine junge Abendkassierer bei Kaisers, dessen schwerer tieftrauriger braunäugiger Blick bei seinem “Schönen Abend noch” mir durch die Augen ganz direkt tief ins Herz geht, so wie Frodos, als er von seiner Aufgabe erfährt.

Leider meinte er neulich, ich einen (für mich) ganz normalen Wochentagseinkauf auf dem Laufband, bemerken zu müssen: “Oh, das wird bestimmt eine tolle Party!”
Ich hatte allerdings nur so das Dringendste für mich eingekauft…

Grmph, nächstes Mal stelle ich mich an einer anderen Schlange an.

Röhrchenmänner

Irgendwo in der Kanalisation Brandenburgs, möglicherweise Pritzwalk, muß es sein, wo sie gezüchtet werden: die Gattung der Heizungsableser.
Kleine vornüber gebeugte Männlein mit fliehender Stirn, flüchtigem Blick, und huschendem Gang.
Man weiß nicht, ob sie so geschult wurden, um die mit großer Wahrscheinlichkeit extrem belastenden Anblicke der verschiedensten Wohnungen ertragen zu können, die sie unerschrocken durchqueren müssen, um die “Röhrchen” auszutauschen, oder ob es Spätfolgen eben jener Wohnungsgestaltungen sind.

Mir jedenfalls macht es immer einen Heidenspaß, die Kollegen in das mit schwarzer Teichfolie ausgekleidete Spielzimmer meines Mitbewohners zu schicken – die aufgerissenen Augen und der stetige Blick nach hinten sind unbezahlbar, gnihihi.

Belastungstest

So, morgen ist es so weit:
Nach anderthalb Jahren Therapie der erste Termin mit dem Wahnsinnigen, dessen Projekt mir damals den Rest gegeben hat. Immerhin habe ich es durchsetzen können, daß es in den letzten 14 Monaten keine solche Termine gab. Dieser ist nun wirklich unausweichlich.
Die Lage im Vorfeld ist, würde ich sagen – unentschieden. Angstattacken und Magenzwicken lösen sich mit den erlernten beruhigenden und stärkenden Verhaltensmechanismen ab.
Irgendwo zwischen bodenlosem Fall und guten Klettergriffen.
Wir werden sehen. Aber mal muß es ja auch ausgestanden werden.